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Was ist uns Wald in Remscheid eigentlich wert?

Waterbölles-Gastkommentar

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Markus Wolff.

Von Markus Wolff, Geschäftsführer des Forstverbandes Remscheid

Der Wald hat unendlich viele Facetten, jeder Mensch sieht den Wald durch seine eigene persönliche Brille, je nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen – und das ist auch gut so. Ruheraum, Erholungsgebiet, Hundeauslaufzone, Jogging- und Walkingstrecke, stehendes Brennholzlager, Jagdrevier, wertvolles Biotop, Trinkwasserreservoir, natürlicher Bodenschutz- und Überschwemmungsschutz u.v.m. wären da zu nennen. Die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald unterliegen dabei einem permanenten Wandel.

Die aktuelle Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland mit vielen persönlichen Schicksalen und Schäden voraussichtlich in Milliardenhöhe lassen allerdings Fragen aufkommen, inwieweit in den dortigen Regionen intakte Aue- und Hangwaldflächen das Schadensausmaß und das Leid der Menschen möglicherweise erheblich verringert hätten. Erst bei solchen und ähnlichen Schadensereignissen werden Zusammenhänge deutlich, die ansonsten allzu schnell im persönlichen und politischen Tagesgeschäft in Vergessenheit geraten.

Bekanntlich liegen auch in Remscheid und Umgebung schwere Natur-Katastrophen noch gar nicht so lange zurück. Der Sturm Kyrill vom 18. Januar 2007 hat nach wie vor deutlich sichtbare Spuren und Narben am Wald und in den Erinnerungen vieler Menschen hinterlassen. Ebenso das Sommerhochwasser vom August 2007. Allerdings - haben wir daraus auch etwas gelernt?

Zunächst wäre es in Anbetracht vieler Diskussionen um ein rein ökonomische Betrachtungen wichtig, diese Zusammenhänge in einen Gesamtkontext zu stellen, dabei einmal sämtliche Waldleistungen zu betrachten und daraus auch die richtigen ökonomischen, planerisch strategischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Die deutsche Forstwirtschaft feiert im Jahre 2013 das 300-jährige Jubiläum der Nachhaltigkeit mit einer bundesweiten Informationskampagne. (Weitere Informationen dazu unter: www.forstwirtschaft-in-deutschland.de. Viel Wissenswertes und Neues rund um das Thema Wald ist dort zu finden.)

Das Remscheider Stadtforstamt, der Forstverband Remscheid sowie die neu gegründete Waldgenossenschaft nahmen dieses Jubiläumsjahr zum Anlass, ein Projekt mit der Gesamthochschule Höxter unter Federführung von Dr. Norbert Asche zu initiieren, sogenannte „Ökosystemdienstleistungen“, d.h. gesamtgesellschaftlich bedeutsame Leistungen des Remscheider Waldes, zu ermitteln, ökonomisch zu bewerten und dieses einer öffentlichen Diskussion zu stellen, denn Wald ist bekanntlich viel mehr als nur viele Bäume. Erste Zwischenergebnisse zu dieser Studie liegen mittlerweile vor (und sind als PDF-Dokument unter www.waldgenossenschaft-remscheid.de hinterlegt). Demnach erbringt der Remscheider Wald mit seinen knapp 2.500 Hektar Fläche im Stadtgebiet Remscheid, d.h. auf fast ein Drittel des Stadtgebietes, Leistungen im Gesamtwert von etwa. Elf Millionen € pro Jahr. Das Stadtforstamt und die Waldbesitzer als Mitglieder des Forstverbandes sowie andere kommunale und private Forstbetriebe können bislang allerdings nur einen Bruchteil dieser Leistungen, z.B. aus Holzverkauf, Jagd, Verpachtungen etc., tatsächlich auch als echten Geldertrag vereinnahmen. Dem stehen jedoch erhebliche Aufwendungen und Mindererträge gegenüber, um den Wald tatsächlich für Erholungssuchende nutzbar und verkehrssicher zu gestalten bzw. dieses zu dulden. Bei unserer Studie wurden Naturschutz-, Trinkwasserschutz- sowie Boden- und Immissionschutzleistungen bewusst zunächst sehr vorsichtig veranschlagt (Anregungen für andere Wertvorschläge einzelner Leistungen nehmen wir gerne entgegen).

