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Eisenverhüttung im Tal, wo Wasser Muskeln ersetzte

Nimmer rasten­der Erfindungsgeist ersetzte die kleinen Rennfeuer des frühen Mittelalters durch größere, leistungsfähigere Öfen, die, weil bei den erhöhten, an die Produktion gestellten Anforderungen die Menschenkraft zum Antrieb der Gebläse nicht mehr genügte, in die Nähe wasserreicher Bäche verlegt werden mussten. Die Blasebälge, die schon den kleinen primitiven Öfen die notwendige Luft zuge­führt hatten, wurden statt mit den Hand oder dem Fuß nunmehr durch das Wasser in Bewegung gesetzt. Die Eisenverhüttung wandert hinab in die Täler. Der Standort der Eisenerzeugung und -Verarbeitung war sowohl durch das Ge­fälle der Gebirgsflüsse bedingt wie die zerstreut vorkommenden Eisenerze und die Waldungen. In Gruben und Stollen hackten und hämmerten die Berg­leute, um dem Boden das Erz zu entreißen. Unten in den Tal­gründen hantierten die Hüttenleute vor ihren Öfen. Da fauchten die Blasebälge unter dem Antrieb der Wasserräder, und Feuer­garben entfuhren den lohenden Essen. Nebenan gingen die Stempel der Pochwerke, die den Eisenstein zerkleinerten und zur Verhüttung zubereiteten. Im nahen Wald aber baute der Köhler seine Holzkohlen-Meiler.

Betrachten wir zunächst den Bergbau und die Verhüttung des Eisens in dieser Zeit. Der Brauneisenstein kommt bei Reinshagen, Kremenholl und an anderen Stellen in Form von Gängen als Ausfüllung der Gebirgsspalten vor. Im Morsbachtal finden sich zwischen den Schieferbänken Lager von kohlensaurem Eisenstein, die sogenannten Sphärosideritschiefer, die eine der ursprünglichen Grundlagen für die älteste Eisengewinnung im Bergischen bildeten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass im Remscheider Industrie­gebiet ein früher Bergbau auf Eisenerz betrieben wurde, der bis tief ins Mittelalter zurückreichen dürfte und seine Spuren in Gruben, Stollen und Pingen (maulwurfartige Gänge, die von der oberflächlichen Ausbeutung der Erzadern zurückbleiben) an verschiedenen Stellen des Rem­scheider Stadtgebiets, besonders in der Gegend von Reinshagen, Kremenholl, Lobach usw. hinterlassen hat. Am bedeutendsten war anscheinend das Reinshagener Bergwerk, dessen Stollengänge nach der Überlieferung den ganzen Höhenrücken zwischen dem Lobach und dem Bornsiepen bei Bornstahl und Güldenwerth durchzogen. Wahrscheinlich wurde sogar schon im 15. Jahrhundert Eisen ausgeführt. Ein Osnabrücker Stadtbuch aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts führte in einem Abgabenverzeichnis u. a. „Eyn hundert lenepes yseren" auf, die anscheinend im Remscheider oder Lüttringhauser Gebiet erschmolzen und von Lenneper Kaufleuten in den Handel gebracht worden sind.

Die urkundlichen Zeugnisse für den alten Remscheider Berg­bau sind zwar nicht sehr zahlreich, aber doch genügend, um die Gewinnung und Verhüttung von Eisenerzen im Gebiet des Esch­bachtales sowohl als des Morsbachtales nachzuweisen. Aus den Aufzeichnungen des Burger Kellners Johann Bernhard Francken geht hervor, dass oberhalb des Bücheler Hammers (das Werk hat seinen Namen nach dem Hofe Losenbüchel, wo der Besitzer seinen Wohnsitz hatte. Es handelt sich um die jetzt ver­fallene Anlage oberhalb des Jagenbergshammers im Lobachtal) eine Hütte lag, und aus dem Remscheider Lagerbuch von 1675 ergibt sich, dass sich diese Hütte nebst dem erwähnten Hammer da­mals im Besitz der Familie Engels vom Losenbüchel befand. Es ist dieselbe Anlage, die in der Erbpachtverschreibung des Pfalz­grafen Wolfgang Wilhelm von 1622 als „Loesenhütte" bezeich­net wird, weil sie damals der Familie Loos gehörte, nach der der Hof Losenbüchel benannt ist.

