Skip to content

Die Kandidatenrede des SPD-Landtagsabgeordneten Sven Wolf

Liebe Genossinnen und Genossen,
unsere Partei hat eine lange Tradition. 150 Jahre, auf die wir stolz sein können. Ein Augenblick, auf den wir so stolz sind wie auf keinen anderen, ist die Rede von Otto Wels gegen das Ermächtigungsgesetz und den Mut der Genossinnen und Genossen, sich gegen die Nationalsozialisten zu stellen. Ein Moment, der auch Verpflichtung ist für jeden von uns.

Übermalen von rechtsradikalen Parolen? War das richtig, war das klug? Von vielen von Euch habe ich, auch nach der öffentlichen Kritik der CDU, Zuspruch erhalten. Was ist an dem Satz: „Lennep kein Platz für Rassisten" verkehrt? Das können doch alle Demokraten in unserer Stadt unterschreiben? In einer Woche wird die DITIB Gemeinde hier in Remscheid den Grundstein für den Neubau ihrer Moschee legen. Das ist ein gutes und wichtiges Signal. Menschen, die ihr Gotteshaus errichten, zeigen: Sie fühlen sich heimisch und angenommen. Es war mir eine Herzenssache, unseren Integrationsminister Guntram Schneider zu fragen, ob er dabei sein kann. Er war begeistert und hat sofort zugesagt, uns zu besuchen und mit uns gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Das ist ein unmissverständliches Zeichen. An alle, die Remscheiderinnen und Remscheider gegeneinander ausspielen wollen. Besonders aber auch an diejenigen, die in den letzten Wochen unsere Heimatstadt mit fremdenfeindlichen Parolen verschandelt haben.

Da war es richtig schnell zu handeln. Das war keine politische Aktion, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ich hätte nicht geglaubt, welche Wellen diese Selbstverständlichkeit schlägt. Dabei sind verrückte Emails, anonyme Anrufe von Rechtsradikalen noch die harmlosen Folgen. Dass aber eine rechts-populistische Tageszeitung das Thema auf Seite 2 vermeldet und Sven, Fritz Beinersdorf und mich verhöhnen, geht zu weit. Dazu, frech und dreist, wie Rechten sind, gibt es ein Belegexemplar und ein Abo-Angebot gleich mit. Als ich diesen Artikel las, waren meine Zweifel weg. Jetzt weiß ich: das war richtig. Remscheid ist eine Stadt, in der Menschen aus über 110 verschiedenen Nationen friedlich miteinander leben. Remscheid ist eine Stadt, in der kein Platz für menschenverachtende Parolen ist. Remscheid ist eine Stadt, in der wir den rechten Rattenfängern nicht auf den Leim gehen werden. Wir sind für ein tolerantes - für ein vielfältiges Remscheid!

Liebe Genossinnen und Genossen, nach Beates Entscheidung, das Amt der Oberbürgereisterin nach einer Ära von zehn Jahren im Juni zu beenden, haben viele von Euch mit mir gesprochen. Die einen sagten: „Bewirb Dich, du kannst das!" Wieder andere fragten - nachdem die Findungskommission zwei Kandidaten vorstellte -„Warum kandidierst du? Warum willst Du das machen?" Ich habe lange über die Frage nachgedacht, mit Freunden und Familie gesprochen. Habe mir Rat bei anderen Oberbürgermeistern geholt, die ich aus meiner Arbeit in Düsseldorf kenne. Am Ende waren zwei Dingen für mich besonders wichtig: Politik heißt - und so wird das jedem von Euch gehen, ob in der Bezirksvertretung oder im Bundestag - etwas zu wollen. Sozialdemokratische Politik heißt Veränderung zu wollen.

Veränderung zum Wohle der Menschen gelingt aber nur in einem Dreiklang. Einem Dreiklang aus Zuhören, Verstehen und Kümmern. Das ist nicht nur das Leitmotto vieler von Euch, das ist auch mein persönlicher Anspruch an meine bisherige Arbeit im Landtag und an meine Arbeit in der Kommunalpolitik. Zuhören bedeutet daher auf die Menschen zuzugehen, ein offenes Ohr für ihre Anliegen zu haben. Dazu müssen wir aber auch verstehen: Welches sind die wichtigen Wünsche oder größten Sorgen. Und zuverlässige Politik zeichnet sich dadurch aus, dass wir uns kümmern. Gemeinsam kümmern. Dabei darf es für die Menschen keine Rolle spielen, wen sie aus unserer Partei konkret angesprochen haben. Kümmern kann nur im Team - nur gemeinsam - gelingen!

