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Solinger Stimmungsmache im Remscheider General-Anzeiger

Waterbölles-Kommentar

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Lothar Kaiser. Foto:privatSolinger Verleger übernehmen den General-Anzeiger“, titelte der Waterbölles am 28. Oktober 2011. Damals war es „amtlich“ geworden, dass Verleger Dr. Wolfgang Pütz, in wirtschaftliche Schieflage geraten, Remscheids Traditionszeitung, den „Tüpitter“ (RGA), an das Solinger Medienhaus B. Boll, sprich: die Solinger Verleger Bernhard und Michael Boll verkauft hatte. Der Verlag des Solinger Tageblattes GmbH & Co. KG besitzt nunmehr über eine neue Remscheider Tochtergesellschaft alle Titel- und Verlagsrechte des Remscheider General-Anzeigers. In einer Presseerklärung der beiden Verlage, die damals veröffentlicht wurde, betonten die Solinger Verleger Bernhard und Michael Boll: „Heimatverbunden und weltoffen versuchen wir unserer großen Verantwortung gegenüber der Stadt und ihren Menschen gerecht zu werden. Mit dem gleichen Engagement wollen wir an der Spitze des RGA bodenständig wirken, um die Existenz der in Remscheid und in seinem Umland verwurzelten modernen Heimatzeitung in Zukunft zu sichern.“

Nach längerer Zitterpartie war das damals eine gute Nachricht. Denn ohne die Bolls hätte Verleger Pütz womöglich Konkurs anmelden müssen. „Bei der seit Jahrzehnten mit uns vertrauensvoll kooperierenden bergischen Verlegerfamilie Boll ist der RGA publizistisch bestens aufgehoben“, freute sich Pütz im Oktober 2011. Inzwischen gehört ihm auch das Pressehaus am Ebertplatz nicht mehr. Die Evangelische Stiftung Tannenhof kaufte es und lässt es zurzeit zu einem ambulanten Behandlungs- und Beratungszentrum für Menschen mit psychischen Erkrankungen „umbauen. Die Geschäftsstelle des RGA ((Vertrieb, Abo- und Anzeigenservice) logiert längst in der ersten Etage der Buchhandlung Potthoff, Redaktion und die Abteilung für gewerbliche Anzeigenkunden nebenan, im Hause Alleestraße 77-81. Dorthin zog inzwischen auch die kupferne Symbolfigur des RGA um, der journalistisch-forsche „Tüpitter“ „nit te bang tü pitter!“).

Alles eitel Sonnenschein also? Schon im Oktober 2011 meldete der Waterbölles leise Zweifel an: Die neu gegründete „Remscheider Tochtergesellschaft“ der Verleger Boll könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass künftig nicht mehr in Remscheid, sondern in Solingen über die Geschäftspolitik, sprich: die publizistische Ausrichtung entschieden werde. In der heutigen Ausgabe des RGA nährt der Artikel „Orchester-Ehe: Remscheid setzt sich durch“ diese Zweifel. Während sich der stellvertretende Chefredakteur (RGA) und Remscheider Lokalchef, Axel Richter, im oberen Teil der ersten Lokalseite mit dem Thema „Überschuldung“ (von 6.137 Bürgerinnen und Bürgern) beschäftigt, stellt der stellvertretende Chefredakteur (Solinger Tageblatt) und Solinger Lokalchef, Jörn Tüffers den Leserinnen und Lesern des RGA im unteren Teil das Angebot vor, das die Stadt Solingen der Stadt Remscheid im Streit über die Finanzen der Bergischen Symphoniker gemacht hat. Demach ist die Stadt Solingen bereit, „zumindest für einen begrenzten Zeitraum“ auf die vereinbarte hälftige Aufteilung der Orchester-Ausgaben zu verzichten. Nicht zu Lasten der Stadt Solingen wohlgemerkt, sondern zu Lasten des Orchesters. Dessen Geschäftsführer Stefan Schreiber halte es „für denkbar“, jährlich 200.000 Euro einzusparen. Entsprechend könne sich dann der Zuschuss des Stadt Remscheid von 50 auf 45 Prozent des jeweiligen betriebswirtschaftlichen Jahresverlusts verringern.

