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Schon bald zog das Häuflein ewig Gestriger "bedröppelt" ab

Der am Theater gestartete Sternmarsch auf der Freiheitstraße am Amtsgericht. Foto: Lothar Kaiser

Der am Theater gestartete Sternmarsch der Gegendemonstranten auf der Freiheitstraße am Amtsgericht. Ein Klick auf das Foto, und Sie sehen es in voller Größe.

Die … angemeldeten Demonstrationen und Kundgebungen verliefen störungsfrei und friedlich. An der Demonstration von Pro NRW nahmen etwa 120 Personen teil. Dem stellte sich das breite bürgerliche Bündnis "Remscheid Tolerant" mit ca. 2.000 Teilnehmern entgegen. Noch mehrere Stunden wird die Stadt Remscheid das Fest der Nationen feiern.“ – Beinahe dürftig fiel die Pressemitteilung aus, die die Polizei Wuppertal gestern um 13:57 Uhr im Internet veröffentlichte. Die Überschrift dazu hätte „Viel Lärm um nichts“ lauten können – aus der Sicht der Polizei, versteht sich. Denn fünf, sechs Anhängern von Pro NRW, die an der Bismarckstraße am Morgen auf auswärtige Gesinnungsgenossen warteten, stand ein Großaufgebot an (Bereitschafts-)Polizei gegenüber. Es wimmelte geradezu in der gesamten Innenstadt an grünen und blauen Mannschafts- und Streifenwagen, die Kradfahrer nicht zu vergessen. Insgesamt sollen mehrere hundert Uniformierte im Einsatz gewesen sein.  

 Foto: Lothar Kaiser

Joby Joppen und ihr neuer Chef, Richard Ulrich, der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendzentrums 'Die Schlawiner' in Lüttringhausen. Foto: Lothar KaiserZu den Fotos: Das Publikum vor der Tribüne an der Weststraße (oben links);, der ev. Superintendent Hartmut Demski, Himmet Ertürk (Projektbeauftragtem der DITIB), Moderator Horst Kläuser und Dechant Thomas Kaster im Gespräch (oben rechts); die Stände der Remscheider Parteien vor dem Böker-Bau an der Westraße in seltener Einmütigkeit dicht beieinander (unten links); viele Fahnen und Transparente beim Sternmarsch auf der Alleestraße Richtung Amtsgericht /unten rechts).

Als die erwarteten auswärtigen Demonstranten (darunter rechtsradikale Belgier, wie es hieß) zwei Omnibussen entstiegen waren und ihre Transparente entrollt hatten, war die kleine Truppe schnell durchgezählt, als sie unter dem „Südsteg“ am Hauptbahnhof Richtung Weststraße marschierte. Es waren insgesamt nicht 120 Demonstranten, wie von der Polizei geschätzt, sondern gerade mal 95. Zum Vergleich: An den beiden Sternmärschen des Bündnisses „Remscheid tolerant“ nahmen rund 700 Bürgerinnen und Bürger teil. Und beim späteren  „Fest der Nationen“ schätzten die Veranstalter später die Zahl der Besucher von 2.500 bis 3.000. Für die Parolen, die Pro NRW per Lautsprecherwagen verbreitete, interessierten sie sich nicht. Wohl aber für die Musikgruppen auf der Bühne Ecke West- und Stachelhauser Straße, wo Horst Kläuser zwischendurch immer mal wieder Prominente interviewte, darunter Sandra Minnert. Die ehemalige Nationalspielerin der Deutschen Frauen Fußball Nationalmannschaft und Weltfußballlerin des Jahres 2005 ist Schirmherrin der Respekt-Initiative (www.respekt.tv). Die Initiative setzt sich über den Sportbereich hinaus für gegenseitigen Respekt und gegen Rassismus ein (kleines Foto unten).

Von Himmet Ertürk als Projektbeauftragtem der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) ließ sich Kläuser erläutern, wie die Moschee aussehen soll, die auf dem Grundstück Stachelhauser Straße 41 entstehen soll (der Bauantrag liegt inzwischen im Rathaus vor). Und der evangelische Superintendent Hartmut Demski und der katholische Stadtdechant Thomas Kaster nutzten die Gelegenheit gerne, um noch einmal – und in aller Deutlichkeit – zu betonen, dass sie den Bau des muslimischen Gebetshauses sehr begrüßen.

