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Die Reformation sang Lieder des Widerstands auf der Straße

Ein Quintett des Lüttringhauser Posaunenchores eröffnete in der ev. Stadtkirche am Markt den Jahresempfang des evangelischen Kirchenkreises Lennep. Foto: Lothar KaiserDie Rolle der Musik in der Reformation beleuchtete die rheinische Vizepräses Petra Bosse-Huber gestern, am Vorabend des Reformationstages, beim Empfang des Kirchenkreises Lennep im Vaßbendersaal am Markt vor zahlreichen geladenen Gästen. Dort wurden sie von Superintendent Hartmut Demski begrüßt und zunächst weiter gebeten in die benachbarte Stadtkirche, wo ein Quintett des ev. Posaunenchores Lüttringhausen den Abend eröffnete.

Petra Bosse-Huber. Foto: Uwe SchinkelDie reformatorische Kraft des Liedes finde sich heute wieder in der wichtigen Rolle der Musik im Gemeindeleben oder in der Initiative „Singen!“, begann Petra Bosse-Huber später ihren Vortrag. Er galt der  „gefährlichen Musik“. Musik könne in Verbindung zu den reformatorischen Wurzeln die gute Botschaft so verkündigen, dass sie Menschen erreiche – und das in verschiedenen Formen und Stilen. Der Reformator Martin Luther nutzte sie als Transportmittel für sein reformatorisches Gedankengut. Er verbreitete einerseits Protestlieder per Flugblatt und brachte andererseits deutschsprachige Lieder in den Gottesdienst. „Gottesdienste auf Deutsch, in denen die Gemeindemitglieder ,mitmachen’ und sich durch gemeinsame Gesänge selbst äußern konnten, waren nicht nur für Luther, sondern auch für andere Reformatoren wie Bucer, Müntzer oder Calvin notwendiger Ausdruck des ,Priestertums aller Gläubigen’“, sagte Petra Bosse-Huber. In den Städten Frankreichs seien die Evangelischen um 1560 in die Öffentlichkeit getreten, und das in Form Psalmen singender, mehrere Hundert Menschen starker Demonstrationszüge, den Chanterien. Auch die Neuen Geistlichen Lieder der 1970-er Jahre hätten die überkommenen Strukturen und Traditionen überwinden wollen. Der Waterbölles dokumentiert den Vortrag nachfolgend:

Gibt es gefährliche Musik? Ich bin mir sicher, dass es hier etliche Menschen gibt, die sich in ihrer Jugend von Eltern und Lehrern einiges anhören mussten zu diesem Thema. Vieles konnte gefährlich und schädlich erscheinen, von Elvis Presley, die Beatles und Jimi Hendrix bis hin zur Neuen Deutschen Welle und den Toten Hosen. Diese Musik führte vermeintlich - oder auch ganz real - zu Massenhysterie, zu Drogenkonsum, Unmoral und Aufstand gegen die herrschende Ordnung. Es mag Sie erstaunen, aber auch Kirchenmusik kann gefährliche Musik sein. Dass sie zu Drogenkonsum führt, war wahrscheinlich nie ein zentraler Vorwurf. Dass sie aber zu Unmoral und Aufstand gegen die herrschende Ordnung aufrufen würde - diesen Vorwurf gab es, und zwar nicht ganz zu Unrecht.

Martin Luther entdeckte 1523 das Lied als perfektes „Transportmittel“ für das reformatorische Gedankengut. In einer Welt ohne Radio und Fernsehen, ohne Internet und Tageszeitungen wurden Nachrichten und Meinungen auf den Märkten und in den Gassen vielfach durch Sänger verbreitet, die spannende Neuigkeiten und Geschichten in Balladenform darbrachten. Manche Lieder entwickelten sich zu den sprichwörtlichen „Gassenhauern“ und wurden von vielen Menschen erlernt, gesungen und weiter gegeben. Auch das Evangelium von der Gnade und Liebe Gottes, sollte so verbreitet werden, als „gute Botschaft, gute Mär, gute Neuzeitung, gut Geschrei, davon man singet, saget und fröhlich ist“, wie Luther es formuliert.

