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7.7.1914: Die Schüler in Uniform, die Honoratioren im Frack

Die Schüler in Uniform, die Honoratioren im Frack: Grundsteinlegung zum Röntgen-Gymnasium am 7. Juli 1914.

Heute vor 107 Jahren erfolgte die feierliche Grundsteinlegung zum Bau des Röntgen-Gymnasiums in Lennep. Mit dabei: Stadtverord­nete, Lehrerkollegium und sämtlicher Schüler des Reform-Realgymnasiums, des Kuratoriums der Schule und der Baukom­mission. In der Schulchropnik heißt es dazu: „Bürgermeister Rudolf Stosberg verliest die Urkunde, die anschließend - zusammen mit acht Bauzeichnungen, dem Abdruck der Stadtverordnetenbeschlüsse von 1913, des Haus­haltsplanes für 1914, dem letzten Jahresbericht der Schule, einer Anzahl Münzen, einer photographischen Aufnahme vom ersten Spatenstich und je einer Abschrift des Programms der Feier der Grundsteinlegung und des von dem Oberprimaner Karl Schmidt aus Lüttringhausen bei diesem Festakt vorgetragenen Prologs — in eine zu verlötende Bleikapsel gelegt und in den Grundstein eingelassen wird.

Zur Vorgeschichte: Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Höhere Stadischule in Lennep eine stürmische Aufwärtsentwick­lung. 1885 wandelte sie sich zu einer Höheren Bürgerschule (mit Berechtigung zur Ausstellung des Einjährigen-Zeugnisses) und mit ministerieller Genehmigung vom 2. Januar 1902 in eine Realschule nebst Realgymnasium mit gemeinsamem Unterbau nach Frankfurter Lehrplan.

Um Weihnachten 1906 schlug Rudolf Stosberg, von 1897 bis 1921 Bürgermeister der Stadt Lennep, den Ausbau zu einem Real­gymnasium nebst Realschule vor, also zu einer „Vollanstalt" (mit Berechtigung zur Abnahme des Abiturs). Am 6. März 1907 genehmigte der preußische Unterrichtsminister, die mit der Real­schule verbundenen Klassen des Realprogymnasiums von Ostern 1907 ab nach und nach zu Realgymnasialklassen auszubauen. Am 28. Februar 1908 wurde der Ausbau der Realprogymnasialklassen zum Reform-Realgymnasium genehmigt und zu Ostern 1910 die erste Reifeprüfung abgenommen.

Die steigenden Schülerzahlen führten 1869 zur Aufgabe des alten Schulgebäudes an der Schwelmer Straße 29 (später Kna­benschule und Bezirkskommmando) und zum Einzug in den 1868 errichteten Neubau an der Hardtstraße 14 (heutige Freiherr vom Stein-Schule), der allerdings 1902/1903 um einen südlichen und 1907/1908 um einen nördlichen Anbau erweitert werden musste.

Die ministerielle Genehmigung zum nördlichen Anbau vom 21. Mai 1907 enthält zum ersten Mal den Hinweis, daß die vorge­sehene Baumaßnahme „nur für verhältnismäßig kurze Zeit in Aussicht genommen ist und mit Herstellung eines Neubaus in etwa zehn Jahren gerechnet werden darf. Bürgermeister Rudolf Stosberg (1860—1945) und Direktor Dr. Carl Friedrich Hermann Lammerhirt (1807-1909) waren eifrige Befürworter eines Neubaus. Die Stadt Lennep aber konnte unmöglich auf eigene Rechnung einen solch kostspieligen Neubau in Angriff nehmen. Inzwischen war die Schülerzahl von 194 im Jahre 1901 auf 340 im Jahre 1909 1910 gestiegen. Gleichzeitig litt auch die Höhere Mädchenschule unter Raummangel. Mit seiner Verfügung vom 26. Oktober 1911 verlangte das Kgl. Provinzial-Schulkollegium in Koblenz von der Stadt Lennep, einen Neubau zu errich­ten.

Daran aber war angesichts der Kosten nicht zu denken. So beschloss die Stadtverordnetenversammmlung am 21. Mai 1912, die räumlichen Missstände beider Schulen nur durch Um- und Anbauten zu beheben, stieß aber mit diesem Vorschlag auf Ableh­nung beim Schulkollegium, das nach wie vor auf der Errichtung eines Neubaus für das Realgymnasium und auf der Unterbrin­gung der Mädchenschule in dessen altem Gebäude bestand. In dieser Notlage ergriff Rudolf Stosberg die Initiative. Er suchte „auf eigene Faust" im Dezember 1912 im Berliner Finanzministe­rium den Unterstaatssekretär Dr. Georg Michaelis (später als Reichskanzler Nachfolger von Bethmann Hollweg) auf und erhielt von ihm den Rat, einen Antrag auf Bezuschussung für einen Neubau einzureichen. Am 23. Juni 1913 beschloss die Stadt­verordnetenversammlung den Neubau, dessen Kosten sich auf insgesamt 420.000 Goldmark belaufen sollten.

 Am 28. Juni 1913 konnte Stosberg der Stadtverordnetenversammlung mitteilen, dass sich der Unterrichtsminister im Einvernehmen mit dem Finanzminisler bereiterklärt habe, „im Falle der Errichtung eines Neubaus für die Anstalt der Erhöhung des staatlichen Bedürfnis Zuschusses derselben um jährlich 10.000 Mark für die Dauer der Verzinsung und Tilgung der aufzunehmenden Bauanleihe in Aus­sicht zu nehmen". Der Landkreis Lennep sagte eine jährliche Beihilfe von 5.000 Mark auf zehn Jahre zu. Die Stadtverordneten­versammlung erhöhte die Schulgeldsätze, um einen weiteren Teil der Mehrkosten abzudecken. — So rangen sich die Stadtverordne­ten endgültig dazu durch, das Halbmillionenprojekt auszuführen, das sie bisher strikt abgelehnt hatten. Jetzt wollte man keine Zeit mehr verlieren und trieb das Vorhaben energisch voran.“

(Foto aus: „Remscheid“ von Hans Funke, erschienen 2002 im Sutton-Verlag in Erfurt in der Reihe „Archivbilder“; Text aus "Schulgeschichte des Röntgen-Gymnasiums in Remscheid-Lennep, Festscbrift zum 75jährigen Jubiläum des Schulgebäudes, herausgegeben 1991 von Dr. Michael Metschies)

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Chronist am :

Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Lennep (heute Gemeinschaftsgrundschule) sei die Keimzelle vieler Lenneper Schulen gewesen, berichtete gestern in der Schulaula Schulleiterin Silvia Siegemund den Mitgliedern des Schulausschusses. Und: „In zwei Jahren wird die Schule 150 Jahre alt!“ Das Röntgen-Gymnasium, die Hauptschule Hackenberg, die Pestalozzi-Schule und die Schule „an der Glocke“ seien auf die Freiherr-vom-Stein-Schule mit ihren beiden betagten Schulgebäuden an der Hardtstraße zurückzuführen. Zurzeit besuchen 215 Jungen und Mädchen die Schule, 104 davon auch die OGS am Nachmittag. Pro Jahrgang werden zwei Klassen geführt. Ausnahme: im ersten Schuljahr sind es drei Klassen. Wegen der hinzugekommenen Flüchtlingskinder.

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