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Panzertalsperre: Ohne Zaun auf Dauer kein Naturschutz

Eckdaten der
Panzertalsperre

Einzugsgebiet: 1,5 Kilometer
Stauinhalt: 278.000 Kubikmeter
Staufläche: 0,054 Quadratkilometer
Kronenbreite der Mauer: 3,40 Meter
Kronenlänge der Mauer: 164 Meter
Kronenhöhe: 193,57 Meter ü. NN

„Sanierung der Staumauer voraussichtlich ab 2009“ steht auf einem Schild des Wupperverbandes ganz in der Nähe der abgesperrten Staumauer der Panzertalsperre in Lennep. Eine Ankündigung, die sich längst überholt hat. Inzwischen heißt es, mit den von der Bezirksregierung genehmigten und bezuschussten Arbeiten werde der Wupperverband im nächsten Jahr beginnen. Zeit genug also noch, um zwischen der Stadt Remscheid und dem Wupperverband zu klären, ob Deutschlands zweitälteste Talsperre (nach der Eschbachtalsperre) auch künftig komplett eingezäunt bleibt, oder, wie es sich der Wupperverband vorstellen könnte, nur in dem Teil des westlichen, sonnigen Ufers, auf dem es gilt, den seltenen Lungenenzian zu erhalten, der dort blüht, wächst und gedeiht. Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper: „Der Standort des Lungenenzians an der Panzertalsperre ist der einzige nördlich der Sieg!“

Die Pflanze – mit ihren langen tiefblauen, trichterförmigen Blüten auch eine optischer Zierde – liebt nährstoffarme und wechselfeuchte Wiesen (wie am westlichen Ufer der Panzertalsperre) und kann dort eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen – wenn man sie in Ruhe lässt. Sonnenhungrige Badegäste und Lagerfeuer an einem lauschigen Sommerabend an gleicher Stelle, das gehe gar nicht, meint Boomers und verweist die Ronsdorfer Talsperre. Sie biete nach der „durchaus sinnvollen Sanierung inzwischen ein trauriges Bild; viele trittempfindliche Pflanzenarten sind dort verschwunden!“ Weil sich Besucher der Talsperre keine Gedanken darüber machen, wo sie sich zu einem Picknick niederlassen.

An der Panzertalsperre verhinderte das bislang ein Maschendrahtzaun. Er trennt auf einer Länge von 3,5 Kilometern die Uferzone von den angrenzenden Wanderwegen ab. Doch an einigen Stellen wurden Löcher in den Zaun geschnitten. An anderen liegt das Drahtgeflecht mittlerweile gar völlig am Boden, und Zaunstäbe sind zur Seite gebogen. Nicht in jedem Fall sind dafür ungebetene Badegäste verantwortlich. Auch bei Baumfällaktionen, speziell beim Abtransport der gefällten Stämme mit schwerem Gerät, wurde der dicht am Wegrand verlaufende Zaun, der der Stadt Remscheid gehört, schon einige Male in Mitleidenschaft gezogen. Und ist der Weg erst einmal frei, lassen Trampelpfade nicht lange auf sich warten.

Aber auch dort, wo zwischen Wasserfläche und Zaun noch keine der rund 100 Jahre alten Fichten (mit mittlerweile schütterer Baumkrone) gefällt wurden, dürfte der Zaun auf Dauer nicht halten. Denn wie Oberforstrat Markus Wolff, der Leiter des Remscheider Forstamtes, und Revierförster Joachim Schaaf festgestellt haben, ist die Lebenszeit der Bäume durch Wurzelfäule und Borkenkäfer begrenzt. Entweder, sie werden gefällt – wofür der Zaun an mehreren Stellen beseitigt werden muss -, oder herabstürzende Äste bzw. ganze Bäume (man denke nur „Kyrill“, „“Cyntnia“ und „Emma“, die großen Stürme der vergangenen Jahre) machen den Zaun mit der Zeit ohne menschliches Zutun platt.

Im Oktober 2011 hatte die Bezirksregierung Düsseldorf als Obere Wasserbehörde die Genehmigung zur Sanierung der Panzertalsperre erteilt (siehe Zitate am Ende dieses Artikels). Dabei betonte die Behörde in ihrer Pressemitteilung, es müsse besonders darauf geachtet werden, „Störungen der nachhaltigen ökologischen Entwicklung des sensiblen Biotopbereichs zu vermeiden“.  Leichter gesagt als getan, wenn sich im Zaun rund um die Talsperre mehr und mehr Lücken und Löcher auftun, die „Naturfreunden“ den Zugang zur Uferzone ermöglichen.

