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Vom Zunftwesen zur Gewerbefreiheit - Schleifer-Monopol (II)

Johann Gottlieb Diederichs, Mitinhaber des Handelshauses P. J. Diederichs & Sohne, 1808-1811 Maire der Municipalität Remscheid. Nach einem im Besitz der Familie Rudolf Jarres befindlichen Ölbild. Foto: Mende.Teil 2
Nach einer zehnjährigen Ruhepause brachten die Vertreter des Solinger Härter- und Schleiferhandwerks den Stein wieder ins Rollen (1776). Die Solinger Waffenindustrie, die mehr als andere Gewerbezweige von der Konjunktur abhängig war, hatte nach Beendigung der großen Kriege mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen, während man in Remscheid infolge des vermehrten Bedarfs an Werkzeugen stark beschäftigt war. Wir können es verstehen, dass die Solinger Schleifer in dieser Zeit versuchten, sich durch die Arbeit an Remscheider Waren über Wasser zu halten. Dabei stießen sie aber auf geschlossenen Widerstand der Remscheider Schleifer, die die von Remscheid nach der Wupper hinabführenden Wege be­wachten und den Trägern alle nach Solingen bestimmten unge­schliffenen Schmiedewaren mit Gewalt wegnahmen.

Nach einigen vergeblichen Vermittlungsversuchen entschied die Regierung am 25. November 1777, dass die Ausfuhr der Remscheider Waren zum Schleifen nicht mehr zu gestatten und dem Vogt und Rat des Sensenschmiede- und Schleiferhandwerks aufzugeben sei, die Übertreter zu gebührender Bestrafung anzuzeigen. Dagegen sollten die beschlagnahmten Kleinschmiedewaren den Eigentümern „für diesmal" mit einer scharfen Warnung zurückgegeben werden. Diese Entscheidung bedeutete für das Solinger Schleiferhandwerk eine schwere Niederlage und eine empfindliche Benachteiligung des Einkommens. Kein Wunder, dass seine Vertreter alles daran setzten, die unbequemen Schranken zu beseitigen. Sie verfassten eine Beschwerdeschrift von 42 Seiten, in der sie ihre Remscheider und Cronenberger Kollegen als Pfuscher bezeichneten und ihnen die Befähigung zum Schleifen der feineren Waren absprachen. Ihr Vorgehen war insofern von Erfolg, als die Düsseldorfer Regierung wieder ins Wanken geriet. In einem kurfürstlichen Erlass an den Freiherrn von Schirp vom 12. März 1778 wurde erklärt, dass die Verordnung vom 25. November des vorigen Jahres zwar bestehen bleiben solle, „dass sie aber auf die in derselben nicht genannten Sechzehn - Kleinschmiedshandwerker nicht anzuwenden sei". So war der Erfolg der Remscheider und Cronenberger Schleifer wieder durch einen Federstrich hinfällig.

Die Solinger Schleifer samt den Remscheider Kaufleuten und den „Fabrikanten", die hinter ihnen standen, triumphierten, aber unter den Schleifern des Morsbachtales herrschte große Erbitterung. Schon am 3. Mai 1778 gaben die Sensen- und Stabschleifer in einem umfangreichen Schreiben an den Kurfürsten ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, dass ihnen ihre verbrieften Rechte wieder streitig gemacht würden. Sie betonten erneut, dass in den „Stabwaren" auch die Kleinschmiedeerzeugnisse eingeschlossen seien und dass die „Fabrikanten" die neue Bezeichnung nur zu dem Zweck erfunden hätten, um ihnen diese Waren zu entziehen.

Die Remscheider Kaufleute und „Fabrikanten" ließen sich wieder durch Johann Hermann Habernickel vertreten. Dieser führte in wohlgesetzten Darlegungen folgendes aus: „Die Fabrik der Sechzehn - Kleinschmiedswaren hat mit dem geschlossenen Sensenschmiede- und Schleiferhandwerk nicht die geringste Verbindung. Die zahlreichen neuen Fabrikate sind durch die Kaufleute eingeführt worden, die den Handel durch vielfältige, mit Leibes- und Lebensgefahr verknüpfte Reisen nach Dänemark, Norwegen, Schweden, Russland, Polen, Spanien, Portugal, Frankreich, Holland und Westindien (!) in solchen Flor gebracht, dass in den letzten Jahren für etliche Millionen Reichstaler solcher Waren nach fremden Ländern geschickt worden, und dass oft nicht so viele Waren, als an uns bestellt, von den täglich anwachsenden Fabrikanten können gefertigt werden." Seine Erklärung gipfelt in dem Satz, „dass die Seele der Handlung die edle Freiheit sei".

