Skip to content

13.083 Unterschriften für den Erhalt der Symphoniker

Übergabe der Unterschriften zum Erhalt der Bergischen Symphoniker heute Vormittag im Rathaus. Im Bild v. li. n. re.  Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Dr. Heinz Jürgen Brähler und Wolfgang Luge von den Remscheider Orchesterfreunden, die Lehrerinnen Jutta Paul-Fey und Rita Schumacher sowie Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann. Foto: Lothar KaiserZwei dicke Aktenordner mit insgesamt 13.083 Unterschriften von Remscheider Bürger/innen, die die Bergischen Symphoniker erhalten wissen wollen - allen Finanzprobleme der Stadt Remscheid zum Trotz -, nahmen Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann heute Vormittag im Remscheid von einer Abordnung der Remscheider Orchesterfreunde entgegen. Der Verein hatte die Unterschriften in den vergangenen Wochen nicht nur auf Papier (5741), sondern auch online (4892) eingesammelt. Und weitere 2.450 Unterschriften waren auf Initiative der Julius-Spriestersbach-Grundschule von Schüler/innen und Lehrer/innen zahlreicher Remscheider Schulen hinzu gekommen. Ein Ergebnis, mit dem Harald Lux, der Vorsitzende der Remscheider Orchesterfreunde (195 Mitglieder), mehr als zufrieden sein konnte. Und das zeigte er auch am Mittwochabend in der Jahreshauptversammlung des Vereins, die im Probenraum der Bergischen Symphoniker Am Bruch stattfand. „Das hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, zitiert ihn heute die Bergische Morgenpost.

Durch das entschiedene Eintreten vieler Remscheider/innen für das Orchester der Städte Remscheid und Solingen dürfte sich Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith in seiner Haltung bestärkt fühlen, dass sich Remscheid auf dem Orchester-Vertrag nicht verabschieden könne, sondern weiter zahlen müsse. Das hatte ihm dieser Tage auch ein Gutachter attestiert - ganz im Gegensatz zu der Rechtsauskunft, die die Stadt Remscheid von einer Remscheider Kanzlei erhalten hatte: „Ewige Bindung an die Symphoniker unzumutbar“. Für Feith ist klar: Solingen sei als finanziell notleidende Kommune nicht in der Lage, Gesellschafteranteile Remscheid zu übernehmen; es müsse bei der gegenwärtigen Kostenaufteilung bleiben. Alles andere treibe das Orchester unweigerlich in die Insolvenz. Und damit käme dann auf die Stadt Remscheid womöglich eine Klage wegen sittenwidriger Schädigung zu, wie heute der RGA andeutete.

Für Feith ist der jüngste Brief von Oberbürgermeisterin Beate Wilding die Grundlage für Gespräche ohne Zeitdruck. Auch der heute bekannt gewordene Antrag der Gestaltungsmehrheit, am 28. Juni im Rat nicht die Vertragskündigung zu beschließen, sondern Möglichkeiten auszuloten, die Bergischen Symphoniker fortzuführen, nimmt Druck aus dem Kessel. Zeit für einen Runden Tisch? Den könnte sich Harald Lux sehr gut vorstellen – unter der Leitung des früheren Remscheider Oberbürgermeisters Reinhard Ulbrich. Und auch konkrete Themen für diese Runde hatte Lux am Mittwoch parat:

  • Mehr Theater-Kooperationen zwischen Remscheid und Solingen als bisher
  • Reduzierung des Budgets des Teo Otto Theaters zu Gunsten des Orchesters und
  • Weniger Einkäufe fremder Musikproduktionen für das Teo Otto Theater.

Man darf gespannt darauf sein, was die Ratsfraktionen vom Moderatorenvorschlag „Ulbrich“ halten, vor allem aber, was Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann, im Nebenjob „Theaterintendant“, zu den drei Sparvorschlägen von Harald Lux zu sagen hat.  Konkrete Sparvorschläge des Orchesters selbst stehen bislang noch aus. Vielleicht reicht sie Geschäftsführer Stefan Schreiner nach, wenn er sich demnächst mit den Remscheider Fraktionsvorsitzenden und dem Verwaltungsvorstand im „Ältestenrat“ trifft. Mit dabei sein soll auch ein Experte, der sich den Haushaltsplan der Orchester-GmbH näher angesehen hat.

