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Armut in Remscheid (7): Wenn der Verlust der Wohnung droht ...

In den Beratungsstellen der Kommunen fragen zunehmend mehr Menschen um Rat nach, die Arbeitslosengeldes II beziehen, damit an der Armutsgrenze leben und in Gefahr sind, ihre Wohnung zu verlieren. Diese „Wohnungsnotfälle“, in denen Obdachlosigkeit unmittelbar droht, führen die Mitarbeiter der Beratungsstellen häufig auf Arbeitslosigkeit, Überschuldung, mangelnder beruflicher Qualifizierung, Krankheit, Sucht sowie schwere persönlichen oder familiäre Konflikte zurück. In Remscheid hat der Caritasverband Remscheid e.V. die Beratung (nach § 72 des Bundessozialhilfegesetzes) mit integriertem "Tagestreff" sowie die Betreuung in einer Notübernachtung (alles im Hause Kronprinzenstraße 34) übernommen.

Im "Tagestreff" der Remscheider Caritas könne sich die Besucher/innen ohne Zugangsvoraussetzungen (Antrags- oder Hilfeplanverfahren) aufhalten, das Angebot der "Remscheider Tafel" annehmen und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen. Die Zahl der Notübernachtungen bei der Caritas (von 19.00 Uhr bis 8.00 Uhr) war von 2002 auf 2003 rückläufig – von 497 auf 312. In 2002 waren es 435 Männer und 62 Frauen, in 2003 271 Männer und 23 Frauen.

Die Notunterkunft besteht aus zwei Mehrbettzimmern (ein 4-Bettzimmer für Frauen und ein 6-Bettzimmer für Männer).

Im Dezember 2002 wurde der Stadtteil Remscheid-Rosenhügel in das integrierte Handlungsprogramm der Landesregierung für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf (Soziale Stadt NRW) aufgenommen. In diesem Stadtteil kommt es besonders häufig zu Wohnungsnotfällen, vor allem unter Migrant/-innen. Deshalb wurde für den Rosenhügel das Projekt „Stadtteilbezogene Prävention von Wohnungsverlusten“ entwickelt.

Nach der Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe (BAGW) ist wohnungslos, wer weder über Wohneigentum noch über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt. Dazu zählen nicht  nur diejenigen, die nachts auf einem Lüftungsschacht schlafen („Platte machen“), sondern auch diejenigen, die von Amts wegen in einer Wohnung oder einer Notunterkunft untergebracht wurden; die sich in Heimen, Anstalten, Notübernachtungen, Asylen oder Frauenhäusern aufhalten, die als Selbstzahler in Billigpensionen leben; die bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend untergekommen sind; und Aussiedler, die noch keinen Mietwohnraum finden konnten und in Aussiedlerunterkünften untergebracht sind.

Die BAGW schätzt die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland auf 410.000 (55 Prozent Männer, 23 Prozent Frauen,  22 Prozent Kinder und Jugendliche)  -  mit rückläufiger Tendenz bei Mehrpersonenhaushalten. Angesichts der zunehmenden Verschärfung der sozialen Rahmenbedingungen wächst unter den Wohnungslosen die Resignation und das Gefühl der Perspektivlosigkeit.

Wie im „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid nachzulesen ist, zählte die Beratungsstelle des Caritasverband Remscheid e.V. im Jahre 2003 genau 271 Ratsuchende, 47 Frauen (17 %) und 224 Männe r(83 %). Die wesentlichen Gründe für die Wohnungslosigkeit: Probleme mit Vermietern / Nachbarn, Haftentlassung, Trennung vom Lebenspartner, vor allem aber Mietschulden. Das Bundessozialhilfegesetzes sieht in solchen Fällen deren Übernahme durch das Sozialamt vor (als Beihilfe oder als Darlehen).

Der Caritasverband Remscheid e.V. arbeitet eng mit den städtischen Beratungsstellen (Suchtberatung, Schuldnerberatung), Ämtern (Einwohner- und Ausländeramt, Arbeitsamt) und Dienstleistern (Kreditinstituten, Stadtwerke etc.) zusammen. Erfahren die zuständigen städtischen Sachbearbeiter von Fällen drohender Wohnungslosigkeit (durch die Betroffenen selbst, durch freie Träger, Soziale Dienste, Amtsgericht, Gerichtsvollzieher oder Vermieter), versuchen sie, die akute Notsituation schnellstmöglich zu beheben. Im Jahr 2003 gingen bei der Stadt insgesamt 731 Meldungen über einen drohenden Wohnungsverlust ein.  Im gleichen Jahr betrafen 119 Beratungen Räumungsklagen. Das Amtsgericht nennt dem Sozialamt die Termine so rechtzeitig, dass durch Beratungen, finanzielle Hilfen und Vermittlungen führen nicht alle angedrohten Zwangsräumungen, Räumungsklagen und Kündigungen letztlich auch wirklich zum Verlust der Wohnung führen.

In zunehmendem Maße kommen mittellose Alleinstehende in die Beratungsstelle der Caritas. Sie brauchen nicht nur Rat, sondern auch ganz praktische Hilfe. Zitat: “Selbst die Beantragung von sozialen Leistungen wie z.B. laufender Hilfe zum Lebensunterhalt können viele nicht ohne Unterstützung bewältigen.“ Das heißt, die Caritas-Mitarbeiter/innen müssen den Betroffenen bei Formalitäten helfen, um ihre Basisversorgung zu sichern. Für Beratung und Hilfestellung zur Alltagsbewältigung bleibe da immer weniger Zeit übrig.

Unter den von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen wächst nach Erfahrungen der Sozialarbeiter auch die Zahl chronisch mehrfach geschädigter Menschen, die nie mehr in der Lage sein werden, selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben. Ihnen bleibt nur ein „Dauerwohnheim“.

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