Zum unteren Fotoblock: Quirliges Leben auf der Weststraße (Foto oben) und Schmährufe gegen die Demonstranten von Pro NRW (Foto unten). Dazwischen die kleinen Fotos: Hammel am Spieß, Polizeifahrzeuge am Hauptbahnhof, Sandra Minnert im Interview und Polizeireiter in Wartestellung auf dem Baufeld 6 zwischen Weststraße und Bahnhof.

Am 22. Oktober hatte die Nachricht im Waterbölles gestanden: Die DITIB plant ein „Gebets- und Begegnungszentrum für drei Millionen Euro“. Es dauerte nicht lange, da begann Pro NRW damit, im Internet gegen das Projekt zu hetzen. Auf 100 Straßenplakaten polemisierte die Gruppe Rechtsgerichteter gegen den Moschau-Bau und kündigte „weitere aufsehenerregende Aktionen in Remscheid“ an. (Heiße Luft, wie man seit gestern weiß. Und das ist gut so.)

  Remscheids Antwort auf die Drohgebärden der Rechten war am 24. Januar die Gründung des Aktionsbündnisses „Remscheid Tolerant“. Aktionsbündnis macht mobil gegen ‚auswärtige Aktivisten’, titelte der Waterbölles am 31. Januar. Kommunalpolitiker, Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen, der Wohlfahrtsverbände, der Gewerkschaften, von Migrantenorganisationen und zahlreicher Vereinen sowie Einzelpersonen hatten die Gründungserklärung für das Bündnis erarbeitet, das Anhängern der rechten Gruppierung ProNRW bedeuten soll: Ihr seid in Remscheid nicht erwünscht! Am 7. Februar präsentierten sich die Akteure des neuen Bündnisses gegen Rechts im Großen Sitzungssaal der Rathauses der Presse. Dabei betonte Oberbürgermeisterin Beate Wilding, wer nach Remscheid kommen wolle, um das gute Miteinander der verschiedenen Kulturen zu unterminieren, dem solle bunt, fröhlich und friedlich, aber auch entschieden klar gemacht werden, er könne am besten gleich wieder kehrtmachen. Diese Stadt stehe seit Jahrhunderten für Weltoffenheit und Toleranz - „und das lassen wir uns nicht von außen kaputt machen!“ Die Botschaft: „Remscheid zeigt Rechtsextremen die kalte Schulter“.

Kalte Schulter? Schon während der beiden Sternmärsche zur Weststraße (vom Teo Otto Theater aus über Hoch-, Allee- und Freiheitstraße und - nach dem Gottesdienst, in dem gelbe Bänder mit der Aufschrift „Suchet der Stadt Bestes“ verteilt wurden - von der ev. Stadtkirche am Markt aus über die Stachelhauser Straße) waren Rufe „Nazis raus“ und Trillerpfeifen zu hören. Und emotionslos blieb es erst recht nicht, als sich dann gegen 11.30 Uhr auf der Weststraße die Demonstranten von „Pro NRW“, die von der Unterführung aus über die Presov-Straße marschiert waren, und die Gegendemonstranten der drei Bündnisse gegenüberstanden, dicht vor dem Absperrgittern der Bereitschaftspolizei junge Türken, die die Pro NRW-Anhänger zuvor bereits am Hauptbahnhof hatten in Empfang nehmen wollen. Doch diese unangemeldete Gegendemonstration hatte sich nach ruhigem Zureden durch die Polizei schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst.

 Das 'Fest der Nationen', von der Demo der Pro NRW-Anhänger klat getrennt. Foto: Lothar Kaiser

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Gerade mal 95 Anhänger brachte 'Pro NRW' auf die Beine. Fotos: Lothar Kaiser

