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Blausensen verhalfen Sensen-Industrie zu letzter Blüte (I)

Alte Gasse im Ortsteil Büchel. Zu beiden Seiten die eigenwillig und regellos zusammengeschachtelten Wohnungen und Werkstätten der Kleinschmiede. Im Hintergrund ein stattliches Kaufmannshaus, erbaut von Engelbert Luckhaus 1765. Foto: Schmidt.Teil I

Durch die Fabrikation von so genannten Blausensen sollte die Sensen-Industrie im Bergischen nochmals zu einer kurzen Blüte kommen. Aus der Verordnung des Kurfürsten Johann Wilhelm vom 20. März 1709 geht hervor, dass damals schon sogenannte Klopfsensen, das sind Stahlsensen, aus andern Gegenden bei uns eingeführt wurden. Da dieselben sich großer Beliebtheit erfreuten, gaben sich einige der Bergischen Sensenschmiede die größte Mühe, hinter das Geheimnis ihrer Herstellung zu kommen. Es sind also schon vor 1750, namentlich in Cronenberg, Versuche mit dieser neuen Fabrikation gemacht worden, die allerdings durch die Eifersucht der Schleifer und wahrscheinlich auch durch den Mangel an Mitteln stark behindert wurden. Im Jahre 1763 ließ die Düsseldorfer Regierung eine Erhebung darüber anstellen, ob und in welchem Umfange schwarze Sensen in den Ämtern Elberfeld, Bornefeld und Beyenburg hergestellt worden seien. Aus den verschiedenen Berichten geht hervor, dass einzelne Schmieden erhebliche Mengen von Stahlsensen geliefert hatten. In den Jahren 1750 bis 1752 waren 2.242 Stück für die Gebrüder Busch hergestellt worden. Peter Brink hatte im Jahre 1752 500 Stück, Johann Putsch 663 Stück anfertigen lassen, und die Gebrüder Brink versandten in den Jahren 1752 und 1753 1.500 Stück. Auch Johann Tilmans, Johann Ernenputsch, Engel Caspers, Kasper Hahn, Johann Rodt und Clemens Friedrichs, sämtlich in Cronenberg, werden als Hersteller von schwarzen Sensen genannt. Johann Rodt auf dem Sudberg und Clemens Friedrichs in der Kohlfurt sind an anderer Stelle ebanfalls als Erzeuger von schwarzen Sensen urkundlich erwiesen.

Hatte man sich in Düsseldorf vor lauter Erwägungen und Bedenken nicht zu einem Entschluss aufraffen können, so kam nun ein frischer Zug in den Gang der Verhandlungen. Trotz aller Proteste der um ihr Monopol besorgten Schleifer sollte jetzt der Versuch gemacht werden, an die Stelle der veralteten Weißsensenherstellung die Erzeugung der Stahlsensen zu setzen, um der Gewerbetätigkeit wieder aufzuhelfen. Natürlich interessierte man sich in Düsseldorf am meisten für die Frage, ob die bisher heimlicherweise und im Gegensatz zu den Handwerksbestimmungen gefertigten blauen oder schwarzen Sensen sich auf den verschiedenen Märkten als wettbewerbsfähig erwiesen hatten. Man veranlasste deshalb die betreffenden Kaufleute zu einer Äußerung, „ob die schwarzen Sensen so gut als die Steiermärker und Schmalkalder gewesen". (…) Aus den verschiedenen Antworten geht hervor, dass die Cronenberger Sensenschmiede sich eifrig bemüht hatten, die Ge­heimnisse der steierischen Sensen zu ergründen, dass sie aber bis zum Jahre 1763 noch nicht zur „Perfektion", d. h. zur Erzielung einer einwandfreien Ware gelangt waren. (… Zweifellos war aber eine ganze Reihe schätzenswerter Vorarbeiten vorhanden, als sich im Jahre 1769 zahlreiche Remscheider, Cronenberger und Lüttringhauser Kaufleute vereinigten, um die Stahlsensenerzeugung leistungs- und wettbewerbsfähig zu machen. Unter dem Vorsitz des Geheimrats von Buininck fanden sich folgende Kaufleute und Besitzer von Stahlhämmern zur Beratung ein: Johann Peter Hilger, Johann Peter Hasenclever, Peter Busch, Johann Müller für sich und namens Johann Busch, Wittib und Söhne, Gebrüder Honsberg, Peter Johann Arnold Clarenbach, Gebrüder Hilger, Johann Peter Hasenclever in Remscheid, Arnold Hasenclever, Peter Hasenclever, Ehringhausen, Johann Peter Bünger, Cronenberg, Gebrüder Müller jun., Luther Mannes, Johann Graber, Goldenberg, Johann Hasenclever und Söhne, Wilhelm Hasenclever und Söhne, Gebrüder von den Steinen, Johann und Caspar Halbach und Söhne, Johann Hasenclever, Peter Christoph Knipping, Johann Müller, Johann Dietrich Corras, Friedrich Caspar Herbertz, Wilhelm Grund, Gottfried Frantzen Wittib und Söhne, Peter Reinshagen und Gebrüder Berger.

