Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Die Kellershämmer hatten eine wechselvolle Geschichte

Durchbruch am Kellershammer. Foto: MeierVom Johanneshammer gehen wir wieder durch den Wald am Eschbach vorbei und kommen nach etwa 500 Metern in der Region Kellershammer an. Historische Bausubstanz sieht man schon von weitem, denn die gesprengte Staumauer und die Steinbrücke der ehemaligen Eisenbahntrasse sind nicht zu übersehen. Als die Eisenbahntrasse der Wermelskirchen-Burger-Eisenbahn gebaut wurde, musste sie bei Kellershammer I erneut den Eschbach überqueren. Dafür wurde eine schone Steinbogenbrücke gebaut und der dahinterliegende Felsen durchbrochen. Bei dieser Maßnahme fand Dr. Julius Spriestersbach in den geologischen Schichten des Felsens die Versteinerungen des Urmeeres, das vor x-Millionen Jahren das Bergische Land überflutet hatte. Dieser Nachweis war eine historische Sensation und wurde in der ganzen Welt beachtet. Zusammenhängend sind diese Funde von Spriestersbach leider nirgendwo zu betrachten, da die Stadt Remscheid … diesem Thema nicht die nötige Gewichtung zukommen lässt.  Geschichtlich fangen wir auch hier wieder bei den Ursprüngen an. Bis zum Eingang in das Hammertal unterhalb Tyrol bildet der Eschbach die Grenze zwischen Wermelskirchen und Remscheid. Am Zusammenfluss von Eschbach und Lobach beginnt das Gebiet der (Stadt) Burg. Hier zeigt sich die Ausnutzung der Wasserkräfte aufs Höchstmögliche gesteigert. Dicht gedrängt und nur durch die mächtigen Stauweiher getrennt, folgt in der Talenge Werk an Werk, jedes von besonderer Bedeutung und mit mehrhundertjähriger Vergangenheit. Es ist das Gebiet der "Kellershämmer", ursprünglich Kellnershämmer "auf dem großen Steeg" nach ihrem Erbauer, dem herzoglich Bergischen Kellner Johann Bernhard Francken, der hier "auf der Eiffischen Bach" (wie der Eschbach früher hieß) einen doppelten Eisenhammer anlegte.

Oberer Kellershammer. Sammlung: Reinhard BaadeAm 29. Februar 1686 verpachtete der Komtur des Johanniterordens zu Herrenstrunden, Freiherr Bernhard Gisbert von Capell, Herr zu Wittering, dem Kellner die zur Kommende Burg gehörige fünf Viertel Morgen große Wiese am Teufelsteich  auf 29 Jahre.  Gleichzeitig erhielt der Kellner die Genehmigung, auf dem "wüßten Plätzchen über gemelter Wiesen gegenüber dem Teufelsteich an die eiffische Bach" einen Reckhammer zu setzen. Wie der Ordenskomtur zur Begründung bemerkte, hatte der Vater des Kellners den Johannitern wertvolle Dienste geleistet. Da auch der Herzog Johann Wilhelm (Jan Wellem) seine Zustimmung gab, konnte der Bau beginnen. Wie der Kellner selbst in seiner Jahresrechnung von 1692 ausführt, errichtete er am großen Steg (in der Nähe des Überganges über den Eschbach) einen doppelten Eisenhammer. Als jährliche Abgabe für die Nutzung des Wassergefälles musste er 1/2 Goldgulden an den Landesherrn abführen. Später fügte er noch ein drittes Werk unterhalb der Lobachmühle hinzu, das man als den untersten Kellnershammer (ich nenne ihn den mittleren) bezeichnete.