Als die Entscheidung der Behörde sich wieder monatelang verzögerte, schritten die Remscheider und Cronenberger Schleifer zu Gewaltmaßnahmen. Sie hatten Wachen eingerichtet, die die Grenzwälder durchstreiften, um die Boten der Solinger Schleifer auf ihren Schleichwegen abzufassen. Das war ihnen auch in mehreren Fällen gelungen, und nun erhoben die Benachteiligten ein großes Geschrei über Landfriedensbruch und Räuberei. (Am 28. Oktober 1778 hatten die „Kleinschmiedefabrikanten" Arnold Honsberg, N. Fastenrath und Peter Müller drei Trägern ihre Waren übergeben, damit diese sie den Solingern zum Schleifen überbringen sollten. In einem Gebüsch unweit Müngsten im Kirchspiel Remscheid wurden die Boten von einer etwa 20 Mann starken Rotte überfallen, die ihnen die Waren mit Gewalt abnahm. Drei Tage später lauerte wieder eine Rotte von Remscheider Schleifern den Trägern auf und nötigte dadurch einige Kaufleute, ihre Waren, die sich bereits unterwegs befanden, „über Hals und Kopf" zurückholen zu lassen. Wie der betreffende Bericht der Kaufleute vom 3. November 1778 bemerkt, war es zwischen den Remscheider und Solinger Schleifern sogar zu Gewalttätigkeiten gekommen, die beinahe zu Totschlägen geführt hatten. „Die verwegenen Kerls hatten nicht nur die öffentliche Sicherheit verletzt, sondern auch alle Commercianten sowohl als Fabrikanten in große Unruhe und Bestürzung gebracht".)

Die Kaufleute hatten große Mengen ungeschliffener Waren da liegen, die noch im Laufe des November, ehe die Schiffahrt durch die Witterung gehemmt wurde, nach Bordeaux, Lissabon, Cadix, Sevilla, Carthagena, Barcelona und anderen Handelsstädten versandt werden mussten. Es war nach Ansicht der Kaufleute ausgeschlossen, dass diese Gegenstände noch von Remscheider Schleifern rechtzeitig fertiggestellt werden konnten. Deshalb richteten sie die Bitte an den Kurfürsten, man möge durch den Amtmann die Schleifer zur Zurückgabe der beschlagnahmten Waren zwingen und ihnen Schutz gegen weitere Attentate zuteil werden lassen. Gleichzeitig griffen aber auch die Schmiede zu den „Waffen", und im Waldesdunkel des Schimmelbusches bei Müngsten entwickelten sich heftige Kämpfe zwischen den Spähern der Schmiede und Schleifer. a. d. Wupper (Im November 1778 wurde der älteste Sohn des Friedrich Wegerhoff zu Buchen, als er Waren zum Schleifen nach Solingen befördern wollte, im Schimmelbusch von den Schleifern angehalten. Auf seine Hilferufe sprangen aber verschiedene, mit Knüppeln bewaffnete Männer herbei, die ihren Gegnern die erbeuteten Waren entrissen und sie mit blutigen Köpfen heimschickten).

Am 20. November 1778 ging ein neues dringliches Schreiben der Kaufleute nach Düsseldorf, dass Handlung und Handwerk stillstehen müssten, wenn die Behörde nicht einschritte. Nach dem beigefügten Bericht waren die Remscheider Schleifer am 17. November, „nachdem sie allerlei liederliches Gesindel an sich gezogen hatten, so frech gewesen, ihrer 50 an der Zahl, in dem so genannten Schimmelbusch, jeder mit einem Jagdhunde oder einem andern Hunde versehen, den daher kommenden Trägern aufzupassen und ihnen die Waren mit der größten Gewalt und Wut wegzunehmen". Darauf erging am folgenden Tage die Verfügung an den Freiherrn von Schirp, die strittigen Waren „für dieses Mal loszugeben", weil die geschworenen Schleifer zur Erledigung derselben in der kurzen Zeit außer stände seien.

