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Den Landboten halfen die Landesschützen der Burg

Zwischen 1350 und 1360 wurde das Bergische Land in Ämter eingeteilt. Unter diesen bildete das Gebiet des Amtes Bornefeld, in dem die Stammgüter und -bürgen der Bergischen Grafen lagen, den Kern des Landes und den Grundstock der später bis zur Ruhr und zu den Kuppen des Siebengebirges ausgedehnten Bergischen Herzogsgewalt. Elberfeld kam erst im Jahre 1430 an Berg, blieb aber lange Zeit verpfändet und wurde erst 1599 von dem letzten Pfandinhaber Wilhelm von Nesselrode eingelöst.  Ebenso war auch das Amt Beyenburg als Bergisches Grenzland fast das ganze 16. Jahrhundert hindurch erst an die Grafen von Waldeck und später an Simon VI. zur Lippe verpfändet. Erst im Jahre 1607 ging es wieder in den unmittelbaren Besitz der Bergischen Landesherren über, so dass während der … industrie­geschichtlichen Vorgänge die drei Ämter sowohl in wirt­schaftlicher als auch in politischer Beziehung eine Einheit bildeten. An der Spitze der Ämter standen die Amtleute. Sie wurden in der Regel aus den Kreisen des einheimischen Adels gewählt. Weitere Amtspersonen waren die Richter und Gerichtsschreiber, die ebenso wie der Elberfelder Amtmann für das Sensenhandwerk des Cronenberger, Remscheider und Lüttringhauser Gebiets eine wichtige Rolle spielten.

Die Kirchspiele Remscheid, Cronenberg und Lüttringhausen hatten im 16. bis 18. Jahrhundert noch keine selbständige Ver­waltung. Zwar übten hier die „Scheffen", die als Beisitzer an den Verhandlungen der Landgerichte teilnahmen, im Auftrage der Be­hörde eine gewisse Autorität aus. Sie führten unter anderem auch das Lagerbuch, in dem alle Grundbesitzer sowie ihre Liegenschaften nach Lage, Größe und Wert verzeichnet waren. In Remscheid wird auch schon im 17. Jahrhundert der „Vorsteher" genannt, dessen Befugnisse aber bei weitem nicht an diejenigen der städtischen Bürgermeister heranreichen. Wenn Erhebungen irgendwelcher Art anzustellen waren, bedienten sich die Amtleute und Richter der Scheffen. Diese wurden den meistbegüterten Familien entnommen und genossen als Gerichtspersonen ein besonderes Ansehen. Ihre Dienste wurden auch zur Schlichtung gewerblicher Zwistigkeiten von der Behörde verschiedentlich in Anspruch genommen. Die Polizei wurde damals in den Ämtern durch die Landboten und in den einzelnen Gemeinden, die man als Kirchspiele bezeichnete, durch die Gerichts­boten ausgeübt. Bei größeren Unternehmungen, oder wenn bewaffneter Widerstand zu befürchten war, zog man die herzogliche Besatzung in Burg an der Wupper, die sogenannten „Turmknechte", oder auch die Landes­schützen heran. 

 

Für die gewerblichen Unternehmungen, die mit Wasserkraft arbeiteten, spielte der Burger Kellner eine wichtige Rolle. Als herzoglicher Beamter hatte er die Aufgabe, die zum Teil in Natu­ralien bestehenden Abgaben der Hofbesitzer zu erheben. Da die Gewässer in alter Zeit als Eigentum des Landesherrn angesehen wurden, so zog er auch die sogenannte „Wassererkenntnis" ein, eine Abgabe, die von den Besitzern der Mühlen, Hämmer und Schleifkotten alljährlich für die Benutzung der Wasserkraft an die herzogliche Kasse abgeführt werden musste. Das Nebeneinander verschiedener Gewerbe in den Ämtern Elberfeld, Beyenburg und Bornefeld, die teils unter dem Schutz landesherrlicher Privilegien, teils im freien Wettbewerb ihre Kräfte regten, verleiht der Geschichte gewerblicher Tätigkeit in diesem Gebiete einen besonderen Reiz. Es sei nur daran erinnert, dass in Elberfeld und Barmen schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts die Garnbleicherei und später die Verarbeitung der Fäden zu Bän­dern und Leinwand in Blüte stand, dass Lenneper und Hückeswagener Tuche seit Jahrhunderten bekannt sind und der Gewerbe­fleiß ausgewanderter Wuppertaler Bandwirker in den Jahren 1738 bis 1745 aus einzelnen zerstreuten Bauernhöfen des nördlichen Amtes Beyenburg die Stadt Ronsdorf erstehen ließ.

Remscheid, Solingen und die Nachbarorte hatten die Kunst der Stahlbereitung und -Verarbeitung entwickelt. (…) Die Eisengewinnung und -Verarbeitung im Gebiete von Rem­scheid, Cronenberg und Lüttringhausen … machte im Laufe ihrer Entwicklung mehrere große Umstellungen durch.   In der älteren Zeit finden wir das Gewerbe auf den Höhen. Von hier wird ein wesentlicher Teil der gewerb­lichen Tätigkeit, nämlich die Verhüttung der Erze, sowie die Stahl­bereitung und das Schleifen der Schmiedewaren, an die Bäche ver­legt. Damit geht die Umstellung von der Gewinnung des Eisens im Bergischen selbst zur ausschließlichen Verfeinerung und Ver­arbeitung einher. Die Wasserhämmer übernehmen im 17. und 18. Jahrhundert auch das Ausschlagen der gröberen Schmiedewaren (Schuppen, Hacken, Sensen, Sicheln u. a.), während das Schmieden der feineren Werkzeuge den Handschmieden in ihren Werkstätten auf den Höhen bis in das 19. Jahrhundert vorbehalten bleibt. („Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

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