Was ist ein Waldspaziergang wert? Darüber gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die im Wesentlichen nach der so genannten „Reisekostenmethode“ Analysen anstellen. Werte zwischen 0,50 Euro und fünf Euro je Waldbesuch finden sich dazu in der Literatur. Unter der Annahme, dass 100.000 Remscheider in 50 Wochen des Jahres durchschnittlich zweimal wöchentlich den hiesigen Wald für ihre jeweiligen (Erholungs-) Zwecke aufsuchen, und dafür bereit wären, jeweils einen Euro zu bezahlen, ergäbe sich bereits ein Wert von zehn Millionen Euro jährlich. Leistungen, die mit und durch den Wald erbracht werden, dem allerdings keine buchbaren Erträge gegenüberstehen. Was kostet dagegen heute eine Eintrittskarte für das Kino oder ein Besuch im Fitnessstudio ?

Eines der gravierendsten Probleme der Stadt Remscheid ist neben der seit Jahren bestehenden Haushaltsmisere der sich vollziehende Bevölkerungsrückgang, die Abwanderung von jungen Familien und die damit verbundene Notwendigkeit einer Attraktivitätsteigerung hiesiger Wohnstandorte. Unser Wald kann bei der Lösung eine zentrale Rolle spielen - wenn wir es denn wollen.

Im Durchschnitt der vergangenen Jahre hat das Produkt „Forstwirtschaft“ jeden/e Remscheider/in ca. 3,50 € gekostet (incl. der Betreuungsleistungen für den Forstverband). Denjenigen, die sagen werden: „Der Wald wächst doch auch ohne städtische Förster“, ist allerdings zu erwidern, das eine Einstellung einer planmäßigen nachhaltigen Forstwirtschaft mit dem Ziel „Wildnis“ unabhängig von sonstigen nachteiligen Folgen (Ertragsausfall, kein Brennholz mehr, keine Waldwege vorhanden etc.) früher oder später eine Erholungsnutzung des Waldes gänzlich unmöglich machen wird, es sei denn in suizidaler Absicht.

Mit diesem Beitrag soll eine kritische Auseinandersetzung angeregt und ggf. der Auftakt für eine öffentliche Diskussion zum Thema „Was ist uns Wald wert – was leistet Wald für uns?“ gegeben werden. Der Wald freut sich jedenfalls über jede Rückmeldung!

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Heimatbund Lüttringhausen e.V. am :

Welche Großstadt kann das schon bieten: Ein herrliches großes Waldgebiet bildet den geografischen Mittelpunkt von Remscheid. Zahlreiche Waldungen grenzen unmittelbar an die Wohnquartiere an. Und große Teile der Bürgerschaft finden so mühelos Erholung und Naturerlebnisse im Wald, denn er liegt direkt vor ihrer Haustüre. Der heimische Wald muss folglich den Remscheider Bürgerinnen und Bürgern sehr viel Wert sein. Diese Wertschätzung hat der Heimatbund Lüttringhausen e.V. vor wenigen Wochen dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er der Remscheider Waldgenossenschaft beigetreten ist und einen ersten Anteil erworben hat. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Bürger, Unternehmen und auch Vereine diesem Beispiel folgen, denn unser Wald ist uns nicht nur viel Wert, sondern er gibt uns auch sehr viel zurück! Und er ist bei unserem Forstamt gut aufgehoben.

Chronist am :

Mit Gründung der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) wurde aus dem Stadtforstamt der Geschäftsbereich „Grünflächen, Friedhöfe und Forstwirtschaft“, geleitet von Markus Wolff. Die Abteilung mit drei Forstwirtschaftsmeister, sieben Forstwirten und sechs Azubis ist für drei Fortreviere zuständig mit insgesamt ca. 3.000 Hektar Fläche, davon entfallen auf den Stadtwald Remscheid 1.450 ha und den Forstverband Remscheid 1.350 ha mit ca. 660 Waldeigentümern (incl. Waldgenossenschaft ca. 900 Mitglieder). Der sonstige Privatwald umfasst ca. 250 ha.

Gerd Rothbrust am :

So richtig erkenne ich den Grundgedanken/die Zielvorstellung des Autors nicht. Zumal eine „…kritische Auseinandersetzung…“ ein „weißer Schimmel“ ist, wenn „kritisch“ nicht „negativ“ gemeint ist! Allerdings sehe ich zwischen den Zeilen eine Tendenz: Den „Waldcent“ für alle!

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