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„Das kann passieren. Und es kann jedem passieren.“

Stadtdirektor Burkhard Mast-Weisz. von Timo Spicker

Burkhard Mast-Weist will ihn nicht verschweigen. Sondern offen darüber sprechen, was gerade in Führungspositionen immer noch tabuisiert wird - seinen Burnout. Der Stadtdirektor hat am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Grenzen erreicht sind. Nach seinem Schwächeanfall will der Verwaltungsmann nicht einfach so weiter machen. Denn es gehe nicht nur um ihn.

Den Tag im Februar wird Burkhard Mast-Weisz nicht vergessen. Das will der Remscheider Stadtdirektor auch gar nicht. „Ich konnte einfach nicht mehr“, erinnert sich Burkhard Mast-Weisz. Bis dahin hatte der Stadtdirektor immer geglaubt, irgendwie werde er das schon packen. Sein Körper hat ihm gezeigt, dass er es nicht packt. Herzrasen, Atemnot und der Schreibtisch voller Arbeit. Der Arzt im Krankenhaus hat damals deutliche Worte gefunden. Er hat Mast-Weisz vor die Wahl gestellt:  Schlaganfall oder Notbremse. „Ich habe mich für Letzteres entschieden“, erinnert sich Mast-Weisz, dessen Mutter erst kurz zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte und um die er sich abwechselnd mit seinen Geschwistern kümmert. Die Notbremse sah so aus, dass der Stadtdirektor für drei Wochen in die Reha ging. Kein Fernsehen, kein Telefon, kein Internet. „Da habe ich gelernt, wieder auf mich zu sehen, wieder mehr für mich zu tun.“

Längst arbeitet Burkhard Mast-Weisz wieder. Kürzer sind seine Tage nicht geworden und die Arbeit auch nicht weniger. Aber er geht sie anders an. Mindestens zweimal pro Woche startet er nicht sofort ins Büro, sondern ins Schwimmbad. In Vohwinkel zieht er morgens um sechs mit den Frühschwimmern seine Bahnen. „Das ist etwas, um den Tag nicht sofort in der Tretmühle zu beginnen“, sagt der Stadtdirektor, der nicht einfach so weiter machen will wie vor seinem Schwächeanfall. Zwar sei das manchmal Quälerei, doch sei er jedes Mal froh, nicht schon um sieben durchzustarten.

„Jeder weiß, dass es idiotisch ist, jeden Tag vierzehn Stunden im Büro zu verbringen“, versucht „BMW“, wie ihn seine Freunde nennen, seine Situation zu erklären. „Aber die Arbeit muss erledigt werden, und es geht da nicht nur um irgendwelche Akten und Vorgänge. Sondern es geht um Menschen.“ Dennoch versucht der Verwaltungsmann auch auf sich zu schauen. Und nicht nur auf die Arbeit. Das gelänge zwar nicht immer. Aber immer öfter.

Dennoch macht Burkhard Mast-Weisz sich Sorgen. Nicht um sich. Aber um die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Wenn man selber mal hier steht und merkt, man kann nicht mehr, das macht einen nochmal sensibler für die Situation anderer.“ Er habe am eigenen Leib erlebt, wie es ist, wenn da immer noch eine Schüppe obendrauf kommt. Die Folgen bekommt er als Stadtdirektor jede Woche auf den Schreibtisch. In Form von Krankmeldungen. „Wir erleben es immer wieder, dass Leute nicht über Wochen ausfallen, sondern über Monate.“

Deshalb sei es so wichtig, dass Kollegen gegenseitig auf sich Acht geben. „Wenn man sich so im Hamsterrad befindet, dann merkt man gar nicht mehr, wie man auf andere wirkt.“ Gerade nach seiner eigenen Burnout-Geschichte appelliert der Stadtdirektor dafür, gegenseitig auf sich aufzupassen. Um möglichst rechtzeitig die Notbremse ziehen zu können, bevor die eigenen Grenzen erreicht sind. „Das ist mir ein großes Anliegen“, so Burkhard Mast-Weisz, „weil ich selbst erlebt habe, wie es einem geht, wenn es plötzlich nicht mehr geht.“

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Kommentare

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Michael Mahlke am :

Wenn so ein Thema schon so präsentiert wird, dann würde ich als Ergänzung http://www.burnout-depression.com empfehlen.

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