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Die Feilen-'Industrie' gegen Ende des 18. Jahrhunderts

Feilenhauer liefert seine Ware aus.Remscheider Handfeilenhauer. Foto: Schmidt.Unter den Sechzehn-Kleinschmiedeberufen nahmen Feilenschmiede und Feilenhauer eine wichtige Stellung ein. Über die Verhältnisse in diesem Gewerbezweige, der sich neben der Herstellung von Sägen zu dem bedeutendsten im Rahmen der Bergischen Werkzeugindustrie auswuchs, sind wir durch Lohnstreitigkeiten der Feilenhauer gegen Ende des 18. Jahrhunderts genauer unterrichtet. Im Jahre 1756 scheint die Zahl der Feilenhauer schon recht erheblich gewesen zu sein. Als Johann Peter Frohn und Johann Wilhelm Paß sich von den Kleinschmieden in den Ämtern Elberfeld, Beyenburg und Bornefeld ihre Vollmacht zwecks Vertretung ihrer Belange ausstellen ließen, wurde das betreffende Schriftstück von 16 Feilenhauern unterzeichnet. Von diesen wohnten acht im Dorfe Remscheid; drei in Stachelhausen, zwei in Buchen und je einer auf dem Bruch, einer auf dem Scheid und in Hasten. Da zahlreiche Kleinschmiede damals Bedenken trugen, ihre Unterschrift herzugeben, teils weil sie grundsätzliche Gegner der beabsichtigten Vereinigung waren, teils um sich mit den Kaufleuten, ihren Abnehmern, nicht zu verfeinden, so gibt dieses Verzeichnis kein vollständiges Bild von dem Stand der Remscheider Feilenindustrie vor 170 Jahren. Das geht auch aus der geringen Zahl der mitunterzeichneten Feilenschmiede hervor; es waren nämlich nur vier. Immerhin ist es bezeichnend, dass unter den Kleinschmieden der Ämter Elberfeld und Beyenburg, soweit sie ihre Unterschrift leisteten, weder ein Feilenschmied, noch ein Feilenhauer genannt wird, so dass Remscheid als Sitz der Feilenindustrie vor etwa zwei Jahrhunderten schon deutlich hervortritt. Doch müssen später innerhalb des Remscheider Gebiets erhebliche Verschiebungen vor sich gegangen sein, weil z. B. in Bliedinghausen und Berghausen, wo heute die Feilenindustrie ihren Hauptsitz hat, unter den 17 angeführten Kleinschmieden weder ein Feilenhauer, noch ein Feilenschmied genannt wird.

In den Kriegswirren gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte mit den übrigen Gewerbezweigen des Bergischen Landes auch das Feilengewerbe schwer zu leiden. Zu den durch die allgemeine Unsicherheit bedingten Absatzschwierigkeiten kam noch die Verteuerung der Rohstoffe und der Lebensmittel, so dass viele Familien in die drückendste Not gerieten. Kein Wunder, dass sich damals manche Kleinschmiede bemühten, durch Lohnerhöhungen ihre Lage zu verbessern. Am 23. Februar 1797 trafen Remscheider und Wermelskirchener Feilenhauer untereinander ein Abkommen. Sie beschlossen, von 100 Packfeilen fünf Reichstaler Haulohn zu fordern und für die Zuwiderhandelnden eine Strafe von acht Kronentalern festzusetzen. Die Niederschrift dieses Beschlusses wurde von Johann Peter Falkenrath als Vertreter der Feilenhauer dem Ver-walter des Bergischen Amtes Bornefeld, „von Schatte", überreicht. Dieser eröffnete aber dem Bittsteller, dass die Entscheidung hierüber nicht in seiner Macht stände, sondern bei der Landesregierung nachzusuchen sei, und dass die Schmiede und Kaufleute in dieser Frage zu Wort kommen müssten. Johann Peter Falkenrath bat den Amtsverwalter, er möchte dann wenigstens den Beschluss öffentlich bekannt machen lassen, damit die Kaufleute und Schmiede davon benachrichtigt würden. Der Amtsverwalter gestattet daraufhin, dass die Vereinbarung der Feilenhauer in der Kirche zu Remscheid, wie es damals bei amtlichen Bekanntmachungen Sitte war, verkündigt wurde.

Die Vertreter der Kaufleute, die sogenannten Handlungsdeputierten, erhoben sofort Widerspruch bei der Behörde, und die Düsseldorfer Verwaltung, die der Schaffung neuer Beschränkungen der Produktion und des Handels durchaus abgeneigt war, erklärte das Abkommen der Feilenhauer als null und nichtig. Sie stützte sich dabei auf ihre Verordnung vom 4. März 1788, in der jede eigen­mächtige Vereinbarung der Handwerker bei 100 Reichstalern Strafe verboten worden war. Die Beschlüsse der Feilenhauer konnten also nicht in Kraft treten, und es blieb vier Jahre hindurch beim Alten.

