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Orchester: Hinter den Kulissen scheint sich wenig zu rühren

„Initiativkreis plädiert für eine Bergische Kultur GmbH“, titelte der Waterbölles am Nachmittag des 21. Juni. Gegen Mittag hatte sich damals in der Denkerschmette ein „Initiativkreis ‚Zukunftsperspektive Bergische Symphoniker’“ der Presse vorgestellt, in dem die Orchesterfreunde Remscheid durch Harald Lux, Dr.  Walter Spelsberg und Wolfgang Luge vertreten sind, die Orchesterfreunde Solingen durch Hans Werner Gabriel und die Wirtschaftsjunioren Remscheid durch Andreas Schmitz-Vornmoor. Ferner gehören ihm Franz Haug, Oberbürgermeister a. D. der Stadt Solingen, Karl Manfred Halbach, Kulturdezernent a.D. der Stadt Remscheid, und Reinhard Ulbrich, Oberbürgermeister a. D. der Stadt Remscheid, an. Er betonte damals, dass die Freunde der Symphoniker es sehr begrüßten, „dass endlich Bewegung in die Diskussion um die Zukunft des Orchesters gekommen ist, das Gespräch gesucht wird und auf der Grundlage  eines jährlichen Einsparvolumens von 500.000 € bis Ende dieses Jahres eine Gesamtkonzeption entwickelt werden soll“. Die Ebene der Sprachlosigkeit und des Schriftverkehrs müsse endlich überwunden werden. Auf die damals dezidiert vorgestellten Vorschläge des Initiativkreises habe es von offizieller Seite bis heute keinerlei Reaktion gegeben, berichtete Ulbrich gestern Abend beim ersten „Presseclub“ in der Denkerschmette nach der Sommerpause. Da klang Enttäuschung mit.

Wohl auch deshalb hatte er die Diskussionsrunde, zu der diesmal rund 30 Remscheider/innen erschienen waren, mit „Remscheider Kulturpolitik: Was spielt sich hinter den Kulissen ab?“  überschrieben. Sicher auch in der Hoffnung, vielleicht von Kommunalpolitikern mehr über den Stand der Dinge zu erfahren. Aber: Die FDP ließ sich „urlaubsbedingt entschuldigen. Und: „Von der SPD habe ich gar nichts gehört“, so Ulbrich. Da könne dann Beatrice Schlieper von den Grünen gleich „für die beiden Mitgestalter“ (FDP und SPD) mitsprechen. Doch die beantwortete die Frage, was sich hinter den Kulissen abspiele, nur mit einem knappen Satz: „Auch nichts!“

Stark vertreten waren gestern die Remscheider Linken durch Fraktionsvorsitzender Fritz Beinersdorf,  Fraktionsgeschäftsführer Axel Behrend, Ratsmitglied Klaus Küster und Klaus Wetzel, Mitglied der BV Süd. Sie wiederholten ihre Maximalforderung nach öffentlicher Finanzierung jeglicher Kultur, wobei sich Küster zu dem Satz verstieg, schließlich sei ja der heutige Staat der Nachfolger früherer Feudalherren, an deren Kulturerbe sich die Gesellschaft heute noch erfreue.

Karl Heinz Humpert. Foto: Lothar KaiserCDU und W.i.R. waren durch den Kulturausschussvorsitzenden Karl Heinz Humpert (Foto rechts) und den Fraktionsvorsitzenden Wieland Gühne vertreten. Letzterer wollte nicht gleich die altbekannten Diskussionen zur Zukunft des Orchesters neu anstoßen. Deshalb lobte er zunächst, dass die Sanierung des Stadttheaters auf einem guten Weg sei, und kündigte für den Spätherbst einen „Runden Tisch“ an, der sich mit dem Zusammenspiel von etablierten und freien Kulturträgern befassen werde. Humpert bestätigte zwar, dass ein entsprechender Antrag der W.i.R. beim Kulturausschuss gelandet sei, aber zuvor gelte es noch eine ganze Reihe offener Fragen zu klären: „Wohin geht die Reise bei den Bergischen Symphonikern? Man spricht wohl miteinander, aber es gibt noch keine Ergebnisse!“ Im Übrigen erforderten diese Verhandlungen „Ruhe und Verschwiegenheit“. Gleichwohl müssten die Ergebnisse allerdings „rechtzeitig vorliegen“. – „Und nicht erst kurz vor der Dezember-Sitzung des Rates“, warf Gühne ein.

