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"Eine Schande, wenn dieses schöne Gebäude verkäme!“

"Haus Cleff". Die süedliche Fasse ist eingerüstet. Nächste Woche sollen Sanierungsarbeiten beginnen. Foto: Lothar KaiserDas "Haus Cleff" gleich neben dem Deutschen Werkzeugmuseum in Hasten erlebte eine wechselvolle Geschichte, unter anderem als Wohnsitz der beiden ersten Bürgermeister Remscheids.  Das fast schlossähnliche Gebäude aus der Zeit des späten Rokoko, errichtet in den Jahren 1778/79 von den Gebrüdern Hilger, betuchten Werkzeugkaufleuten und –fabrikanten, gehört zu den schönsten Bauwerken in Remscheid. Einzig in seiner Art, habe es als Denkmal im Bergischen Land einen „Ausnahmestatus“, waren sich Dr. Urs Diederichs, der Leiter des Historischen Zentrums der Stadt Remscheid, und die beiden Architekten Friedhelm Selbach und Renato Spocchia vom städtischen Gebäudemanagement einig, als sie gestern der Presse die Maßnahmen erläuterten, die an zwei Seiten des Hauses und im Inneren einem weiteren Verfall vorbeugen sollen. Selbach: „Wegen ihrer Bauweise - Lehm-Fachwerk, Schiefern, mit vielen Fenstern, Schlagläden und Türen aus Holz - verursachen Gebäude dieser Art einen erheblichen Erhaltungsaufwand. Hinzu kommt insbesondere bei öffentlichen Gebäuden die Notwendigkeit, sie immer wieder den aktuellen Sicherheitsbestimmungen anzupassen!“

„Trotz schwieriger Haushaltslage beginnt die Stadt Remscheid jetzt mit umfangreichen Fassaden- und Brandschutzmaßnahmen“, hatte in der Einladung zu dieser Pressekonferenz gestanden. Dass „Haus Cleff“ saniert werden muss, ist allerdings schon seit der Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid am 31. August 2010 bekannt. Damals sprach Thomas Judt, der Chef des städtischen Gebäudemanagements, von einem „mittleren sechsstelligen Betrag“, den die Sanierung des Gebäudes kosten werde. Im März 2011 hieß es dann,  im Instandhaltungsetat des Gebäudemanagements seien 400.000 Euro für „Haus Cleff“ eingeplant. 150.000 Euro davon erhoffe sich die Stadt vom Land. „Der Antrag auf Denkmalförderung ist gestellt, aber noch nicht genehmigt. Judt: „Ich rechne frühestens im Sommer mit dem Zuschuss!“, sagte Judt damals auf Nachfrage des Waterbölles.

Doch es kam anders. Der Landschaftsverband Rheinland lehnte den Zuschuss ab, wie Judt am 20. Oktober 2011 im Kulturausschuss berichtete: „Es gibt kein Geld vom Land."  Weil das alte Patrizierhaus vor einigen Jahren schon einmal gefördert worden sei, und weil, wie Friedhelm Selbach gestern ergänzte, zur Denkmalförderung kein Brandschutz gehöre, beispielsweise eine Brandmeldeanlage auch im Keller. Den Brandschutz aber hatte Architekt Achim Wolf vom Aachener Büro „pbS“ im Oktober als besonders dringlich bezeichnet. Auch die historischen Haustüren seien nicht brandschutzgerecht.

Holzbauteile   der Fassade müssen ausgebessert bzw. ausgetauscht werden. Im Bild von li. n. re. Friedhelm Selbach, Dr. Urs Diederichs und Renato Spocchia. Foto: Lothar KaiserInzwischen sind sie es; sie haben so genannte „Panikbeschläge“ erhalten – auch ohne Zuschüsse des Landes. Und Schiebefenster wurden von alten Lackschichten befreit und wieder so leichtgängig gemacht, dass auch sie im Notfall als Fluchtweg dienen können. Dafür machte die Stadt im vergangenen Jahr 25.000 Euro locker. Und in diesem Jahr sind weitere 50.000 Euro für „Haus Cleff“ bestimmt. „Ich freue mich, dass jetzt etwas geschehen kann“, sagte gestern Urs Diederichs, und fügte einschränkend hinzu: „In einem Teilbereich“. 2005 waren zwei Fassaden des Hauses saniert worden. Nun sollen Süd- und Westfassade folgen. An letzterer steht das Gerüst bereits. Dort ist die Reparatur   bzw. der   Austausch   geschädigter   Holzbauteile   der   tragenden Fachwerkkonstruktion dringend geboten – Fenster, Gesimse und Pilaster. Friedhelm Selbach: „Es wäre eine Schande, wenn dieses schöne Gebäude verkäme!“ Im Zuschussantrag an den Landschaftsverband habe die Stadt den Handlungsbedarf „eindeutig belegt“. Umso enttäuschter sei man im vergangenen Jahr über die Anlehnung gewesen: „Niederschmetternd!“ Und auf die Frage, wann denn die im Gutachten der Aachener Architekten beschriebene Prioritätenliste der notwendigen Sanierungsmaßnahmen abgearbeitet sein könnte, zuckt Selbach mit den Achseln: „Ich kann nicht erkennen, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Betrag zur Verfügung stehen wird. Tendenziell nimmt der Etat der Stadt für Gebäudesanierungen eher weiter ab!“ Es komme halt darauf an, „dass es Stück für Stück weitergeht!“