Dem Bündnis „Remscheid tolerant“ gehören inzwischen mehr als 150 Vereine, Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften, 25 Firmen und mehr als 250 Einzelpersonen an. Neben Aufklebern, Postkarten, Buttons, Fahnen und Plakaten in unterschiedlichen Größen wurde unter www.remscheid-tolerant.de auch eine eigene Internetpräsenz realisiert. Und in den Tagen vor dem gestrigen „Fest der Nationen“ wurden rund 20.000 Infozettel verteilt. Da hätte man eigentlich annehmen können, dass sich als die gezählten 700 Bürger/innen an den beiden Sternmärschen beteiligt hätten. Zumal im Vorfeld Vorfeld der gestrigen Aktionen die Bürgerbündnisse "REMSCHEID TOLERANT" (Remscheid), "BUNT STATT BRAUN" (Solingen) und "NETZWERK FÜR DEMOKRATIE UND TOLERANZ" (Wuppertal) gemeinsam dazu aufgerufen hatten, der Doppelkundgebung der Rechtspopulisten in Solingen und Remscheid entgegenzutreten: „Rechtsextreme Gruppen haben im Bergischen Land keinen Platz! Wir wollen es nicht zulassen, dass gegen Andersdenkende und –gläubige mit Parolen gehetzt wird, die Muslime pauschal als salafistische Hassprediger diskriminieren und das Schreckgespenst einer Islamisierung mit „orientalischen Großmoscheen“ und „Muezzin-Rufen“ an die Wand malen. Wir wollen in einem toleranten und weltoffenen Land leben!”

Bereits am 23. Februar hatte Oberbürgermeisterin Beate Wilding Oberbürgermeisterin Beate Wilding vor Beginn der damaligen Ratssitzung betont, Remscheid stehe „für ein tolerantes, für ein weltoffenes und für ein modernes Remscheid. Wir treten gemeinsam dafür ein, dass Remscheid die Heimat für alle Menschen ist, die hier friedlich miteinander leben wollen. Wir setzen ein Zeichen der Vielfalt in einer Stadt, in der Menschen aus mehr als 120 Nationen zusammenleben. Wir setzen damit zugleich ein Signal gegen Ausgrenzung, Intoleranz und Hass. Gegenwärtig versuchen verschiedene Gruppierungen von außen diesen Ungeist in unserer Stadt zu säen. Ihre Saat wird nicht aufgehen. Sie wird keine Früchte tragen. Diese Gruppen werden erfolglos bleiben, weil unsere Solidarität stärker ist!“ (In eben dieser  Ratssitzung war dann die Resolution gegen gegen Neonazismus und Rechtsextremismus beschlossen worden.)

Ansicht der neuen Moschee von der Stachelhauser Straße aus.Daran knüpfte Beate Wilding gestern an, als sie auf der Bühne an der Weststraße das „Fest der Nationen“ eröffnete, während sie hundert Meter weiter, an den Bahnschranken an der Papenberger Straße, das Häuflein der Rechten mit ihren Transparenten in Position brachte, empfangen von lauten Schmährufen. „Remscheid bekennt heute Farbe. So bunt ist unsere Stadt! Wir zeigen heute eindrucksvoll, dass Achtung vor anderen, Toleranz und Solidarität bei uns fest verankert sind“, freute sich die OB. Gegenüber dem  Waterbölles betonte sie später, auch in Remscheid gebe es leider „Menschen, die jemandem keinen Job oder keine Wohnung geben, weil er einen fremdländisch klingenden Namen hat; auch bei uns gibt es Menschen, die jemanden nicht in die Disco lassen oder im Bus nicht neben ihm sitzen wollen, weil er fremdländisch aussieht. Oder die den Glauben anderer nicht respektieren, weil er ihnen fremd erscheint. Sie lehnen einen Menschen ab, von dem sie eigentlich nichts wissen - auch wenn sie selbst wohl annehmen, sie wüssten etwas. Doch was sie im Kopf haben, das sind Vorurteile und Hass!“

Rassismus habe viele Facetten, meinte die Oberbürgermeisterin. Rassismus fange bei blöden Witzen und abfälligen Bemerkungen an und reiche über Ausgrenzung und Diskriminierung bis zu tätlichen Angriffen und hinterlasse so eine dunkle, eine beschämende Spur. Davon war glücklicherweise beim gestrigen Fest der Nationen“ nichts zu spüren. Es war ein buntes, fröhliches Zusammensein von Bürgerinnen und Bürgern unterschiedlicher Herkunft und Religionen, das zeigte: Ein Miteinander ist möglich, Toleranz vorausgesetzt. Das Häuflein der ewig Gestrigen von Pro NRW bekam davon allerdings nichts mit. Es war nach einer halben Stunde leise weiter gen Solingen gezogen. Ein wenig „bedröppelt“, wie es schien. 