Das Wehr am oberen Kellershammer. Sammlung: Reinhard BaadeKellner veröffentlichte sein Vorhaben in der Kirche: "Ihre Hochfürstliche Durchlaucht Haben mir, dero Kellnern hochgnädigst erlaubt, daß ich zu mein und meiner Erben behuff auf meinem eigenen erb an das große Stegh oben der Burg an die Eiffische Bäche einen doppelten eisenhammer erbawen und darauf das nötige Wasser auss dem Bach führen möge, orth Goldg". Wie es in dem Pachtvertrag heißt, sollte der Inhaber der betreffenden Reckhammer nach 29 Jahren "bei einem zeitlichen Komtur neue Werbung tun und in der Werbung um Pachtung andern vorgezogen werden", d.h. nach Ablauf der Pachtzeit hatte der Orden das Recht, über das Gelände wieder frei zu verfügen; er konnte also unter Umstanden selbst die Kellershämmer in Besitz nehmen.

Kaum ein zweites Werk in den Remscheider Bachtalern hat eine so wechselvolle Geschichte wie der Kellershammer. Francken war mit einer Tochter des Beyenburger Richters und Rentmeisters Arnold Hasenclever verheiratet. Dieser entstammte dem bekannten Geschlecht, das auf dem Hofe Hasenclev seinen Ursprung hatte und schon im 17. Jahrhundert im Besitz zahlreicher Wasserhämmer war. Da die bergischen Kellner und Rentmeister über die Mühlen, Hämmer und Schleifkotten sowie über die von ihren Besitzern zu entrichtenden Abgaben Buch zu führen hatten, waren ihnen die betreffenden Werke und die daraus erzielten Gewinne wohlbekannt. Es ist also nicht verwunderlich, das der Burger Kellner auf den Gedanken kam, seine Bezüge durch den einträglichen Betrieb eines Wasserhammers aufzubessern. Da im unteren Burgthale die Kraft des Eschbachs schon durch die herzogliche Getreidemühle, eine Bohrmühle und eine Drahtzieherei, und im mittleren Gebiet durch den heute als Luhnshämmer bezeichneten Hammer ausgenutzt war, wandte der Kellner seine Aufmerksamkeit dem oberen Teil des Tales zu. Hier besaßen die Johanniter jenseits der Lobachmündung einen wahrscheinlich als Fischweiher dienenden Teich, den sogenannten Teufelsteich. Außerdem lockte das starke Gefälle des hier durch eine Engschlucht hindurchbrechenden Eschbachs zur gewerblichen Verwendung der Wasserkraft.

Man wird den Bau eines Wohnhauses etwa in der Zeit um 1686 ansetzen dürfen. Das Haus scheint auch gar nicht so klein gewesen zu sein, denn zumindest zeitweise haben dort mehrere Familien gelebt. Aber schon neun Jahre später (1684) wurde Johann Bernhard Francken unter Beförderung zum kurfürstlichen Hofkammerrat nach Düsseldorf versetzt. Weil seine beiden Söhne ebenfalls  in kurfürstlichen Diensten standen, der erste als Rentmeister zu Montjoie, der zweite als Minister und Gesandter, ging der Kellershammer in andere Hände über. Im Jahre 1715 war der erste Pachtvertrag abgelaufen und die Ordensleitung wäre berechtigt gewesen, den Rückfall des Geländes samt den aufstehenden Gebäuden zu verlangen. Diese Gelegenheit wurde aber nicht ausgenutzt, und es fand auch keine Neuverpachtung statt.

Am 6.April 1715 veräußerten die Erben des kurfürstlichen Hofkammerrates Johann Bernhard Francken und seiner Frau Anna Margareta Hasenclever "drei Stahlhämmer auf der eiffischen Bach mit den dazugehörigen Wohnhäusern, Geheuchtern, Stallungen, Ackerland, Wiesen, Buschen und zu den Hämmern zugehörigen Gereidtschaften nebst den Stahl- und Eisenwarenzeichen" an den Remscheider Gerichtsscheffen Johann Hasenclever auf dem Büchel und seine Ehefrau Barbara Maria Bornefeld fur 3.000 Reichstaler. Die Auszahlung des Betrages sollte nach dem Kaufvertrage an den Geheimrat und Vizekanzler von Francken erfolgen. Erst 1728 kam ein findiger Ordensverwalter dahinter, und das Provoizialkapitel der Johanniter entschied, das der Kellnershammer der Kommende Herrenstrunden anheimgefallen sei. Es wurde dem Admodiator (Verpachter) der Ordensguter befohlen, "sich pflichtgemäß zu erkundigen, was dieser Reckhammer jährlich an Pacht austragen könne." Ferner sollte er dem Inhaber die Mitteilung machen, das das Werk dem Orden verfallen sei und mit ihm darüber verhandeln, was er an Pacht geben wolle. Leider ist der jetzt kommende weitere Ablauf nicht bekannt. Wahrscheinlich ist der damalige Hammerinhaber durch die Ordensleitung, die in Geldsachen nicht mit sich spaßen lies, gezwungen worden, das Werk zum zweiten Male dem Orden abzukaufen.