Der Waterbölles dokumentiert nachfolgend den Rechenschaftsbericht von Harald Lux auf der Jahreshauptversammlung der Remscheider Orchesterfreunde:

Harald Lux:
„Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert“. Dieses Zitat, meine Damen und Herren, stammt von Richard von Weizäcker und unterstreicht die Tatsache, dass Kultur etwas mit Werten, mit stabilen Mustern zu tun hat, die von Generation zu Generation im Interesse der Stabilität der Gesellschaft weitergeben werden müssen. Viele völkerrechtlich relevante Dokumente sprechen sogar von einem Menschenrecht auf Kultur. Kultur stiftet Sinn und Orientierung für Menschen, verbindet die Menschen, erhöht das lokale Kreativitätspotential, prägt und verbessert das Image der Stadt, zieht Besucher und Touristen an, erleichtert die kommunale Wirtschaftsförderung, schafft Arbeitsplätze und hält qualifizierte Arbeitskräfte am Ort. Denn Kultur ist auch ein harter Wirtschaftsfaktor. Die CDU-Fraktion schreibt in ihrer Pressemitteilung vom 11. Mai „Wer diese Stadt attraktiv halten will, der darf nicht die letzte Einrichtung dichtmachen wollen, die hier in Remscheid eigenständig Kultur produziert“.

„Ein attraktiver Wirtschaftsstandort zeichnet sich nicht zuletzt durch seine Lebensqualität aus“ schreiben die Remscheider Wirtschaftsjunioren in Ihrer Pressemitteilung vom 31. Mai. Und weiter:„Zur Lebensqualität im Bergischen Land leisten die Bergischen Symphoniker einen wesentlichen Beitrag“. - Die Bergischen Symphoniker gehören zu Remscheid und Solingen, denn sie sind ein Wirtschaftsfaktor bei der Ansiedlung von Unternehmen, haben einen kulturellen Auftrag, haben einen Bildungsauftrag, unterstützen junge Musiker durch die Orchesterakademie und sind durch ihre vielfältigen Aktivitäten bürgernah

In vielen Gesprächen, durch Podiumsdiskussionen, Leserbriefe, aber auch durch Kontakte zu Verwaltung und Politik, haben die Orchesterfreunde diesen Standpunkt kommuniziert und unterstützen damit das Orchester in seinem Kampf um die Existenz. Und in diesem Kampf ist das Orchester nicht alleine. Wir haben eine Unterschriftenaktion gestartet, sowohl als Online-Petition über unsere Webseite als auch physisch durch Unterschriftenlisten. Das Ergebnis hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Bei der Online-Petition sind 4829 Unterschriften zusammengekommen. Auf den Unterschriftenlisten sind es 5741. Hinzu kommen 2453 Unterschriften aus Schulen. Insgesamt also 13.023 Plädoyers für den Erhalt des Orchesters. Unterstützung haben wir aus dem ganzen Lande bekommen, sogar teilweise aus dem Ausland..

In die Überlegungen zum Erhalt der Bergischen Symphoniker ist in den letzten Wochen Bewegung gekommen. Die Gestaltungsmehrheit im Rat, bestehend aus  SPD,  FDP und den Grünen, schreiben in Ihrer Presseinformation vom 6. Juni, dass sie „Möglichkeiten ausloten wollen, die Bergischen Symphoniker fortzuführen“. Dabei geht man weiterhin von einem nennenswerten Sparbetrag im Haushalt aus, der mindestens 500.000 Euro betragen sollte, und einer Verhandlung mit Solingen über die Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages. Hier geht es um die unbegrenzte Nachschusspflicht und die Möglichkeit der Kündigung, „frühestens aber zum Ende eines zehnjährigen Zeitraums“. Meine Damen und Herren, die einseitige Auflösung des Gesellschaftsvertrages gehört von der Tagesordnung. Denn mit einem solchen Beschluss ist der Tatbestand der Bestandsgefährdung eingetreten, und das könnte ein Insolvenztatbestand sein. Wenn das so ist, würde die unbegrenzte Nachschusspflicht laut Gesellschaftsvertrag eintreten mit einem kaum überschaubaren finanziellen Risiko für die Stadt Remscheid.

