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Düsteres Bild der Bevölkerungsentwicklung in Remscheid

 Auszüge aus den Erläuterungen zur Bevölkerungsvorausberechnung 2011 bis 2030 der Stadt Remscheid, mit der sich gestern der Haupt- und Finanzausschuss befasste. Wortmeldungen gab es zu dem Tagesordnungspunt nicht. Damit hat sich bislang nur die CDU dazu öffentlich in einer Pressemitteilung geäußert.

"Die  Bevölkerungsentwicklung und damit in Zusammenhang stehenden Entwicklungsprozesse in der  Stadt Remscheid waren in den vergangenen Jahrzehnten seit 1950 von mehreren gravierenden Brüchen  geprägt.  Im Jahr 1950 wurden in der Stadt um 103.000 Einwohner gezählt. Eine insgesamt positive  natürliche Bevölkerungsentwicklung mit zeitweilig hohen Geburtenüberschüssen und Zuwanderungsgewinne  durch den Zuzug von Aussiedlern, Kriegsheimkehrern und später von Gastarbeitern aus  Südeuropa und deren Familien ließ die Bevölkerung bis etwa 1970 stark wachsen. Im Jahr 1971 wurde  mit knapp 137.400 Einwohnern deren höchste Zahl in der Stadtgeschichte erreicht. Für die Zukunft  plante die Stadt damals mit einem weiteren Bevölkerungswachstum.

Allerdings hatte sich seit Mitte der 1960er Jahre die jährliche Geburtenzahl nahezu halbiert („Pillenknick“),  so dass der Saldo aus Geburten und Sterbefällen in den 1970er Jahren deutlich negativ wurde.  Darüber hinaus ließ die auf die erste Ölkrise 1973 folgende wirtschaftliche Rezessionsphase mittelbar  die Zuwanderung von ausländischen Arbeitnehmern abebben. Zeitgleich führte der einsetzende  Suburbanisierungsprozess zu Wanderungsverlusten bei der deutschen Bevölkerung. In Folge dessen  schrumpfte die Bevölkerung im Zeitraum von 1971 bis 1987 um rd. 15.000 auf 122.000 Einwohner.

Die Einwohnerprognose 1984 der Stadt erwartete aufgrund dieses Prozesses ein Absinken der Einwohnerzahl  unter 100.000 bereits um das Jahr 2010.  Wider Erwarten nahm die Wanderungsbilanz der Stadt Remscheid nach 1987 durch die politischen  Veränderungen in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und die Zuwanderung von Asylanten,  Kriegs-und Armutsflüchtlingen einen positiven Verlauf. Gleichzeitig waren die geburtenstarken Jahrgänge  der frühen 1960er Jahre in das Alter der Familiengründung gewachsen. Der daraus resultierende  Geburtenanstieg um 1990 führte nach dem hohen Sterbeüberschuss der Vorjahre nahezu wieder  zu einer ausgeglichenen natürlichen Bilanz. Im Ergebnis konnte die Einwohnerzahl Remscheids  zwischen 1987 und 1993 um 4.000 Personen auf 126.300 Einwohner wachsen.

Seit 1993 setzte ein erneuter Rückgang der Einwohnerzahl ein. Bis zum Jahr 2000 war dieser zunächst  moderater als der Schrumpfungsprozess der 1970er und 1980er Jahre. Nach der Jahrtausendwende  allerdings hat sich der Verlauf des Bevölkerungsrückgangs tendenziell verschärft. Die  Bilanz der natürlichen Einwohnerentwicklung wurde zunehmend von der Tatsache beeinflusst, dass  sich nach dem Jahr 2000 sukzessive geburtenschwache Jahrgänge der 1980er Jahre in der Phase  der Familiengründung befanden. Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter wurde somit rückläufig.  Folglich fiel die Zahl der Geburten von 1.445 im Jahr 1991 auf 832 im Jahr 2011. Der Sterbeüberschuss  wuchs im genannten Zeitraum von 123 auf 450. Die Schere zwischen den jährlichen Geburten  und Sterbefällen öffnet sich somit seit 1990 zunehmend.