Der Bücheler Hammer ging aus einer Hand in die andere. Nach den Loos waren Engels, dann Ehlis, Paß, von den Steinen, Ibach und Diederichs die Besitzer. Die Hütte wird aber nach 1692 nicht mehr genannt. Sie scheint im An­fang des 18. Jahrhunderts einer Hammeranlage Platz gemacht zu haben. Die von dem Kellner Francken im Jahre 1692 erwähnte Hütte „unter Vieringhausen am Eck" dürfte mit der Loosenhütte gleichbedeutend sein. Da der Hammer Friedrich Honsbergs, der heutige Ehlishammer, „nahe bei der allda gelegenen Hütten" stand, so muss die Erzschmelze an der Stätte des jetzigen Ibachs-, des frü­heren Diederichshammers, gelegen haben.

Eine zweite Hütte befand sich im untern Morsbachtal in der Gegend des Gockelshammers. Dort hatten nach dem Bericht des Burger Kellners 1692 Peter Böcker, Johann Kremer von Westhausen, Franz Eilis (Ehlis) und Henß Spielmann „auf der Morsbacher Bach nächst der daselbst gewesenen Hütten" einen Eisenhammer. Auch das Remscheider Lagerbuch erwähnt hier im Jahre 1675 die „Gockelshütte", an der nach seinen Angaben vier Bewohner des benachbarten Morsbacher Hofes - Peter Melchers, Hans Zenses, Peter Morsbach und Engels, jeder mit einem Sechzehn­tel - beteiligt waren. Die Remscheider Eisenhütten wurden also, wie das auch von ähnlichen Anlagen im Oberbergischen bezeugt ist, gewerkschaftlich betrieben. Jeder Mitinhaber durfte, seinem Anteil entsprechend, das Werk eine Zeit­lang benutzen. Es kam aber auch vor, dass verschiedene Teilhaber ihre Erze und Kohlen zu einer „Hüttenkampagne" zusammenlegten, „in Sammenei" verarbeiteten und das gewonnene Eisen dann im Verhältnis der gelieferten Rohstoffe verteilten.

Die Gockelshütte lag dicht beim Gockelshammer. Ihre Ge­bläse wurden mit demselben Wassergefälle betrieben. Das ist aus den Angaben des Remscheider Lagerbuchs zu schließen, nach denen der vierte Teil des ganzen Platzes und auch ein Viertel der Ober- und Untergräben für die Hütte gerechnet wurden. Ferner bestand im Jahre 1646 noch eine Eisenschmelze in der Gerstau. Aus den Akten der Bergischen Obergerichte geht hervor, dass im Jahre 1554 mit einem unterm Büchel „in der Grundaue" gelegenen Hammer eine Hütte verbunden war. Der Inhaber der beiden Werke, Luther im Grund, musste sich gegenüber den Anlie­gern Wyrnke im Siepen und Arnhard zum Büchel verpflichten, das Wasser des Baches nur bei Tage zu gebrauchen und des Abends das Schutt (eine Stauvorrichtung) zu schließen, damit das Wasser dann über die Wiesen geleitet werden konnte. Von der Gegenseite wurde zu­gestanden, dass Luther und seinen Erben, wenn sie „die Hütte gebrau­chen wollten zu blasen", das erforderliche Wasser zur Verfügung stehen sollte. Im Jahre 1580 wurde dann mit Hans im Grund, dem Erben des Hammers und der Hütte, eine weitere Vereinbarung über die Anlage eines neuen Schutts getroffen. Leider vermögen wir die Lage dieses Werks, das in einer Urkunde vom 19. Mai 1716 als der Bücheler oder Hammes-Hammer bezeichnet wird, nicht mehr genau festzu­stellen, da diese Bezeichnungen auch den ältesten Schmieden des Tales nicht mehr bekannt sind. Die Namen der Beteiligten: Luther und Hans im Grund, Arnhard zum Büchel und die Flurbezeichnung der „Grundaue" deuten auf den Gründerhammer hin. Infolge der verschiedenen Umbauten und Erweiterungen, die die Hammeranlage erfahren hat, scheinen die alten Namen verloren gegangen zu sein. Übrigens waren Örtlichkeiten wie diese, wo sich verschiedene Wasserläufe vereinigten, zur Anlage von Hüttenbetrieben sehr be­liebt. Etwa eine halbe Stunde bachaufwärts an einer ähnlichen Stelle im Goldenberger Grund erinnert die Bezeichnung des „Singer­berges" anscheinend auch an eine frühere Hüttenanlage.