Der zweite Grund, warum ich gerne zu dieser Kandidatur bereit bin: Ich bin leidenschaftlicher Remscheider. Ich bin hier vor 38 Jahren geboren, hier aufgewachsen und lebe gerne hier in Vieringhausen. Verantwortung für meine Heimatstadt zu übernehmen, ist eine große Ehre, aber auch Ausdruck meines Verständnisses von Pflichterfüllung und Verantwortungsgefühl. So habe ich das in meiner Familie gelernt. Meine Tante erzählte mir schon als kleiner Junge lebhaft über den Lebensweg meines Urgroßvaters. Er hat 1945 im hohen Alter Verantwortung beim Wiederaufbau unserer Stadt als Dezernent übernommen. Das hat mich geprägt.

Ich will aber auch eine Antwort geben auf die Fragen, die mir in den letzten Tagen, gestellt wurden: Warum willst Du Dein Landtagsmandat aufgeben? Wer soll uns dann künftig in Düsseldorf vertreten? Verlieren wir nicht etwas? Die Interessen unserer Heimatstadt werde ich in Düsseldorf als Remscheider Oberbürgermeister weiterhin nachdrücklich vertreten - das ist mein Anspruch an das Amt, das ich mit Eurer Hilfe anstrebe. Es ist schließlich nicht so, dass nur Landtagsabgeordnete Gehör finden. Beate trifft sich regelmäßig in Düsseldorf mit Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger, um über die Probleme und Vorstellungen der Gemeinden zu sprechen. Meine Gesprächsfäden zu Ministerien und Fraktion schneide ich nicht ab. Ich nehme sie mit, werde sie pflegen und weiter ausbauen (knüpfen?). Ich habe in vier Jahren gelernt: Bewirken kann nur der, der über enge Netzwerke verfügt. Das gilt erst recht für einen Oberbürgermeister. Dabei will ich keinen Übergang moderieren. Ich will Remscheid in den kommenden sechs Jahren und darüber hinaus als Oberbürgermeister dienen und mit Euch gestalten. Damit das gelingt, will ich mit Euch gemeinsam das Rathaus verteidigen.

Die CDU gibt sich gerade nach dem Ergebnis der Bundestagswahl schon siegesgewiss und selbstzufrieden. Sie will um jeden Preis nach zehn Jahren die Rathausspitze zurückerobern. Denen müssen wir einen Strich durch die Rechnung machen. Es geht um eine Grundsatzentscheidung über die Ausrichtung unserer Stadt. Das Rathaus in der Hand eines Sozialdemokraten ist notwendig für ein soziales und gerechtes Miteinander in Remscheid! Dafür werde ich meine persönliche Qualifikation und meine beruflichen Erfahrungen einbringen. Ich bin Jurist und kenne die Mechanismen von Verwaltungen. Ich habe aber auch besonders als Insolvenzanwalt gelernt, wo die Sorgen der Privatpersonen liegen, die nicht mehr mit ihrem Geld klar kommen und wie sich darauf Antworten finden lassen. Bei vielen Unternehmens-insolvenzen habe ich gelernt, welche ganz unterschiedlichen Probleme in den Firmen auftreten und habe Verantwortung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen. Ich weiß, wie Wirtschaft tickt und auch, warum es manchmal nicht funktioniert.

Etwas ganz wichtiges habe ich in der Begleitung von Unternehmen in schwierigen Zeitengelernt. Ich weiß, worauf sich die Unternehmen hier immer verlassen können: auf ihre Beschäftigen, auf die gut ausgebildeten Fachkräfte, auf die Mitarbeiter, die auch und gerade in einer Krise zu ihrer Firma stehen. Ganz wichtig und hilfreich ist die Zusammenarbeit mit Betriebsräten und die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, ich nenne hier als Beispiel Dich, liebe Christine, und Deine Kollegen: Hartmut Knupp und Marco Röhrig. Auch hier bedeutet Kümmern gemeinsam Lösungen zu suchen, dafür zu werben und sie umzusetzen.

