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Als man in den Remscheider Bergen noch nach Eisen suchte

Sammlung: BaadeSeit etwa 700 n. Chr. dringen fränkische Siedler aus der Rheinebene nach Osten vor und roden große Teile des Bergischen Landes, das vorher ein unbesiedeltes Waldland war. Dieser Siedlungsvorgang geht bei uns schrittweise vor sich von Opladen bis Radevormwald. Um 1000 n. Chr. sind fast alle heutigen Ortsnamen vorhanden und wurden früher oder später in den Urkunden genannt. Die Besiedlungsperiode war damit abgeschlossen. Die Siedler entdeckten an verschiedenen Stellen im Bergischen Land an der starken braunen Bodenverfärbung lokale Eisenerzvorkommen. Spätestens seit 900 n. Chr. beginnt man bei uns an einigen Stellen, die Eisenerze abzubauen und in einfachen Eisenschmelzöfen zu verhütten. Einen solchen Schmelzofen entdeckte 1935 der verstorbene Heimatforscher Wilhelm Blankertz in der Mul bei Hückeswagen. Die bei diesem Ofen gefundenen und durch Dr. Hans Knübel untersuchten Gefäßscherben von Pingsdorfer Keramik und fränkisch- karolingischen Kugeltöpfen deuten darauf hin, dass er frühmittelalterlich ist und mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Zeit um 900 n. Chr. stammt. Dieser Schmelzofen steht heute im Historischen Zentrum in Remscheid (Deutsches Werkzeugmuseum). Die Schlacken solcher mittelalterlichen Eisenschmelzen finden sich verstreut an zahlreichen Stellen unserer Heimat. 1953 wurde an einem Schlackenplatz im Burgholz bei Cronenberg die Schlacke untersucht. Es wurden wieder Scherben von Pingsdorfer Keramik gefunden, die anzeigen,  dass auch diese Eisenschmelze frühmittelalterlich und in die Zeit um 1000 - 1100 n. Chr. einzuordnen ist. Die erste Epoche bergischer Eisenerzgewinnung mit ihrer Verhüttung und Verarbeitung reicht in die frühgeschichtliche Zeit hinab. Ihre Rückstände liegen noch haufenweise in unseren Wäldern oder bis 1, 20 m tief im Wiesenboden unserer engen Täler. Viele der Schlackenberge fassen nach fachmännischer Schätzung 50 - 70 Doppelwaggons Inhalt und enthalten bis zu 69% Eisen. Eine Menge von Fundstücken an den Arbeitsstätten,  kleine Hufeisen, ein Pferdebissel, die älteste bergische Tüllenaxt, ausgeschmiedete Eisenstücke für Werkzeuge, Messer, Lanzen und Schwerter, raue graue Topfreste,  zahlreiche Scherben schwarzer Kugelam- phoren weisen diese älteste bergische Eisenindustrie in die frühgermanische Zeit; die häufig gefundene Pingsdorfer Ware setzt ihr Ende in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts. Der damalige Bergbau war ursprünglich ausschließlich der Tagebau. Zunächst sammelte man die vom Wasser losgelösten und in den Talmulden zusammengetriebenen Brauneisensteinknollen. Fand sich der Brauneisenstein in mannstiefen Löchern, so hob man diese aus, zeigte er sich in Gängen, so folgte man ihnen, bis sie,  oft plötzlich, abbrachen. Bruchstücke von Schmelzöfen finden sich massenhaft in bergischen Wäldern und Tälern. Kalk als Flussmittel ist unbekannt. Nur weiches Schmiedeeisen wurde erzeugt, das aber durch fortgesetztes Abschrecken, Nachglühen und Hämmern stahlhart geschmiedet wurde. Verhüttet wurde mit Holzkohle. Die Meilerplätze sind wieder aufgefunden und liegen teilweise tief in der Erde, wobei man im Gelpetal auch an der Oberfläche Meilerstandorte ausmachen kann. Heimatforscher Blankertz aus Hückeswagen hat etwa 200 der alten Arbeitsbezirke wieder aufgefunden, wobei jeder eine geschlossene Einheit mit Erzabbaustelle, Verhüttungsstätte,  Meileranlage, Schreckteich und Schmiedeplatz darstellte. Um 830 fand diese älteste bergische Eisengewinnung und -verarbeitung ihr Ende. Der Grund war die Erschöpfung des Heimatbodens an nutzbaren Erzen. Nie wieder ist der heimische Bergbau zu solch einer Blüte gelangt. Über mittelalterlichen Erzabbau und die Metallverarbeitung besitzen wir allerdings nur wenige urkundliche Belege. Als wichtigste nennt Blankertz aus einem Beleg: "Karl der Große pflegt das Eisenhandwerk auf seinen Königshöfen und verbietet die Ausfuhr von Eisen- und Eisenwaren." 1120 werden die Erzgruben bei Lüderich genannt, 1137 schenkt Kaiser Rotbart die Silbergruben auf dem Reichshof Eckenhagen seinem Kanzler Reinhold von Dassel, 1275 wird Wipperfürth Münzstätte, 1369 schließt Graf Wilhelm II. mit Remscheider Schmieden einen Erbvertrag über den Hohenwald "das Remscheid" genannt. Vor 1400 gibt es Eisengewinnung und Eisenverarbeitung in Breckerfeld.