Ob die Waren freigegeben wurden, erfahren wir nicht. Wohl aber hören wir in den folgenden Jahren von weiteren Überfällen und gewaltsamen Beschlagnahmungen, während die Regierung vor lauter Erhebungen und Erwägungen zu keinem Entschluss kommen konnte. Nach 1782 scheint dann eine gewisse Beruhigung eingetreten zu sein. Wenigstens sind aus den nächsten 15 Jahren keine Prozessakten aufzufinden. Dass aber die Schleiferfrage noch immer nicht geregelt war, geht aus einem Schreiben hervor, das die Vertreter der Remscheider Kaufleute, Johann Bernhard Hasenclever und Peter Wilhelm Busch, am 21. August 1797 an den Kurfürsten richteten. Sie baten um die Erlaubnis, neue Artikel, zu denen sie die Muster und Arbeiter aus fremden Ländern eingeführt hatten, durch ihre eigenen Leute oder durch andere, im Herzogtum Berg eingesessene Arbeiter schleifen zu lassen. Ferner erklärten sie sich bereit, ihre Betriebe zu erweitern und nach „englischer Art zubereitete Waren" zu fabrizieren, wenn man ihnen die nötige Freiheit gewähren wolle.

Die Kaufleute hätten sich noch lange die Finger wund schreiben können, wenn nicht ein neuer Umstand ihnen zu Hilfe gekommen wäre. Es hatte damals in Remscheid und Cronenberg eine erhebliche Auswanderung eingesetzt. Die „Fabrikanten" führten diese der Landesregierung recht unangenehme Erscheinung auf den Zwang des Schleifermonopols zurück, das für die Industrie einen Hemmschuh bedeute. Um über den Umfang der Abwanderung Klarheit zu gewinnen, wurden die Pfarrer der beteiligten Gemeinden befragt. Der lutherische Pastor Wilhelm Aschenberg (Dichter und Schriftsteller, geb. 29. 4. 1768 zu Reinshagen, 1791 Pfarrer der lutherischen Gemeinde zu Cronenberg, 1802 Pfarrer zu Hagen, wo er am 21. 11. 1819 starb) bescheinigte, dass aus der reformierten, lutherischen und katholischen Gemeinde des Kirchspiel Cronenberg … einschließlich der Frauen und Kinder 127 Menschen ausgewandert seien. In Remscheid bezeugte der Pfarrer Bunge: „Die Zahl, die durch die Kriege und Mangel an Arbeit gedrungen, aus hiesiger Gemeinde ausgewandert sind, kann ich nicht ganz genau bestimmen, da die wenigsten ein Kirchenzeugnis gefordert haben; es mögen wohl an die 200 Personen sein.."

Obgleich die Gründe des Wegzugs wohl zum großen Teil in den Kriegsereignissen zu suchen sind, so scheint die erhebliche Zahl der Auswanderer doch bei der Düsseldorfer Behörde Eindruck gemacht zu haben. Die Kaufleute waren bemüht, diese Wirkung zu vertiefen. Sie wiesen auf die glänzende Entwicklung der Blausensenfabrikation hin, die gegen eine Abgabe von 12 Goldgulden freigegeben worden war und in einem Jahr mehr Erzeugnisse lieferte, als das durch das Privilegium beschränkte Handwerk der weißen Sensen in 20 Jahren. Als aber wieder das Spiel der Umfragen begann und der Obervogt Holthausen zu Ronsdorf, der damals das Remscheider Schleiferhandwerk vertrat, zur Berichterstattung aufgefordert wurde, äußerten sich Franz Arnold Hasenclever und Wilhelm Hasenclever am 13. März 1798 sehr erregt: „Das ist gerade der alte Gang, um alles Nützliche und Gute im Staate zu verhindern. Wir können uns nicht jahrelang, wie sonst gewöhnlich, mit den Schleifern herumzanken. Wir stehen im Begriff, eine Menge neuer Werkstätten zu errichten und mehrere Artikel im Lande einzuführen. Aber das können wir nur in dem gegenwärtigen günstigen Augenblick, und einige Monate später ist es vielleicht für immer zu spät." Die übrigen Vertreter der Kaufmannschaft bestätigten dieses Urteil mit den Worten: „Wird das Privilegium der Schleifer aufgehoben, so legen wir nicht nur mehrere Hämmer an, sondern wir können dann auch ansonsten den Schmieden, die sich weit größer als die Schleifer an Zahl betragen, gleich mehrere Arbeit schaffen. Die Schmiede selbst, welche dann ihre Waren so frei als anderswo bearbeiten und nach Gefallen können schleifen lassen, verlieren dadurch alle Ursache, ihren hiesigen Aufenthalt mit einem andern zu vertauschen".

