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Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (1)

Alte Postkarte von Schloss Burg.

Teil I

Wer kennt noch Begriffe wie Baatmüser, Gi´et oder Maipier?  Baatmüser ist eine Bartgrundel oder Schmerle (cobitis barbatula), ein etwa elf cm langes wohlschmeckendes Bachfischlein. Es wurde mit einer Gi`et (spitzwinklige Fischgabel) beim Schein einer Leuchte gestochen. Die Maipier war eine Ellritze oder Pfrille oder Pfelle (phoxinus laevis) mit etwa 13 cm Länge und war neben Forelle und Lachs eine beliebte Ergänzung zum täglichen Speiseplan der Grafen von Berg. Zitat aus einerUrkunde  von 1684: "Auf der Wupper haben ihre Hochfürstliche Durchlaucht eine fischerey, das Donawer wasser genant,  gehet an dem Krahdendahler Wasser ahn,  langs die Burgh vnd forters hinab biss an das Strohner Wasser, in welchem Donawer wasser oder fischereyen der fischdeich gelegen vnd die Eiffische Forellenbach in der Burgh ihren aussgang nimmet (..), gehet zur Burgh auf der Wupper zum ende, auf welcher Bache nechst Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht Mahlmüllen dero Forellen Weyer gelegen.“ Das Strohner Wasser. Das Gludener Wasser nechst dem Strohner Wasser gelegen. Der Eiffkerbach fangt oben bey Wermelskirchen ahn vnd endet sich in Dabringhausen an der Marxmüllen am Otter Müllenflussdeich. Die Morsbacher Fischerey, wie dieselbe zeit meiner vnderthenigsten Bedienung zum Hausse vnd Kellnereyen Burgh gehörig vnd verpachtet gewessen, gehet zu Müngsten in die Wupper und fanget ahn oben die alte Bach.Diese vorgemelte fischereyen sind am 23. Octobris 1684 bey der kertzen auf zwölff jahr, jedoch zu sechssen dem beliebenden theil abzustehen, an Johannes Vischern zur Burgh mit gewissen conditionen,  wie in der Jahr rechnung mehreres zu ersehen, verpfachtet, jährlichs halb auf Martini vnd halb auf Maytag zu bezahlen. Ein hundert sechtzig vnd sechs Reichsthaler, jeden zu achtzig alb.Collnisch gerechnet."

Diese Fischerei wurde parzellenweise von den Grafen von Berg an den Wupperfischer für jeweils zwölf Jahre verpachtet. Eine Urkunde vom 14.12.1437 besagt, dass Ritter Johann von Landsberg an diesem Tage für sich und seine Nachkommen seine Fischerei auf der Wupper für eine jährliche Abgabe von sechs Mark kölnischen Geldes an Peter von Eulswag und dessen Erben in Erbpacht abgab.  Die Urkunde liegt im Stadtarchiv Remscheid  und kann, falls man der alten Schrift mächtig ist, dort eingesehen werden. Eine weitere Urschrift mit anhängendem Siegel führt uns ins Müngstener Fischereigebiet.

Die alte Wupperbrücke Burg-Solingen. Alter Stich von 1790, als noch kräftig gefischt wurde. Stadtarchiv SolingenAm 14. Mai 1620 verkauften Eberhard von Bodlenberg, genannt Kessel, zu Hackhausen bei Ohligs, Amtmann zu Elberfeld, und seine Frau Agnes, geb. von Galen, "zur Abgütung ihrer lieben Mitschwester" dem ehrenhaften, frommen, vornehmen Rutger von Schoeler (Schuller) und seiner Gattin Katharina von Mhum (Mumm) ihre Fischerei und Wassergerechtigkeit auf der Wupper zwischen den Weidenhainen zu Solingen und der Dorper Fischerei unten an dem Eltenstein samt dazugehörigen Gerechtigkeiten an zwei Schleifkotten daselbst. Der Verkaufsvertrag wurde in gütlicher Abmachung auf die bescheidene Summe von 350 Talern kölnischer Währung festgesetzt und bar bezahlt. Besonders wichtig war den Grafen,  dass bei der Anlage von Schleifkotten oder Mühlen der Wasserdurchfluss gewährleistet war und die Fische ungehindert an ihre Laichplätze gelangen konnten.  Die Berufsfischer zählten zu den ersten Bewohnern von Burg, und das erste Siegel der Freiheit Burgh hatte einen Fisch im Wappen. Das Siegel der Tuchmacherzunft von 1546 zeigte einen Krebs neben zwei Sparren (aus dem alten bergischen Sparrenschild) unter einem Limburger Löwen. Die eigentliche Fischerei unterlag dem Burger Kellner, welcher die Pachten vergab. Sie erstreckte sich außer der Wupper auch auf alle Nebenbäche im Bereich der Grafen von Berg, so z.B. den Morsbach, die Dhünn oder den Sengbach bei Glüder.  Dieser letztgenannte war übrigens so ergiebig, dass er von den Fischern als "goldener Forellenbach" bezeichnet wurde. Zur Herbstzeit wurden dort in der Flut oft 400 bis 500 Pfund Forellen gefangen.

Alte Feilenschmiede in Remscheid. Foto: HIZ RemscheidDa das Gebiet der Wupperfischerei ziemlich umfangreich war, pflegten die Nutznießer es teilweise Unterpächtern zu überlassen. An der Morsbachfischerei waren auch noch die Amtsleute von der Beyenburg und Elberfeld beteiligt. Die Wupperfischerei von der Kohlfurter Brücke bis zur Papiermühle befand sich im Besitz der Abtei Altenberg, die im Solinger Gebiet über reichen Landbesitz verfügte. Im Sengbach sowie beim Strohner Hof in der Wupper übten die Johanniter oder ihre Pächter die Fischerei aus, und unterhalb Balkhausen fischten die Inhaber des Hauses Nesselrath.