Inneres einer Remscheider Eisensteingrube. Sammlung: R. Baade1437 erhalten die bergischen Herzöge das Bergregal, 1480 findet sich "lenneper yser" in den Accisenrollen zu Osnabrück. Von einem heimischen Bergbau ist nur noch andeutungsweise die Rede. Warum ist der Abbau bei uns eingeschlafen? Diese Erklärung ist in bisher allen Unterlagen, die ich eingesehen habe, von allen Autoren falsch dargestellt worden, weil jeder von jedem irgendwie abgeschrieben hat. Karl Roesch und Martin Kühn aus Remscheid haben die bergischen Erze analysiert und kommen 1976 zu dem Schluss, dass bergisches Eisenerz einen zu hohen Phosphor- und Schwefelgehalt hatte. Das gewonnene bergische Eisen konnte ausschließlich zum Gießen benutzt werden, nicht zum Schmieden. Somit ist auch der Bezug von Eisenluppen aus dem Siegerland, speziell aus dem Müsener Berg (15. Jhdt.) über die Eisenstraße und ihre Hohlwege zu erklären. Der Müsener Berg enthielt verschieden Stollen, in denen verschiedenartige Erze abgebaut wurden, welche die Remscheider Schmiede zu ihrem späteren Raffinierstahl zurechtschmiedeten. Das Erz dieses Stahlberges enthielt an verschiedenen Stellen hohen Mangangehalt, dann wieder wenig Phosphor in einem anderen Stollen und im nächsten wenig Schwefel usw. Er wurde in den umliegenden Hütten zu "Stahlkuchen" erschmolzen und dann in Ladungen von 1.000 Pfund auf den sogenannten Hessenkarren nach Remscheid befördert, wo er von den hiesigen Hammerschmieden durch deren besonderes Schmiedeverfahren zu Raffinierstahl und somit zum besten Stahl seiner Zeit verarbeitet wurde. Die von Ploennies gegen 1715 gezeichnete Karte des Amtes Bornefeld zeigt … die alte Wegeverbindung von Remscheid über Birgderkamp, dann nördlich von den Höfen Stöcken und Heydt über Forsten; Wirtshagen und Waag nach Hückeswagen. Unterhalb Forsten, an dem Abstieg zum Dörpetal, ist auffallenderweise die Bezeichnung "Yser- Straße" eingetragen; im Jahre 1997 ist sie als Bodendenkmal unter Schutz gestellt worden. Sie ist ein Beweis, dass wir hier die erwähnte alte Verbindung vor uns haben,  auf der die Rohmaterialien für das Remscheider Eisengewerbe mühsam herangeschafft wurden.

Im 16. und 17. Jhdt. gibt es bei uns weitestgehend nur noch Eisenverarbeitung, wobei der Hammerschmied Peter Hasenclever aus der Lobach in seinem Lagerbuch 1633/34 berichtet, dass er aus dem hiesigen Raum niemals Eisenerze bezogen habe. Wir wissen aber, dass die Stollen Wolfskuhle oder Eichendörfer oder der Lobacher Stollen immer mal wieder sporadisch in Betrieb waren. Die ersten Verhüttungsstellen des Eisens liegen alle hoch am Berghang, damit der Wind das Feuer der Öfen in rechte Glut bringt. Solche Anlagen nennt man Rennöfen. Mit den Füßen betriebene Blasebälge sorgten für zusätzliche Luftzufuhr. Seit etwa 1400 wird bei uns die Wasserkraft der Bäche ausgenutzt, und die Eisenschmelzen wandern in die Täler, wo dann Wasserräder die Blasebälge antreiben. Aus Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts sind uns in Remscheid acht Eisenschmelzhütten bekannt, deren Standorte noch nicht alle erforscht bzw. nachgewiesen sind. Sie standen an den Bachläufen bei den Hammerwerken und Schleifkotten. Es waren dies die Loosenhütte im Lobachtal (1662), die Gockelshütte am Gockelshammer (1675) am unteren Morsbach, eine Eisenhütte in der Gerstau, je eine weitere am Clemenshammer (direkt am Steffenshammer), eine Eisenhütte bei Platz (1646), eine Eisenhütte in der Grundaue (Gründerhammer, 1554), ein Hüttenplatz am Neuenhammer und eine Hütte am Altenhammer im Eschbachtal. Das zeigt, dass Remscheid ein bedeutendes eisenerzeugendes Zentrum in der damaligen Zeit war.

Das Eisenerz für die Verhüttungsanlagen ist an verschiedenen Stellen des heutigen Stadtgebietes gewonnen worden, besonders in der Gegend von Reinshagen, Kremenholl und Lobach. Das größte Bergwerk war das Reinshagener Bergwerk „Wolfskuhle“, dessen Stollen den ganzen Höhenrücken zwischen dem Lobach und dem Bornsiepen bei Bornstal und Güldenwerth durchzogen haben sollen. Die „Wolfskuhle“ wird zurzeit (2007) ausgegraben, und man wird sehen, wie weit sich die Stollen verbreitet haben. Weitere Stollen sind ab 1717 mit "Im Sand" bei Clemenshammer und "Dürrholz" im Morsbacher Bereich von Cronenberg genannt. (nach: „Hämmer und Kottenforschung – Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“, 2007 herausgegeben von Günther Schmidt)

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