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Walter Frey lenkte die Geschicke der Stadt zwölf Jahre lang

Der Schornstein raucht zwar wieder, aber was sich sonst dem Auge bietet, ist nicht eben hoffnungsvoll. Remscheid, Blumenstraße, im Jahre 1951Das Jahr 1948 nimmt für Remscheid (auch nach der Währungsreform) weiter  einen turbulenten Verlauf. Am 29. Juni gegen 11.30 Uhr stürzt sich Oberbürgermeister Dr. August Scholz, vermutlich in einem Augenblick geistiger Umnachtung, vom Dach des Rathauses in den Innenhof. Er ist sofort tot. Scholz war 64 Jahre alt, seit über 40 Jahren in Remscheid ansässig und von Beruf Zahnarzt. Vor 1945 trat Scholz politisch nicht hervor, fand aber nach dem Krieg zur CDU und errang bei seiner Wiederwahl 1948 einstimmig das Vertrauen der Stadtverord­neten.

Bei der Trauerfeier spricht Bürgermeister Richard Gierk (FDP) zu Ehren des Toten, ebenso Major Porday, der britische Stadtresident, der dem bescheidenen Mann euro­päische Gesinnung bescheinigt. Viele Remscheider geleiten August Scholz, dessen Sarg von Brandmeistern der Städti­schen Feuerwehr flankiert wird, zur letzten Ruhe auf dem Stadtfriedhof, wo das Musikkorps des Deutschen Roten Kreuzes am offenen Grabe spielt.

Geschäftshinweise gibt es schon wieder. So macht sich hier, an der Freiheitstraße, eine Autosattlerei bemerkbar. Auch fegt der Bürger wieder seinen Gehsteig. Aber die Welt des Jahres 1951, sie ist nicht schön, sie ist eher noch grau. Und doch hat hinter diesen Fassaden die Zukunft Remscheids schon begon¬nen.Am 30. August wählen die Stadtvertreter Richard Gierk zum neuen Oberbürgermeister, den Stadtverordneten Ernst Schlösser (CDU) zum Bürgermeister. Diese Wahlen finden im Vorfeld eines anderen kommunal­politischen Ereignisses statt, der Gemeindewahl 1948 vom 17. Oktober. Dabei verliert die CDU, da nach dem Verhält­nissystem gewählt wird, die beherrschende Position. Stärk­ste Partei wird die SPD mit 12.710 Stimmen und acht Sitzen, gefolgt von der KPD mit 10.856 Stimmen und sieben Sitzen, der FDP mit 10.325 Stimmen und ebenfalls sieben Sitzen sowie der CDU mit 10.267 Stimmen und sechs Sitzen. Außerdem ist noch die namentlich in Lüttringhausen starke Radikalsoziale Freiheitspartei (RSF) mit zwei Sitzen im Rat vertreten. DRP und DKP, zwei extremistische Gruppierungen, gehen ebenso leer aus wie das traditionsreiche Zentrum. Noch ehe der neue Stadtrat personelle Konsequenzen aus der Lage ziehen konnte, erlag Oberbürgermeister Richard Gierk am 19. Oktober 1948 einem Herzschlag. Er war in Parchim geboren, aber seit 1907 in Lennep ansässig, wo er zunächst in der Finanzverwaltung, später in der Privatwirt­schaft tätig war.

Walter Frey, SPD, von 1949 bis 1961 Oberbürgermeister der Stadt RemscheidErnst Schlösser wurde kommissarischer Oberbürgermeister, leitete auch die Stadtratsitzung vom 15. November 1948, jene Sitzung, die mit der Wahl Walter Freys (SPD) zum Oberbürgermeister endete. Mit ihm kam zum ersten Mal nach dem Kriege wünschenswerte Kontinuität in die Rem­scheider Kommunalpolitik. Frey wird mehr als zwölf Jahre lang die Geschicke Remscheids lenken, einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung der Kriegsfolgen leisten. Kaum sechs Wochen nach seiner Wahl veröffentlicht er mit dem Oberstadtdirektor Mebus einen Weihnachtsaufruf, der zum ersten Mal nicht nur Schwarz­malerei enthält: »Der unheilvolle Krieg hat die ganze Welt in Unordnung gebracht, und die Geister, die er rief, werden wir so schnell nicht wieder los. So müssen wir ausharren und zusehen, wie wir mit den nicht zu ändernden Tatsachen fertig werden. Das Leben ist Kampf. Wirtschaftlich gesehen dürfen wir aber wohl auf allen Gebieten eine leichte Besserung und Aufwärtsentwicklung verbuchen, und dank dieser Entwick­lung konnte das Gespenst der Arbeitslosigkeit gebannt werden.

Der Landwirtschaft war eine gute Ernte beschieden, die bei dem Ablieferungswillen der Erzeuger und Hand in Hand mit einer gesteigerten Einfuhr eine recht spürbare Verbesse­rung unserer Ernährungslage möglich machen sollte. Hier muss mit allem Nachdruck an das moralische Gewissen der Landwirte appelliert werden, nicht minder aber an die asozialen Preistreiber in Handel, Gewerbe und Industrie, die durch eine unersättliche Raffgier und Profitsucht ihr eigenes Volk skrupellos bis zum Weißbluten auspressen. Noch immer feiern der schwarze Markt und Schiebertum ihre Orgien und Triumphe. Demgegenüber hat die keineswegs sozial durchgeführte Währungsreform einen großen Teil der Besten unseres Volkes an den Bettelstab gebracht und ihn im Falle der Arbeitsunfähigkeit der öffentlichen Wohlfahrt überantwortet. Sie verdienen daher keine weitere Ausbeu­tung, sondern die allergrößte Schonung und Unterstützung. So mangelt es auch an dieser Jahreswende noch an allen Ecken und Enden, und wir sehen uns vor Aufgaben gestellt, die bald gemeistert werden müssen, soll es mit unserem Volke nicht weiter abwärts gehen. Doch in den letzten Jahren war unsere Devise »Remscheid hilft sich selbst«. Aus diesem Hilfswerk konnte manches Leid und Weh gestillt werden. Wir haben es daher auch in diesem Jahr wieder auf unseren Schild erhoben und zu ihm das Vertrauen, dass es uns auch in Zukunft nicht im Stich läßt.«

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