„Wir werden auf Spenden angewiesen sein“, sagt Urs Diederichs. Zuminderst im musealen Bereich könnten auch kleinere Beträge wirkungsvoll eingesetzt werden. Bis zu seiner Pensionierung in zwei Jahren möchte er die Exponate des Museums entsprechend einer „alltagsorientierten Neukonzeption“ präsentieren, auch im besseren zeitlichen Kontext als heute.  Die Küche beispielsweise als den Arbeitsraum der Dienstmägde, und das „Bergische Zimmer“ mit seinen „wunderbaren Barockmöbeln als Ort der großbürgerlichen Innerlichkeit“ - künftig in Parterre. Dafür soll das Schlafzimmer ins Obergeschoss umziehen. „Das ist logischer“, meinte der Museumsleiter. Auch für eine bessere Ausleuchtung der Exponate kämen dem Museumsleiter Spenden aus der Bürgerschaft sehr gelegen. Darum will sich auch der „Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Haus Cleff“ kümmern, seit 1. August im Vereinsregister eingetragen mit (vom Finanzamt) anerkannter Gemeinnützigkeit und Beatrice Schlieper als Vorsitzende.

Seit 85 Jahren beherbergt „Haus Cleff“ das „Museum großbürgerlicher Wohnkultur“ (Diederichs) (früher „Heimatmuseum“ genannt). Hinzu kamen die „Sammlung Gerd Arntz“ sowie einige Bilder und Drucke des bekannten Malers Johann Peter Hasenclever. Sie müssen während der Sanierungsarbeiten, die in der kommenden Woche beginnen und voraussichtlich acht Wochen dauern werden, alarmgesichert an anderer Stelle im Haus zwischengelagert werden. Denn das Fenster des „Hasenclever-Zimmers“ wird nicht nur von außen, sondern auch von innen restauriert. Alle Fenster sollen in Absprache mit Renate Falkenberg von der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt einen neuen Leinölanstrich erhalten. In der Zeit der Bauarbeiten kann das „Hasenclever-Zimmer“ als einziger Museumsraum nicht besichtigt werden.

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Stadt Remscheid am :

Im Rahmen der derzeitigen Restaurierungsarbeiten am Stadtmuseum "Haus Cleff" ist es kurzfristig möglich geworden, auch im Innenbereich Verbesserungen durchzuführen. Diese Arbeiten sind seit langem dringend erforderlich, waren aber bisher nicht finanzierbar. Wenigstens ein Teil davon kann jetzt endlich in Angriff genommen werden. Damit die Arbeiten zügig durchgeführt werden können, wird Haus Cleff von Mittwoch, 12. Dezember, bis einschließlich 1. Januar für den Publikumsverkehr geschlossen. Ab 2. Januar ist es dann wieder zu den üblichen Zeiten geöffnet. Das benachbarte Deutsche Werkzeugmuseum ist hiervon nicht betroffen und bleibt - wie seit längerem geplant - lediglich vom 24. Dezember bis zum 1. Januar geschlossen.

Stadt Remscheid am :

Wegen weiterer Renovierungsarbeiten bleibt das Stadtmuseum Haus Cleff vorübergehend geschlossen. Ein Bereich des Hauses Cleff wird nun nicht nur einfach gestrichen, sondern im Verlauf des Monats Januar von Grund auf durch das städtische Gebäudemanagement denkmalgerecht mit Lehmputz neu hergerichtet . Das benachbarte Deutsche Werkzeugmuseum ist wie gewohnt geöffnet.

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