Unklar sei auch die Zukunft der Kunstschule, da Charles Wesseler demnächst in den Ruhestand gehe, fuhr Humpert fort. Für Oktober erwartet er eine Vorlage der Verwaltung, aus der hervorgeht, ob auch künftig mit Landeszuschüssen für die Kunstschule zu rechnen sein wird. „Was geschieht mit Haus Cleff? Kann das Heimatmuseum erhalten bleiben?“ Wie soll es mit dem WTT weitergehen, wenn es nach 2015 keine städtischen Zuschüsse mehr gibt? Stellt dann auch das Land die Unterstützung ein?“, zählte der Kulturausschussvorsitzende der CDU weitere Fragen auf.  Und zur Städtischen Galerie, deren Schließung der Rat beschlossen hat: Der Verein „Pro Arte“, um den es in den vergangenen Jahren recht ruhig geworden sei, habe sich vorgenommen, für die Galerie zu kämpfen. „Ob das passiert, wird man sehen.“

Beatrice Schlieper zeigte sich von der Aufzählung wenig beeindruckt: „Das kennen wir doch schon alles aus dem Stärkungspakt!“ Für sie ist klar: „Wenn wir uns eine Kultureinrichtung nicht mehr leisten können, brauchen wir Förderer.“ Das gilt für Haus Cleff, wo sich Schlieper engagiert hat, ebenso für das Orchester. Humpert stimmte ihr da zu, wünschte sich Sponsoren aus der Wirtschaft, die bereit sein müssten, sich langfristig zu engagieren, zumindest für die Laufzeit des Dirigentenvertrages. Und dann kam er auf den Sparbeitrag der Musiker zu sprechen: Der müsse zwischen 250.000 und 300.000 Euro im Jahr liegen. Die 140.000 Euro Einsparung, die die Orchestervereinigung für den Verzicht auf die Hälfte des 13. Monatsgehaltes errechnet hatte (ein Angebot, befristet auf drei Jahre, und gekoppelt an die Forderung nach Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen). Bezeichnete Karl Heinz Humpert als zu wenig. Zumal die Städte Remscheid und Solingen im kommenden Jahr mit zusammen mehr als 20 Millionen weniger Landeszuschüssen rechnen müssten. Nach wie vor für unrealistisch hält er  die Idee Remscheids, 500.000 Euro beim Orchester einzusparen (auch dann lägen die Ausgaben der Stadt Remscheid für die Symphoniker noch bei 1,5 Millionen pro Jahr).

Klaus KüsterUm eine Verkleinerung des Orchesters werde man nicht umhin kommen, fuhr Humpert fort. Vom Wegfall von acht Stellen ist die Rede, verteilt über mehrere Jahre. Auch bei dem Raumkosten ließe sich sparen, so der Kulturausschussvorsitzende – durch Umzug der Orchester GmbH in bescheidenere Räume in Solingen und durch Konzentration der Probenräume auf einen Standort. Wann denn nun mit Ergebnissen der Gespräche (zwischen Remscheid und Solingen)  zu rechnen sei, wollten Teilnehmer des Presseclubs wissen. „Nicht, bevor die Bezirksregierung den Stärkungspakt der beiden Städte genehmigt hat“, vermutete Humpert. „Vorher wird nichts passieren!“

Einen weiter gefassten Kulturbegriff brachte Klaus Küster (Foto links) in die Diskussion ein: „Kultur ist auch Stadtkultur, ist das visuelle Erleben. Und das ist in Remscheid unglaublich getrübt durch Hässlichkeit“, sagte der ehemalige Kustor der Städtischen Galerie und forderte die Wiederbelebung eines „Kunst- und Kulturbeirates“ in der Stadt. Denn: „Wo sind die Profis im Rathaus, die für Kunst und Ästhetik zuständig sind?“ Einen glaubte Reinhard Ulbrich ausmachen zu können: „Wir haben doch einen Kulturdezernenten, der auch Baudezernent ist!“

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Waterbölles am : Eine Halbtagsstelle zur Rettung der städt. Kunstschule?

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Unklar sei die Zukunft der Kunstschule, da Charles Wesseler demnächst in den Ruhestand gehe, sagte der Kulturausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU) am 5. September im „Presseclub“ der Denkerschmette. Für Oktober erwarte er eine Vorlage der Verw

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Chronist am :

Einen neuen Sachstandsbericht der Verwaltung über die Bergischen Symphoniker hat die Fraktion der W.i.R. zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 8. November gefordert. Sie möchte wissen, wie weit inzwischen die Verhandlungen mit der Stadt Solingen zur Zukunft der Bergischen Symphoniker gediehen sind, insbesondere bezüglich der geforderten Reduzierung des Betriebskostenzuschusses um 500.000 Euro pro Jahr durch die Stadt Remscheid und „ersten konkreten Überlegungen und Einsparvorschlägen im Rahmen des Stärkungspaktes zum Ausgleich der fehlenden 9,5 Millionen Euro“. Zur Begründung des Antrages heißt es: „In der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Weiterbildung am 23. Oktober steht ein Sachstandsbericht der Verwaltung zu den Bergischen Symphonikern auf der Tagesordnung. Der Finanzausschuss sollte ebenfalls umfassend informiert werden. Spätestens in der Ratssitzung am 17. Dezember muss eine abschließende Entscheidung zur Zukunft der Bergischen Symphoniker fallen. Die Zeit drängt. Sollte es zu der sogenannten 500.000 Euro-Lösung kommen, fehlen im dem der Bezirksregierung vorgelegten Stärkungspakt kumuliert rund 9,5 Mio. Euro. Eine Summe, die nicht einmal soeben aus dem Hut gezaubert werden kann.“

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