Parallel verschärfte sich zu Beginn der 1990er Jahre der Strukturwandel in der Remscheider Wirtschaft.  Bestanden im Jahr 1992 noch 185 Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten im verarbeitenden  Gewerbe so waren es im Jahr 2011 nur noch 135. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der dort Beschäftigten  von rd. 29.000 auf nur noch rd. 14.000 zurück. In anderen Wirtschaftszweigen konnte ein  hinreichender Ausgleich nicht geschaffen werden. Zudem ließ im Verlauf der 1990er Jahre der Zuzugsdruck  aus dem Ausland nach. Während das Volumen der jährlichen Fortzüge relativ stabil blieb,  sank das Volumen der Zuzüge von über 5.300 im Jahr 1992 auf rd. 3.500 im Jahr 2011. Die zu Beginn  dieses Zeitraums noch positive Wanderungsbilanz weist für 2011 ein Defizit von -443 aus. Insgesamt  war in den letzten 20 Jahren die Wanderungsintensität über die Stadtgrenzen rückläufig. (…)

Die letzte Bevölkerungsvorausberechnung der Stadt Remscheid (2005 – 2025) erwartete für den  Stichtag 31.12.2011 in Remscheid 114.208 Einwohner. Der tatsächliche Entwicklungsverlauf war zwischen  2005 und 2011 jedoch ungünstiger als vorausberechnet. Die Einwohnerzahl sank zum  31.12.2011 auf 112.539 Personen mit Hauptwohnsitz. Zurückzuführen ist diese Abweichung darauf,  dass der erwartete Wanderungsverlust von jährlich -418 Personen zwischen 2006 und 2011 real bei  jahresdurchschnittlich -677 Personen lag. Insbesondere die Altersgruppen der jungen Erwachsenen,  die potenziell als Familiengründer in Frage kommen, waren von dem erhöhten negativen Wanderungssaldo  betroffen. Der damit einhergehende erhöhte Verlust von Frauen im gebärfähigen Alter ist  als eine der Ursachen der Überschätzung der Geburtenzahlen und damit des Umfangs der Altersgruppen  der Kleinkinder im Alter von 0 bis 5 Jahren anzusehen. Eine weitere, hiermit verbundene  Ursache ist die Veränderung der relativen Geburtenzahlen (Geburten je 1.000 Einwohner). Die Vorausberechnung  erwartete für 2010 8,5 Geburten je 1.000 Einwohner, tatsächlich wurden nur 8,2 Kinder  je 1.000 Einwohner geboren.  Die Entwicklung der Altersgruppen der 65 – jährigen und älteren war im Jahr 2011 dagegen günstiger  als erwartet, so dass diese mit rd. 24.000 Personen besetzten Altergruppen zum 31.12.2011 um 444  Personen größer als vorausberechnet waren.

Auf der Basis von 112.539 Einwohnern am 31.12.2011 ermittelt die aktuelle Vorausberechnung einen  sich verstärkenden Rückgang der Einwohnerzahl. Während die erwartete  Entwicklung bis 2015 noch bei jährlich –0,8 Prozent liegt, ist für die letzte 5-Jahres-Periode der Vorausberechnung  ein jährlicher Verlust bei -1,1 Prozent ermittelt. Der Rückgang der Einwohnerzahl um über 19.000  Personen auf 93.175 Einwohner zum 31.12.2030 entspricht einem jährlichen Verlust von mehr als  1.000 Einwohnern bzw. rd. -0,9 Prozent pro Jahr.  Der Geburtenrückgang der letzten Jahre wird sich in die Zukunft fortsetzen. (…) Für den gesamten Prognosezeitraum wird ein relativ hoher  Wanderungsverlust bei rd. -500 pro Jahr erwartet. (…)Insgesamt addieren sich die Verluste aus der erwarteten natürlichen Bevölkerungsbewegung und den  jährlichen Wanderungsdefiziten auf mehr als -19.300 Einwohnern bis 2030. Dabei lässt die Struktur  der Bevölkerung auf eine Beschleunigung des Schrumpfungsprozesses in diesem Zeitraum schließen.

Die demographische Entwicklung in der Stadt Remscheid bis 2030 weicht nach der aktuellen Vorausberechnung  des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) in verschiedener  Hinsicht von der erwarteten Entwicklung in der Region stark bis sehr stark ab. Die Veränderung  der Gesamtzahl der Einwohner bis 2030 ist nach der Vorausberechnung von IT.NRW mit – 15,9 Prozent  deutlich ungünstiger als die erwartete Entwicklung der Bevölkerung in den einzelnen übrigen Kreisen  und kreisfreien Städten des Regierungsbezirks. Selbst die sich bereits einem erheblichen Schrumpfungsprozess ausgesetzt sehenden Kreise des östlich angrenzenden Raumes und die Stadt Hagen  können auf eine vergleichsweise günstigere Bevölkerungsentwicklung hoffen. Die eigene Vorausberechnung  der Stadt Remscheid geht mit – 17,0 Prozent sogar von einem etwas stärkeren Schrumpfungsprozess  in Remscheid bis 2030 aus. (…) Die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung Remscheids ist nachhaltig und unumkehrbar. (…) Der Einwohnerrückgang erfasst im Zeitraum der Vorausberechnung alle Altersgruppen bis hinauf zu  den 50 bis 64-jährigen."

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