Von heute bis zum 24. Mai wird uns ein spannender Wahlkampf bevorstehen. In diesen vier Monaten werden wir um Vertrauen und Zustimmung bei den Remscheiderinnen und Remscheidern werben. Ich habe in drei Kommunalwahlkämpfen und zwei erfolgreichen Landtagswahlen erfahren: das direkte Gespräch ist unsere Stärke! In den nächsten vier Monaten will ich - wie schon in den Landtagswahlen - wieder an vielen Türen klingen. Mein Ziel: mehr als 3.000 Hausbesuche und Einzelgespräche. Wir gemeinsam können uns weitere Ziele setzen. Wenn jeder von Euch in seinem Wahlkreis an etwas mehr als 300 Türen klingelt und für sich und uns wirbt, könnt ihr gemeinsam 8.000 Hausbesuche schaffen. 11.000 Besuche und Gespräche. In jedem fünften Haushalt in Remscheid stellt sich eine Sozialdemokratin oder ein Sozialdemokrat vor und erkundigt sich nach dem Anliegen unserer Nachbarn. Dazu kommen 1.000 Begegnungen und Gespräche, die ich mit Initiativen, Vereinen, Handwerkern und Unternehmen bis zum 25. Mai führen werde. Ich weiß: das ist anstrengend. Das kostet viel Zeit und Kraft. Am Schluss werde ich meine Hausbesuche bestimmt wieder nur noch in Turnschuhen schaffen. Das Gespräch an der Haustüre bereichert. Jede Begegnung, jede Geschichte, die ihr hören werdet, wird Euch begleiten und wenn ihr dann später in einer langatmigen Sitzung über „langweilige" Vorlagen beratet und Euch fragt, warum mache ich das eigentlich: Dann erinnert Euch an die Geschichten! Dafür machen wir das. Das gibt uns die Kraft und den Antrieb, weder Mut noch Kreativität zu verlieren!

Eine wichtige Ergänzung meiner bisherigen Landtagsarbeit waren Besuche in Einrichtungen. Eine wunderbare Idee, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Tatkraft, genauso wie Hannelore Kraft uns das vormacht. Ein Tag im Altenheim, ein Tag in der Lebenshilfe, in Kindergärten oder Grundschulen. Zuletzt noch ein bemerkenswerter Tag in der Förderschule Heinrich Neumann, an dem ich die engagierte Arbeit der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen begleiten durfte. Berührt bin ich immer noch, wenn ich an die Freundlichkeit und Höflichkeit der Schülerinnen und Schüler denke - und das alles Schüler mit emotionalen Schwierigkeiten.

Die Tatkraft-Tage werde ich fortsetzen und habe da noch viele auf meiner Ideenliste: ein Tag in der Spedition, einen Tag im Handwerk oder einen Tag bei der GEWAG.

Gemeinsam will ich mit Euch frische Ideen für unsere Heimatstadt entwerfen. Ideen, die nicht nur für einen Übergang reichen, sondern länger wirken. Wir schlagen ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Stadt auf. Die Themen Arbeit, Leben und Wohnen und die Verwaltung sind dabei drei zentrale Bereiche, auf die ich den Menschen in meiner Heimatstadt eine Antwort geben will. Die wichtigste Ressource unserer Stadt sind die Menschen. „Gut ausgebildete Fachkräfte, die den Unternehmen bereit stehen" so oder so ähnlich würde die Wirtschaft wohl formulieren. Es freut mich, dass die IHK mit dem neuen Präsidenten auch das Thema Fachkräftemangel in den Fokus rückt. Das ist für uns als Sozialdemokraten nichts Neues. Wir gehen dabei aber weiter! Nicht nur für Unternehmen brauchen wir gut ausgebildete Mitarbeiter. Wir Sozialdemokraten wissen ganz genau, dass eine gesellschaftliche Teilhabe eng von Bildung und Betreuung abhängt. Dafür haben wir uns in unserer 150-jährigen Geschichte immer stark gemacht.

