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Als die Wahlbeteiligung noch bei mehr als 80 Prozent lag

Das Remscheider Rathaus nach Kriegsende, zum Teil schon wieder unter Dach.Das Jahr 1949 war ein optimisti­sches Jahr. Zum ersten Mal überkam die Menschen eine Ahnung von bevorstehenden besseren Zeiten. Die Lethargie brach wie ein mürbe gewordener Panzer, fiel ab, lag in Trümmern hinter den Genossen dieses Zeitaugenblicks. Die Remscheider Kirmes lockte wie eh und je die Massen an. Die Besucher mussten sich nicht mit Karussellfahren begnügen, nein, sie konnten auch leiblichen Genüssen frönen. Eis und Fischbrötchen, türkischer Honig und Würstchen, Bier und Schnaps, alles war da. »Wie im Frieden«, sagte mancher, ohne dass er sich dabei klarmachte, wie deutlich er mit dieser Wendung die Abnormität der politischen Zustände beschwor. Das »Wie im Frieden« hat bis heute Gültigkeit behalten, denn zu einem Friedensver­trag zwischen den ehemals kriegführenden Parteien ist es nie gekommen. Die weltpolitische Entwicklung hatte zu schnell andere Akzente gesetzt.

Oberbürgermeister Walter Frey beim Richtfest für den Wiederaufbau des Rathauses.Kurz nach der Remscheider Kirmes lockte eine weitere Großveranstaltung Zuschauermassen an: das Reit- und Fahrturnier in Lennep, bei dem Otto Loerke und sein Schüler Willy Schultheiß zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Olympia-Dressur ritten. Auf der Aschenbahn des Stadions zeigten Mannequins die Mode der damaligen Zeit, Folgeerscheinungen des 1947 in Amerika kreierten New Look, der erstmals wieder weiblichen Körperformen Rech­nung trug. 20.000 Besucher auch hier.

Am 14. August 1949 wählen die Bewohner der Bundesrepublik ihren ersten Bundestag. Remscheid bringt es auf eine Wahlbeteiligung von 80,2 Prozent. Stärkste Partei wird, wie schon bei den Kommunalwahlen, die SPD mit 13.346 Stimmen. Die FDP folgt mit 12.841 Stimmen dichtauf, liegt sogar noch vor der CDU, die 11.552 Stimmen schafft. Die KPD ist in Remscheid immer noch eine beachtenswerte Kraft: 11417 Stimmen. Und die Radikal-Soziale Freiheits­partei (RSF), die nur in Lüttringhausen eine Hochburg hat und im kommunalpolitischen Raum auch eine Rolle spielt, heimst 5.231 Stimmen ein. Bundesweit hat dies natürlich keine Auswirkungen. (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)

Das Jahr 1949 bringt noch einige Ereignisse, die auf weitere Normalisierung der Verhältnisse hindeuten. So darf nach vierjährigem erzwungenem Schweigen am 30. Oktober der »Remscheider General-Anzeiger«, der von vielen sehnlichst erwartete »Tü-Pitter«, wieder erscheinen. Wochen vorher hat das Blatt die Werbetrommel gerührt, und so darf es sich am Tage seiner Wiederkehr mit dem Superlativ schmücken, die höchste Bezieherzahl in Groß-Remscheid und in allen angrenzenden bergischen Gebieten zu haben.

Auf etwas anderes müssen die Remscheider noch warten, auf den »Bergischen Sprachschatz« von Gustav Hermann Hal­bach. Das Erscheinen dieses Lebenswerkes, das im Jahre 1939 geplant wurde und dessen Manuskripte schon 1948 vorlagen, verzögerte sich immer wieder aus Papiermangel. Aber 1949 konnten immerhin Vorbestellungen abgegeben werden. Es dauerte aber noch bis zum April 1951, ehe der Dr. Oskar Born Verlag, Wuppertal-Barmen, diesen »Beitrag zur Geschichte Remscheids« vorlegte, auf schlechtem, schnell vergilbendem Papier. Das Buch ist bis heute eine Fundgrube für alle an Remscheider Mundart Interessierten geblieben. Halbach schickte seinem fast 900 Seiten starken Werk folgenden Spruch voran: »Hi'emetsproke, Remscheder Platt, hann en dorn Buoke ech tröülich bewatt. Lands­lütt, haulent et uoch reit en Huot: Es et doch hi'eleg Urahnenguot, op dat us Nohfahrn noa dusend Joahrn, kalln noch äs vir gekallt on geschwoarn.« (aus: „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts, erschienen im Droste Verlag, Düsseldorf, im Jahre 1978.)
(Waterbölles zu den Fotos: Schon vor der Währungsreform im Jahre 1948 waren 25 Dienstzimmer im Rathaus wieder nutzbar. Und gleich nach der Währungsreform bekam der westliche Teil des Südflügels ein neues Dach. 1949 wurde das Dach auf den übrigen Teilen des Rathauses fertig – bis auf dem stark zerbombten Mitteltrakt.)

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