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Solinger Schleifer in die Wupper-Wildnis abgedrängt

Teil I

Geht man vom Wiesenkotten Richtung Müngsten, kommt man auf halber Strecke am Standort des Arnsberger Kotten vorbei. Der ehemalige Transportweg, von Schaberg kommend, hat sich als breiter Hohlweg deutlich sichtbar eingefahren. Der Kotten am Hang der Arnsberge ist uralt, denn auf der Industriekarte von Ploennies 1715 ist er aufgeführt. Franz Hendrichs hat 1922 die Schleifkotten an der Wupper erfasst, beschrieben und auch teilweise in Skizzen wiedergegeben. Er berichtet, dass dieser Kotten bereits 1628 gegründet wurde. Dass es sich um eine Doppelkottenanlage handelte, ist auch auf den historischen Urkatasterkarten der Stadt Solingen von 1826 erkennbar. Gebaut worden ist der Kotten aufgrund von Streitereien zwischen den Schleiferzünften von Remscheid und Solingen. Näheres beschreibt der Heimatforscher Julius Günther aus Solingen 1932:

"In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestand zwischen den Remscheider und Cronenberger Schleifern des Sensenhandwerks im Morsbachtal und denjenigen in Solingen ein Streit hinsichtlich des Schleifens Remscheider Erzeugnisse. Die Remscheider und Cronenberger beriefen sich auf ein Privileg von 1600, nach dem ihnen das Schleifen Remscheider Erzeugnisse allein zustand, während die Solinger behaupteten, dass sie von alters her in ihren Wupperkotten bei Müngsten Remscheider Waren bearbeitet hätten. Um 1600 verdrängten die Solinger Schleifer in den Kotten am Morsbach die Cronenberger und die Remscheider im Jahre 1625 die Solinger. Neue Schleifkotten wurden daraufhin auf der Solinger Wupperseite bei Müngsten errichtet. Dort bestand um 1600 nur der Schaltkotten, zu dessen Errichtung schon im Jahre 1573 die Genehmigung erteilt worden war. Alle übrigen Kottenanlagen von Burg aufwärts entstanden später. Im Jahre 1625 erbaten die Gebrüder Drieß und Johann Asheuer, wohnhaft "Zum Dorp", sowie einige andere Brüder des Schleiferhandwerks zu Solingen, bei der Landesregierung die Genehmigung zur Errichtung zweier Schleifkotten (Doppelkotten) zwischen Burg und dem Müngstener Steege gegenüber Küppelstein am Arnsberge. Sie berichteten, "dass sie ihr Handwerk auf etlichen jenseits der Wupper auf Cronenberger Gebiet (geht auch heute noch bis an den Morsbach heran) stehenden Schleifkotten nicht gebrauchen noch mächtig sein könnten, weil deren Steege abgetrieben seien. Andernteils aber auch wegen der Landstreifen jenseits der "Zoghbrücke", die man machen lassen müsse. Dieselbe wäre ihnen aber mehrenteils "uffgezogen verhalten" und sie wären mehrenteils dadurch in Verderb gesetzt worden."

Was war passiert? Aus welchen Gründen auch immer kamen die Solinger Schleifer nicht mehr regelmäßig in den Schleiferkotten am Morsbach an, zu dieser Zeit das „Meisennest“ und der „Leyerkotten“ waren. Waren sie dort nicht mehr geduldet? War es Hochwasser, das die Stege weggespült hatte? Allein die Tatsache, dass die Zugbrücke vielfach oben war, läst ersteres vermuten. Zudem hatten die Remscheider Schleifer in Verbindung mit den Cronenberger Schleifern am Müngstener Steg noch eine Vorrichtung geschaffen, mit der sie einen Teil des Wuppersteges von ihrer Seite aus hochziehen konnten, um zu jeder Zeit kontrollieren zu können, wer den einzigen Wupperübergang an dieser Stelle passieren wollte. Wilhelm Engels berichtet in seinen Aufzeichnungen, dass zu damaliger Zeit Landstreifen eingesetzt wurden, welche die Warenlieferungen überprüften, und auch sonst Streife liefen, um die abgelegenen Schleifkotten zu bewachen. So erklärt sich auch vage, dass man schon im Jahre 1625 den in Dorp lebenden Schleifern den Übergang über die Wupper und zu den auf Cronenberger Gebiet am Morsbach gelegenen Schleifkotten verwehrte.

Den Dorper Schleifern wurde es nicht leicht gemacht, die Genehmigung zum Bau ihrer neuen Arbeitsstätte gegenüber dem Arnsberg zu erhalten. Allerdings bestand bei der Landesregierung die Befürchtung, dass die Fischerei in der Wupper durch die Anlegung neuer Schleifkotten leiden könne. Andererseits winkte aber auch eine neue Einnahme für die Landeskasse, die später mit jährlich fünf Goldgulden (Doppelkotten) festgesetzt wurde. Es verstrichen drei Jahre, bis man sich bei der Landesegierung über die Genehmigung schlüssig werden konnte. Zunächst wurde der Richter des Amtes Solingen beauftragt, die Örtlichkeit zu prüfen, ferner sollte angegeben werden, ob etwa anderen Untertanen durch den Bau der Kotten Schaden zugefügt werden könne. Die Ortsbesichtigung erfolgte unter Hinzuziehung von "zwei Scheffen des Werks", also Angehörigen der Solinger Handwerksbruderschaft der Schleifer. In dem Bericht über diese Ortsbesichtigung heißt es, dass der vorgeschlagene Ort allen Anwesenden ungelegen vorgekommen sei; man schrieb von "einem Ort uff die Wupper in wilden Busch und von Leuten weit abgelegen". Die Entscheidung, ob an solcher Stelle ein Schleifkotten angelegt werden solle, wurde der gnädigsten Ratifikation überlassen, die Genehmigung dann aber doch erteilt. Zu den technischen Daten ist noch zu erwähnen, dass zwei unterschlächtige Wasserräder mit einem Durchmesser von 3, 60 Metern ihren Dienst verrichteten. (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

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