Luthers erstes eigenes kirchliches Lied war im wahrsten Sinne des Wortes ein Protestsong, denn er reagierte damit auf den Märtyrer-Tod zweier Augustiner-Mönche. Sie waren im Sommer 1523 in Brüssel als Ketzer verbrannt worden, nachdem sie sich zu reformatorischen Ideen im Sinne Luthers bekannt hatten. Luther wollte seiner Empörung über diese Tat Ausdruck verschaffen und Öffentlichkeit herstellen. Er tat dies in dem Lied „Ein neues Lied wir heben an“, das u.a. durch das Medium des Flugblatts schnelle Verbreitung weit über Wittenberg hinaus fand. Sein zweites Lied ist weniger ein Protestsong, sondern ein theologisches Bekenntnislied, das wir auch heute noch singen: „Nun freut euch, lieben Christeng’mein“. In ihm werden die Grundlagen der Rechtfertigungslehre entfaltet, die Überzeugung, dass Gott auch die Sünder aus freier Gnade annimmt.

Martin Luther war ein sehr musikalischer Mensch. Fast 40 Lieder sind von ihm überliefert, die Hälfte davon sogar mit selbst komponierter Melodie. Seine Äußerungen zum Wesen der Musik unterschieden sich zum Teil stark von der herrschenden Definition der Kirche. Ein klassisches Martin Luther zugeschriebenes Zitat ist z.B.: „Wer sich die Musik erkiest (also: erwählt), hat ein himmlisch Gut gewonnen; denn ihr erster Ursprung ist aus dem Himmel hergekommen. Weil die lieben Engelein selber Musikanten sein.“ Auch wenn bei diesem Zitat vielleicht sofort die pausbäckigen Engel-Kapellen in Erzgebirgischen Krippenszenen vor unserem inneren Auge erscheinen, ist diese Aussage Luthers nicht niedlich-romantisch gemeint, sondern von hoher Ernsthaftigkeit. Seiner Auffassung nach kommt die Musik von Gott und ist ein Gnadengeschenk Gottes an die Menschen. Anders als andere Kunstformen ist für ihn die Musik ganz eng mit der Theologie verbunden, ja, sie sei sogar in der Theologie „versteckt“. Das bedeutet, dass die Menschen auch durch die Musik Zugang finden können zum Evangelium.

Für die Theologie seiner Zeit war besonders Luthers Auffassung ungewöhnlich, dass nicht nur die Vokalmusik geistliche Musik ist. Seit dem Kirchenvater Augustin galt hauptsächlich die Vokalmusik, die der Liturgie dienen und das Wort Gottes musikalisch untermalen sollte, als „musica sacra“. Luther hingegen hält auch die reine Instrumentalmusik für ein Gottesgeschenk. Daher gibt es in Luthers Verständnis gar nicht die klare Trennung von „Kirchenmusik“ und nicht kirchlicher Musik, die sowohl in der katholischen Kirche, als auch in der evangelischen Kirche lange Zeit vorgenommen wurde.

Luther ermunterte schon früh seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen, neue Lieder für den Gottesdienst zu schreiben - Lieder in deutscher Sprache, die von allen Menschen erlernt, verstanden und gesungen werden konnten. Denn bis dahin fanden die Gottesdienste auf Latein statt, und die Lieder wurden im Rahmen der Liturgie weitgehend nur von den Priestern und den Chören gesungen, getreu den Regeln der Gregorianik. Gottesdienste auf Deutsch, in denen die Gemeindemitglieder „mitmachen“ und sich durch gemeinsame Gesänge selbst äußern konnten, waren nicht nur für Luther, sondern auch für andere Reformatoren wie Bucer, Müntzer oder Calvin notwendiger Ausdruck des „Priestertums aller Gläubigen“. Eine Ausnahme bildete der Schweizer Reformator Zwingli in Zürich. Für ihn bedeutete in den Anfangsjahren der Reformation die konsequente Abwendung von den Formen der traditionellen Messe, dass auch die Musik gänzlich aus den Gottesdiensten zu verbannen war.

