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Pilz: Stattliche Buche am Heidhof muss gefällt werden

Die ersten Bürgerinnen und Bürger, die zum Ortstermin kamen. Später gesellten sich noch weitere hinzu. Rechts im Bild Reinhard Bauer, Leiter der Abteilung ‚Grünflächenpflege und Friedhöfe‘ der Stadt Remscheid. Foto: Lothar Kaiser

Diese Meldung elektrisierte Anfang der Woche Naturfreunde: „Der städtische Fachdienst Grünflächen und Friedhöfe muss zum Schutz der öffentlichen Sicherheit vier stadtbildprägende Bäume entfernen. Wegen Holzfäule und Pilzbefall sind diese Bäume bruch- und umsturzgefährdet. Zum einen sind das drei Kastanien neben der Musikschule an der Elberfelder Straße 20. Der vierte Baum, eine Blutbuche, steht im Kreuzungsbereich Wilhelmstraße Ecke Eberhardstraße (Am Honsbergpark). Interessierten, die sich über die Notwendigkeit der bevorstehenden Fällungen informieren möchten, bietet der Fachdienst gemeinsam mit dem Bezirksbürgermeister von Alt-Remscheid, Ernst-Otto Mähler ein Gespräch am 17. Oktober um 16 Uhr an. Treffpunkt ist an der Buche.“ - Rund 40 Bürgerinnen und Bürger folgten gestern trotz regnerischen Wetters der Einladung von Otto Mähler. Gerne hätten sie bei diesem Ortstermin von den Vertretern der Stadtverwaltung gehört, dass die mächtige Rotbuche, deren Krone weit in die Kreuzung am Heidhof hineinragt, doch noch gerettet werden könne. Doch Karl Bernhard Wiedenhoff, Leiter des Grünflächenamtes, und Reinhard Bauer, Leiter der Abteilung „Grünflächenpflege und Friedhöfe“, sprachen von Anfang an Tacheles: „Die etwa 140 Jahre alte Rotbuche ist unheilbar krank!“ Weil es sich dabei um einen „stadtbildprägenden Baum“ handele und die Stadt in der Vergangenheit mehrfach zu Unrecht in der Kritik gestanden habe, „leistungsfähige Bäume abzusägen“, so Bauer, habe man sich zu dieser Bürgerinformation vor Ort entschlossen. Der Baum sei im Wurzelbereich so stark von einem Pilz befallen, dass er eine Gefahr darstelle und nicht mehr zu retten sei. Sein Niedergang sei schon seit 2009 zu beobachten.

Der PIlz hat das ganze Wurzelwerk befallen. Foto: Lothar KaiserDavon konnten sich die Bürger/innen selbst überzeugen. Aus den freiliegenden Wurzeln des Baumes, der in einem Steinwall steht, wachsen an zahlreichen Stellen fächerförmig rötlich bis schwarzbraune Pilzkörper dachziegelig übereinander. „Der Riesenporling (Meripilus giganteus) kommt von Juli bis November an der Stammbasis, an Stümpfen und Wurzeln von Buchen, Eichen, Linden, Rosskastanien und anderen Laubbäumen vor, selten auch an Nadelbäumen. Sein Fruchtkörper wird 20 bis 50, ausnahmsweise auch über 100 Zentimeter breit und bis zu 70 Kilogramm schwer. Der Pilz lebt an abgestorbenem Holz und verursacht eine intensive Weißfäule, heißt es im Internetlexikon Wikipedia. Als Weißfäule bezeichnet der Fachmann den Abbau von Lignin in holzigen Pflanzen durch Pilze. Lignine sorgen in der Natur für die Verholzung von Pflanzenzellen, sprich: Ohne Lignine könnten Bäume nicht in die Höhe wachsen. Indem der Pilz in den Baumwurzeln das Lignin abbaut, macht er das Holz instabil; es wird faserig. Letztlich bleibt von der Holzmasse nur noch ein weißlicher Matsch übrig.