Die Panzertalsperre, erbaut 1891 bis 1893 zur Trinkwasser­versorgung der Stadt Lennep, steht heute unter Denkmalschutz. Die Gewichtsstaumauer wurde von dem Ingenieur Albert Schmidt konzipiert. Schon bald reichte das Volumen der Talsperre für die Trinkwassergewinnung nicht mehr aus. Eine Vorsperre wurde gebaut und die Staumauer um 3,25 Meter erhöht sowie die Mauerkrone um zwei Meter verbreitert (Fertigstellung 1905). Dadurch wurde das Speichervolumen von 117.000 auf 278.000 Kubikmeter vergrößert.

Mit der Inbetriebnahme der Großen Dhünn-Taisperre im Jahre 1987 verlor die Talsperre ihre Bedeutung für die Trinkwasserversorgung, 1990 nahm EWR GmbH die Talsperre und das dazugehörige Wasserwerk außer Betrieb, Als daraufhin die Bezirksregierung die Absenkung der Talsperre und  ein Sanierungskonzept forderte, nahm die EWR GmbH Gespräche mit dem Wupperverband auf, dieser möge – als Betreiber von neun Talsperren im Wuppergebiet – die Panzer-Talsperre in seine wasserwirtschaft­lichen Aufgaben einbinden kann. Daraus wurde dann schließlich eine „Dreier-Lösung“: Der Wupperverband übernahm die Panzer-Talsperre zum 1. Januar 2007 in seinen Besitz und für die Eschbach- und die Neye-Talsperre anstelle der EWR GmbH die Betriebsführung. Seitdem dienen alle drei Talsperren  mit einem Stauraum von insgesamt rund 7,4 Millionen Kubikmetern dem Hochwasserschutz und der Auffüllung der Wupper bei Niedrigwasser. Durch diesen Synergieeffekt soll die wasserwirtschaftliche Situation im Einzugsgebiet der Wupper verbessert werden. „Mit der Übernahme der Panzer-Talsperre steht der Verband vor der Aufgabe, bei der Sanierung der Staumauer und Reaktivierung der Talsperre die verschiedensten Anforderungen so effizient wie möglich in Einklang zu bringen: wasserwirtschaftliche Anforderungen, ökologische Belange und Artenschutz, Freizeitnutzung und Denkmalschutz“, ist auf dem Schild neben der Staumauer zu lesen.

In ihrer Sanierungsgenehmigung von Oktober 2011 an den Wupperverband, die auch Dipl.-Ing. Frank Stiller, dem Leiter der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Remscheid vorliegt, bezieht sich die Bezirksregierung auf eine Stellungnahme des Naturschutzbunds Deutschland e.V. (NABU) und betont, dieser werde „in vollem Umfang gefolgt“. Konsequenz: Ohne Naturschutz mache eine Sanierung der Staumauer keinen Sinn. Und ohne einen (teilweise neuen) festen Zaun sei der Naturschutz nun einmal nicht zu gewährleisten. Und auch dann nur bei regelmäßigen Kontrollen und Reparaturen des Zaunes. Dafür aber hat Stadtförster Markus Wolff in seinem Etat kein Geld übrig. Und von Olaf Semrau vom Wupperverband war am Mittwochnachmittag an der Panzertalsperre zu hören, auch dieser befände sich „finanziell am Limit“. Wolf hatte zu dem Ortstermin auch Mitglieder der Bezirksvertretung Lennep, der Unteren Landschaftsbehörde sowie Mitglieder des städtischen Landschaftsbeirates eingeladen, an ihrer Spitze die Vorsitzende Gabriele Lipka, um ihnen das Spannungsfeld von Waldpflege (Baumfällungen), Naturschutz (Zaunerhalt) und Staumauersanierung zu beschreiben. Wolff würde gerne alle gefährdeten Bäume im direkten Umfeld des Zaunes Zug um Zug fällen lassen. Dann könne dort ein neuer Zaun errichtet werden, der durch herabfallende Äste nicht mehr beschädigt werden könnte. Und alle anderen alten Bäume, die näher zum Wasser stehen, könnten dann nach und nach gefällt werden – bei zeitweiliger kontrollierter Öffnung des Zaunes.

Fragt sich nur, wer den neuen Zaun bezahlen wird. Die EWR GmbH, Tochter der Stadtwerke, gewiss nicht, Sie hatte 2007 gegenüber dem Wupperverband die Talsperre mit einer siebenstelligen „Mitgift“ aufhübschen müssen, bevor der Eigentümerwechsel zustande kam.

