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Die Wupperfischerei in der Zeit der Bergischen Grafen (2)

Das alte Amtshaus zu Bornefeld, langjährige Gerichtsbarkeit für die Remscheider Schmiede und Schleifer Foto: Sammlung SchmidtTeil II 

Von dem Kameralfischteich ist heute in der Wupper keine Spur mehr vorhanden. Ehemals war es ein gewaltiges Bollwerk aus Holz und Stein mit zwei mächtigen Steindämmen, auf der Solinger Seite 210 Fuß, auf der Burger Seite 73 Fuß lang und unten 16, oben 6 Fuß breit. Die Steindämme hatten in der Mitte des Flusses einen Durchlass von 11 Fuss Breite. Dahinter stand die Hurth (Hüde), ebenfalls ein mächtiger Bau, 73 Fuß lang, 11 Fuss breit, auf schweren, 10 Fuß hohen Eichensäulen mit Lehnen an beiden Seiten. Diese hohe und breite Hurth konnten die Lachse nicht überspringen, sie nahmen dann "automatisch" ihren Weg in den Selbstfang, zwei sogenannte Lachskarren von 20 Fuß Länge und 10 Fuß Breite.

Produktion von Beilen. Foto: HIZ RemscheidQuer über den Fluß zur Hurth lief eine Brücke, 94 Fuß lang, ein Fuß breit, auf festen Eisbalken und Eisböden. Am Burger Ufer stand das Fischhäuschen, mit Schindeln bekleidet. Für den Lachsfang hatten die Einwohner des Amtes Bornefeld Hand- und Spanndienste zu leisten. Burger selbst brauchten dafür ohne Lohn keine Hand zu rühren, denn die Freiheit Burg war von allen Hand- und Spanndiensten befreit.  Trotz des starken Baues riss im Januar 1795 ein schwerer Eisgang die beiden Lachsfänge, einen Teil der Hürde, Brücke und sogar 50 Fuß Mauerwerk hinweg. Allein zur Wiederherstellung des Mauerwerks waren 550 Karren Steine notwendig. Im Juli 1795 konnte der nebenbei betriebene Aalfang und im September der Lachsfang noch nicht wieder benutzt werden.  Ober- und unterhalb des Lachsfanges lagen die mit Rasen abgedämmten Fließe, in denen die kleinsten Wupperfische, die sogenannten Rümpchen, Ellritzen oder Maipieren, mit dem Netz gefangen wurden. Manchmal brachte auch die Wupper selbst durch das Aufwerfen von Sandbänken solche Fließe hervor, wie der starke Sandgehalt des Wupperbettes auch die besten Laichstellen für den Lachs hergab.

Produktion von Kreissägen. Foto: HIZ Remscheid

Viel böses Blut erregte um die Jahrhundertwende ein Streit zwischen dem Fischpächter Hasenclever, der inzwischen gegen ein der Regierung gewährtes Darlehen von 1000 Talern das Recht an der Fischerei erworben hatte, und den Burger Deckenzunftgenossen und Laufschmieden. Diese hatten im Jahre 1798 die Walkmühlenschlacht unterhalb der Wupperbrücke neu und höher als früher gebaut. Als nun im Herbst 1798 die Lachse auffällig ausblieben, führte Hasenclever als Ursache die Erhöhung des Stauwehrs an. Nun wurde ein hartnäckiger Prozess vier Jahre lang von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. Im August 1803 wurden auf Anordnung der Regierung, "weil die Fischerei eine furchtbare Erzeugerin der verderblichsten Prozesse" gewesen sei, nochmals sämtliche Wehre von Burg bis zur Wuppermündung besichtigt und viele Mängel abgestellt.

Als Berg Großherzogtum geworden war, erwarben die Brüder Franz Arnold und Ludwig Ferdinand Hasenclever die Burger Fischerei von der Regierung für 1.600 Reichstaler. Der Kellner zur Burg, Deycks, stellte dazu einen Vertrag auf, den Ferdinand Hasenclever auch im Namen seines Bruders Ludwig am 14. Februar 1807 unterschrieb. Die Zunftgenossen sagten in dem Prozess aus, sie hätten im Herbst 1799, als die Flut früher gekommen war, "dichte Haufen Lachse wie eine düstere Wolke die Schlacht passieren sehen". So ungeheuere Mengen Lachse seien noch nie gefangen worden. Noch während des Prozesses, in dem sich sogar 47 der angesehensten Remscheider Fabrikanten und Kaufleute und 21 Solinger und Cronenberger Schleifer auf die Seite Hasenclevers stellten, starb letzterer im Jahre 1802. Seine Söhne legten den Streit danach bei.

