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"Kömpkes Tüch" waren nur "starke Naturen" gewachsen

ISchleifsteinbruch in der Eifel 1905. HIZ Remscheid

Teil II

Die Unzugänglichkeit des Arnsberger Kottens zwischen Burg und Müngsten war erheblich, und das Heranschaffen der Schleifsteine bereitete auch in späteren Zeiten noch große Schwierigkeiten. Wir müssen uns diese Gegend vor 380 Jahren als eine richtige Wildnis vorstellen. Die Schleifer von Dorp nahmen aber die mit den Naturzuständen verbundenen Unbequemlichkeiten in Kauf, denn sie waren ja darauf angewiesen, sich eine neue Arbeitsstätte auf der eigenen Wupperseite anzulegen. Dadurch entledigten sie sich der Schwierigkeiten des Wupperüberganges und auch den Scherereien, die sie mit den Cronenberger und Remscheider Schleifern in den von ihnen bisher benutzten Arbeitsstätten hatten.

Reinhard Meis vom Dorp als letzter Schleifer im Kotten wusste noch zu berichten, dass die Herbeischaffung eines neuen Schleifsteines eine ganz besondere Prozedur war. "War der Schleifstein, der damals in der Eifel gebrochen wurde und über Mosel und Rhein zu Schiff bis Hitdorf seinen Weg genommen hatte, auf der Achse von dort über die Wupperfurt bei Horn (Leichlingen) mühsam bis ins Solinger Gebiet gebracht worden, so konnte man den von Pferden gezogenen Wagen nur bis an eine Stelle am Hang seitlich vom Arnsberger Kotten heranbringen. Von da ab war man gezwungen, den Schleifstein den Abhang schräg herunter rutschen zu lassen, und suchte den Aufprall durch einen mächtigen Stoß Reisig zu dämpfen."
Einen Schleiferbrauch hat Hendrichs auch noch parat: "So gehörte es sich, dass die Braut eines Schleifers, um auch ihre Zugehörigkeit zum Handwerk zu besiegeln, am Hillingstage mit zum Schleifkotten ging, sich dort, angetan mit den großen Schleifschuhen, den Wittblotschen, vor den großen Stein stellte und ein Schwert oder Messer schliff, so gut es gehen wollte. Die Braut war dabei von ihren Freundinnen wie der Bräutigam von seinen Freunden begleitet. Für den Kotten war dies ein großer Festtag. Butterbrote und Zigarren wurden verteilt und dabei dem "Ronsdorfer" und dem "Köbes" - letzterer ein Zuckerchnaps - mehr zugesprochen, als wohl zwingend nötig gewesen wäre. Wurde aber erst "Kömpkes Tüch" gereicht, eine Schale, ein Kump mit Schnaps, in den Honigkuchen in kleinen Würfeln geschnitten war, so ging es begreiflicherweise besonders hoch her. Nur starke Naturen waren dieser Labsal gewachsen."

In jenen Zeiten wurde vielfach übermäßig lange gearbeitet. Beim Morgengrauen zog man in die Täler, und oft wurde es spät am Abend, bis man auf die Berge zurückkehrte. Im Sommer, wenn das Wasser besonders knapp war, schlief man auch schon mal im Kotten und arbeitete in der Nacht ein paar Stunden, wenn sich genug Wasser gesammelt hatte, das man dann nicht unbenutzt vorbeifließen lassen wollte. Zur Mittagszeit wurde den Schleifern das Essen meist durch Angehörige in den Kotten gebracht. Zwischen den Schleifern des Arnsberger Kottens und denen des nächst höher gelegenen Anschlagkottens, gab es fast dauernd Streitigkeiten wegen der Wupperstauverhältnisse. Wie bei Forstmann versuchten die "Arnsberger" immer wieder ihr Stauwehr eigenmächtig zu erhöhen und behinderten dadurch die Arbeit im Anschlagkotten. Daraus ergab sich ein sieben Jahre langer Rechtsstreit, während dem die Eigentümer des Arnsberger Kottens jede Arbeit zur Instandhaltung unterließen. Die Folge war, dass die Stellenmieter (Schleifer) nach und nach ausblieben und der Kotten schließlich ab den 1880er Jahren verfiel.

Im Arnsberger Kotten sind wohl von jeher Remscheider Erzeugnisse wie Schlittschuhe, Sägen usw. geschliffen worden. 1835 brannte in mindestens einem Kotten das Inventar, worauf es in einer Bekanntmachung heiß: " An Sonn- und Feiertagen pflegen bei warmer Witterung oft zahlreiche Gesellschaften junger Leute sich an der Wupper aufzuhalten, und es wird alsdann unter dem Vorwande des Badens nicht selten Unfug getrieben, wozu insbesondere Fischereifrevel sowie Beschädigung und Zerstörung fremden Eigenthums gehören. Am meisten sind die an der Wupper gelegenen Schleifkotten dem Muthwillen dieser Gesellschaften Preis gegeben, indem diese Gebäude unbewohnt, an gedachten Tagen ohne Aufsicht, auch nicht wohl so zu verschließen sind, um sie unzugänglich zu machen. Dadurch aber dass dieselben, wie dies häufig geschieht, ganz unvorsichtig mit brennenden Pfeiffen betreten werden, entsteht außerdem auch große Feuersgefahr, und der am vorigen Sonntage in dem Arnsberger Kotten ausgebrochene Brand ist höchst wahrscheinlich einer solchen Unvorsichtigkeit zuzuschreiben. Die Gendamerie und Polizei-Angestellten sind daher angewiesen auf diesen Unfug zu wachen, und alle diejenigen, welche sich dessen ferner schuldig machen mögen, ohne Nachsicht zur Bestrafung anzuzeigen, wobey noch bemerkt wird, dass die Eltern für die Vergehen ihrer minderjährigen Kinder verantwortlich sind. Solingen den 10. July 1835." Oder war es die Konkurrenz? Jedenfalls ist nachzulesen, dass 1895 der andere Kotten ausgebrannt ist. (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

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