Ich will es nicht akzeptieren, wenn eine Familie ohne Betreuungsplatz da steht. Ich will es nicht akzeptieren, wenn junge Remscheider ohne Schulabschluss dastehen oder keinen Ausbildungsplatz bekommen. Unser Slogan aus der Landtagswahl „kein Kind zurücklassen" meint: jeden Einzelfall zur Priorität zu machen, ohne dabei das Ganze aus dem Blick zu verlieren. Daran können wir hier sehr konkret vor Ort arbeiten. Und zwar heute, um dem Mangel an Fachkräften morgen zu begegnen. Unsere Antwort darauf: Wir werden die Schulsozialarbeit hier vor Ort fortsetzen, weil sie ein wichtiger Baustein für Bildungserfolge ist. Wir werden die Betreuungsangebote ausbauen - in ihrem Umfang, aber auch in ihrer Qualität. Familie und Beruf dürfen für Frauen kein Widerspruch sein. Wir lösen ihn! Hannelore Kraft beschreibt das mit einem klaren und einprägsamen Satz, der auch hier in Remscheid gilt: Wir wollen kein Kind zurücklassen!

Wirtschaftsförderung ist dabei eine weitere ergänzende Aufgabe. Wir haben hier bereits einiges ausprobiert: Wirtschaftsförderung in einem Amt, Wirtschaftsförderung in einer städtischen Gesellschaft. Wir waren da mit der WFR auf einem sehr guten Weg, der aber leichtfertig durch die CDU zerstört wurde. Dabei sind nicht nur Strukturen zerschlagen worden. Nein, es sind Menschen beschädigt worden. So etwas darf sich nie wieder in unserer Stadt wiederholen! Was ist zu tun? Das Ruhrgebiet wirbt inzwischen in Brüssel mit einem gemeinsamen Büro für seine Region. Dagegen werden wir mit einem Remscheider Soloauftritt nicht bestehen. Wir müssen also wieder und wieder neue Anläufe nehmen, um eine Bergische Wirtschaftsförderung zu etablieren. Die IHK ist uns hier bereits voraus. Hier vor Ort brauchen wir Kümmerer, die als Ansprechpartner für Betriebe vor Ort bereit stehen. Zuhören, Verstehen, Kümmern gilt auch hier. .

Das DOC ist eine große Chance. Drei von vier Remscheidern haben sich für eine Ansiedlung ausgesprochen. Wir bekommen neue Arbeitsplätze. Lennep entwickelt neuen Schwung, von dem ganz Remscheid profitieren wird. Aber wir bekommen noch mehr: wir bauen ein neues Stadion, eine neue Feuerwache und neue Kreuzungen. Allein die Stadt investiert 15 Millionen in die Zukunft. Gelder, die ohne den Kaufvertrag nicht zur Verfügung gestanden hätten. Ich will das DOC. Dafür werde ich kämpfen!

Remscheid wird älter, bunter und vielfältiger. Wir haben lebendige Stadtteile - wie Lüttringhausen, Lennep oder Hasten -, in denen niemand verloren geht. Wir haben Nachbarschaften, die aufeinander achtgeben - wie am Kremenholl oder auf dem Rosenhügel. Wir haben alle vor unserer Tür Natur und Wälder, die zum Spazieren und Entspannen einladen. Remscheid bietet vieles, was Menschen anderen Orts vermissen. Darauf können wir stolz sein. Dazu gehört bezahlbares und gutes Wohnen. Damit werden wir offensiv neue Bürger für Remscheid werben. Dabei sehe ich aber auch eine wachsende Zahl von Mietern, die ihre Nebenkosten nicht mehr aufbringen können. Energiearmut ist kein Einzelfall. Sie trifft inzwischen leider zu viele Menschen in unserer Stadt. Ich denke hier an junge Familien oder Rentnerinnen und Rentner, die mit geringen Altersrenten kaum ihre monatlichen Ausgaben bestreiten können.

