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Zur Einweihung des Bergischen Löwen kamen 27.000

Bergischer Löwe leidet unter Pflanzen und Moosen“, titelte er Waterbölles am 12. November 2018. Das löste mancherlei Reaktionen aus. Die einen forderten den Abriss des Kolosses wegen seiner Nazi-Vergangenheit (dazu hat der Waterbölles heute einen schon etwas älteren Beitrag über die Einweihung am 1. Mai 1939 nach vorne geholt), während andere vorschlugen, diese Vergangenheit am Sockel des steinernen Löwen durch eine Tafel deutlich zu machen. Die Verwaltung hat ein Sanierungskonzept für Januar angekündigt. Inzwischen ist von Kosten in Höhe von 90.000 Euro die Rede.

Den Plan zum Bau eines monumentalen Denkmals auf dem Remscheider Rathausplatz, der damals nach dem Diktator (Adolf Hitler) benannt war, hatte der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Walther Hartmann am 28. Juni 1937 verkündet. Am 1. Mai 1939 fand die feierliche Enthüllung statt. Geschickt hatte man den »Tag der Arbeit« gewählt, damit keine Schicht ausfallen musste. So fanden sich am Vormittag 27.000 Menschen auf dem weiten Platz ein, um Zeugen des Geschehens zu werden. Die Nationalsozialisten entfalteten das nun schon vertraute Zeremoniell mit Marschmusik und Fahnenweihe.

Sechs Banner der Deutschen Arbeitsfront erhielten den braunen Segen, die Kapelle der Bergischen Stahlindustrie spielte »Volk ans Gewehr«, eine in diesen Monaten besonders zielgerichtete Melodie, und Kreisleiter Brinkschulte übergab das Denkmal an die Stadt Remscheid.

Auf seinem Sockel standen die Worte »Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit 1.5.1939«. Beifall rauscht auf, Oberbürgermeister Kraft lässt verlauten, der Löwe sei als »Mahnmal und Aufforderung zur Einigkeit errichtet worden«. Dann gibt es noch einmal Musik. Das Volk trollt sich. Auf Bökers Wiese ist Kirmes, und auch das ist an einem solchen Tag eine Attraktion. Am Abend illuminiert das Feuerwerk »Rathaus in Flammen« die Szene. Der Schöpfer des Denkmals, Professor Jakob Wilhelm Meller aus Rodenkirchen, ist zufrieden seines Weges gezogen, die Remscheider haben ihren Löwen zu lieben begonnen. Der hat den Krieg auch überstanden, allerdings die Inschrift am Sockel ver­loren.  (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.) (Neuauflage im Waterbölles, dort erstmals veröffentlicht am 25. April 2012)

Trackbacks

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bergischesalbum.de am : Erinnerungskultur: Der Bergische Löwe und die Löwenparade

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Foto: Michael Mahlke “Nach dem Rücktritt von Hartmann, der seit 1914 erst Bürgermeister, nach der Vergrößerung der Stadt im Jahr 1929 bis 1937 Oberbürgermeister war, konnte sein Nachfolger Ludwig Kraft am 1. Mai 1939 das Löwendenkmal bei einer in…

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Kommentare

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Chronist am :

Bekanntheit erlangte der Bildhauer Willy Meller durch seine Plastiken zurzeit des Nationalsozialismus, unter anderem für das Olympiastadion Berlin, die NS-Ordensburg Vogelsang und die NS-Ordensburg Krössinsee. Schon 1933 ernannten ihn die Nazis zum beauftragten Architekten der Reichsleitung für die Errichtung der Schulungsbauten der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront. Seit Ende 1937 war Meller NSDAP-Mitglied, und 1939 ernannte ihn Adolf Hitler zum Professor. In den 1950er und sogar noch in den 1960er Jahren schuf er erneut Plastiken, deren Ausdrucksweise sich von seinen früheren Arbeiten nicht unterschieden. In den 1960er Jahren erhielt Meller in Oberhausen den Auftrag für ein Mahnmal zur Erinnerung an die Frauen und Männer des Widerstandes gegen die Nazidiktatur, deren künstlerischer Propagandist er viele Jahre gewesen war. Mellers Werke aus der Nazizeit erfreuen sich heute in rechtsradikalen und faschistischen Zirkeln nach wie vor großer Beliebtheit. (nach Wikipedia)

Jürgen Koball am :

Der Bergische Löwe als Mahnmal, glaube mit Blick Richtung Frankreich. So hätte man bei der Löwenparade einen original Bergischen Löwen kreieren sollen. Mit Doppelschwanz.