Im Jahre 1801 traten die Feilenhauer der Kirchspiele Remscheid, Wermelskirchen und der angrenzenden Gemeinden erneut mit ihren Lohnbestrebungen hervor. Sie baten wieder um die Bestätigung ihres früheren Abkommens, mit dem sie nach ihrer Angabe „nur eine gute Ordnung, Einförmigkeit der Preise und Verhütung des bei Handwerken sich einstellenden Nahrungsneides erzielen wollten". Die Feilenhauer, die damals schon hauptsächlich in der Gegend von Bliedinghausen, Menninghausen und Berghausen ihren Sitz hatten, wurden durch Arnold Falkenrath zu Menninghausen und Peter Bornefeld zu Berghausen vertreten. Obgleich der Amtsverwalter von Schatte sowie der Geheimrat von Buininck, der Dezernent für Handelssachen bei der Düsseldorfer Regierung, das Gesuch der Feilenhauer befürworteten, wurde die Bestätigung wiederum versagt. Man hatte die Kaufleute um ihre Meinung befragt, und diese äußerten starke Bedenken, „dass bei willkürlicher Erhöhung des Preises die Fabriquen leiden würden und der Kaufmann der bestellten Waren nicht versichert sei, wenn die Handwerker in einem halben Tage mehr verdienen könnten, wozu sie vorher einen ganzen Tag verwendet hätten." Durch diese Vereinbarung würde die allgemein nötige Freiheit des Handels untergraben, weil die Leute durch Drohungen zum Beitritt gezwungen worden seien.

Die Feilenhauer erwiderten zwar, sie hätten es nicht mit der Kaufmannschaft, sondern mit den Feilenschmieden zu tun. Für den früheren Preis könnten sie in Zukunft die Feilen nicht hauen; denn die nötigen Holzkohlen seien „wegen den in den leidigen Kriegszeiten verdorbenen Büschen" im Preise gestiegen, ebenso die unentbehrlichen Lebensmittel und der Lohn für die Knechte. Viele von ihren Genossen seien verarmt; denn ein Feilenhauer könne den Tag höchstens 25 Stüber verdienen, und damit könne ein Mann samt Frau und Kindern nicht auskommen. Aber bei der Verwaltung des Herzogtums Berg fanden die Gründe der Feilenhauer kein Verständnis. Ihre Behauptung, sie hätten es nur mit den Schmieden zu tun, wurde als unbegründet bezeichnet, „da die Kaufmannschaft ihre Bestellungen bei den Schmieden mache und daher bei derartigen einseitigen Lohnbestimmungen wohl beteiligt" sei. Die weitere Untersuchung wurde dem Obervogt der Sensenzunft übertragen, der als Vorsitzender des Cronenberger Handwerksgerichts und als Verwalter der Zeichenrolle bei der Düsseldorfer Regierung als Sachverständiger galt. Er lud die Vertreter der Kaufleute und Feilenhauer zum 6. Mai 1801 vor das Cronenberger Handwerksgericht. Als Vertreter der Feilenhauer erschienen wieder Falkenrath und Bornefeld. Die Kaufleute hatten Albert Bertram und den Advokaten Maehler entsandt. Letzterer erklärte, dass die unter der Ägide des Arnold Falkeniath auf Menninghausen und des Peter Bornefeld auf Berghausen eingeleiteten Bemühungen der Feilenhauer, sich über den Feilerhauerlohn zu vereinen, durch jene unterm 4. Mai 1788 erlassene, am 15. Mai 1790 bestätigte und von den Kanzeln verkündete Verordnung ihre völlige Erledigung gefunden hätten. Der Absatz der „Fabriken" in der Konkurrenz mit andern würde bei derart willkürlichen Lohnerhöhungen beeinträchtigt. Es seien sogar Drohungen ausgestoßen worden, die Werkstätten derer, die sich der Vereinigung nicht anschließen wollten, zu zerstören, und es sei auch in einigen Fällen zu Gewalttätigkeiten gekommen, so dass die öffentliche Ruhe gefährdet sei.

Das Cronenberger Handwerksgericht traf aber keine Entscheidung, und die Gegner bemühten sich nun nach Kräften, die Düsseldorfer Behörden in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Vertreter der Kaufmannschaft sandten eine Eingabe an die Landesregierung, in der sie darauf hinwiesen, dass solche eigenmächtigen Vereinbarungen bei Strafe von 100 Reichstalern verboten seien. Die Feilenhauer waren aber auch nicht müßig. Der rede- und schreib­gewandte Arnold Falkenrath richtete noch am 15. Juni 1801 ein längeres Schreiben nach Düsseldorf. Darin vertrat er den alten Standpunkt der Feilenhauer. Die Behauptung der Kaufleute, dass die Feilenhauer bei dem verlangten Lohn den halben Tag müßiggehen könnten, wies er mit Entrüstung zurück und bat um die Bestätigung der Vereinbarung. Am 3. Juli 1801 fällte die Regierung des Kurfürsten Maximilian Joseph ihre Entscheidung, indem sie verfügte, dass die Vereinbarung der Feilenhauer von 1797 zu kassieren und solches in den Kirchen zu verkünden sei. Damit wurde diese Auseinandersetzung, die Vorläuferin so vieler späteren Lohnbewegungen, beendet. (nach: „Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

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