Soweit der sachliche Teil des Berichts. Entstanden im Rahmen einer „Arbeitsteilung“, könnte man meinen. Der Kollege aus Solingen war halt dichter dran. War er gewiss. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Sehen wir uns also auch die andere an, den kommentierenden Teil. Da heißt es, Remscheids Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD) scheine sich gegenüber ihrem Solinger Amtskollegen Norbert Veith (CDU) durchgesetzt zu haben, der sich nun womöglich des Vorwurfs aussetze, „er habe sich von Remscheid erpressen lassen“. Tüffers Fazit: Kommenden Montag müsse Wilding „Farbe bekennen. In Solingen ist klar: Lehnt sie den Kompromiss ab, hat sie gar kein Interesse daran, an den Symphonikern festzuhalten“.

Ein Kompromiss!? In Solingen mag man das so sehen. Aber auch in Remscheid? In der RGA-Redaktion, in der Bürgerschaft insgesamt?? Da sind Zweifel angebracht. Denn auch das ist Fakt: Die Remscheider Stadtverwaltung mit Wilding an der Spitze ist an den Beschluss des Rates der Stadt gebunden, wonach der jährliche städtische Zuschuss an die Bergischen Symphoniker um 500.000 Euro zu mindern sei („Sparmaßnahme Nr. 18“). Am 5. Februar hatte das der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Peter Meinecke in seiner (letzten) Haushaltsrede noch einmal bekräftigt. Zitat: „Die von uns beschlossenen Kürzungen im Haushalt, wie z.B. beim Orchester, sind einzuhalten. (…) im Haushaltsanierungsplan sind nicht 500 000 € jährlich als Einsparsumme vorgesehen, sondern 750.000 € mit wachsender Tendenz. Bis zum Ende der Sanierungsphase 2021 also rund neun Millionen €. Falls wir eine Verbesserung von 500.000 € pro Jahr erreichen könnten, wären immerhin noch 4,5 Millionen € zu kompensieren. Allein diese Zahl bedeutet pro Jahr noch einen weiteren Betrag von rund 520.000 €, der aufzubringen wäre.“

Mit anderen Worten: Ließe sich Remscheid auf den Solinger Vorschlag ein, müssten pro Jahr statt 520.000 Euro 300.000 Euro mehr, also 820.000 Euro, im Etat eingespart werden. Wo und zu wessen Lasten, ist bei der einen wie bei der anderen Einsparsumme noch völlig unklar. Dass der Solinger Tageblatt-Redakteur Jörn Tüffers trotz dieser Ungewissheit Beate Wilding auffordern, „Farbe zu bekennen“, unterstreicht seine Affinität zu den Bergischen Symphonikern. Auch frühere Artikel von Tüffers hatten diese Tendenz.

Übrigens: Im Solinger Tageblatt erschien zu den Symphoniker heute ebenfalls ein Artikel von Jörn Tüffers – weitgehend wortgleich mit dem im RGA. Die Überschrift im Internet: „Orchester: Solingen lenkt ein“. In der einen wie in der anderen Version ist die Stimmungsmache die gleiche.

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Kommentare

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Chronist am :

Heute treffen sich die Fraktionsvorsitzenden, verlautete aus der SPD. Ein Gesprächsthema mit Sicherheit: Das Orchester. Nicht ausgeschlossen, dass die Politiker einen ähnlichen anonymen Brief bekommen haben wie heute der Waterbölles. Darin wird betont, wie wichtig es sei, dass es in Remscheid noch Menschen "mit Bildung, Anstand und Verständnis für Wahrhaftigkeit und Sinn für Kultur und Kunst" gibt. Diese gelte es in Remscheid zu erhalten. Zitat: „Welchen Bildungsgrad haben eigentlich die Herren Henkelmann und Kaiser?!“

Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Also, solch ein Scheißdreck gehört sofort in den Papierkorb, aus Holz, Metall oder auch digital. In unserer Gesellschaft hat es niemand nötig, anonyme Verlautbarungen von sich zu geben. So was tun nur Unbelehrbare, subversive Elemente von links und rechts sowie notorische Stänkerer, denen wir alle sowieso nicht helfen können. Augenscheinlich ist der Verfasser oder sind die Verfasser dieses Briefes inkompetent, sich der Öffentlichen Meinung zu stellen. Auf so was können wir alle verzichten, auch und gerade, weil wir mit feigen anonymen Äußerungen keinen Schritt weiter kommen, auch nicht mit persönlichen Verdächtigungen oder wie hier mit persönlichen Beleidigungen.

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