 

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Kommentare

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Michael Mahlke am :

"Dem Bündnis „Remscheid tolerant“ gehören inzwischen mehr als 150 Vereine, Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften, 25 Firmen und mehr als 250 Einzelpersonen an. Neben Aufklebern, Postkarten, Buttons, Fahnen und Plakaten in unterschiedlichen Größen wurde unter www.remscheid-tolerant.de auch eine eigene Internetpräsenz realisiert. Und in den Tagen vor dem gestrigen „Fest der Nationen“ wurden rund 20.000 Infozettel verteilt. Da hätte man eigentlich annehmen können, dass sich als die gezählten 700 Bürger/innen an den beiden Sternmärschen beteiligt hätten. " Das ist der sachliche Blick des Chronisten. Wenn man dies sachlich analysiert, dann kann man feststellen, dass in einer Stadt mit über 110.000 Einwohnern, einem so aktiven Bündnis und einem sehr hohen medialen Aufwand in allen lokalen Medien maximal 700 Teilnehmer für die Teilnahme an einem Demonstrationszug zu aktivieren sind. Das sind höchstens 0,7 Prozent der Bevölkerung. Ich meine gelesen zu haben, dass bei einer Autoshow auf der Alleestrasse locker 10 bis 20 tausend Teilnehmer kommen. Was ist mit den anderen 99 Prozent?

Armin Gerhardts am :

Sehr richtig, "Remscheid tolerant" hat eben, we Herr Kaiser richtig anmerkte, "Viel Lärm um nichts" gemacht, ganz so, wie es sich Pro NRW nicht besser wünschen könnte. Zum Glück für das Bündnis war wenigstens gutes Wetter.

Lothar Kaiser am :

Ich glaube, Sie wollten mich bewusst missverstehen, Herr Gerhardts. Wenn nicht, lesen Sie meinen Satz bitte noch einmal - und bis zum Ende. Es ging mir um das Missverhältnis von Demontranten und Polizeiaufgebot. Das eindeutige Signal von "Remscheid tolerant" gegen Rechts steht für mich außer Zweifel und ist nur zu begrüßen.

Armin Gerhardts am :

Sie haben Recht Herr Kaiser, ich habe Sie bewusst missverstanden. Ich verfolge das Spiel Medien-Pro-NRW-Gegendemo-Polizei-Provokation-Eklat jetzt seit mehr als Jahren, teilweise auch aktiv. Und es endet immer wieder gleich: Viel Lärm um nichts. Da kommen zwei Busladungen voll "Kameraden", die man mittlerweile als "europäische Koalition der neuen Rechten" auch aus dem Ausland rekrutiert, und man kann sich als Gegendemonstrant nach Ende der Demo ganz stolz auf die Schulter klopfen, dass man dagegen war. Dabei ist genau das die Intention von Pro-NRW. Eine gezielte Provokation, die artig angenommen wird. Es gibt überhaupt keinen Grund für moralischer Erhabenheit oder politische Überheblichkeit. "Remscheid tolerant" ist der Gegenspieler, ohne den das Spiel gar nicht erst hätte angepfiffen werden können. Darüber hinaus war es eine Werbeveranstaltung, bei den Mengen Parteiplakaten und Fahnen...

Erkan Köktas am :

Ich kann mich da nur anschließen. Wo waren die restliche 99 Prozent? Muss erst wie Solingen (1993), Mölln (1992) oder Döner-Morde (2000-2006) etwas passieren,m um auf die Straße zu gehen?

Klaus Sappelt am :

Na, das nenne ich mal wieder 'Remscheiderisch' in seiner schicksten Form: Wir nehmen die kleinstmögliche Zahl, vergleichen sie mit der größtmöglichen Zahl und sagen: Das war doch wieder nichts! Fakt ist: es waren geschätzte 3.000 Menschen bei einem Fest für Toleranz. Sie haben friedlich und nebeneinander gefeiert, haben sich ausgetauscht und hatten einen schönen Tag. Ich kann und will hier nicht über- oder unterbewerten, aber das Bündnis "Remscheid Tolerant" hat gerade seine Eröffnungsveranstaltung hinter sich gebracht, und das nach meiner Meinung auch sehr erfogreich. Keine Frage ist: Es liegt noch viel Arbeit vor uns; vor der ist uns aber nicht bange , und wir werden sie mit Freuden aufnehmen. Sie werden weiterhin von uns hören, und ich bin guter Dinge, dass man uns nicht wird kleinreden können.