Reinhard Bauer verglich das Lignin in den Holzzellen anschaulich mit der Stahlarmierung in Beton. Fehle das eine oder das andere, werde in jedem Fall die ganze Konstruktion brüchig. Man stelle sich vor, eine Sturmböe ließe den breit ausregenden Baum auf die verkehrsreiche Kreuzung stürzen ... Geschähe nichts, wäre das absehbar. Bauer: „Stünde der Baum in einem Wald, wäre er schon längst abgeholzt worden. Denn die Forstleute wissen, dass insbesondere ältere Buchen – ab 80 Jahre –, wenn erste Wurzeln absterben, gerne vom Riesenporling befallen werden. Sie wissen: Pilzbefallenes Holz ist nichts mehr wert!“

Kaum noch Blätternin der breiten Krone. Foto: Lothar Kaiser

In diesem Fall aber steht die Verkehrssicherheit im Vordergrund. „Das und nichts anderes“, ging Bauer auf die Frage ein, ob die Stadt womöglich den gesamten Honsbergpark abholzen wolle oder die Rotbuche einer Umgestaltung der Kreuzung (Kreisverkehr) im Wege stünde. „Schon jetzt ist erkennbar, dass der kranke Baum nur noch kleine Blätter gebildet hat. Spätestens im übernächsten Jahr wird er gar keine Blätter mehr austreiben!“ Denn bis dahin dürfte der Pilz im Baumstamm ein, zwei Meter nach oben gewachsen sein und die Wasserzufuhr zu den Ästen unterbrochen haben.

In der Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid am vergangenen Dienstag hatte Markus Kötter (CDU) erklärt, eine eingehendere Untersuchung durch einen unabhängigen Baumexperten müsse die alte Rotbuche der Stadt wert sein. Eine Forderung, die gestern von einigen Bürgern wiederholt wurde, darunter auch Karl Heinz Humpert (CDU). Karl Bernhard Wiedenhoff sagte zu, dies Dezernent Dr. Christian Henkelmann vorzutragen. Gabriele Lipka, die Vorsitzende des Landschaftsbeirates, glaubt nicht, dass ein Gutachten ein anderes Ergebnis erbringen könnte. Sie blickte deshalb gestern lieber nach vorne: „Wo findet denn der Ausgleich statt, wenn die Bucher gefallen ist?“ Antwort von Bauer: „Einen so großen Baum kann man gar nicht richtig ersetzen. Da müsste man schon 100 bis 150 junge Bäume pflanzen. Und dafür habe ich das Geld nicht!“

Ob man dem Baum denn nicht noch ein, zwei Jahre gönnen könne, beispielsweise indem man die Krone beschneide oder den Stamm mit einer Stahlmanschette abstütze, machte ein Bürger einen letzten Rettungsversuch. Doch ein tonnenschweres Naturdenkmal, das auf brüchigen Fasern ruht, mochte sich dann doch niemand ernsthaft vorstellen. Reinhard Bauer: „Wenn dieser Baum im November noch steht, werde ich jede weitere Verantwortung ablehnen!“ Da war niemand, der ihm diese Verantwortung hätte abnehmen wollen.

Waterbölles-Kurzkommentar: Die Zustandsbeschreibung durch Abteilungsleiter Bauer war überzeugend. Der Baum muss fallen, so Leid das vielen tun mag, damit nicht eines Tages Menschen in tödliche Gefahr geraten. In dieser ausweglosen Situation noch einmal Geld für ein Gutachten auszugeben, dessen Ergebnis für die Fachleute der Stadt außer Zweifel steht, wäre der reine Populismus. Auch ein halbes Jahr vor der nächsten Kommunalwahl sollten sich verantwortungsbewusste Kommunalpolitiker so entscheidungsfreudig zeigen, wie es die Wähler von ihnen erwarten können. Statt in einen externen Gutachter sollte das Geld besser in junge Bäume investiert werden.

 

Trackbacks

Waterbölles am : Motorsägen kappten die Buche gestern Stück für Stück

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„Pilz: Stattliche Buche am Heidhof muss gefällt werden“, titelte der Waterbölles am 18.Oktober. Gestern nun war es soweit: Die Blutbucheim Kreuzungsbereich Wilhelmstraße Ecke Eberhardstraße (Am Honsbergpark) wurde StückfürStückabgesägt. Traurig, aber unve

Kommentare

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Wilhelm Wunderlich am :

Trauriges Ergebnis einer seit vielen Jahren total vernachlässigten Pflege eines der Naturdenkmäler unserer Stadt! Wann wird die "Kaisereiche" am Rather Ring gefällt?