Sie erklärten sich sämtlich bereit, „an der einzuführenden schwarzen Sensenfabrique" teilzunehmen. Es wurde als notwendig erachtet, ein Kapital von 1500 Reichstalern zusammen zu bringen. Dann sollten einige Kaufleute versuchen, in der Steiermark Meister zu werben, die die schwarzen Sensen zu machen verständen. Diese Leute sollten dann die einheimischen Meister und „Fabrikanten" mit den Geheimnissen der steirischen Sensenherstellung bekannt machen. (Schließlich gelang es, den Märkischen Sensenschmied Karl Röntgen nach Remscheid zu ziehen und mit seiner Hilfe das Müngstener Sensenwerk in Gang zu bringen. Letzterer soll einem österreichischen Soldaten, der nach dem Siebenjährigen Kriege in der Mark zurückgeblieben war, das Geheimnis der Stahlsensenbereitung abgelauscht haben. Auch ein sächsischer Bergmann namens Schildbach, wahrscheinlich derselbe, der im Jahre 1765 sich in dem Reinshagener Bergwerk des Jacob Grothaus und der Gebrüder Busch als Steiger betätigte, wird als Mithelfer genannt.)

Man beschloss, eine Vereinigung zu gründen, um die Her­stellung und den Vertrieb der Stahlsensen zu regeln. Vier Gesell­schafter, davon zwei aus Remscheid und je einer von Cronenberg und Lüttringhausen, wurden zu Aufsehern bestimmt. Es ist bezeichnend, dass dieselben Männer, die die Zunftbestrebungen bekämpft hatten, doch nicht ohne gewisse Bindungen auszukommen vermeinten. So wurde die Aufnahme in die Vereinigung von einem Beitrag von 50 Reichstalern abhängig gemacht, und den Sensenhändlern wurde eine jährliche Abgabe von 25 Reichstalern auferlegt. Wer aber noch einen oder mehrere Teilhaber zum Sensenhandel annahm, musste für jeden derselben 50 Reichstaler Einschreibegeld entrichten.

Etwas eigenartig mutet es uns an, dass man jedem Teilhaber freistellte, sich eins der berühmten steirischen Sensenzeichen anzueignen, das er allerdings mit einem Beizeichen nach eigener Wahl versehen musste. Dieses nicht einwandfreie Vorgehen erregte natürlich bei den Steiermärkern heftigen Widerspruch und hatte sogar einen diplomatischen Notenwechsel zwischen den beteiligten Regierungen im Gefolge. Derartige Übergriffe waren damals, weil es an einem geordneten Zeichenschutz fehlte, übrigens gang und gäbe. So hatten auch die Bergischen Weißsensenschmiede schon über 100 Jahre zähneknirschend zusehen müssen, wie die Märker ihre alten Zeichen nachschlugen.

Was den zünftigen Sensenschmieden teils aus Mangel an Mitteln, teils wegen der Behinderung durch die Zunft nicht gelingen wollte, das führten die kapitalkräftigen Kaufleute auf Grund ihres Zusammenschlusses zu einem guten Ende. Zwar sind nicht alle Glieder der Vereinigung zur Eröffnung von Sensenfabriken ge­schritten. Im Wesentlichen waren es nur vier Kaufleute, denen es gelang, leistungsfähige Betriebe einzurichten. Diese nahmen aber auch in kurzer Zeit einen derartigen Aufstieg, dass es schien, als sollten die Glanzleistungen der Bergischen Sensenherstellung wieder­kehren. (nach: „Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

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