Jürgen Koball am :

In diesem Zusammenhang fällt mir noch Arno Breker ein, Steinmetz und Bildhauer. War im Dritten Reich eine führende Persönlichkeit, seines Faches. Und auch nach dem Krieg eine sehr gefragte, schöpferische Persönlichkeit.

Gerda Spaan am :

Sollte es tatsächlich so sein, dass die Remscheider den Rathauslöwen als ihren Löwen liebgewonnen haben - die erfolgreiche Beteiligung an der Löwenparade spricht ja dafür - müssen wir uns doch die Frage stellen, ob wir "diesen Löwen" so einfach unreflektiert adoptieren wollen. Er ist nun mal, so wie er da steht, ein Nazidenkmal. Ich glaube nicht, dass wir das einfach so zudecken sollten. Wir sollten damit lebendig umgehen und ihn herunterholen in das Jetzt, mit dem entsprechenden Kommentar. Alles besser, als so tun, als wäre nichts. Wir können aus ihm keinen ehrbaren zweischwänzigen bergischen Löwen mehr machen. Wir können aber zu seiner Vergangenheit stehen und diese ganz einfach anschaulich erklären. Und wir können diese Historie zum Allgemeinwissen der Remscheider machen, die in der Lage sind, damit geschichtsbewusst umzugehen und zu leben.

Christel vom Hoff am :

Ja, muß denn hier alles kleingeredet werden? Mit der Vergangenheit müssen wir leben. Jetzt stellt man hier mal etwas auf die Beine, und deshalb sollen wir es doch einfach (ohne Bohrmaschine in Vergangenheit) genießen.

Detlef Diehl am :

Für mich ist der "Bergische Löwe" auf dem Theodor Heuss Platz das Denkmal in Remscheid, ohne dass mir die nationalsozialistischen Ursprünge bewusst waren. Unsere Vergangenheit lässt sich nun mal nicht verleugnen. Vielleicht ist die derzeitige Diskussion als Besinnung auf die Folgen von "Großmannssucht" ja ganz gut. Sie sollte uns aber die Freude über das "Löwenfest" nicht verleiden, denn die vielen bunten Ideen und die Kreativen Gestaltungen zeugen von einem Pluralismus, der mit dem Nationalismus gar nichts zu tun hat. Ich freue mich auf das Fest und die Präsentation!

Hans Gerd Göbert am :

Können wir das Tier nicht zunächst einmal auf das reduzieren, was es ist, nämlich ein Löwe? Ob nun mit zwei Schwänzen, fünf Beinen, gespaltener Zunge oder drei Ohren ist dabei nicht so sehr von Bedeutung. Unter welchen ideologischen Aspekten er seinerzeit gebaut wurde, ist doch in seiner heutigen Neutralität nicht mehr so von Belang. Oder wollen wir im Sommerloch auch wieder die Debatten über Ernst-Moritz-Arndt, die Hindenburgstraße oder den Hans-Betram-Weg entfachen? Letzterer hatte doch auch schöne Drehbücher im Auftrag eines Herrn Göring geschrieben. Mir gefällt an unserem Leo nicht, dass er besonders grimmig dreinschaut. So grimmig, dass sich die Kinder im Alleecenter vor ihm erschrecken. Dabei drängt sich eine ganz andere Frage auf: Ist das "Denkmal" wirklich ein Denkmal im Sinne der Denkmalsatzung? Eine entsprechende Tafel trägt der Löwensockel nämlich nicht. Dafür weist dieses "Denkmal" aber ein wunderbares Alleinstellungsmerkmal auf. Es ist das einzige "Denkmal" weit und breit mit einem Basketballkorb am Sockel. Auf der Rückseite befindet sich noch ein netter Spruch, den ich hier nicht wiedergeben möchte, weil vielleicht auch Kinder den Waterbölles lesen. So betrachtet ist unser Bergischer Löwe sogar ein echter Mehrzwecklöwe. Aber ein Denkmal?

Jürgen Koball am :

Der Löwe, sollte in die Wüste geschickt werden. Stattdessen die Stadtwappen von Lennep, Lüttringhausen und Remscheid. Einhergehend mit einer Verkürzung des Sockels.

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