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Wohnortnahe Tagesklinik und Ambulanz mitten in der City

Die neuen Hausherren des früheren RGA-.Medienhauses am Ebertplatz: Prof. Dr. Klaus Windgassen, Dietmar Volk und Pfarrer Uwe Leicht von der Stiftung Tannenhof. Sie will dort eine Psychiatrische Tagesklinik und Ambulanz einrichten. Foto: Lothar Kaiser

Der Tannenhof sucht mehr Anschluss an die Außenwelt“, titelte der Waterbölles am 8. Juni 2011, nachdem die Evangelische Stiftung Tannenhof ihren Plan öffentlich gemacht hatte, ihr Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie für rund 9,8 Millionen € um ein modernes Stationsgebäude erweitern zu wollen. Dass der Neubau Ende nächsten Jahres fertiggestellt sein soll, war in der gestrigen Pressekonferenz von Pfarrer Uwe Leicht, Geistl. Vorsteher der Stiftung, dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Klaus Windgassen und dem Kaufm. Direktor Dietmar Volk allerdings eher eine Randnotiz. Denn gestern galt es, ein neues Projekt vorzustellen, das noch deutlicher als der Neubau in Lüttringhausen und die dort geplante Verlagerung des Eingangsbereichs von der Remscheider Straße zur August-Erbschloh-Straße das gewandelte Selbstverständnis der Stiftung verdeutlicht, das Pfarrer Leicht damals so beschrieben hatte: „Keine geschlossene Welt für sich“. Was könnte das Bemühen um „mehr Anschluss an die Außenwelt“ besser unterstreichen als ein Umzug der Tagesklink und der Psychiatrischen Institutsambulanz von der Remscheider Straße in Lüttringhausen zum Friedrich-Ebert-Platz in Remscheid?!

Gesucht hatte man nach einem solchen „vorzeigbaren, zentralen Platz“ in der Stadtmitte für eine wohnortnahe Tagesklinik zur Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen schon lange. Es waren Mitarbeiter der städtischen Wirtschaftsförderung, die die Stiftungsleitung schließlich mit Altverleger Dr. Wolfgang Pütz, dem früheren Verleger der Remscheider General-Anzeigers, zusammenbrachten. Seit das Medienhaus B. Boll, Verlag des Solinger Tageblattes GmbH & Co. KG, alle Titel- und Verlagsrechte des Remscheider General-Anzeigers erworben und für Redaktion und Geschäftsstelle eine neue Bleibe an der Alleestraße gefunden hatte, steht das Medienhaus am Ebertplatz weitgehend leer – abgesehen von der „RS Gesellschaft für Informationstechnik mbH & Co. KG“ (RGI) im Nebengebäude Konrad-Adenauer-Str. 6. Die Firma mit den drei Unternehmensbereiche Systemhaus, Rechenzentrum und ERP-Center wird künftig an die Stiftung Tannenhof Miete zahlen müssen. Denn der Verkauf des gesamten Geländes und Gebäudes mit mehr als 2.000 Quadratmetern, verteilt auf fünf Geschosse, ist perfekt. Über den Kaufpreis machte Dietmar Volk gestern keine Angaben, wohl aber über die Summe, die in Heizung. Brandschutz, Beleuchtung, elektrische Versorgung, einen barrierefreien Zugang (statt der hinderlichen Drehtür) und in eine neue Raumaufteilung investiert werden sollen: rund 800.000 Euro.

„Eine Tagesklinik mit ihren ambulanten Angeboten für Menschen, die abends in ihre eigenen vier Wände zurückkehren, gehört einfach in die Innenstadt“, betonte gestern Prof. Dr. Klaus Windgassen. „Denn so können die Menschen am ehesten in ihrem sozialen Umfeld bleiben!“  Und ideal sei natürlich der Busbahnhof gleich vor der Haustüre, ergänzte Pfarrer Leicht. „In direkter Nähe Stadtverwaltung, Volkshochschule und Stadtbibliothek!“ Alles in allem also ideale Rahmenbedingungen für eine Tagesklinik. Denn sie ermöglichen den Besucher/innen die für sie so wichtigen fest strukturierten Tagesabläufe ohne weite Anfahrtswege.