In der preußischen Zeit ging die Fischerei in die staatliche Hoheitsverwaltung zurück. Die Familie Hasenclever blieb noch längere Zeit Burger Fischpächter. 1821 besaßen Johann Abraham von den Steinen zu Kronenberg und Johann Arnold Halbach als Unterpächter gemeinschaftlich eine Fischerei auf der Wupper. Eine Urkunde vom 8.4.1800 führt uns nach Müngsten. An diesem Tag verkauften die Eheleute Peter Meyer und Elisabeth, geb. Odenthal, für sich und ihre Erben, den Eheleuten Johann Arnold Halbach und Gertrud, geb. Hilger (1762-1803), und deren Erben "ihr laut Pfandschaftskontractes von den Erben Knecht pfandweise überkommenen Erbgutes in Eulswag anklebend ist, nebst aller mit dieser Fischerei verbundenen Gerechtigkeit" für 50 brabantische Kronen. Zu den letzten Pächtern der Wupperfischerei oberhalb von Müngsten gehörte der Großvater von G. H. Halbach, Friedrich Wilhelm Halbach (1835-1877). Er war Schleifermeister im Königskotten und ging jeden Tag den Weg von Reinshagen nach Eulswag, oberhalb der Grunenburg. Zu seinen Zeiten waren immerhin noch reichlich Flusskrebse und Aale vorhanden. Als die männliche Linie der alten Papiermacherfamilie Soter etwa zwei Jahrhunderte nach der für sie erteilten Aalfangkonzession ausgestorben war und das Besitztum an der Wupper in andere Hände überging, tauchten Zweifel auf, ob die bezeichnete Konzession weiterhin Gültigkeit hätte. Um eine Klärung herbeizuführen, legte Jacob Fues als Nachfolger in der Soterschen Papiermühle im April 1805 der Landesbehörde in Düsseldorf ein entsprechendes Gesuch vor. In diesem hob er hervor, dass die dem Antrag beigefügte Originalurkunde vom 7. Juni 1624 über einen Aalfang an der Papiermühle seinen Vorfahren erteilt worden sei. Die Länge der Zeit habe dieselbe hier und da durchlöchert. Fues befürchtete, wie er angab, dass die Urkunde in der Folge gar unleserlich werden könnte. Deshalb bat er, das Schriftstück erneut auf Pergament ausfertigen und die alte Urkunde der neuen beiheften zu lassen. Diesem Antrage wurde nicht entsprochen, denn die alte Urkunde befindet sich noch bei den Akten des Staatsarchives in Düsseldorf. Dadurch ist der Nachweis über den alten Aalfang an der Solinger Papiermühle erhalten geblieben.

1823 richtete der Eisgang erneut am Lachsfang größere Schäden an. Dann wird es allmählich stiller um die Wupperfischerei. Das Aufkommen der Rheindampfschifffahrt und der Aufstieg der Wuppertaler Industrie sowie der Tuchfabriken bis hinter Wipperfürth brachte ihr durch die Wasserverschmutzung den schleichenden Tod. Als erster verschwand der Lachs aus der Wupper. Seit etwa 1840 stieg kein Lachs mehr aus dem Rhein herauf. 1861 erbrachte die Burger Fischpacht nur noch 31 Taler. Die Fischerei im Sengbach und Nachbarbächen pachtete der letzte Burger Berufsfischer Eichholtz für 15 Taler. Im August 1861 flossen nach einem Unfall in der Papierfabrik bei Solingen, mehr als 20 Zentner Soda und Harz in die Wupper; das brachte unzähligen Fischen den Tod. 1868 lebten in der Wupper keine Forellen mehr. Nur 1200 bis 1500 Rümpchen wurden noch pro Jahr gefangen. Im Jahre 1885 ergeht über die Wupper der traurige Endbericht, "dass in der Wupper unterhalb Elberfeld- Barmen bis zur Mündung kein lebendes Wesen mehr vorhanden ist, das sich darin aufhalten kann". Das war das frühe Ende der einstmals von der Natur so reich gesegneten Fischerei. Dass die Wupper damals unglaublich stank und in allen Farben daher floss, kann sich heute (2007) keiner mehr vorstellen, denn sie ist Dank des Wupperverbandes mit all ihren Nebenbächen sehr sauber geworden und Krebse, Forellen und auch die ersten Lachse kommen wieder und bezeugen eine gute Wasserqualität. (aus: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

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