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Die ersten Eisenschmelzer waren auch Köhler

Tretblasebalg mit Wippe. Nach V. Biringuccio, De la Pirotechnia. 1540.

Soweit wir sehen, sind in jener Zeit (im Mittelalter) der ständig steigenden Nachfrage nach Eisen und Stahl, gleich wie in anderen Gegenden, auch im Bergischen die sogenannten Waldschmiede aufgekommen, berufsmäßige Eisenschmelzer, die Rennwerke größeren Umfangs errichteten, um größere Eisenmengen — die Stücke, Maße oder Massen — zu gewinnen. Sie waren ihre eigenen Köhler und haben die Wälder planmäßig nach Eisensteinnestern und -gangen abgesucht, um sie nach und nach auszubeuten. Offenbar fiel der Eisenstein damals noch nicht unter das Bergregal, zumal seine Gewinnung noch nicht in regelrechtem Bergbau erfolgte, sondern im oberflächlich schürfenden Tagebau. Die Waldschmiede sind im Laufe der Zeit, sei es direkt oder über Händler, die Hauptlieferanten der eisenverarbeitenden Handwerker geworden. War ein Eisensteinbezirk nicht mehr ergiebig genug, so wandten sie sich wohl einem anderen zu. Ein einfacher Schachtofen mit Hand- oder Tretblasebälgen — selbst wenn er eine Höhe bis zu drei oder vier Metern erreichte — war bald errichtet. Nur musste, der Köhlerei wegen, der Wald nahe sein. Diese Gebundenheit an den Wald gab den berufsmäßigen Eisenschmelzern ihren Namen.

Aber sie werden nicht immer als Waldschmiede bezeichnet. Manchmal heißen sie nur kurzweg Schmiede. Aber sie werden auch Schmelzer, Bläser oder Massenbläser genannt und gegebenenfalls mit noch anderen Bezeichnungen belegt. 1288 erscheinen nemorani fabri (Waldschmiede) in den Wäldern zwischen Hannover und Celle. 1327—1331 leben im arnsbergischen Grävenstein Johannes und Ludwig Hundemius, genannt Massenbläser; und 1337 wird in Siegen Hartlibus dictus Bloeser genannt. Solche Waldschmiede sind im Bergischen schwerer nachzuweisen. Ein faber nemoranus wird, soweit wir sehen, in keiner bergischen Urkunde genannt. Aber nach einer alten Überlieferung, über die M. Klees 1898 anlässlich der 70. Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte berichtete, soll im Aggergebiet — einem der reichsten bergischen Eisensteinbezirke überhaupt — zur Zeit des Grafen Adolf VII. (V.) von Berg (1259—1296) Eisen in größeren Mengen erschmolzen worden sein. Es kann sich dabei den Umständen nach nur um die Tätigkeit von Waldschmieden handeln, denn ältere Bauernrennfeuer sind in diesem Gebiet ohnehin bekannt. Die Schmelzwerke dieser Waldschmiede dürften der Waldnutzung wegen, die zur Gewinnung der benötigten Holzkohle unentbehrlich war, unter landesherrlicher Aufsicht gestanden haben und abgabenpflichtig gewesen sein. In gleicher Weise wurden damals in der Eifel einige Rennwerke als „Vogteihütten" betrieben.

Die nächste Nachricht führt uns in das bergische Kirchspiel Lüttringhausen. Das Gerresheimer Wachszinsregister vom Jahre 1312 führt dort einige Einwohner auf, deren Bezeichnung vermuten lässt, dass es sich auch bei ihnen um Waldschmiede handelt. Nachdem in dem Register einige Personen namentlich aufgeführt sind, folgen „item omnes qui vocantur sylverentacken": ferner alle die man nennt Sylverentakken. Zur Deutung dieser Bezeichnung wurden Wörterbücher herangezogen und Sprachkundler befragt. Das Ergebnis war unterschiedlich. Dr. Karl Lohmann (t) deutete die Sylverentacken als Silbersucher, Dr. Karl Hermann Beek als Waldarbeiter. Beides kann u. U. dasselbe bedeuten. Für tacken geben die Wörterbücher u. a. die Erklärung: berühren = tasten = suchen. In Urkunden wird tasten auch im Sinne von eindringen, eingreifen gebraucht. Dr. Beek deutet tacken weiterhin als Verkürzung von tagwerken und Stadtarchivar Wilms hält nach Vergleich mit dem französischen tächer eine Deutung im weiteren Sinne als arbeiten für möglich.

Das sylveren kann auf Silber bezogen werden und ist dann eindeutig, auch wenn man dabei an Erz im Allgemeinen denkt. Dr. Beek aber möchte das Wort von Silva = Wald ableiten. Dazu ist wieder zu sagen, dass Bergwerke früher auch als Waldwerke bezeichnet wurden und dass man in Goslar die Bergwerksanteiler Montani und Silvani genannt hat. Aber Silva bedeutet nach Schellers lateinisch-deutschem Handlexikon auch: jede Menge Dinge, aus denen man etwas bearbeitet; also Materialien, Vorrat, mithin auch Erz. Man sieht, das ganze Wort ist vieldeutig. Aber welcher Ableitung wir auch zuneigen mögen, jede kann auf den Waldschmied bezogen werden, sei es in seiner Eigenschaft als Erzsucher, Köhler oder Eisenbereiter.

Im Jahre 1369 begegnet uns in Remscheid erstmalig die Bezeichnung „Schmied". In der Urkunde über die Vererbpachtung des Zehnten wird Heyne der Smit zu Reinßhane (Reinshagen) genannt. Er wohnt also in dem von Pingen und Stollen durchzogenen reichhaltigsten Eisensteinbezirk Remscheids. Vielleicht ist er noch ein Waldschmied, ein Eisenschmelzer, gewesen. Aber Reinshagen gehört auch zu den frühesten Stätten der Eisenverarbeitung, so dass Heyne ebenso gut zu den Erzeugern von Sicheln oder dergleichen gehört haben kann. Vielleicht ist er sogar beides gewesen. (nach: Geschichte des Hütten- und Hammerwesens im ehemaligen Herzogtum Berg. Von E. Erwin Stursberg. Remscheid 1964. Beiträge zur Geschichte Remscheids, herausgegeben vom Stadtarchiv Remscheid)

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