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Ein letzter Brief vom Stinthengst zum Jahreswechsel

Bekennerschreiben vom 4.12.13

Ich, Niko aus dem Nikolaiken, Botschafter Ostpreußens, und in ungekündigter Anstellung als Heilsbringer des Bergischen Landes tätig, erkläre hiermit, mich selbst aus freien Stücken, von meinen Ketten befreit und entführt zu haben. Auch für einen Fischkönig meines Standes geht die Geduld einmal zu Ende! Mein Zuhause ist längst nicht mehr schön. Wie soll ich Euch den Wohlstand bringen, wenn keine Beute in dieses trübe Wasser will! Darum wende ich mich ab, gehe auf Wanderschaft, und werde erst dann heimkehren, wenn mein Lebensraum erneut eines Stinthengstes würdig ist.

Aus Liebe zu den Bürgern der Stadt am Berge, insbesondere der Kinder, lasse ich ab und an von mir hören - auf meiner Reise, vielleicht auch nach Sensburg.

P.S.: Liebe Bürger von Remscheid, SEIT IHR BEI MIR? Auf bald, Euer Niko Nikolaiken

Diese Krikatur lag dem jüngsten Schreiben bei.

Ich, Niko Nikolaiken, Fischkönig aus dem Stadtparkteich Remscheids,
möchte Euch mitteilen:

Es werden immer mehr, die mir in diesen schweren Zeiten zur Seite stehen und meine Flosse halten! Es gibt da meinen Schirmherren, Helmuth Tomscheit, der im kommenden Jahr erneut versuchen möchte, über ein Spendenkonto die Rekultivierung des Stadtparkteiches, meines Zuhauses, zu ermöglichen! Auch Otto, der freundliche Kinder- und Seniorenpolizist, steigt mit ins Boot und möchte dolmetschend helfen. Die Seniorenunion unter dem Vorsitz des netten Gregor Gregull möchte ich auch Mut machen, etwa zur Gründung eines „Fischfonds"!

Ist meine Bitte und Idee erst weitergetragen zu den Bürgern der Stadt, aus dem Stadtpark, der einzigen Wasserfläche auf dem Berg Remscheids, wieder eine Quelle der Erholung werden zu lassen, dann habe ich Hoffnung, erneut in diesem Wasser schwimmen zu können.

Hier noch ein Kalauer: Journalisten und Polizisten bilden auf der Suche nach mir zwar eine Symbiose, doch hoffentlich geht dabei die Pressefreiheit nicht in die Hose. Zur allgemeinen Beruhigung möchte ich anmerken: Ich werde nun mit meinen engsten Freunden ein fröhliches Weihnachtsfest feiern, und sogar neben einem Karpfen schwimmen. Gehen Sie davon aus: Ich werde es überleben!

Bekennerschreiben vom 11.12.13

Ich, Niko aus dem Nikolaiken, Fischkönig aus dem Stadtparkteich Remscheids,
widerspreche der Darstellung,

gestohlen worden zu sein. Meine Helfer sind keine Diebe. Ich bin in Begleitung guter Freunde, und seit Neuestem schwimmt die Sympathie mit. An dieser Stelle bedanke ich mich bei den Menschen, die verhindern konnten, aus meinem Weiher eine Rasenfläche werden zu lassen! Längst wäre ich, wie jetzt auch mein Freund, der Rübezahl-Felsen, aus dem Park verbannt. Offensichtlich konnte ich mich gerade noch rechtzeitig retten.

Inzwischen haben mich meine Begleiter von den Spuren des trüben Wassers gesäubert. Jetzt ist erkennbar, wie sehr ich gelitten habe. Bislang kümmerten sich fürsorgliche, grün gekleidete Menschen einmal im Jahr um mein Äußeres. Danke dafür.

Um mein Inneres ist es nicht gut bestellt. Was wird aus meiner Zukunft und meiner tiefen Sorge um die Stadt Remscheid, Seit ihr, so wie ich, auch auf der Suche nach einem lebenswerten Platz, oder genügt es, öffentlich Wasser zu predigen und Wein zu trinken!

Ich Niko Nikolaiken, Heilsbringer des Bergischen Landes, wünsche mir von und Euch die Rekultivierung des Stadtparkgewässers. Nennt mir den Einen, der den Mut und die Entschlossenheit besitzt, federführend ein Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Remscheid einzurichten. Meine Freunde sind die Ersten, die eine Spende in meinem Namen mit diesem Schreiben einbringen.

P.S.: Jetzt, wo ich gewaschen und gekämmt wurde, bin ich weiter auf der Walz. Und Ihr, liebe Bürger von Remscheid? SEIT IHR BEI MIR? Auf bald und einen besonderen Gruß an die lieben Kinder und Enten und Schildkröten. Euer Niko Nikolaiken

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Lieber Niko Nikolaiken, wieso fürchtest Du, dass die Pressefreiheit in die Hose gehen könnte? Auch die Lokaljournalisten in Remscheid sollten allesamt dem Informantenschutz verpflichtet sein. Oder meintest Du die publizistische Sorgfaltspflicht? Dazu gehört beispielsweise, dass den Lesern wichtige Informationen nicht vorenthalten und Namen nicht (bewusst) falsch geschrieben werden. Da nehmen es manche Kollegen leider nicht so genau, wie ich kürzlich irritiert feststellen musste.

Wilhelm Wunderlich am :

Lieber Niko aus dem Nikolaiken, die Polizei ist auf der Suche nach Dir und den Subjekten, die beim Lösen der Ketten behilflich waren, die Dich von den Spuren des trüben Wassers gesäubert und gekämmt haben! Zum neuen Jahr wünsche ich Dir und Deinen Helfern die Einstellung polizeilicher Ermittlungen: Die Helfer haben sich eine für viele Remscheider fremd gewordene, an der Kette bewegliche Sache nicht in rechtswidriger Absicht zugeeignet, sondern sie vor dem weiteren Verfall gerettet. Sie haben in philosophischer Weise auf Deine Misere im trübsten Wasser aufmerksam gemacht und wünschen sich nicht mehr als Deine standesgemäße Rückkehr! Lass bald mal wieder was von Dir hören!

Wilhelm Wunderlich am :

Zum besseren Verständnis. § 242 (Diebstahl) des Strafgesetzbuchs bestimmt: "Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft".

Chronist am :

"Dieb meldet sich per Post bei verschiedenen Medien", berichtete gestern die Bergische Morgenpost. Zitat: "In seinem Rundschreiben spielt er sich auf als 'Fischkönig aus dem Stadtparekteich'". Für die Polizei sei die Aktion aber "alles andere als ein Scherz", sondern sie ermittele in "einem besonders schwerer Fall des Diebstahls".

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