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Strukturimpulse für das Bergische Städtedreieck (1)

Die wirtschaftliche Lage des Bergischen Städtedreiecks ist besorgniserregend. Dies betrifft besonders die Industrie, bei der seit 1990 rund 16 % des nominalen Umsatzvolumens, 27 % der Betriebe und sogar 47 % der Beschäftigten verlorengegangen sind. Die Entwicklung verlief weitaus schlechter als im Landesdurchschnitt. Die Beschäftigungszuwächse bei den Dienstleistungen waren im Bergischen Städtedreieck zu gering, um diese Verluste auch nur annähernd auszugleichen. Deshalb nahm auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt deutlich ab. Die Arbeitslosenquoten schnellten in die Höhe. Augenfällig ist der gleichzeitig dazu stattfindende Bevölkerungsrückgang. Nichtsdestotrotz ist das Bergische Städtedreieck immer noch eine Region mit hoher Wirtschaftskraft, überdurchschnittlicher Exportorientierung und ausgeprägtem Innovationsgeist ist. Es sind jedoch erhebliche Anstrengungen notwendig, um diese Stärken auch in Zukunft zu erhalten und eine weitere Verschlechterung der Strukturdaten der Region zu verhindern.

Das Bergische Städtedreieck ist eine der ältesten Industrieregionen Deutschlands. Hier wurden weltweit bekannte Erfindungen gemacht und Produkte erdacht. Zahlreiche Unternehmerpersönlichkeiten wie Carl Duisberg, Hugo Erfurt, Friedrich Bayer oder die Brüder Mannesmann haben mit kaufmännischem Geschick, Erfindungsreichtum und Fleiß dafür gesorgt, dass die Produkte aus der Region Weltruf erlangt haben. Entstanden sind Weltmarken wie Bayer, Vaillant, Vorwerk und Zwilling um nur einige Beispiele ebenso traditionsreicher wie innovativer Unternehmen zu nennen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Bergische Städtedreieck die am stärksten industrialisierte Region Deutschlands (…), auch heute noch eine Region mit überdurchschnittlich hohem Industrieanteil. Dieser industrielle Schwerpunkt brachte in den letzten Jahrzehnten naturgemäß große Umwälzungen in mit sich. Im Bergischen Städtedreieck hat sich ein intensiver Strukturwandel vollzogen, der fast „lautlos“ und vor allem praktisch ohne staatliche Unterstützung vonstatten ging.

Das Städtedreieck gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen des Landes Nordrhein-Westfalen. Während die Fläche der Region lediglich 1 % an der Gesamtfläche des Landes einnimmt, leben hier etwa 3,6 % der Landesbevölkerung. Zu Beginn der 1990er Jahre wuchs die Bevölkerung im Bergischen Städtedreieck auf knapp 680.000, was unter anderem auf die verstärkte Zuwanderung von Ostdeutschen und Aussiedlern zurückzuführen ist. Seit 1993 sank die Einwohnerzahl jedoch kontinuierlich auf heute rund 640.000 Einwohner. Dieser Rückgang resultiert zum einen aus deutlich zurückgehenden Geburtenzahlen, die die Sterbezahlen nicht ausgleichen können, zum anderen ist der Wanderungssaldo negativ. Nach einer Prognose des Landesamts für Datenverarbeitung und Statistik wird die Bevölkerung des Bergischen Städtedreiecks in den kommenden zwanzig Jahren um fast 62.000 Einwohner - entsprechend etwa 9,6 % - schrumpfen, während für das Land Nordrhein-Westfalen lediglich ein Rückgang um 2,6 % prognostiziert wird. Insbesondere die Wuppertaler und Remscheider Einwohnerzahl wird voraussichtlich deutlich sinken: Laut Prognose wird Wuppertal 36.600 und Remscheid 14.200 Einwohner verlieren. Dies entspricht einem Bevölkerungsrückgang von 10 % beziehungsweise 12 %.

Auch die Altersstruktur stellt die Region vor Herausforderungen. Demnach ist der Bevölkerungsanteil der über 64-jährigen schon heute deutlich höher als der Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren. Mehr als jeder fünfte Einwohner des Bergischen Städtedreiecks hat bereits das 65. Lebensjahr vollendet. Der Alterungsprozess verläuft in der Region schneller als im Durchschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen und wird in den kommenden Jahrzehnten weiter voranschreiten. Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird zurückgehen.

Deutschland ist ein Zuwanderungsland. Dies zeigt sich auch im Bergischen Städtedreieck. Ca. 15 % der Bürgerinnen und Bürger haben einen ausländischen Pass; aber schon 30 % haben einen Migrationshintergrund. Das sind in Remscheid, Solingen und Wuppertal fast 200.000 Menschen. Die aktive Gestaltung von Integration ist daher eine zentrale Zukunftsaufgabe, die systematisch gesteuert und gestaltet werden muss. (…)

Die Arbeitsproduktivität in der Region ist im Zeitraum von 1991 bis 2004 um etwa 4,5 % gestiegen, was im Vergleich zum Durchschnittwert Nordrhein-Westfalens mit 5,7 % jedoch deutlich abfällt und was im Übrigen zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Erwerbstätigkeit in der Region im gleichen Zeitraum erheblich zurückgegangen ist. Während die Produktivität der Wuppertaler Erwerbstätigen Im Jahr 2004 mit durchschnittlich 56.003 € relativ knapp unterhalb der Werte Nordrhein-Westfalens (56.862 €) und Deutschlands (56.5777 €) liegt, ist das Niveau der Arbeitsproduktivität in Remscheid mit 53.854 € und vor allem in Solingen mit 50.759 € deutlich niedriger. (…)

Seit 1990 wurden in der Region rund 59.000 Arbeitsplätze auf jetzt knapp 200.000 Arbeitsplätze abgebaut. Dies entspricht einem Rückgang um 23 %, während die Zahl der Arbeitsplätze Im Landesdurchschnitt lediglich um gut 5 % sank. Die Ursachen liegen zum einen im überdurchschnittlich hohen Beschäftigungsabbau des Verarbeitenden Gewerbes sowie im immer noch vergleichsweise schwachen Abschneiden des Dienstleistungssektors. In Wuppertal und in Solingen sind heute rund 45 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiblich, während der Frauenanteil in Remscheid bei rund 40 % liegt. Im Jahr 2001 übertraf die Arbeitslosenquote in der Region erstmals den Vergleichswert von Nordrhein-Westfalen. Sie lag im September 2005 bei 14,4 %, während der NRW-Vergleichswert bei 13,0 % lag. (…)

Bei den Industriebetrieben mit 20 und mehr Beschäftigten war im Bergischen Städtedreieck in den vergangenen Jahren ein dramatischer Rückgang zu verzeichnen: Seit 1990 sind in der Region mehr als ein Viertel aller Betriebe verschwunden, während der Rückgang landesweit bei lediglich 11 % lag. In den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten sind seit 1990 52.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Dies entspricht einem Rückgang um 47 % auf zuletzt 58.200 Beschäftigte. Im Vergleich dazu fielen die Einbußen im Landesdurchschnitt mit einem Minus von 37 % weit geringer aus.

Auszüge aus „Strukturimpulse für das Bergische Städtedreieck/Ein Handlungsrahmen“, gemeinsames Positionspapier der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal (Stand: 7. März 2007)

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