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Von Glatteis, Hähnchenbrust und Doppelkopf

Auch aus einem Chaos kann noch Gutes erwachsen. Da hatte meine Frau gestern Nachmittag mehrere Stunden in der Küche mit Salat putzen, schnippeln, Kochen und Tischdecken verbracht, um am Abend zwei langjährige Freunde von uns gut bewirten zu können. Italienische Vorspeisen sollte es geben, Feldsalat und „Hähnchenbrust nach provencialischer Art“ mit Spätzle. Zwischendurch immer wieder ein Blick aus dem Küchenfenster: Es schneite. Aber der Wagen hat ja Winterreifen...

Kein Essen bei uns (oder bei unseren Freunden) ohne Wein. Deshalb besteht seit Jahren die Vereinbarung: Wer einlädt, holt ab; wer kommt, fährt mit dem Taxi zurück. Also machte ich mich um 19.15 Uhr brav auf zur Garage, um zum Goldenberg zu fahren. Unsere Nachbarn zur Rechten kamen gerade aus der Stadt nach Hause. „Lass bloß den Wagen stehen; auf den Straßen ist der Teufel los. Überall Glatteis!“ Watt nu? Auf dem Weg zurück ins Haus kommt mir unsere Nachbarin zur Linken entgegen. „ Lass bloß den Wagen stehen; auf der spiegelglatten Fichtenstraße haben die Autos gewendet, weil sie nicht hoch kamen.“

Anruf bei den Freunden. Erörterung der Situation. Übereinkunft: Keinen Blechschaden riskieren, sondern Taxi ordern!

Zehn Minuten später rufen unsere Freude zurück. Die Nummer der Taxi-Zentrale ist ständig besetzt, ebenso die von Mietwagenunternehmen. Die wollen wohl auch keinen Blechschaden riskieren. Und vor ihrer Haustüre sei es auch ziemlich glatt. Übereinkunft Nr. 2: Wir vertagen das Treffen wegen höherer Gewalt. Derweil ist es 19.40 Uhr und die „Lokalzeit für das Bergische Land“ beweist die Richtigkeit dieser Entscheidung durch einschlägige Bilder.

Watt nu? Der Tisch ist schön gedeckt, das Essen fertig, meine Frau enttäuscht. Die ganze Arbeit... Also klingele ich bei den Nachbarn zur Linken: „Habt Ihr schon gegessen?“ Sie sind gerade dabei. Aber wie wäre es, wenn wir nach dem Essen zum Doppelkopfspielen kämen? Gute Idee.

Eine dreiviertel Stunde später begann das Kartenspiel. Bis dahin hatten wir uns Vorspeisen und Salat schmecken lassen – und auch die Hähnchenbrust gegessen. Dafür bedurfte es gut trainierter Kaumuskeln. Denn das Fleisch war trocken, hatte wahrscheinlich zu lange gegart. Meine Frau: sauer und erleichtert zugleich; das Glatteis hatte sie gerettet. Schließlich hat meine Frau einen Ruf als begeisterte Köchin zu verteidigen.

Es war dann noch ein schöner Abend. Und nächsten Samstag holen wir die Einladung unserer beiden Freunde nach. Wenn das Wetter es zulässt. Was auf den Tisch kommt? Kann ich noch nicht sagen. Nur soviel: Hähnchenfleisch wird es nicht sein. Und das hat mit der Vogelgrippe rein gar nichts zu tun.

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