Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Der Zeichenzwang und die Zeichenrolle (I)

Teil I

Der Gebrauch von Warenzeichen im Bergischen Sensenhandwerk geht bis weit vor 1600 zurück. Das Privilegium von 1600 erhob diesen Brauch in den Paragraphen 13 bis 15 zum Zeichenzwang und übertrug dem Cronenberger Handwerksgericht die Überwachung des Zeichenwesens. Von ihren Besitzern wurden die Warenzeichen als altes Familiengut geachtet und gehütet. Das Streben der Schmiede war darauf gerichtet, durch gutes Material und beste Arbeit den alten Ruf der väterlichen Zeichen zu vermehren. In der Wahrung des ererbten Zeichens ehrten sie das Andenken ihrer Ahnen, und mit echt bergischer Zähigkeit bekämpften sie jeden Übergriff in ihre alten Rechte. Die Schlichtung von Zeichenstreitigkeiten und die Ahndung von Zeichenverletzungen bilden deshalb einen wesentlichen Teil der Cronenberger Gerichtsverhandlungen.

Nach den Bestimmungen des Handwerksprivilegs (§ 15) ging das Zeichen beim Tode des Besitzers auf den ältesten Sohn über, und die anderen Söhne durften es nur „gebrochen", d. h. mit gewissen Abänderungen verwenden. Auch der älteste Sohn war, solange der Vater noch seinen Betrieb fortsetzte, gehalten, ein abgeändertes Zeichen zu führen. Stiefsöhne waren von dieser Berechtigung ausgeschlossen. Deshalb beschwerte sich Peter Grote zu Büchel in der Sitzung des Handwerksgerichts vom 11. Dezember 1601 über seinen „Halbbruder" aus der zweiten Ehe seines Vaters: Johann Tilen zu Schwabhausen, der das väterliche Zeichen, den „Bären", mit einem Stern schlug. Man stellte Johann Tilen anheim, sich mit seinem Stiefbruder zu vergleichen, oder aber ein anderes Zeichen zu schlagen und beim Gericht eintragen zu lassen.

Das Zeichen musste als „Erbgut" den Söhnen eines Verstorbenen verbleiben. So beklagte sich Ern Heysiepen am 11. Dezember 1601 beim Handwerksgericht, dass sein Stiefvater Johann im Heysiepen seines Vaters Zeichen: „drei Sterne und eine gellersche Blom" (Mispelblüte im geldrischen Wappen) benutzte. Das Gericht bestätigte ihm, dass die Zeichen als „Erb" anzusehen seien, worauf sich sein Stiefvater bereit erklärte, sich des Zeichens zu entäußern und ein anderes zu schlagen.

Die Vererbung der Zeichen führte oft zu recht verwickelten Verhältnissen. Im Jahre 1620 klagte Zenses zum Büchel gegen Zehlis zum Hütz und dessen Sohn Hens, dass sie seinem Zeichen, den „drei Muscheln", zu nahe kämen. Hierauf behaupteten die Beklagten, zum Gebrauch dieses Zeichens in gebrochener Form solange berechtigt zu sein, als des Klägers Großvater lebe. Man legte ihnen auf, den Beweis der Verwandtschaft zu erbringen und bis auf weiteres das Zeichen der „drei Muscheln" mit einem Stern oder Ringelchen zu brechen.

Trotz strenger Verbote kam es vor, dass die Waren ungeschliffen und ungezeichnet an die Kaufleute geliefert wurden, welche dann ihren Stolz darin setzten, eigene Zeichen zu führen, um bei ihren Kunden als Verfertiger der Waren zu gelten. Wie aus der Gerichtsverhandlung vom 5. Oktober 1671 hervorgeht, kamen auch Schmiede den Kaufleuten in diesem Punkt entgegen; aber der Handwerksvorstand beschloss am 4. Oktober 1672, „dass ein jeder Schmied seine Gebühr auch mit seinem eigenen Zeichen zeichnen solle". Die Kaufleute ließen jedoch in ihren Bemühungen nicht nach und erreichten im Jahre 1678 die Bewilligung, dass die Schmiede den dritten Teil der Waren mit dem Zeichen ihrer Kaufleute versehen durften. Die Kaufleute Peter und Clemens Wüste, die im Jahre 1695 ihren Sensen und Picken anstatt des Schmiedezeichens ihre Kaufmannsmarke, die „Klocke" hatten einprägen lassen, wurden aber verwarnt und im Wiederholungsfalle mit einer Strafe von 10 Goldgulden bedroht.