Anders als Zwingli wandte sich der Reformator Calvin in Genf z.B. den Liedern des Alten Testaments zu, den Psalmen, und machte sie zur Grundlage des neuen evangelischen Liedguts seiner Gemeinde. Die 150 Psalmen des Psalters wurden aus dem Hebräischen von Clément Marot und Théodore de Bèze kunstvoll ins Französische übersetzt und in gereimter Form mit passenden Melodien versehen. Daraus entstand 1562 die erste komplette Fassung des sog. „Genfer Psalters“, der über Jahrhunderte als das Gesangbuch der Reformierten galt und in Übersetzungen weite Verbreitung in ganz Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten und in vielen reformierten Gemeinden in der ganzen Welt fand. Nicht nur in lutherischen Gemeinden in Mitteldeutschland, sondern auch in den reformierten Gemeinden in Frankreich, der Schweiz und Süddeutschland waren die neuen evangelischen Kirchenlieder mehr als nur schöne Musik für den Gottesdienst: Sie wurden zu Protestliedern, zum Soundtrack des Widerstandes gegen die alten kirchlichen und politischen Strukturen.

In verschiedenen Städten in Frankreich z.B. wurde, wie der Kirchenhistoriker Willem van’t Spijker schreibt „das Psalmsingen ein Signal dafür, dass die Evangelischen die Position einer Untergrundkirche verließen und in die Öffentlichkeit traten - wie bei den Ereignissen (...) in Paris vom 4. September 1557, wo die Gemeinde zusammenkam, um Abendmahl zu feiern und Psalmen zu singen. Die Tatsache, dass eine große Volksmenge daran teilnahm, führte zu harten Reaktionen seitens der Obrigkeit.“ Diese „Psalmen-Demonstrationen“ werden in der Wissenschaft „Chanterien“ genannt. 1561 wird auch aus den Niederlanden von „Chanterien“ berichtet, bei denen drei- bis sechshundert Menschen abends auf die Straße gingen und Psalmen sangen, wobei die Sänger und Sängerinnen von einer großen Menge von Männern, Frauen und Kindern begleitet wurden. Auch hier reagierte die Obrigkeit hart, und die evangelischen Gemeinden in diesen Städten wurden zerschlagen.

Viel wäre zu sagen über die Geschichte der Kirchenlieder und der Kirchenmusik im weiteren Verlauf der Geschichte - das würde heute den Rahmen sprengen. Einen Hinweis auf „musikalische Demonstrationen“ auf der Straße möchte ich dennoch geben: Im 19. Jahrhundert entstand im Zuge der Erweckungsbewegung die Heilsarmee, die - ganz im Zeichen der reformatorischen Tradition - die gute Botschaft mit lauten Gesängen und Musikkapellen verkündete. Auch die Posaunenchöre, die für uns in vielen Gemeinden zu den Grundfesten der kirchenmusikalischen „Ausstattung“ gehören, sind zu dieser Zeit im Zusammenhang mit der Erweckungsbewegung entstanden und waren zuerst gar nicht Teil der klassischen Gemeindestruktur. Der Obmann des rheinischen Posaunenwerks Friedemann Schmidt-Eggert formuliert es so: „Für die Organisten waren sie für den Kirchraum zu laut, für die Kantoren taugte ihr Klang nicht zur Begleitung der Gemeinde, für die Presbyterien war der Klang zu modern und den Pfarrern waren die Bläserchöre zu unbequem, denn die Chöre hatten stets auch ein gesundes Selbstbewusstsein.“ Das beschreibt die Situation im 19. Jahrhundert. Was davon noch heute zutrifft, müssen Sie selbst entscheiden...

„Gefährliche Musik“ gab es im 20. Jahrhundert nicht nur in der Rock- und Popkultur. Aufrührerische Ideen der 68er, der Hippies, Friedens-Bewegten, Feministinnen und ersten Ökos fanden in Liedtexten (und etwas abgeschwächt auch in den Melodien) ihren Weg in die Kirchen. „Neue Geistliche Lieder“ entstanden in der evangelischen und in der katholischen Kirche. Sie wurden von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen enthusiastisch begrüßt, weil sie das ausdrückten, was ihnen im Glauben wichtig war: Ideen der Theologie der Befreiung, Ökumene, Solidarität und Frieden in der Nachfolge Jesu. Von anderen Gemeindemitgliedern und Pfarrern wurden diese Lieder vehement als musikalisch schlecht abgelehnt - ganz zu schweigen von den vermeintlich zu politischen Texten, die im Gottesdienst nichts zu suchen hätten. Neben diesem politisch und ethisch inspirierten Liedgut gab es in den 60er und 70er Jahren auch die Bewegung des „religiösen Schlagers“, Lieder, die modern sein sollten, aber nicht zu kämpferisch. Beide Musikstile fanden besonders über die evangelischen Kirchentage und die Katholikentage Eingang in Schulgottesdienste und Jugendchöre, in die Musik für Freizeiten und Konfi-Camps und schließlich auch in die Sonntagsgottesdienste.