Ferner nennt das Remscheider Lagerbuch im Jahre 1675 noch den Hüttenplatz am Neuenhammer im Eschbachtal, der sich damals im Besitz des Remscheider Vorstehers Peter Honsberg be­fand; doch war die Hütte wohl schon lange nicht mehr im Betrieb. Auch wird eine Eisenschmelzhütte auf dem Gelper­bach in der Nähe von Clemenshammer erwähnt, die anscheinend die letzte dieser Anlagen war. Die Genehmigung zu ihrer Errichtung erhielt Johann Clemenshammer am 22. August 1700. So berichtet der Kellner des Amtes Beyenburg im Jahre 1749. Da aber, wie er bemerkt, die Abgaben dieser Hütte von dem herzoglichen Bergvogt einzuziehen waren, so lassen uns die Kellnereirechnungen im Zweifel, ob die Anlage um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch im Betrieb war oder nicht. Die Hütte in der Nähe von „Platz", oberhalb des Clemenshammers, die der Burger Kellner noch im Jahre 1780 bei dem Stahlhammer von Peter Berger erwähnt, dürfte mit der oben genannten Eisen­schmelze unterhalb der Grunder Aue gleichbedeutend sein. Sie war jedenfalls ebenso wie die andern Werke dieser Art schon viele Jahr­zehnte außer Betrieb, so dass ihr Name nur noch als Flurbezeichnung in Betracht kam.

Dass die in diesen Hütten verarbeiteten Erze an Ort und Stelle gewonnen wurden, geht aus einer Bemerkung des Kellners Francken hervor. Er berichtet 1692, dass der Bergzehnt in Rem­scheid von dem Bergvogt erhoben wurde, also nicht in die Kasse der Kellnerei floß. Doch fügt er die Notiz hinzu, dass von der Schmelzhütte „im Kirspel Remscheid auf der Morsbach" nach der kurfürstlichen Verordnung von 1642 „anstatt Zehendens von jedem Fuder Stein acht Pfund gereckten Eisens in die Kellnerei zu empfan­gen" sei. Ob sich diese Bemerkung auf die Gockelshütte, die Ger­stauer oder Grunder Eisenschmelze bezieht, ist aus den Aufzeich­nungen des Beamten nicht zu ersehen.

Die Angabe des Düsseldorfer Hofkammerrats Friedrich Heinrich Jacobi aus den Jahren 1773 und 1774 über die Rohstoff­versorgung des alten Remscheider Gewerbes entspricht also den Tat­sachen, wenn sie auch in der Zeitangabe nicht ganz zutreffend ist. Jacobi schreibt: „Vor 100 Jahren und von da an seit undenklicher Zeit sind zu Remscheid und in den umliegenden Kirchspielen nur Eisenbergwerke, Schmelzhütten, Stab- und Stahlhämmer gewesen." Wenn daraus der Schluss gezogen worden ist, dass 1673 und 1674 in Remscheid Eisenbergwerke, Schmelzhütten, Stab- und Stahl­hämmer in hoher Blüte standen, so trifft das nur für die Hammer­anlagen zu; dagegen waren die Berg- und Hüttenwerke schon im Erliegen, nur noch die letzten Reste der Bergbau- und Hüttentätigkeit sind in dieser Zeit nach den urkundlichen Quellen festzustellen. (nach: „Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

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