Jetzt werdet ihre fragen: Was sollen wir hier vor Ort dagegen machen? Die Renten können wir nicht erhöhen oder das Kindergeld für Familien. Wir können auch hier vor Ort nicht die Energiepreise steuern. Aber wir können dafür sorgen, dass die Stadtwerke, bevor Strom und Gas abgestellt werden, zum Hörer greifen und mit der Stadt gemeinsam nach einer Lösung suchen. Außerdem können wir uns vor Ort für energetische Erneuerung einsetzen. Gemeinsam mit der Verwaltung und gemeinsam mit starken kommunalen Stadtwerken, einer starken kommunalen GEWAG und einer starken Stadtsparkasse. Das sind nur zwei von vielen Beispielen, warum wir kommunale Unternehmen brauchen. Und warum ich gegen weitere Privatisierungen bin.

Liebe Genossinnen und Genossen, wenn wir schon dabei sind, über Sanierungen nachzudenken, dann lasst uns einen Schritt weitergehen. Lasst uns darüber diskutieren, wie wir im Alter leben wollen. Ich weiß aus vielen Gesprächen - das ist ein wichtiges Thema. Noch vor wenigen Tagen habe ich mit einem Genossen gesprochen, der mir sagte: Ich weiß gar nicht, ob ich mit meiner Frau in unserem Haus und dem großen Garten wohnen bleiben kann. Wann sollen wir in eine Wohnung umziehen? - Anders diejenigen von Euch, die bereits in Wohnungen leben. Stellt ihr Euch nicht auch die Frage: Wie viele Stufen sind das eigentlich bis zur meiner Wohnungstür? Einen Kasten Wasser heraufzutragen fällt heute schon schwer und in einigen Jahren?

Unsere Antwort auf die älter werdende Gesellschaft war bisher: mehr neue Plätze in Alten- und Pflegeheimen. Aber wollen wir das? Wollen wir als einzigen Ausweg den fraglos letzten Umzug auf 20 Quadratmeter machen? Unsere Wohnung aufgeben, alle Möbel weggeben? Ich habe vor einigen Jahren so eine Diskussion sehr hautnah miterlebt, als die Großmutter meines Freundes in ein Altenheim umziehen musste. Die Betreuung vor Ort in der Familie war nicht mehr zu leisten. Für einen Umzug in ein betreutes Wohnen war es zu spät. Was blieb ihr? Der Fernsehsessel und ein Schrank. Ich will nicht, dass Menschen im Alter alles aufgeben müssen. Wir brauchen mehr barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen. Lasst uns das beherzt anpacken, damit die Menschen hier auch in hohem Alter glücklich leben

Die Vernetzung von Hilfen vor Ort - etwa mit AWO oder Diakonie - sollten wir besser nutzen. Dann will ich auch über Wohngruppen im Alter reden - wie sie in den Niederlanden erfolgreich laufen. Auch wir müssen neues Denken wagen. Wir können das - denn wir brauchen nicht immer viel Geld für neue Lösungen - oft reicht schlicht der Wille, sich zu kümmern. Wer hier wohnt, der soll und will hier oder in der Nähe seinen Arbeitsplatz finden. Wenn wir gemeinsam für eine bessere Verkehrsanbindung kämpfen, dann kann dies auch Nähe für Menschen bedeuten. Für Menschen, die in Köln, Düsseldorf oder dem Ruhrgebiet arbeiten. Ein Beispiel für erfolgreiches gemeinsames Handeln ist die Sanierung der Müngstener Brücke. Gemeinsam und beharrlich ist es gelungen, bei der Deutschen Bahn unserer Forderung nach einer Sanierung Gehör zu verschaffen. Gleiches gilt für den neuen Betreiber des Müngsteners, Abellio. Endlich neue Züge. Züge, die auch wieder mit benutzbaren Toiletten ausgestattet sind. Dazu die Aufwertung der Strecke zur S-Bahn. Im VRR habe ich für Remscheid an diesen Themen mitgearbeitet. Auch dort habe ich mir einen Namen - „der Remscheider" - erworben, der beständig in den Fraktions- und Gremiensitzungen für die Belange seiner Stadt kämpft.