Keiner will bestreiten, dass die Stadt Remscheid sparen muss, und da gibt es keine heiligen Kühe. Aber das Sparen muss sinnvoll sein, nicht sparen egal was es kostet. Wir haben gestern in einem Kreis von kompetenten Menschen zusammen gesessen und bieten der Stadt Remscheid einen Runden Tisch an, der sie in der Findung von Einsparpotentialen unterstützen will. Zu diesem Kreis gehören nicht nur die Orchesterfreunde aus den beiden Städten, sondern bekannte Persönlichkeiten und Vertreter der Wirtschaft. Ziel ist es, Einsparungen nicht zu Lasten der Qualität, sondern durch Steigerung der Effizienz zu erzielen. Dazu könnten beispielhaft gehören: Einsparungen beim Orchester, die bereits durch die Herren Kuhn und Schreiner angeboten worden sind. Eine verstärkte regionale Kooperation zwischen Solingen und Remscheid bis hin zu einer Kultur GmbH, die alle Bereiche der Kultur in den beiden Städten abdeckt. Das Budget des Teo Otto Theaters, z.B. durch einen gemeinsamen Einkauf von Veranstaltungen und den Verzicht auf Fremdeinkäufe von Orchestern für Musikproduktionen. (…)

Auch im Jahr 2011 haben die Remscheider Orchesterfreunde dank großzügiger Spendenbereitschaft die Symphoniker in vielfältiger Weise unterstützt. (…) Dank der Unterstützung durch die Sparkassenstiftung konnten wir mit ca. 30.000 € die Schulkonzerte, Schulmusiken, Freikarten und das sechs Mal ausverkaufte brilliante Konzert „Die 10 Gebote“ unterstützen. Schließlich ist es auch im abgelaufenen Jahr gelungen, das Werbebudget der Bergischen Symphoniker über die großzügigen Spenden der Bergischen Wirtschaft zu finanzieren. Das ist zwischenzeitlich für die neue Spielzeit 2012/2013 auch gelungen."

Trackbacks

Waterbölles am : CDU und W.i.R. scheiterten mit ihren 17 Gegenanträgen

Vorschau anzeigen
In der Fußballsprache war es gestern das Halbfinale: Gegen die Stimmen von CDU, W.i.R. und Linken empfahlen gestern im Haupt- und Finanzausschuss SPD, FDP und Grüne dem Rat der Stadt zur Sitzung am kommenden Donnerstag die Zustimmung zum (zuvor in Einz

Waterbölles am : Initiativkreis plädiert für eine Bergische Kultur GmbH

Vorschau anzeigen
Eine Woche vor der Sitzung des Rates der Stadt, in der eine Fülle von Sparmaßnahmen beschlossen werden soll, darunter auch die Bergischen Symphoniker betreffend, hat sich heute Mittag in der Denkerschmette ein „Initiativkreis ‚Zukunftsperspektive Bergisch

Waterbölles am : Orchester: Hinter den Kulissen scheint sich wenig zu rühren

Vorschau anzeigen
„Initiativkreis plädiert für eine Bergische Kultur GmbH“, titelte der Waterbölles am Nachmittag des 21. Juni. Gegen Mittag hatte sich damals in der Denkerschmette ein „Initiativkreis ‚Zukunftsperspektive Bergische Symphoniker’“ der Presse vorgestellt, in

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Felix Staratschek am :

Nur mal als Gedanke: Vormittags steht doch das Theater weitgehend leer, und es muss nicht jeden Tag geprobt werden. An solchen Tagen könnte das Orchester zusammen mit dem Theater Schultage anbieten. Alle Schüler einer Schule, die am Schultag teilnehmen, werden vom Unterricht befreit. Der Beitrag der Schüler beträgt fünf Euro, auf Antrag (Hartz IV, Geringverdienter) werden die erlassen. So bekommt das Theater bei voller Auslastung einiges an Einnahmen, und das Orchester kann dass, was es einmal eingeübt hat, etwas häufiger aufführen. Bei 679 Plätzen brächte das 3395 Euro pro Aufführung. Bei 10 Schulen über 33.000 Euro. Denkbar wäre auch, freie Plätze bei Aufführungen preiswert im Internet anzubieten. Wenn das Konzert beginnt, werden die Plätze ins Internet gestellt und eingetragene Personen per Newsletter informiert. Die Personen können dann per Mail oder Telefon einen Platz reservieren und können dann nach der Pause ihre Plätze einnehmen.

Lothar Kaiser am :

Unterrichtsbefreiung für einen Tag zur musischen Erziehung - mal eben so??

Karl F. Voss am :

Zwangsbeschallung für Kinder???

Christoph Humpert am :

Gegen innovative Vorschläge ist wirklich nichts einzuwänden. Grundsätzlich finde ich die Idee des Ausbaus des Internetvertriebs bei Karten gut. Nur so bekommt Christoph Imber seit Jahren seine Partys voll. Ihre Vorschläge sind jedoch in alter Tradition weltfremd.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!