Viele dieser Lieder gehören in unseren Kirchen heute zur religiösen Sozialisation von Menschen zwischen 25 und 55. Wie viele Menschen aus dieser großen Altersgruppe haben wohl schon in der Grundschule das „Danke-Lied“ auswendig gelernt und als Jugendliche „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ erst unheimlich tiefsinnig und später viel zu kitschig gefunden...? Wenn wir den Gang durch die Kirchen- und Musikgeschichte verlassen, kommen wir im Jahr 2012 an, im Themenjahr der Reformationsdekade zu „Reformation und Musik“. Und wir können uns fragen: Wie aktuell ist die Reformation in unseren Kirchen und besonders in unserer Musik? Unsere Lieder bringen nicht mehr die Obrigkeit gegen uns auf... Aber finden wir noch etwas von der Kraft, die die neuen reformatorischen Lieder und die Psalmengesänge im 16. Jahrhundert so anziehend und auch anstößig gemacht hat? Ich finde: Ja! Gerade im Zuge des Themenjahres Reformation und Musik konnten und können wir erleben, wie vielfältig und kreativ auch heute die Musik das geistliche und gemeinschaftliche Leben in unseren Gemeinden und Kirchenkreisen bereichert und prägt.

Sie haben es in hier im Kirchenkreis Lennep selbst erlebt und mit gestaltet, als die sog. „Musikstafette“ Ende September bei Ihnen für eine Woche zu Gast war. Es gab viele verschiedene Angebote, von Konzerten über ein Kinderchorfest, offenes Singen für verschiedene Altersgruppen (zum Reinschnuppern und Mitmachen) bis hin zum ökumenischen Kirchenmusikfest am Michaelistag. Die Kirchenmusik hat großen Anteil daran, unsere Leitvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“ umzusetzen und mit Leben zu füllen. Denn es geht in unseren Gottesdiensten, in Gospelprojekten, in den Liedern im Kindergottesdienst, im Posaunenchor und in großen geistlichen Konzerten um die gute Botschaft, um die „gute Mär“, wie Luther sagte, wovon wir singen und sagen sollen. Eine weitere Verbindung zum Ansatz der Reformatoren ist auch hier sichtbar: Immer noch kommt in der Kirchenmusik in der evangelischen Kirche das Priestertum aller Gläubigen zum Ausdruck. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind nicht die einzigen, die das Evangelium verkündigen und biblische Texte auslegen. Es sind auch die zahlreichen beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden, vom A-Musiker und der Kreiskantorin über den nebenamtlichen Chorleiter bis hin zu der Erzieherin im Evangelischen Kindergarten, die erste Glaubenslieder mit den Kindern singt. Und dazu kommen natürlich alle, die mitsingen in den Chören, die musizieren in Posaunenchören oder Bands.

Die Initiative „Singen!“ der Landeskirche fördert in diesem Jahr besonders das Singen als eine wichtige und elementare Form, in der Menschen aller Alterstufen sich selbst und ihren Glauben ausdrücken - oder manchmal erst finden. Aber das Singen muss früh erlernt und positiv gefördert werden - gerade damit immer weniger Menschen von sich behaupten: Ich kann nicht singen! und das Gesangbuch am Eingang der Kirche liegen lassen. Denn der Untertitel der Initiative „Singen!“ lautet: „Jede Stimme zählt“ - und so ist es! Es ist wichtig, dass wir die Verbindung mit unseren Wurzeln, mit unserer musikalischen Tradition pflegen - und zwar nicht nur, weil die Choräle von Paul Gerhard und Johann Crüger, das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und die Orgelwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy so wichtige Kulturgüter sind. Sondern weil sie Glauben ausdrücken, Glauben bestärken oder sogar erst wecken können.