Es war der Düsseldorfer Behörde mitgeteilt worden, dass Ferdinand Brinck aus Dohr bei Cronenberg andere Schmiede zur Auswanderung nach Lothringen zu verleiten suchte. Darauf wurde sofort eine strenge Verfügung gegen die Abwanderung der Schmiede und Fabrikarbeiter erlassen und durch die Richter der einzelnen Ämter bekannt gemacht. Auch die preußische Regierung wurde von den Umtrieben Brincks im Märkischen in Kenntnis gesetzt, wofür der dortige Statthalter der Düsseldorfer Behörde seinen Dank ausdrückte mit dem Bemerken, dass er die nötigen Maßnahmen getroffen habe. (1. Mai 1798.)

Diese letzten Ereignisse waren für die Entschließungen des Düsseldorfer Geheimen Rats ausschlaggebend. Am 9. April 1798 erschien der von den Kaufleuten und Kleinschmieden langersehnte, von den zünftischen Schleifern gefürchtete Erlass, der den Kaufleuten und Schmieden die Erlaubnis erteilte, alle zur Zeit des Privilegs von 1600 nicht bestandenen Gattungen von Eisen- und Stahlwaren durch eigene oder andere inländische Schleifer fertigen zu lassen, solange es dem Kurfürsten und seinen Nachfolgern gefällig sein würde. Zwar stellten sich sofort wieder Bedenken ein. Man scheint in München(wo Karl Theodor residierte, nachdem er auch Kurfürst von Bayern geworden war) über die eigene Kühnheit erschrocken zu sein und hielt mit der Veröffentlichung des Erlasses in den Kirchen zurück. Jetzt griff die Düsseldorfer Landesregierung aber fest zu. Am 20. April 1798 gab sie dem Kurfürsten Karl Theodor ihre Bedenken gegen eine weitere Verzögerung kund. Sie erklärte, bei weiterer Zurückhaltung der Erlaubnis zum freien Schleifen würden sich die Schmiede, gegen die die Schleifer nur den zwanzigsten Teil ausmachten, leichter zur Auswanderung überreden lassen, als wenn der Erlass mitgeteilt würde und die Kaufleute, ihrem Vorhaben entsprechend, gleich mehrere Hämmer anlegten.

Die Schleifer, die von der neuen Entwicklung Wind bekommen hatten, setzten noch einmal alle Hebel in Bewegung und baten dringend um den Schutz ihres Privilegs. In dem Endkampf, der jetzt nach langem Ringen einsetzte, nahmen die Parteien noch einmal alle Kraft zusammen. Am 27. Dezember 1798 schrieben die Deputierten der Remscheider Kaufmannschaft: Franz Arnold Hasenclever und Wilhelm Hasenclever, die Drohung der Schleifer, sie wollten auswandern, sei nicht ernst zu nehmen; denn man könne seinen Schleifkotten nicht einpacken. Sie führten weiter aus: „Was will ein Schleifer machen, wo keine Schmiede sind? Die Schmiede sind mit uns einstimmig. Sie wollen auch das drückende Monopol der Schleifer stürzen." Dann baten sie, es bei der Verfügung vom 9. April zu belassen, da sie „in Zuversicht darauf" schon mehrere kostspielige Anstalten zur Anlage eigener Schleifkotten getroffen hätten.

Noch fast drei Jahre währte dieser Zustand der Ungewissheit. Am 27. Dezember 1799 versprach der Kurfürst Maximilian Joseph, der am 16. Februar dem verstorbenen Karl Theodor in der Regierung gefolgt war, noch in einer Erklärung, die Privilegien zu schützen, doch veranlasste er den Jülich-Bergischen Geheimen Rat, dieselben einer Prüfung zu unterziehen. Endlich, am 18. August 1801, machte die Landesregierung dem 74-jährigen Streit ein Ende mit der Erklärung, dass es bei der Entscheidung vom 9. April 1798 bleiben solle. Mit diesem Bescheid wurden die beschwerdeführenden Schleifer abgewiesen. Damit war das alte Privileg der Sensen- und Stabschleifer zwar noch nicht gefallen, aber es hatte seine Wirkung verloren, weil es sich im Wesentlichen auf Sensen, Sichten und Strohmesser bezog, die in der Remscheider Gegend kaum noch hergestellt wurden. Alle nach 1600 eingeführten Artikel waren vom Schleiferzwang befreit.

