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DGB besorgt über die verfestigte Armut bei Hartz-IV

Pressemitteilung des Deutscher Gewerkschaftsbundes, Stadtverband Remscheid

Die Bevölkerung in Remscheid ist nach einer Analyse des DGB weit stärker von Hartz-IV betroffen als in der Mehrzahl der anderen Großstädte. Zugleich gelingt es den Hilfeempfängern/-Hilfeempfängerinnen in der Stadt im Schnitt weit seltener, den Hilfebezug längerfristig oder nur befristet zu überwinden. Die Verfestigung der prekären Lebensverhältnisse ist besorgniserregend, wenn über 40 % der Hartz-IV-Bezieher in Remscheid mindestens vier Jahre auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. 7900 der erwerbsfähigen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren in Remscheid waren Ende 2012 auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Das Hartz-IV-Risiko in Remscheid ist mit über 11 Prozent überdurchschnittlich hoch. Besorgniserregend ist, dass Hartz-IV-Empfänger/-Empfängerinnen in Remscheid länger auf staatliche Fürsorge angewiesen sind als in vielen anderen Großstädten. Fast drei Viertel der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher/Bezieherinnen der Stadt sind bereits im Langzeitbezug und haben in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate Hartz-IV bezogen. „Dem Hartz-IV-System ist es bisher nicht gelungen, eine Verfestigung prekärer Lebenslagen zu verhindern“, so Sigrid Wolf, Regionalsekretärin des DGB.  „Trotz der Verhärtung im Hilfebezug gibt es auch im Hartz-IV-System relativ viel Bewegung. Ständig kommen andere hinzu, während andere doch immer wieder den Hilfebezug beenden können.“

Hartz-IV-Quote insgesamt 1) Eintrittsrisiko 2) Verbleibsrisiko unter 1 Jahr  3)
Langzeitbezug
21 Monate in den letzten 12 Monaten 4 Jahre und länger
Remscheid 11,3 4 41,4 66,1 44,2
Großstädte im Westen 10,4 3,6 41,3 69 48,7
Großstädte im Osten 15,7 5,5 39,7 72,6 53,4
Deutschland insgesamt 8,1 3,2 43,5 68,8 49

 Erstmals hat der DGB in Remscheid differenzierte Daten zum Eintritts- und Verbleibrisiko im Hartz-IV-System vorgelegt. Ihnen zufolge liegt das Eintrittsrisiko in Hartz-IV für Erwerbsfähige im vergangenen Jahr in Remscheid bei vier Prozent. Vier Prozent der Bevölkerung von 15 bis 64 Jahren müssen innerhalb eines Jahres Hartz-IV beantragen. Bei dem Risiko, hilfebedürftig zu bleiben, lässt sich für Remscheid festhalten, dass es mehr als einem Drittel der Hartz-IV Beziehenden im ersten Jahr gelingt, die Hilfebedürftigkeit zu überwinden. Aber auch dieser Anteil ist weit niedriger als in anderen Großstädten und auch dem Bundesdurchschnitt insgesamt.

„Wir brauchen eine stärkere Professionalisierung der Betreuung. Stabilisierungs-, Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen müssen stärker am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Zudem müssten die sozialintegrativen Maßnahmen der Stadt - wie Schuldnerberatung, etc. – sowie abschlussorientierte Qualifizierungen für diese Zielgruppe ausgebaut werden. Ebenso sollten Menschen bei einer Jobvermittlung noch längere Zeit nachbetreut werden, um ein neues Arbeitsverhältnis möglichst stabilisieren zu können. Auch die Bundesregierung ist gefordert: Durch die Kürzung der Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren haben sich die Förderchancen für Hartz-IV-Empfänger/Empfängerinnen massiv verschlechtert. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Menschen längerfristig auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Aber auch die Unternehmen sollten mehr tun und Hartz-IV-Empfängern und Empfängerinnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben“, so Sigrid Wolf. Siehe Tabelle:

[Quelle: DGB-Sonderauswertung der Hartz-IV-Statistik].1) Bestand der erwerbsfähigen Hilfeempfänger/innen im Alter von 15 – 64 Jahren gemessen an der Bevölkerung. 2) Zugang der eLb in Hartz-IV-Bezug 2012 gemessen an der Bevölkerung. 3) Anteil der Hartz-IV-Empfänger/innen, die weniger als 1 Jahr kontinuierlich auf Hartz-IV angewiesen sind.

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