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Müngstener Brücke: "Bauwerk von nationaler Bedeutung"

Prof. Dr. Walter Buschmann, Referatsleiter Technik- und Industriedenkmale beim Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland, hat vor wenigen Tagen ein Gutachten zur nationalen Bedeutung der Müngstener Brücke vorgelegt, das im Bewerbungsverfahren um den Titel eines Weltkulturerbes sehr hilfreich sein kann. Hervorgehoben wird in dem Gutachten die Bedeutung der Brücke: „Im internationale Vergleich ist die ‚Riesenbrücke bei Müngsten’ … nicht die größte, höchste oder hinsichtlich der Gesamtkonstruktion die längste Brücke dieser Gattung. Ihre hohe Bedeutung resultiert aus dem hier sichtbaren Entwicklungsschritt in der Geschichte der Brücken- oder generell der Stahlkonstruktionen.“ An der Müngstener Brücke zeigten sich die im System der Bogenbrücken verborgenen Möglichkeiten für ein formvollendetes und landschaftsbezogenes Bauen, so der Wissenschaftler. Sein Fazit: „Die Müngstener Brücke ist wegen des Beitrags zum Stahlbau, zum Großbrückenbau, zur Verwissenschaftlichung des Bauwesens und als Beispiel für die gute und landschaftsbezogene Gestaltung einer Ingenieurkonstruktion ein Bauwerk von nationaler Bedeutung.“ Die Brücke sei ein Glanzstück für die Entwicklung dieser Bautechnik, für die Entwicklung der Eisen- und Stahlkonstruktionen und generell für ein mathematisch-wissenschaftlich orientiertes Bauwesen sowie für ein geradezu spektakulär landschaftsbezogenes Bauens.  

Zur Faszination des Bauwerks trage besonders der großformatige Bogen bei: „ Mehr noch als die Balkenbrücken und Deutschen Bögen mussten die echten Bogenbrücken die an sie gestellten besonders hohen gestalterischen Erwartungen erfüllen.  So ist die Wahl des Bogens auch für die Müngstener Brücke eine erste, sehr stark  von ästhetischen Gesichtspunkten bestimmte Entscheidung gewesen. Wie aus der  gut dokumentierten Planungsgeschichte der Müngstener Brücke hervorgeht, wurden  zwar alternative Konstruktionsformen untersucht. Die vom Ministerium für öffentliche Bauten in Berlin bevorzugte Gerüstträgerbrücke wurde jedoch von der Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld abgelehnt, weil die Landschaft negativ beeinflusst  werden könne. Das Tal der Wupper sei ein landschaftlich reizvolles Ausflugsgebiet  und die Ästhetik sei daher gebührend zu berücksichtigen.13 Mit Rücksicht auf die  Schönheit des Tales sei auch eine Auslegerbrücke in Bogenform einer Gerüstträgerbrücke vorzuziehen. Die Opposition der Eisenbahndirektion veranlasste das Ministerium dann im Zuge der Ausschreibung alle drei Konstruktionsformen untersuchen  zu lassen, mit dem Ergebnis, dass sich die Bogenbrücke nicht nur in ästhetischer  Hinsicht sondern auch hinsichtlich der Kosten und der Montagetechnik als die bessere bzw. günstigere Brückenform erwies.“

Gerühmt werde die Müngstener Brücke auch hinsichtlich der wohlausgewogenen  Proportionen und ihrer harmonischen Symmetrie. Dazu trage die parabelförmige  Bogenform mit mehrfach geneigten Ebenen bei: „Zunächst verjüngt sich der Bogen in  der Breite von 19 Meter an den Fußpunkten bis auf 5,5 Meter unter den Gerüst oder Fahrbahnträgern. Diese Schrägstellung der Bogenaußenwände wird ergänzt  durch eine weitere Neigung der Fachwerkebenen aus der Lotrechten nach innen zur  imaginären Mittelachse hin. Beide Schrägstellungen sind statisch bedingt: die Fußpunkte mussten zur Verankerung des Bogens diese Breite haben und die Neigung der Bogenaußenwände gegen die Mittelachse soll den Horizontalkräften aus Wind entgegenwirken. Zugleich bewirken aber diese Maßnahmen eine beeindruckende Eleganz der Linienführung.

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