Klaus Sappelt am :

Vielen Dank, Herr Kaiser, für einen schönen Bericht über eine tolle Veranstaltung. Als die beiden Demonstrationszüge an der Ecke Freiheitstr. und Weststr. zusammentrafen und dann gemeinsam auf das Festgelände zogen, stand ich am Straßenrand und hatte eine Gänsehaut. Habe mich wirklich sehr über die rege Teilnahme gefreut. Nochmals danke an alle, die bei der Organisation tatkräftig mitgewirkt haben, und ebenfalls an alle, die das deutliche Zeichen für Toleranz in Remscheid möglich gemacht haben: die Besucher und mitwirkenden Organisationen. Herausheben möchte ich eigentlich nur den Hauptverantwortlichen der Veranstaltung, der sicherlich an seine Grenzen gegangen ist, um diese Veranstlung zu dem zu machen, was sie geworden ist. Vielen, vielen Dank.

Klaus Kowakowski am :

In einem toleranten Staat hat jede Bürgerin, jeder Bürger und auch politische Gruppierungen Recht auf Chancengleichheit. So wie "Die Linke" als SED-Nachfolgepartei des Unrechtstaates DDR das Recht erhält, sich im Rahmen von Grundgesetz und freiheitlich-demokratischer Ordnung in der Bundesrepublik zu betätigen, genauso ist dieses Recht auch von anderen politischen Gruppierungen zu beanspruchen. Toleranz kann also keine Einbahnstraße sein. Allen die das nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, sollten sich die Meinung von Rosa Luxemburg vor Augen halten: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." Prinzipiell ist es Aufgabe der großen Volksparteien, durch kluge Wirtschafts- und Sozialpolitik dafür zu sorgen, dass radikale Gruppierungen "klein" gehalten oder zum Aufgeben gezwungen werden. Auswüchse an den politischen Rändern unseres Staatswesens sind also vorrangig den Parteien der Mitte anzulasten, da ungute Arbeit der Nährboden für Radikale ist. Das betrifft auch die schleichende Seuche der Politikverdrossenheit und die Krankheit ungelöster Integration von Menschen mit islamischen Glauben. Dass die W.i.R. das Verhalten eines Fraktionsmitgliedes erklären muss, der sich eigeninitiativ ein Bild von Pro NRW verschaffen wollte, ist keineswegs ungewöhnlich. Gilt doch im Gegensatz zur W.i.R. bei anderen Parteien konsequenter Fraktionszwang, bei dem Mitglieder und Delegierte in Ausschüssen und Rat zum Abnicken von Vorgaben verpflichtet sind. So überträgt sich latent nicht zuletzt dadurch eine allgemeine Situation, bei der sich die Menschen in unserem Land zunehmend vom wirklichen Mitgestalten, Mitbestimmen und Mitentscheiden ausgeschlossen fühlen.

Karl-Reiner Engels am :

In einem toleranten Staat gilt insbesondere auch die Religionsfreiheit, d.h. die Neutralität des Staates gegenüber den vielfältigen religiösen oder eben auch atheistischen Überzeugungen seiner Bürger. Dazu gehört auch, dass mensch sich seine Gotteshäuser bauen darf. Dies einschränken zu wollen, Ängste gegen bestimmte Religionen zu erzeugen, ist reiner Rechtspopulismus und soll Zwietracht sähen zwischen den Menschen der verschiedenen Nationen, die in Remscheid leben. Diesem Bestreben der Rechtspopulisten von "Pro" NRW ist in Remscheid eindeutig eine Absage erteilt worden, und das ist gut so. Die unsäglichen Gespräche, die laut "Pro" NRW zwischen dem Fraktionsmitglied der W.I.R und Vertretern von "Pro" NRW in den Räumen des Notors Dr. Kind am Ebertplatz stattgefunden haben, von dem man alleine wegen der dort ausgelegten rechten Presse begeistert war, zeigt, wie weit solch rechtspopulistischen Ansichten in der Mitte der Gesellschaft angelangt sind. Rosa Luxemburg zu zitieren ist sicher nicht das Schlechteste. Zudem, wenn man bedenkt, dass Sie als Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Januar 1919 von rechten Militärs in Berlin ermordet wurde. Deswegen sollte es eine Lehre der Geschichte sein, den Anfängen rechtsextremistischen Gedankengutes entschieden entgegen zu treten. In Remscheid ist jedenfalls kein Platz für die geistigen Brandstifter von "Pro" NRW, wie am Samstag eindrücklich demonstriert wurde. Wie die Aussage "Krankheit ungelöster Integration von Menschen mit islamischen Glauben" von Herrn Kowakowski in seinem obigen Kommentar zu verstehen ist, kann man ja sicher intensiv weiter diskutieren. Die Denke, die sich dahinter zu verbergen scheint, ist mir jedenfalls äußerst fremd.

