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"Schreiben Sie den Bischöfen, was Ihnen zuwider läuft!"

Foto:Lothar Kaiser

Der Dekanatsrat der Katholiken in Remscheid besteht aus gewählten Vertreter der Pfarrgemeinderäte, der katholischen Verbände (z. B. Katholische Arbeitnehmerschaft Deutschlands, Katholische Frauengemeinschaft, Caritasverband) sowie Vertretern der pastoralen Dienste im Stadtdekanat Remscheid. Zumeist arbeitet das Laiengremium in aller Stille. Einmal in Jahr jedoch, beim traditionellen Jahresempfang im Pfarrzentrum St. Josef an der Menninghauser Straße, steht der Dekanatsrat unter dem Vorsitz Dr. Erwin Bürgel im Blickfeld der Öffentlichkeit. In den vergangenen Jahren widmete er sich bei dieser Gelegenheit in der geboten erscheinenden Zurückhaltung gesellschaftspolitischen Themen wie der Frage nach dem journalistischen Ethos oder der nach Migration und Integration. Als nun in der Einladung zum Jahresempfang 2013 das Thema „Die frohe Botschaft - merkt man das?“ angekündigt wurde, glaubten manche schon an einen unerwarteten Rückfall ins Konservative. Doch für ein Impulsreferat war Dr. Bernd Wacker eingeladen worden, der Leiter der Karl-Rahner-Akademie in Köln, die nach dem wohl bedeutendsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts benannt ist. Sie ist einzige Katholische Akademie in Deutschland, die ausschließlich vom finanziellen Engagement ihrer Freunde und Förderer getragen wird. Und ihr Leiter gilt nicht gerade als die Speerspitze der katholischen Amtskirche, sondern eher als ihr Kritiker und Mahner.

Dr. Bernd Wacker. Foto:Lothar KaiserDem Ruf, der Dr. Bernd Wacker vorauseilte, wurde er beim gestrigen Neujahrsempfang vollauf gerecht. Schon in seinem Vorwort zum neuen Jahresprogramm der Akademie, das im Saal von St. Josef auslag, klang seine kritische Distanz zu den Kirchenoberen an. Das Programm liege „diesmal im Gewand eines edlen Violett, des Purpurs gewissermaßen“, aus. Von alters her erinnere dieser Farbton an das im römischen Kardinalat institutionalisierte Schwergewicht der christlichen Tradition. Es werde seit einigen Jahrzehnten aber auch „mit der auf Emanzipation und Gleichberechtigung dringenden (kirchlichen) Frauenbewegung in Verbindung gebracht“. Und der damit angedeutete Spannungsbogen sei – im Jahr des Gedenkens an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils – durchaus beabsichtigt: „Mehr noch als vor 50 Jahren dürfte inzwischen deutlich geworden sein, dass die anstehenden Probleme der Kirche nicht ‚par ordre du mufti‘ zu lösen sind, sondern des beharrlichen Gesprächs bedürfen, in dem das in so vielen amtlichen Texten beschworene ‚Volk Gottes‘ auf gleicher Augenhöhe zu Wort kommt.“ Was Wacker damit meinte, wurde im Laufe des Abend deutlich: Ein Katholik, der mitten im modernen Leben steht, müsse auch in religiösen Fragen ein "mündiger Bürger" sein. Einer, der Gebote nicht ungefragt akzeptiere, sondern kritisch hinterfrage. Dr. Bernd Wacker: „Nehmen Sie Bischöfe ruhig in Ihre Gebete auf. Aber schreiben Sie ihnen auch, wenn Ihnen in der Kirche etwas zuwider läuft!“

Es gibt zurzeit einiges, was die Remscheider Katholiken zu Papier bringen könnten. Bereits bei der Begrüßung – und damit hatte wohl niemand gerechnet – nannte Dr. Erwin Bürgel einige Kritikpunkte, die „das Befreiende, das Hoffnungsvolle der Christlichen Botschaft verdunkelt“: 2010 die Aufdeckung der Missbrauchsvorfälle in katholischen Einrichtungen nach deren Vertuschung über viele Jahre. Und nunmehr das  Scheitern des zur Aufarbeitung dieser Fälle beschlossenen wissenschaftlichen Forschungsprojektes – wieder ein Fall von Vertuschung? Und dann, die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kölner Krankenhäusern, für Bürgel “skandalös!“ Stehe Kirche etwa für Dogmatismus, Rigorismus und Engstirnigkeit? Sei sie den Menschen nicht mehr zugewendet, nicht mehr barmherzig? - „Kirche besteht nicht nur aus ihrer Leitung“, betonte der Vorsitzende des Dekanatsrats.

Mit einem Fragebogen und der Bitte, ihn auszufüllen, waren die rund 120 Gäste um 19 Uhr empfangen worden. Die Fragen:

  • Erleben Sie die Verkündigung durch die Kirche(n) als Frohe Botschaft?
  • Braucht die Kirche neue theologische Impulse?
  • Können sich die christlichen Kirchen - realistisch gesehen - weiter annähern?
  • Öffentliche Debatten um Glaubensfragen werden oft politisch geführt. Täte es dem Glauben gut, mehr ins Private verlegt zu werden?
  • Fühlen Sie sich an Ihrem Kirchort beheimatet?

Das Ergebnis der Umfrage wurde noch vor dem Impulsreferat von Dr. Bernd Wacker vorgestellt – und überraschte auch ihn: 93 Gäste hatten sich für neue theologische Impulse ausgesprochen. Und auch die übrigen Fragen waren mehrheitlich kritisch beantwortet worden. Einzige Ausnahme: der „Kirchort Remscheid“; damit war die Mehrzahl durchaus zufrierden.

67 Gäste hatten in dem Fragebogen angegeben, die Frohe Botschaft habe sich in fast zweitausend Jahren nicht geändert. Doch für Bernd Hoppe, den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates von St. Bonaventura und Heilig Kreuz in Lennep und Lüttringhausen, ergab sich daraus die weit wichtigere Frage: „Wie wird uns diese frohe Botschaft vorgelebt!?“ Die Vorfälle an den beiden Kölner Krankenhäuser machten ihn „sehr, sehr traurig“, sagte Hoppe. „Welches Bild bietet hier die katholische Kirche?“ Vor allem bedrücke ihn die Erkenntnis, „dass katholische Grundsätze stur und stoisch weitergelebt und durchgesetzt werden, obwohl sich die Erde weitergedreht hat. In jedem Unternehmen werden einmal getroffene Entscheidungen nach einer gewissen Zeit noch einmal hinterfragt, um eventuelle Irrtümer zu korrigieren.“ Man könne keinen hilfesuchenden Menschen in einem Krankenhaus abweisen, schon gar nicht in einem katholischen. Da nutze auch eine spätere Entschuldigung des Erzbischofes nichts.

Auf Unverständnis stoße bei vielen Katholiken auch der Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen, fuhr Hoppe fort. Ebenso der Ausstieg aus der Studie, die Licht in die Vorgänge hätte bringen sollte. „Wir Katholiken müssen uns im Alltag, im Beruf, Schule und Freizeit für Dinge rechtfertigen, die wir absolut nicht vertreten.“ Keineswegs sei er mit allen Entscheidungen der katholischen Kirche einverstanden, wolle ihr „nicht nur hörig dienen“. Seine Zuhörer forderte Bernd Hoppe auf, „an jeder Stelle, wo Sie Unrecht in unsere Kirche empfinden, aufzustehen und das anzumahnen!“

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