Fraktion der Linken am :

Thorsten Schwandt, Bezirksvertreter der Linken in der BV Alt-Remscheid, bemängelt die Informationspolitik der zuständigen Stellen der Stadtverwaltung: „Der Baum ist krank, dies steht außer Frage. Aber er ist es sicher nicht erst seit gestern. Es scheint, dass für diesen schönen, stadtbildprägenden Baum keine vorausschauenden und pflegenden Maßnahmen ergriffen worden sind. Das ein großer Teil der Anwohner des Honsberpark die Informationspolitik der Verwaltung bemängelte, kann ich verstehen. Die Bürger bevorzugen eine Informationspolitik, die vorausschauend Probleme aufzeigt und aufklärt.“ Ratsmitglied Klaus Küster ergänzt: „DIE LINKE Ratsfraktion wird die Initiative ergreifen für ein Kataster aller das Stadtbild prägenden Bäume, deren Alter und deren Gesundheitszustand. So wissen die Bürgerinnen und Bürger jederzeit wie es ihren Bäumen geht.“

Hans Gerd Göbert am :

Auf die Gefahr hin, hier als Oberlehrer benannt zu werden: Vielleicht sollte man sich darauf einigen, dass es sich um eine Blutbuche handelt, auch Purpurbuche genannt. Also nicht um eine Rotbuche. Dieser Denkfehler wird gerne gemacht, weil der Baum dunkelrote Blätter hat. Sie ist jedoch eine Mutation der Rotbuche und die Rotfärbung ihrer Blätter ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen. Die Rotbuche hat grüne Blätter und eine grau-rötliche Rinde. Weil ihre Holzfarbe leicht rötlich ist, trägt sie den Namen Rotbuche. Die Weißbuche oder Hainbuche hat auch grüne Blätter, graue Rinde und ein weißlich-graues Holz. Daher kommt ihre Bezeichnung Weißbuche. Gemeinsam gehören sie zur Ordnung der Buchen. Man höre und staune, jedoch zur Familie der Birkengewächse. Meine Detailkenntnisse habe ich aus Wikipedia, das mit der Blutbuche aber von Kindheit an im Blut gehabt. Obwohl dieser schöne Baum wohl nicht gerettet werden kann, finde ich es doch bemerkenswert, dass sich so viele Bürger für sein Schicksal interessieren. Umso bedauerlicher finde ich es, dass demnächst an der Burger Straße der Mannesmannpark, grüne Lunge des Südbezirks, der Kettensäge zum Opfer fallen soll. Nicht etwa, weil dort unzählige uralte Baum ebenso krank sind. Keineswegs, dort soll ein weiterer der ebenso unsäglichen wie überflüssigen Discountermärkte entstehen.Wo bleiben da bloß die Einwände der Anwohner etc.?

Chronist am :

Ungeachtet der Fachkompetenz in den eigenen Reihen hat die Stadt Remscheid (aus Sorge, sonst den Zorn des Volkes heraufzubeschwören?) einen Baumsachverständigen aus Köln beauftragt, sich die pilzbefallene Buche am Heidhof einmal näher anzusehen. Das ist vorgestern geschehen, wie die Stadt heute auf Nachfrage bestätigte. Innerhalb der nächsten Tagen rechnet sie mit dem schriftlichen Gutachten, das netto ca. 500 Euro kosten wird.

Stadt Remscheid am :

Das nun vorliegende Gutachten erläutert allgemein wissenschaftlich begründet die Auswirkungen des Schadpilzes, mögliche Abwehrreaktionen des befallenen Baumes und Auswirkungen auf die Standsicherheit. Diese Erkenntnisse werden auf den begutachteten Baum übertragen. Das Resultat bestätigt die Auffassung des Fachdienstes, dass der Baum unheilbar erkrankt ist, nur noch über eine momentan anzunehmende Standsicherheit von ungewisser Dauer verfügt und damit ein Umsturzrisiko vorliegt. Da die Stadt Remscheid im Rahmen der ihr obliegenden Verkehrssicherungspflicht dafür Sorge zu tragen hat, dass sämtliche Verkehrsteilnehmer gefahrlos die öffentlichen Straßen und Wege nutzen können, ist dieser Belang an diesem exponierten Standort vor den unbedingten Erhalt eines sicher absterbenden Baumes mit sich fortwährend verringernder Standsicherheit zu stellen. Die Entfernung des Baumes ist daher leider unabdingbar. Die Buche wird bis Ende November entfernt.

Stadt Remscheid am :

Nachdem durch ein externes Gutachten die unheilbare Erkrankung des Baumes mit einhergehendem Umsturzrisiko bestätigt wurde, wird die Blutbuche am Hof Heidhof (Kreuzungsbereich Elberfelderstraße/Wilhelmstraße/Nordstraße) am kommenden Montag, 18. November, entfernt. Die ausführende Fachfirma plant, die Baumkrone bis 12.30/13 Uhr zu entfernen und den Baum dann zu fällen. Die Fällarbeiten führen zu Einschränkungen in der Verkehrsführung. Daher ist am Montag und - wegen Restarbeiten - voraussichtlich noch am Dienstag (19.11.) mit Verkehrsbehinderungen im betroffenen Kreuzungsbereich zu rechnen.

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