Norbert Horn am :

Ja, es stimmt. Wir haben einen großen medialen Aufwand betrieben. Und wir haben es geschafft, dass sich an den beiden Sternmärschen ca. 700 Menschen und am Fest 2.500 bis 3.000 Menschen im Zeichen von Toleranz und gegenseitigem, Respekt versammelt haben und für dieses eingestanden sind. Und dies, obwohl es in verschiedenen Bereichen Ängste gab, ob die Sternmärsche und das Fest auch sicher sind. Ob man da mit seinen Kindern hingehen kann, ob die "Chaoten" nicht für Randale sorgen und man deshalb vielleicht mit reingezogen wird. Die Schulen haben deshalb nicht als Schulen dazu aufgerufen teilzunehmen, und auch in anderen Bereichen wurden diese Ängste diskutiert. Nachdem jetzt viele Menschen erfahren haben, dass wir das können, friedlich, offensiv und konsequent unsere Position für Toleranz, Respekt und Religionsfreiheit zu vertreten (wie ich das persönlich auch nicht anders erwartet habe), kann man beim nächsten Fest seine Ängste hinten anstellen, und es werden bestimmt viel mehr Menschen kommen. Auch eine Demonstartionskultur muß wachsen. Und sie wird wachsen und sich positiv entwickeln.

Lothar Kaiser am :

Ergänzung zu „dürftige Pressemitteilung“: Während des „Festes der Nationen“ waren einige Polizeibeamte unübersehbar, die gelbe Jacken mit der Aufschrift „Pressesprecher“ trugen. Doch meine Frage nach der Anzahl der eingesetzten Beamten und Fahrzeuge konnten oder wollten sie nicht beantworten. Stattdessen verwiesen sie auf die Polizeipressestelle beim Präsidium in Wuppertal. Dort rief ich dann am Nachmittag an und wiederholte meine Frage. Antwort: Es gebe bereits eine aktuelle Pressemitteilung im Internet (siehe oben). Doch die beantwortete meine Fragen leider auch nicht. Bleibt noch die Frage, welche Aufgabe die „Pressesprecher“ der Polizei vor Ort eigentlich hatten? Warum ich das erst jetzt schreibe? Weil ich bislang glaubte, die Polizei werde noch eine umfassende Pressemitteilung nachliefern. Tat sie aber nicht!

Norbert Horn am :

Hallo Lothar, das ist doch eigentlich klar, weshalb so viele Pressesprecher vor Ort waren. Die braucht man dann, wenn es schief gegangen ist. Ist so eine Art Prävention *mit sattem Grinsen*. Und das waren ja noch wenige. Da habe ich in Dortmund und Köln auch schon mehr erlebt. Du warst anscheinend länger nicht auf Demos gegen Rechts in anderen Städten.

Wieland Gühne am :

Hallo, ich habe mit einem Polizisten gesprochen. Er sprach von rund tausend Beamten für die ganze Aktion in den drei Städten. Demokratie kostet nun einmal Geld.

Lothar Kaiser am :

Hallo Norbert, stimmt. Ändert aber nichts an meiner Kritik an der "Informationsfülle" (hoch minus eins) der Polizei.

Norbert Horn am :

Hallo Lothar, Du hast ja vollkommen recht. Die Erfüllen diesen Teil der Aufgabe nicht, oder vielleicht sollen sie auch keine näheren Angaben machen. Ich sehe das wie Du: Das st ja wohl eine der grundlegenden Angaben, die man von Ihnen erwarten kann. Und einen schönen Gruß an die Pressestelle der Wuppertaler Polizei oder auch des Innenministeriums ;-), wenn Sie denn mitlesen.