Der Kellnershammer, so wurde er nach seinem Erbauer lange genannt, war ein Doppel- Eisenhammer. Er war mit zwei Schlagwerken ausgestattet und diente zur Formung der Eisenteile, die in der Remscheider Werkzeugindustrie in reichem Maße Verwendung fanden. Beispielsweise bestanden die so genannten weißen Sensen aus Eisen mit dünner Stahlschneide. Auch Hobeleisen, Beile, Häckselmesser und zahlreiche andere Werkzeuge wurden "verstahlt". Später dienten die beiden Kellnershämmer der Remscheider Sensenindustrie gleich den unterliegenden beiden Werken, und allesamt waren sie in den Händen des berühmten Remscheider Kaufherrengeschlechts der Hasenclever auf Ehringhausen.

Beim allgemeinen Begriff „Kellershammer“ muss man vorsichtig unterscheiden zwischen dem auf Remscheider Seite gelegenen Hammer mit Wohnhaus und dem bzw. den beiden auf Burger Seite. Außer den schon erwähnten Namen Schradtberg und Leonhard kommen nach Auskunft von Dr. Lorenz im ältesten Remscheider Kirchenbuch zwischen 1680 und 1735 noch folgende Familien auf dem Kellershammer vor: Klausen (Johann als Schwiegersohn von Johann Leonhard sen.), Urban Blasberg, Henrich Kuppelstein, und aus der Sippe Hasenclever um 1705/06 Clemens Hasenclever, 1717 Johannes Hasenclever und zwischen 1728-1735 ein Johann Wilhelm Hasenclever. Außerdem läßt ein Johann Holler "am Kellershammer" am 23. Januar 1726 seinen Sohn Frantz in Remscheid taufen.

Am großen Steg, das ist die Straßenbrücke im Eschbachtal, kurz vor dem Zusammenfluss von Lobach und Eschbach, standen die beiden oberen Kellershämmer. In den 1760er Jahren, als die Remscheider Industrie ihre Krise des Übergangs von der weißen Sense zur schwarzen Sense (die blaue steyrische) durchzumachen hatte, wäre es beinahe zur Einführung der Waffen- (Gewehrlauf-) Fabrikation in Remscheid gekommen. Kurfürst Karl-Theodor hegte diesen Plan ernsthaft, indes blieb es schließlich doch bei den Sensen, die eine neue Blütezeit für die "Seestadt auf dem Berge" heraufführten. Im Jahre 1800 wird der doppelte Kellershammer von Joan Franz Hasenclever geführt und 1819 als Stahlraffinierhammer bezeichnet. Das Mühlenkataster von Burg nennt uns 1829 David Josua und Bernhard Hasenclever und Söhne als Besitzer der beiden Kellershämmer, die von einem oberschlächtigen Wasserrad angetrieben wurden. Der genannte Daniel Hasenclever (1783-1850) war Kaufmann zu Remscheid-Haddenbach, stammte vom Lüttringhauser Hofe Goldenberg und war mit Laura Korsch verheiratet. Seine Firma hieß "Peter Caspar Hasenclever Söhne", denn er war ein Sohn des Kaufmanns zu Goldenberg Peter Caspar Hasenclever (1730-1804) und dessen Ehefrau Anna Margarethe Fuhrmann. (nach: Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid. Herausgegeben von Günther Schmidt, Band 5 - Vom Blombach bis Eschbach)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!