Nachfolgend Zitate aus der Sanierungsgenehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf:



Panzertalsperre – Sanierung der Staumauer
Plangenehmigung nach § 68 Wasserhaushaltsgesetz

Das Bauvorhaben zur Sanierung der Staumauer der Panzertalsperre in Remscheid-Lennep wird aufgrund der von Ihnen vorgelegten Planunterlagen genehmigt.

Wegen der Lage der Baumaßnahme innerhalb des Naturschutzgebiets Panzertal, innerhalb eines gegenüber baulichen Veränderungen hochsensiblen Bereiches, sind der Bauablauf und alle damit zusammenhängenden Arbeiten insbesondere auch die vorgezogenen Artenschutzmaßnahmen speziell die Maßnahmen für Lungenenzian und Strandling, vor Beginn der Baumaßnahme vor Ort, mit der Bezirksregierung als Höhere Landschaftsbehörde einvernehmlich abzustimmen. Der Stadt Remscheid als Untere Landschaftsbehörde und der biologischen Station Mittlere Wupper ist Gelegenheit zur Teilnahme zu geben.

Vor Ablassen der Talsperre ist der Bezirksregierung Düsseldorf als Höhere Landschaftsbehörde schriftlich der Nachweis vorzulegen, dass während bzw. durch das Ablassen der Talsperre artenschutzrechtliche und tierschutzrechtliche Bestimmungen sowohl das Stillgewässer Talsperre, als auch das Fließgewässer Panzerbach betreffend, nicht verletzt werden. Neben der Sicherstellung geeigneter Wuchsbedingungen für Enzian und Strandling während der gesamten Baumaßnahme ist insbesondere für eine arten- und tierschutzrechtlich konforme Abwicklung des Ablassens, der Entnahme sowie von Transport und Verbleib der aquatischen Lebewesen Sorge zu tragen. Anzahl, Art und Verbleib der entnommenen Lebewesen sind in einem Entnahmeprotokoll zu dokumentieren.

Während der Bauphase ist die Bestandsentwicklung insbesondere der Arten Lungenenzian und Strandling im Rahmen eines Monitorings zu dokumentieren. Ausgestaltung und Ablauf des Monitorings sind vorab mit der Bezirksregierung als Höhere Landschaftsbehörde abzustimmen.

Der Antrag wurde der Stadt Remscheid sowie dem Landesbüro der Naturschutzverbände mit der Bitte um Stellungnahme übersandt. Den Anregungen der Stadt Remscheid sowie des NABU bzw. RBN wurde in Gänze gefolgt.

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Kommentare

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Christel vom Hoff am :

Drei bis vier Mal in der Woche bin ich an der schönen Panzertalsperre. Leider jst jedoch nur noch der asphaltierte Weg von Jakobsmühle bis Leverkusen zumutbar. Die andere Seite, Richtung Höhenweg, gleicht einem "TRUPPENÜBUNGSPLATZ". Das ist sehr schade. Muß man dort mit so riesigen Maschinen arbeiten? Aber wir haben dort auch schon die guten alten Rückepferde gesehen. Weiter ist noch anzumerken, daß es hierzulande keinen Naturschutz ohne Zäune gibt. Denn schauen Sie sich einmal die Kreuz- und Querpfade im gesamten Waldbereich an.

Stadt Remscheid am :

Das Umfeld der Panzertalsperre wird aufgewertet. In enger Abstimmung mit der Biologischen Station Mittlere Wupper und der Landschaftsbehörde der Stadt Remscheid hat der Forstbetrieb der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) eine weitere ökologische Aufwertungsmaßnahme im Bereich der Lenneper Panzertalsperre gestartet. Im südwestlichen Uferbereich wird ein Nadelholzreinbestand auf einer Fläche von rund 100 mal 20 Metern zurückgedrängt, um wärmeexponierten und nährstoffarmen Platz zu schaffen für das streng geschützte und seltene Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), das dort im Uferbereich wächst. Das Lungenenzianvorkommen an der Panzertalsperre ist eines der wenigen in NRW überhaupt erfassten Standorte. Außerdem wird die schon gestartete Isolation von Fichtenstarkhölzern im Innern des Zauns fortgesetzt. Das fördert die dort geplante weitere Entwicklung zum naturnahen Laub-/Nadelmischwald. Bei der Maßnahme kommt unter anderem ein sogenannter Harvester (Vollerntemaschine) zum Einsatz.

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