Hans Gerd Göbert am :

Die ProNRW-Leute sind in Remscheid als Tiger abgesprungen und als Bettvorleger gelandet. Von meinem Beobachtungsposten auf dem Bahnhofsplatz aus konnte ich die Teilnehmer in aller Ruhe dreimal zählen, weil es sehr langsam ging. Es waren genau 87 Personen. Dabei musste man noch aufpassen, dass man die begleitenden Polizisten nicht mitzählte. Von wegen "Großdemo" große Klappe, nichts dahinter. Drei mehr unpolitische Dinge sind mir am Rande der Demos aufgefallen: 1. Bei mehreren Polizei-Fahrzeuge lief der Motor unentwegt. Auf Befragen hieß es, das sei für das Funktionieren der Funkgeräte zwingend notwendig. Demnach arbeitet unsere Polizei in NRW mit einer "hochmodernen", ausgesprochen "umweltfreundlichen" Technik. 2. Auf dem Bahnhofsvorplatz wollten zwei junge Männer den Pro NRW-Demozug fotografieren. Das wurde von einem leitenden Beamten unterbunden: "Hier darf nicht fotografiert werden!" Auf einem öffentlichen Platz ein Fotoverbot? 3. Später wollte ich dann zum Festplatz und bin über den Rosenhügel zum Papenberg gefahren. Auf der Papenberger Strasse war dann, von unten kommend, 100 Meter vor der Ladestrasse Schluss. Die Absperrung verhinderte ein Weiterkommen. Das war gegen 12.15 Uhr. Aufgehoben wurde die Sperrung erst um 13.05 Uhr aufgehoben, als alle Pro NRWs die beiden Busse bestiegen hatten. Den Fußgängern vor der Sperre, alle aus den Stadtteilen Papenberg und Osterbusch, die gar nicht zum Fest der Nationen, sondern zum Einkaufen in die Stadt wollten, zeigten die Polizeibeamten auf einer Karte, wie sie über den Rosenhügel wieder bis zum Bahnhof und von dort in die Stadt oder zum Kaufland kommen könnten. Zu Fuß! Wer sich darüber beschweren wolle, der könne das bei der Pressesprecherin. Die sei auch auf diesem Weg zu erreichen, in einem Wagen auf dem kleinen Platz vor Sport Kroll. Meine Meinung: Man kann es auch übertreiben! Was aber keine Kritik am Polizeieinsatz insgesamt sein soll; der war hervorragend.

Armin Gerhardts am :

Bei Sätzen wie "zogen bedröppelt ab" oder "als Tiger abgesprungen und als Bettvorleger gelandet" kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier viele das erste Mal an einer derartigen Demonstration teilgenommen und dabei euphorisiert den klaren Blick verloren haben. Letztendlich wurde hier lediglich brav durch den Reifen gesprungen, den Markus Beisicht und Pro-NRW hingehalten haben, und man freut sich, dass man es gleich beim ersten mal so sportlich geschafft hat. Dass Pro-NRW zahlenmäßig klar unterlegen sein wird, war vorher ohnehin klar. Umso erstaunlicher, welches mediale Echo sie doch immer wieder erreichen. Wie bewertet der gegen Rechts gerichtete "Remscheid tolerant"-Demonstrant es denn, dass in seinen Reihen wieder einmal, wie leider auch schon in vielen anderen Orten in NRW, die Grauen Wölfe mitmischten? Ist es nur Unwissenheit, die Intoleranz im eigenen Lager zu dulden, wenn sie gerade mit einem zusammen gegen eine andere Intoleranz mitschreit? Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es fast niedlich, dass eine Organisation, die der Verfassungsschutz nicht ganz grundlos als Förderer von Parallelgesellschaften bezeichnet, auf diesem Fest mitfeiern durfte. Darüber hinaus ist es ein Schlag ins Gesicht für die zahlreichen Griechen die hier leben. Am Ende sind alle glücklich: Pro-NRW hat die Presse und Bilder die sie wollten, und die Remscheider dürfen sich erhaben fühlen. Alles sauber abgelaufen, wenn man nicht so ganz genau hinsieht.