Aber das gilt nicht nur für die Tradition. Wir brauchen auch neue Ausdrucksformen, neue Texte, neue Melodien. Dazu gehören z.B. die Lieder aus dem Taufliederwettbewerb, den unsere Landeskirche 2011 ausgeschriebenen hat. Dabei ging es um neue Tauflieder für Menschen, die als Jugendliche oder Erwachsene getauft werden. Denn für die passt „Kind, du bist uns anvertraut“ einfach nicht. Es hat viele Zusendungen gegeben, und 13 ganz unterschiedliche Lieder haben es in das Liederheft und auf die Begleit-CD geschafft. Zwei dieser Lieder sind sogar für das Liederheft für den evangelischen Kirchentag 2013 in Hamburg ausgewählt worden - und werden hoffentlich in vielen Gemeinden ein „Hit“.

Zu den neuen Ausdrucksformen gehört auch, dass die Grenzen zwischen kirchlicher Kultur und Popkultur durchlässiger werden. Seit einigen Jahren werden zum Beispiel bei Beerdigungen immer mehr Lieder aus dem Bereich der Popmusik gewünscht. Lieder wie „Geboren um zu Leben“ von Unheilig oder die hawaiianische Version von „Over the Rainbow“ bekommen im gottesdienstlichen Rahmen noch einmal eine tiefere oder weitere Bedeutung und geben Familien Trost und Halt. Das bedeutet nicht, dass die Lieder aus dem Gesangbuch dann ganz in Vergessenheit geraten - aber es zeigt, dass Menschen die Art von Musik, die sie im Alltag begleitet, auch im kirchlichen und gottesdienstlichen Raum hören und, wenn möglich, auch singen wollen.

In Verbundenheit mit unseren reformatorischen Wurzeln geht es um die Verkündigung der guten Botschaft - und zwar so, dass sie Menschen heute erreicht und anrührt. Es geht dabei um Tradition und neue Ausdrucksformen, um Verbundenheit in der Ökumene und das Bewusstsein der eigenen Geschichte. Es kann und muss nicht die EINE Kirchenmusik für alle geben, sondern geistliche Musik in verschiedenen Formen und Stilen für viele. Wer weiß, wo die „gefährliche Musik“ heute in der Kirche zu finden ist? Vielleicht dort, wo althergebrachte Sichtweisen verändert und Vorurteile aufgehoben werden, wo stillschweigend gezogene Grenzen eingerissen werden und wo das Evangelium erfahrbar wird. Das passiert zum Beispiel in einem inklusiven Kinderchor-Projekt, in dem sehr bewusst und pädagogisch begleitet Kinder mit und ohne Behinderungen, Kinder aus finanziell gesicherten und aus finanziell schwachen Familien miteinander ein Musical erarbeiten, das in einem großen Familiengottesdienst aufgeführt wird.

Ein anderes Beispiel ist die Gründung eines Chores für „alte Stimmen“ - für Menschen ab 70. Für erfahrene Sängerinnen und Sänger, die sich oft mit den altersgemäßen Veränderungen ihrer Stimmen in den „normalen“ Chören als nicht mehr „passend“ erleben. Und auch für die, die bisher noch nie außerhalb der Dusche oder des Autos gesungen haben. Wer sich „die Musik erkiest, hat ein himmlisch Gut gewonnen“, so soll Martin Luther es gesagt haben. Der Gewinn ist ein himmlisches Gut, aber auch irdische Güter kommen dazu: Gemeinschaft und sogar Freundschaft, Freude an der Musik und Lust am Glauben und - wie im Fall des Chores der „Alten Stimmen“ sogar der Erwerb von Computer-Wissen. Denn einige der Chorsängerinnen und -sänger haben sich nur deshalb eine E-Mail-Adresse zugelegt, um über die Probentermine auf dem Laufenden zu sein. Wenn das durch „Frau Musica“ geschehen kann, wie Luther die Musik voller Ehrerbietung nannte, dann ist fast alles möglich!“

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