Das gesamte erste Obergeschoss mit Ausnahme der RGI-Räume ist für die Tagesklinik vorgesehen. Deren Behandlungsangebot, eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie,  richtet sich insbesondere an Patienten mit Depressionen, bipolaren Störungen, Psychosen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen. Die Behandlung  reicht von der medikamentösen Therapie über verhaltenstherapeutisch orientierte, störungsspezifische Psychotherapie bis hin zu einer Vielzahl soziotherapeutischer Angebote. So ist zum Beispiel in den großen Kellerräumen der früheren Rotationsdruckerei auch eine therapeutische Werkstatt für Industriemontagen denkbar.

Im Erdgeschoss des früheren RGA-Verlages ist ein „integratives Café“ geplant. Ob verpachtet oder in Eigenregie, steht noch nicht fest. Dafür käme womöglich auch das Sozialpsychiatrisches Zentrum (SPZ) in Frage. Über die „Hinterhoflage“ (an der Hindenburgstraße) dieser Gemeinschaftseinrichtung von Tannenhof-Stiftung und Augusta-Hardt-Heim, die psychisch Kranke in Gruppensitzungen Hilfe in täglichen Situationen und bei Konflikten bietet, sind beide Träger nicht glücklich. Auch das SPZ soll deshalb am Ebert-Platz eine neue, größere Bleibe finden – im zweiten Obergeschoss. Dort sollen – wie bisher in Lüttringhausen - insbesondere Patienten mit schweren, oftmals komplizierten und auch langwierig verlaufenden psychischen Erkrankungen ambulant behandelt werden. Nicht selten vermeidet das einen Krankhausaufenthalt, so  Prof. Dr. Klaus Windgassen.

In das dritte Obergeschoss soll ggf. eine ergotherapeutische Praxis einziehen, auf jeden Fall aber die Psychiatrische Ambulanz (ca. 4.000 Patienten pro Jahr), bisher wie die Tagesklinik im Souterrän des Verwaltungsgebäudes auf dem auf dem Stiftungsgelände in Lüttringhausen untergebracht. (Bereits vor zehn Jahren habe die Stiftung Tannenhof in Wuppertal in zentraler Lage ein Gerontopsychiatrischen Zentrum errichtet und damit gute Erfahrungen gemacht, so Volk). Bleiben noch 280 Quadratmeter im vierten Obergeschoss. Dietmar Volk kann sich vorstellen, dass dort selbstständige Fachärzte mit ihren Praxen einziehen werden.

Spätestens Ende nächsten Jahres soll das neue ambulante Behandlungs- und Beratungszentrum für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Zentrum von Remscheid eingeweiht werden, kündigte die Vertreter der Stiftung gestern an. Und es klang ein wenig Stolz mit, als der Kaufmännische Direktor Dietmar Volk von einem „Weihnachtsgeschenk für die Stadt Remscheid“, von der „Stärkung der ambulanten Versorgungsstrukturen in einer ‚sozialen Stadt‘“ und von einem „Beitrag zur Entwicklung des Stadtzentrums“ sprach. Denn immerhin werde durch die Millioneninvestition der Stiftung Tannenhof in der Remscheider City auch der Leerstand eines großen Gebäudes beendet.

Und was wird aus den Räumen, die Ambulanz und Tagesklinik auf dem Gelände der Stiftung freimachen? Dort bestehe ein wachsender Flächenbedarf, verbunden mit einem Sanierungsstau, räumte Dietmar Volk ein. Weitere Bauprojekte in den nächsten Jahren sind also nicht ausgeschlossen…

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Chronist am :

Ende nächsten Jahres solle das neue ambulante Behandlungs- und Beratungszentrum für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Zentrum von Remscheid eingeweiht werden, kündigten die Vertreter der Stiftung Tannenhof im Dezember 2013 an. Jetzt heißt es, als Eröffnungstermin der neuen Tagesklinik im einstigen RGA-Medienhaus am Ebertplatz sei Ostern (Anfang April) realistisch.

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