Es gibt ebenso viele Herausforderungen für die Stadtverwaltung in Remscheid. Beate Wilding hat vieles auf den Weg gebracht. Mit der Landeshilfe und eigenen Anstrengungen aller Remscheider haben wir die Aussicht unseren Haushalt wieder ins Lot zu bringen. Wir haben uns auf den Weg gemacht. Besonders die schweren Entscheidungen zum Stellenabbau werden wir auch künftig nur gemeinsam mit den Beschäftigten und dem Personalrat angehen können. Das ist mein Verständnis sozialer Verantwortung für die Beschäftigten in der Verwaltung. So sichern wir den sozialen Frieden. Diesen Weg werde ich als Euer Oberbürgermeister weiter gehen.

Elektronische statt Papierakten werden die Arbeit in allen Behörden unseres Landes deutlich verändern. Einen Weg, den NRW bereits beschriften hat, um 2018 die elektronische Akte in allen Gerichten einzuführen. Einen Weg, der nur gemeinsam mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschriften werden kann, denn das bedeutet einen historischen Einschnitt in der Arbeit der Verwaltung. Auf diesen Weg werde ich mich als Euer Oberbürgermeister machen.

In den Mittelpunkt meiner künftigen Arbeit als Oberbürgermeister stelle ich das Bild eines offenen Rathauses.

Hierzu gehören mehr Bürgernähe und Transparenz. Auf der Internetseite der Stadt finden sich inzwischen alle Vorlagen, die in Gremien diskutiert werden. Die technischen Möglichkeiten bieten eine neue Chance für mehr Transparenz des Verwaltungshandelns. Leider gibt es immer noch Misstrauen gegenüber der Arbeit im Rathaus. Misstrauen, das sich leicht und populistisch aus einer Unkenntnis schüren Iässt. Dem werde ich als Oberbürgermeister begegnen und deutlich machen, dass im Rathaus viele engagierte Mitarbeiter täglich aufs Neue eine gute Arbeit leisten. Hier kann jede und jeder erhobenen Hauptes den Remscheider Bürgerinnen und Bürgern gegenübertreten.

Besonders aus den Diskussionen über neue Bauvorhaben oder über das DOC kennen wir Bedenken, die geäußert werden. Meine Antwort als Oberbürgermeister wird hier „Mehr Bürgernähe und mehr Beteiligung der Betroffenen." sein. Unser Leitmotto im Land gilt auch hier vor Ort: Wir wollen Betroffene zu Beteiligten machen. Offenes Rathaus bedeutet aber auch, dass ich mich als Oberbürgermeister nicht im Büro einschließen will. Meine Tatkraft-Tage werde ich fortsetzen. Genauso will ich für die Interessen meiner Heimatstadt in Düsseldorf oder Berlin eintreten. Nicht ausschließlich mit der Verwaltung dort sprechen, sondern gerade auch mit den politischen Entscheidern. Denn ich habe in Düsseldorf gelernt, wie Debatten geführt werden und welche Personen man ansprechen kann. Und wenn es besonders eilig ist, dann habe ich den kurzen Draht zu den Mitgliedern der Landesregierung. Bildlich gesprochen: Als Oberbürgermeister werde ich Hannelores Handynummer stets dabei haben.

An den Themen seht ihr: vielfältige Aufgaben liegen vor uns. Wir müssen den Menschen in unserer Stadt eine Antwort darauf geben. Dabei muss Politik sehr konkret sein, darf nicht nur leere Worte oder allgemeine Schlagworte liefern.

Wir können den Menschen in Remscheid sagen, wie sie in zehn Jahren in ihrer Stadt leben können. Ich will, dass wir selbstbewusster auf unsere Heimatstadt blicken. Und das lasst uns in ein Programm schreiben, mit dem ich in den ersten 100 Tagen nach dem 23. Juni beginne. Ein Programm, das uns stolz macht und in dessen Dienst ich mich als euer Oberbürgermeister gerne stellen will.

Vor 15 Jahren sprach ich vor Euch im Lindenhof, bewarb mich erstmals um ein kommunalpolitisches Mandat. Damals endete meine Rede mit dem Satz: „Wer kämpft, kann verlieren - wer nicht kämpft, hat bereits verloren!" Dieses Motto hat mich nie verlassen. Ich werde leidenschaftlich kämpfen - gemeinsam mit Euch. Für einen sozialdemokratischen Oberbürgermeister. Für eine starke SPD! Dafür bitte ich Euch heute um Euer Vertrauen und Eure Zustimmung. Glück auf!

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!