Die Ansicht der Remscheider Kaufleute, dass die Freiheit die Seele von Handel und Gewerbe sei, war immer mehr zum Allgemeingut geworden. Was sich im Handwerksbetrieb der früheren Zeiten bewährte, hatte sich unter den veränderten Verhältnissen der Neuzeit als hemmende Fessel erwiesen. Die Bevorzugung der privilegierten Meister und ihrer Söhne durch den Abschluss des Handwerks wurde immer mehr als eine Ungerechtigkeit gegen die Außenstehenden angesehen. Zahlreiche neue Gewerbezweige waren entstanden und hatten ihre Absatzgebiete immer weiter ausgedehnt. In dem gesteigerten Wettbewerb aller Kräfte versagten die kleinlichen Bestimmungen. Sie führten zu endlosen Streitigkeiten und in vielen Fällen zum Untergang derjenigen Gewerbezweige, zu deren Schutz sie geschaffen waren.

Auch im Bergischen war der Geist des Fortschritts nicht mehr aufzuhalten. Am 11. Juli 1801 erteilte der Kurfürst Maximilian Joseph seinen Räten den Auftrag, „über jene besonderen Privilegien des Herzogtums Berg, welche dem gemeinen Besten durch einen mit sich führenden Gewerbe- und Industriezwang schädlich werden und über die schickliche Beschränkung oder gänzliche Aufhebung derselben" Erwägungen anzustellen. Das Ergebnis der Untersuchungen war das eingehende Gutachten eines höheren Regierungsbeamten, das am 4. und 8. Februar 1803 im Düsseldorfer Geheimen Rat verlesen wurde.

Der Verfasser geht auf den Streit über das Schleifermonopol ein. Er verhehlt nicht die Bedenken, mit denen er der weiteren Entwicklung entgegensieht. Namentlich fürchtet er die Abwanderung der Schleifer, wenn man diesen ebenso wie den Schmieden und Kaufleuten volle Bewegungsfreiheit zugestehen wolle. In Saarlouis oder Saarlibre (in der Zeit der französischen Revolution) waren nach seinen Ausführungen bereits „Eisen- und Stahlfabriken" nach Remscheider Muster eingerichtet worden, denen man die Bezeichnungen Saar-Remscheid und Neu-Remscheid beigelegt hatte. Remscheider Roh- und Raffinierstahlschmiede, Breithammerschmiede, Schleifer und allerlei Kleinschmiede waren durch öffentliche Bekanntmachungen unter den schmeichelhaftesten Anerbieten aufgefordert worden, dorthin zu kommen.

Das Ergebnis der eingehenden Darlegungen über die Schleiferfrage war folgendes: „Es werde also Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht angeraten, es 1. bei der am 9. April 1798 den Kaufleuten und Kleinschmiedsfabrikanten gestatteten Erlaubnis, sich eigener und anderer inländischer Schleifer bedienen zu dürfen, unabänderlich zu belassen; 2. es gemeldeten Fabrikanten ans Herz zu legen, dass sie aus Menschenliebe und Patriotismus vorzüglich denen auf die Ämter vereideten Sensen- und Stabschleifern die Arbeit gönnen und zukommen lassen, insofern dieselben die hinreichende Geschicklichkeit besitzen und die bestellte Arbeit in gehöriger Zeit fertigen können."

Die Bergische Landesbehörde stand im Jahre 1803 den großen wirtschaftlichen Fragen noch ziemlich ratlos gegenüber. Sie hat es nicht gewagt, den entscheidenden Schritt zu tun und mit der Aufhebung der Zünfte und Privilegien Ernst zu machen. Erst als Napoleon die Regierung des von ihm geschaffenen Großherzogtums Berg selbst in die Hand nahm, geschah etwas Durchgreifendes. Nachdem er die letzten Reste der alten Grundherrlichkeit und des Lehnwesens aufgehoben und dadurch den Bauernstand von lästigen Bindungen befreit hatte, wurden im Jahre 1809 auch die Zünfte mit ihren überlebten Privilegien und Beschränkungen kurzerhand beseitigt. Damit begann auch für die verschiedenen Zweige der Bergischen Industrie die neue Zeit der Gewerbe- und Handelsfreiheit. (nach: „Aus der Geschichte der Remscheider und Bergischen Werkzeug- und Eisenindustrie“ von Wilhelm Engels und Paul Legers, erschienen 1928 zum 25jährigen Bestehen des Arbeitgeber-Verbandes der Eisen- und Metallindustrie von Remscheid und Umgebung e. V., 1979 im Verlag Ute Kierdorf als Faksimile­druck neu aufgelegt.)

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