Das Besondere an der Burger Fischerei waren der große landesherrliche Kameralfischteich an der Donau auf der Wupper und ein Kameralfischteich am Eschbach (vormals Teich der Kameralmühle). Die bergischen Grafen, die samt den Johanniter Ordensherren einen delikaten Fisch zu schätzen wussten, hatten diesen Fischteich ursprünglich, und zwar wohl schon bald nach der Erbauung des Schlosses, für ihren höchsteigenen Bedarf angelegt. Hauptaufgabe des Kameralfischteiches war der Fang der im Herbst aus dem Rhein zum Laichen aufsteigende Lachse. Am ganzen übrigen Wupperlauf hatte mit einer einzigen Ausnahme niemand das Recht zum Lachsfang. Dieses zweite Recht hatten die Herren auf Haus Borst, der alten Ritterburg an der Wupper bei Leichlingen, angeblich auf Grund eines Privilegs aus dem Jahre 1427, einer Zeit, da die Ritter von Quade Haus Borst bewohnten.

Nach dem Wegzug der Grafen von Berg von Schloss Burg hatte nur noch der Solinger Papiermacher Sother (Papiermühle) im Jahre 1624 die Erlaubnis, an seiner Papiermühle oberhalb Müngsten in der Wupper einen Aalfang anzulegen; er wurde im Jahre 1805 den Soterschen Nachkommen Bestätigt: Herzog Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf, ließ am 7. Juni 1624 beurkunden, dass er seinem Papiermacher Clemens Soter und Annen Stephanund ihren Erben die Erlaubnis erteile, "an ihrer Papiermühle auf der Wupper boven Solingen gelegen, auf das übrige Wasser zwischen dem Schütz und Canalen dadurch das Wasser auf die Mühlenräder beiderseits lauffet, einen Aelkorff zu richten und einbauen zu lassen". Damit war für Soter die Verpflichtung verbunden, diesen Aalkorb ohne Schaden und Nachteil für die landesherrliche Fischerei zu Burg, die sich oberhalb und unterhalb der Papiermühle erstreckte, sowie der Pächter zur Burg und sonst jedermann zu erbauen und zu unterhalten. Für diese Erlaubnis hatte Clemens Soter jedes Jahr einen Goldgulden zu entrichten. Wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit die Wassererkenntnis eines mittleren Wasserhammers pro Jahr auch nur 1 1/2 Goldgulden betrug, wird deutlich, dass die Verpachtung eine außerordentlich lukrative Einnahmequelle war. Der Wupperaal wog durchschnittlich drei Pfund und wurde mit 15 Stüber das Pfund bezahlt.

… und draußen im Wasser wartet das Abendessen. Sensenschmied im Tal. Foto G. SchmidtUm den Wupperlachs für den die landesherrliche Verwaltung das unbedingte Vorrecht beanspruchte, entspann sich 1620 ein erbitterter Streit zwischen Burg und Haus Borst, der von Zeit zu Zeit immer wieder aufloderte und an die 200 Jahre hinweg nicht zur Ruhe kam. Am 23. Oktober 1684 sollte die Fischerei an der Burg von neuem an den Meistbietenden vergeben werden. Der Kellner teilte den Erschienenen die Pachtbedingungen mit. Dann stellte er drei brennende Kerzen auf den Tisch und forderte die Anwesenden auf, ihre Angebote zu machen. Während die Kerzen langsam herunterbrannten, erfolgte ein Zuruf nach dem anderen. Schließlich, als die letzte Flamme erloschen war, wurde Johannes Fischer zu Burg als dem Meistbietendem der Zuschlag auf zwölf Jahre erteilt. Er musste jährlich 166 Reichstaler an die Burger Kellnerei entrichten. Das war für die damalige Zeit eine ganz erhebliche Summe, und man kann daraus auf den damaligen Fischreichtum unserer Gewässer schließen.

In der Burger Geschichte hatten die delikaten Burger Fische auch manche delikate politische Mission zu erfüllen, denn mancher stattliche Lachs und manches Pfund Forellen wanderte als Mittel zum Zweck auf die Tafel hochmögender Herren, so in Kirchensachen nach Düsseldorf (1695) wie auch in der Franzosenzeit in das Lager des Generals Rey bei Hückeswagen. An ihren Vorrechten auf den Burger Kameralfischteich hielt die bergische Regierung bis ans Ende der herzoglich-bergischen Zeit unvermindert fest. Noch im Jahre 1786 hatte der Burger Fischereipächter, wenn die kurfürstliche Hofkammer die Fische für den eigenen Bedarf anforderte, diese jederzeit vor allen anderen Ankäufern an den Hof nach Düsseldorf zu vorgeschriebenen festen Preisen zu liefern. Um jederzeit liefern zu können, waren die Fische in einem Forellenteich und Fischbehälter frisch vorrätig zu halten. Als die Burger Wupper- und sonstige Fischerei erneut verpachtet werden sollte, unterlag Wilhelm Kirschbaum mit seinem Gebot von 190 Rtl.; Franz Arnold Hasenclever ersteigerte sich die Fischerei für 195 Rtl. bei zwölf Jahren Laufzeit. Der Wert der Fischerei war also noch der gleiche, wie schon hundert Jahre vorher - welch glückliche Zeiten... (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

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