Skip to content

„Gegenseitiges Interesse scheint nicht stark ausgeprägt!"

„Was müssen wir unternehmen, damit unser Honsberger Süden wieder schöner wird?“, fragen sich am kommenden Samstag ab um 10 Uhr in der Grundschule an der Martinstraße die Teilnehmer/innen eines Werkstadtgesprächs, zu dem die Stadt Remscheid eingeladen hat. Die meisten davon dürften Anwohner des Honsbergs sein, keine Frage! Im Vorfeld waren vom Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. (vhw e.V.) bereits Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt worden. Sie haben ihren Niederschlag gefunden in einer Ausarbeitung, der der Verband die Überschrift „Leben auf dem Honsberg“ gegeben hat. Darin nimmt das Image des Stadtteils einen breiten Raum ein, unterteilt in Außen- und Innenwahrnehmung. Eigentlich lebe es sich ja auf dem Honsberg gar nicht schlecht, aber, Zitat:

„Der Honsberg hatte schon immer ein ganz eigenes Image – er war immer ein Arbeiterviertel, mit entsprechender Bebauung und politischer Orientierung und das war schon „früher“ für einige Bürger außerhalb des Honsbergs negativ (‚der rote Honsberg’, ‚Kommunistenviertel’). Grundsätzlich lieben alteingesessenen Honsberger aber ihren Stadtteil – der Zusammenhalt wird als sehr gut wahrgenommen und hebt sich positiv von anderen Stadtteilen ab. Bestes Beispiel dafür sind die jährlichen Honsberger Stadtteilfeste. Aber bei allen positiven Aspekten wiegen doch die negativen Aspekte schwerer und bestimmen vor allem die Außenwahrnehmung des Stadtteils.“

Zum äußeren Erscheinungsbild des Honsberg stellen die  Politikberater fest, der Honsberg wirke „runtergekommen“, „vernachlässigt“ und „ungepflegt“; das liege zum Teil am unsanierten Wohnungsbestand. Kritisiert werden Müll und Unrat (vor allem im südlichen Bereich) und die noch immer nicht abgerissene Bauruine des Möbelhauses vom Stein.  Auch der hohe Anteil an Migranten trage zum Negativimage bei („Klein-Istanbul“) und wecke die „üblichen“ Vorurteile von Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Transferleistungen und soziale Probleme. Dadurch verfestige sich der Eindruck, es gehe mit dem Stadtteil immer weiter bergab. Zitat: „Vor allem Migranten sich schämen, in Honsberg zu leben – das negative Image könnte auf sie abfärben. (…)Türkische Familien ziehen … immer öfter in andere Stadtteile – denn sie haben Angst, dass ihre Kinder auf dem Honsberg nicht die Bildung erhalten, die sie für ihr Leben brauchen. Hinzu kommt die Befürchtung, dass ihre Kinder mit Honsberg als Wohnort an keiner Schule angenommen werden.

Das waren noch gute Zeiten, als es auf dem Honsberg noch viele Läden gab - vom Kiosk über Schuhgeschäfte und Blumenläden bis hin zu Post, Sparkasse und Supermarkt. Davon ist so gut nichts geblieben. Für den täglichen Bedarf seien die Bewohner auf Läden in anderen Stadtteilen angewiesen; sachwierig gerade für die Älteren, stellt der Bundesverband in seiner Studie fest.  Auch an Restaurants, Cafés, Kneipen mangele es. „Es macht den Anschein als fehle es dem Honsberg an Leben und Lebendigkeit.“

Alles das führe dazu, dass der Stadtteil fast schon eine abschreckende Wirkung habe – sowohl für Deutsche, als auch für Migranten, heißt es in der Studie. In den Interviews sei aber auch deutlich geworden, dass die sehr negativ geprägte Außenwahrnehmung zum größten Teil durch Vorurteile geprägt sei; der hohe Anteil an Migranten und sozial schwächeren Menschen führe nicht automatisch dazu, dass sich die Menschen unsicher fühlten oder Angst hätten: „Die Art und Weise des Zusammenlebens auf den Honsberg wird von den meisten als einmalig gut beschrieben – wenn es darauf ankommt, so scheint es, halten die Honsberger zusammen.“ Bei einigen Ambivalenzen – es sei doch eher  ein Nebeneinander als ein Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Zitat: „Das gegenseitige Interesse scheint nicht stark ausgeprägt zu sein. Die Rede ist auch von ‚Parallelgesellschaften’.“ Noch befördert durch das Fehlen öffentlicher Begegnungsstätten!  Mit großen Hoffnungen werde deshalb der Bau der „Neuen Mitte“ verknüpft.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!