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Armut in Remscheid (8): Rat und Hilfe bei privater Überschuldung

Schulden waren früher verpönt – ich erinnere mich da noch an entsprechende Bemerkungen Älterer. Heutzutage dagegen scheint es für den Großteil privater Haushalte offenbar völlig normal zu sein, langfristig Immobilien und Konsumgüter mit Krediten zu finanzieren. Ergibt sich aus  dieser Verschuldung eines Tages eine Überschuldung, ist Armut nicht mehr weit. Seit Privatleute sich einem sogenannten Verbraucherinsolvenzverfahrens stellen können, ist die Schuldnerberatung gefragter wie noch nie. Der „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid sieht darin den Beweis dafür, dass das Schuldenproblem alle Bevölkerungsgruppen betrifft, folglich als Massenproblem begriffen werden muss. Die vorhandenen Beratungsdienste müssten ausgebaut werden, um vielen Menschen, die durch Überschuldung in materielle, psychische und soziale Not geraten seien, die notwendige und rechtzeitige Hilfe anzubieten.

Überschuldung definiert der Remscheider Armutsbericht so: „Sie liegt dann vor, wenn nach Abzug der finanziellen Mittel für den grundlegenden Lebensbedarf der verbleibende Rest nicht ausreicht, um Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu erfüllen und dies  in der Folge zu wirtschaftlicher und psychosozialer Destabilisierung der Betroffenen führt.“ Auslöser für Überschuldung sind in erster Linie Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen, Probleme der Haushaltsführung sowie das individuelle Markt-, Konsum- und Kreditverhaltens (Sorglosigkeit?). Auch Trennung, Scheidung, eine Erkrankung, ein Unfall oder die Geburt eines Kindes können zu Überschuldung führen. Bildungsdefizite verstärken dann meist noch die Notlage.

Besonders häufig betroffen ist die Altersgruppe der 20- bis 50jährigen (=81 Prozent). Oft beginnt der Weg in die Überschuldung aber schon in jungen Jahren. Bereits jeder zehnte Jugendliche in Deutschland ist dem „Armutsbericht“ zufolge mit durchschnittlich 1.550 Euro verschuldet (kaum zu glauben, aber offensichtlich wahr!). Wobei für Handys, Autos, Mofas und Einrichtungsgegenstände das Geld am sorglosestenausgegeben wird. Die Folge dieser Überschuldung: Einschränkungen im alltäglichen Leben, Stress und psychischem Druck, Existenzangst, Angst vor Gläubigern, Angst vor dem Verlust der Wohnung, Angst vor Stigmatisierung als Versager. Diese Situation belastet auch die Kinder in überschuldeten Familien, erschwert ihre Erziehung, beeinträchtigt ihre Entwicklung.

Seit 1999 eröffnet das Verbraucherinsolvenzrecht Privatleuten die Chance einer Restschuldbefreiung. Dabei kommt der seriösen Schuldnerberatungen von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen eine Schlüsselrolle zu; sie berät die Überschuldeten nicht nur sondern bereitet sie auch auf das Verbraucherinsolvenzverfahren vor. (Leider lockt das "Geschäft mit der Armut" häufig auch unseriöse, betrügerische Kreditvermittler und sogenannte Schulden-Regulierer an, die mit Versprechungen wie "Nie mehr Geldsorgen", "Wir helfen Ihnen, dem Teufelskreis Schulden endgültig zu entkommen" oder "Der Weg aus den Schulden ist leichter als Sie denken" die Betroffene weiter in die Schuldenfalle locken.

Eine seriöse Schuldnerberatung arbeitet nach klaren Grundsätzen. Zitat aus dem Remscheider „Armutsbericht“:

- Die Beratung ist umfassend. Die Schulden werden mit den Ratsuchenden umfassend erfasst und überprüft. Kontakt mit den Gläubigern wird aufgenommen. Regulierung, Sicherung des Einkommens, Haushaltsberatung, lebenspraktische und psychosoziale Beratung und Begleitung gehören ebenfalls zum Beratungsangebot.

- Die Beratung ist kostenfrei. (Wenn Mitgliedsbeiträge, Bearbeitungsgebühren oder Einmalbeträge verlangt werden, ist Vorsicht geboten.)

- Der Träger der Beratungsstelle ist ersichtlich und bekannt. Solide Beratungsstellen werden von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und Landkreisen getragen, vereinzelt auch von Arbeitgebern. Vereine, die Schuldnerberatung anbieten, sind Mitglieder von Wohlfahrtsverbänden.

- Insolvenzberatung bedarf der Zulassung. Wer Insolvenzberatung anbietet oder verspricht, muss über die Anerkennung eines Bundeslandes verfügen. Leider haben seriöse Schuldnerberatungen meist ein Problem: Lange Wartezeiten.

Die Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werkes sieht für ca. neun von zehn Ratsuchenden ist das Insolvenzverfahren als einzige Möglichkeit, die Schulden wieder loszuwerden. Nach der T4ilnahme an einer Informationsveranstaltung (mind. 4 mal pro Jahr), werden die Klienten in eine Beratungsliste aufgenommen. Da die Beratung sehr umfangreich, d.h.  zeit- und personalintensiv ist, ergeben sich für Ratsuchende oft Wartezeiten von neun bis zwölf Monaten.

Zunehmend kommen Menschen in die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes, die nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen. Für sie ändert auch eine Entschuldung nicht das Problem der Einkommensarmut. In diesen Fällen berät das Diakonische Werk unter dem Motto "Auskommen mit dem Einkommen" mit dem Ziel einer besseren Haushaltsführung. Daneben haben die Berater festgestellt, dass insbesondere Menschen, die über längere Zeit aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen sind, nicht nur Geldsorgen haben, sondern auch erhebliche soziale und gesundheitliche Probleme. Die Berater müssen eingestehen, diesen Menschen leider keine echten Perspektiven aufzeigen zu können. Sinnvoll und notwendig wären für sie Arbeitsplätze, um dauerhaft in stabilen finanziellen Verhältnissen leben zu können.

In der  Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werkes Remscheid stieg die Zahl der Lang- und Kurzzeitberatungen (zusätzlich zur offenen Sprechstunde) von 185 im Jahr 2001 über 245 im Jahre 2002 auf 315 im Jahr 2003 an. Die Warteliste wurde zwar 80 auf 50 abgebaut, dennoch mussten leider auf Grund der personellen Ausstattung und den daraus resultierenden begrenzten Beratungskapazitäten immer wieder Hilfesuchende abwiesen werden.

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waterboelles.de am : Zahl der Remscheider in der Schuldenfalle ist gestiegen

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„Ein Privathaushalt ist überschuldet, wenn das Einkommen über einen längeren Zeitraum nach Abzug der Lebenshaltungskosten trotz Reduzierung seines Lebensstandards nicht zur fristgerechten Schuldentilgung ausreicht“. So die Definition für eine schier auswe

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