Karl-Reiner Engels am :

Herr Gerhardts ist wirklich ein geschickter Polemiker. Erst stellt er die Aktionen des Bündnisses Remscheid-Tolerant gegen die Rechtspopulisten von "Pro" NRW als Zirkusnummer dar (dressiert von Herrn RA Beisicht) und, wem das dann noch nicht reicht, dem werden dann noch die "Grauen Wölfe" als Bündnispartner untergejubelt. Dabei würde es doch reichen, einfach zu sagen, dass für "PRO" NRW kein Platz in Remscheid ist und Vorschläge zu unterbreiten, wie das am besten zu erreichen ist. Aber da ist leider Fehlanzeige. So bleibt dem geneigten Leser die Einsicht, er weiß zwar nichts, aber alles besser.

Armin Gerhardts am :

Ich schreibe seit Jahren kilometerlange Abhandlungen bzgl. Pro-NRW und des neuen Rechtsextremismus, weshalb ich Ihren Vorwurf zur Polemik mal einfach abtropfen lasse, zudem könnte das in Bezug zu "Remscheid tolerant" noch unfreiwillig komisch werden. Was eben nicht reicht, gerade weil es so einfach ist, ist sich ein T-Shirt der Linken oder der Grünen anzuziehen und "Nazis raus" zu rufen, das ist einfach nur billig und naiv. Aber es ging eben auch einfach nur um Gegenparole, um Polemik eben. Da scheint es egal, wer mit skandiert?!

Felix Staratschek am :

Ich habe schon zwei Demonstrationen gegen Rechtsextremismus mitgemacht, eine in Radevormwald, die andere in Wuppertal. Der Remscheider Termin blockte sich leider mit einer Umweltveranstaltung in Mainz, die ich aber absagen müsste, um Unterschriften für die Zulassung zur Landtagswahl zu sammeln, was bis Osterdienstag geschafft sein muss. PRO NRW ist leider immer Gewinner einer solchen Veranstaltung, weil die auf ihren Internetseiten schreiben können, was die wollen. Und da wird die 80- Mann-Demo als Großereignis gefeiert, genauso, wie die Gemeindemoschee in Remscheid als Großmoschee tituliert wird. Als ob hier die "blaue Moschee" von Istanbul nachgebaut werden sollte. Aber was ist die Alternative zu so einer Demo? Sollen die Menschen, gegen die sich PRO NRW wendet, allein gelassen fühlen? Dass da ein paar Graue Wölfe hinkommen, wäre nur dann problematisch, wenn die von der DITIB organisiert wären. Bei allen Fragen an den Islam und die DITIB hoffe ich, dass dies nicht der Fall ist. Aber solange wir ein freies Land sind, können wir es nicht verhindern, das Graue Wölfe, autonome Blocks und andere Chaoten Demos bereichern. Wenn Polizei und Veranstalter es hinbekommen haben, dass alle abends heil zuhause ankamen, sowohl die deutschen Rechtsextremisten als auch die türkischen Geistesverwandten, als auch die große Mehrheit der friedlichen Demonstranten, dann spreche ich denen ein herzliches Danke aus! Hätte Remscheid nicht dieses Fest gefeiert, die deutschen und türkische Chaoten wären trotzdem gekommen. Und da hat hoffentlich die ganze Aktion deeskalierend gewirkt. Akut gibt es ja interessante Entwicklungen in der Türkei. Erdogan hat erstmals, seit es die Republik Türkei gibt, Vertreter der Minderheiten eingeladen, um zu erfahren, welche Wünsche und Erwartungen die an eine neue Verfassung haben! Warten wir es mit Spannung ab, ob diesen Worten praktische Taten folgen. Denn noch gilt, dass religiöse Gemeinschaften in der Türkei weder Besitz erwerben, noch ein Konto auf ihre Organisation eröffnen können. Das gilt auch für die deutsche evangelische Gemeinde in Istanbul. Aber vielleicht bessern sich ja bald die Zustände. Kirchbau ist in vielen Orten der Türkei nicht nötig, da es in vielen Orten mehr (ehemalige) Kirchen gibt, als die wenigen Christen erhalten können. (Wer mehr über die Geschichte der Christen in der Türkei erfahren will, google mal unter "Türkei Christen Grulich") .

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