Ob die Warenzeichen schon bei der Gründung der Sensenzunft eingetragen worden sind, wissen wir nicht, weil das Privileg nichts darüber bestimmt und die ersten acht Blätter des Protokollbuches verloren gegangen sind. Es findet sich in ihm auf Seite 18 die Bemerkung:,,Verzeichnuß aller Schmiedtzeichen, darbey Khein streitt noch Zur Zeith vorgefallen". Dann sind ungefähr zwei Seiten freigelassen. Man hatte also im Jahre 1601 die Absicht, diejenigen Zeichen, die als unbestrittener Besitz der betreffenden Schmiede galten, hierunter zu vermerken. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Eintragungen unterblieben sind; denn sie würden uns sichere Kunde über die ältesten Schmiedegeschlechter gegeben haben, da die Warenzeichen bekanntlich als Erbgut immer vom Vater auf den ältesten Sohn überzugehen pflegten.

Die noch vorhandene Zeichenrolle reicht nur bis zum Jahre 1766 zurück. Sie verdankt ihre Entstehung dem tatkräftigen Vorgehen des Handwerksvogtes Johann Peter Frohn. Er hatte die Behörde auf die Nichtbeachtung der Bestimmungen in § 15 des Privilegs und die dadurch hervorgerufenen Missstände hingewiesen. Darauf erfolgte die Verordnung des Kurfürsten Karl Theodor vom 19. Dezember 1765. Diese enthält drei wichtige Bestimmungen, nämlich:

  1. dass alle im Brauch befindlichen Zeichen unter Angabe des Besitzers und der Waren, worauf sie geschlagen wurden, „ins Handwerksprotokoll abgedrücket oder auf Blei geschlagen werden sollten";
  2. dass bei Verkauf oder Vererbung eines Zeichens die Veränderung anzugeben und innerhalb 14 Tagen der Name des neuen Besitzers einzutragen sei;
  3. dass keinem erlaubt sein sollte, ein neuerwähltes Zeichen zu schlagen, ehe dasselbe von den Kanzeln öffentlich bekannt gemacht und in das Zeichenprotokoll eingeschrieben wäre.

Aber die außerhalb der Sensenzunft stehenden Kaufleute und Kleinschmiede erhoben Widerspruch bei der Düsseldorfer Behörde. Sie bestritten das Recht des Cronenberger Handwerksgerichts, über die auf Kleinschmiedewaren zu schlagenden Zeichen zu entscheiden. Jedoch Frohn setzte seinen Willen durch zum Segen der Bergischen Industrie. Am 11. Januar erfolgte eine zweite kurfürstliche Verfügung, durch die die neuen Bestimmungen auf sämtliche in den Ämtern Bornefeld, Beyenburg und Elberfeld hergestellten Eisen- und Stahlwaren bezogen wurden. Darauf forderte der Elberfelder Amtmann, Freiherr von Schirp, in seiner Eigenschaft als Obervogt den Handwerksvogt Johann Peter Frohn auf, die Eintragung der Zeichen zu veranlassen (24. Januar 1766). Frohn ging mit einem wahren Feuereifer ans Werk, schon aus dem Grunde, weil die Kaufleute noch andauernd bemüht waren, durch ihre Gegenvorstellungen bei den Düsseldorfer Behörden die Sache zu Fall zu bringen. Die Zeichen wurden in der Rolle auf Siegellack eingeprägt und unter Angabe des Inhabers und der damit zu bezeichnenden Waren genau beschrieben. Im Ganzen enthält die Rolle die Namen von 530 Besitzern mit 680 Zeichen, darunter aus Lüttringhausen 56 mit 80 Zeichen und aus Remscheid 350 mit 450 Zeichen, die meisten davon im Jahre 1766 eingetragen.

Der Widerstand der Kaufleute und mancher Kleinschmiede gegen die neue Einrichtung ließ bald nach, weil man ihren guten Zweck einsah. Allerdings fehlte es auch nach Schaffung der Zeichenrolle nicht an Streitigkeiten; aber der Gedanke der Notwendigkeit eines Zeichenschutzes war bald so fest eingewurzelt, dass die erwähnte Ordnung ihren Einfluss bis in die neuere Gesetzgebung hinein bewahrt hat. (nach: „Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!