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Alexanderwerk trennte sich von seinem "Tafelsilber"

Wenn eine Aktiengesellschaft ihren Immobilienbesitz (Hallen und Bürogebäude) für fünf Millionen Euro verkauft, obwohl es zuvor Gerüchte gab, der Wert der Immobilien sei von einem Gutachter fast doppelt so hoch eingeschätzt worden, dann sollte doch wohl auf der Hauptversammlung (HV) der AG mit einigen kritischen Fragen der Aktionäre zu rechnen sein. Beim jüngsten Aktionärstreffen der Remscheider Alexanderwerk AG (sie produziert Anlagen zur Nahrungsmittelverarbeitung) im „Schützenhaus“ erlebten Alleinvorstand Franz-Bernd Daum und Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Göller dagegen  - einmal angesehen von ein wenig „Gegrummel“ („Verkauf des Tafelsilbers!“) – eine breite (nachträgliche) Zustimmung zu dem Verkauf. Er soll der AG helfen, Kredite zurückzuzahlen und sich so ein wenig von den Banken frei zu machen, bei denen das Unternehmen in der Kreide steht. Das abgelaufene Geschäftsjahr endete mit einem Verlust von 519.000 Euro. In diesem Jahr will Göller ein Plus von 560.000 Euro erreichen. Unter den Mitarbeitern der Alexanderwerk AG und unter Anwohnern hat der Immobilienverkauf Spekulationen ausgelöst und zu der Frage geführt: „Bleibt die Firma auf Dauer am alten Standort?“

Der Kaufpreis in Höhe von 5.000.000 Euro ist aus Sicht des Vorstandes der AG „angemessen, da trotz Gesprächen mit mehreren Interessenten ein höherer Preis im Markt nicht zu erzielen war. Im Gegenzug mietet die Gesellschaft die aktuell von ihr belegten Büro-, Produktions- und Lagerflächen zu einem festgesetzten Mietpreis von dem Käufer für einen Zeitraum von zehn Jahren zurück, wobei der Gesellschaft die Option zusteht, ab dem 1. Januar 2008 bis zur Hälfte der angemieteten Fläche in mindestens zwei Jahrestranchen an den Käufer zurückzugeben. Vereinbart ist eine Monatsmiete von 27.500 Euro netto, was nach Angaben des Alexanderwerk-Vorstandes „im Vergleich mit anderen Industrieobjekten am Standort Remscheid einem angemessenen Mietzins entspricht“.

Im Bericht des Vorstandes zur HV heißt es weiter: „Neben den eigentlichen Kernaktivitäten der Gesellschaft bildet die mögliche Vermarktung des Immobilienbesitzes der Gesellschaft seit mehreren Jahren einen weiteren Schwerpunkt der Geschäftsführungstätigkeit. (…) Die mögliche Vermarktung des industriell genutzten Immobilienbesitzes der Gesellschaft wird seit 2003 systematisch untersucht. Ein erster Erfolg wurde diesen Aktivitäten mit der Veräußerung eines Grundstücksteils im Jahr 2005 an einen Lebensmittel- Discounter beschert, weitere Erfolge konnten trotz intensiver Bemühungen des Vorstands jedoch leider nicht erzielt werden. Aus den Gesprächen mit verschiedenen Interessenten ist in dieser Zeit deutlich geworden, dass eine kurzfristige Vermarktung des zur Veräußerung ausgewählten Immobilienbesitzes der Gesellschaft am sinnvollsten im Ganzen mit einem professionellen Immobilienentwickler zu realisieren ist, da die stückweise Veräußerung der Grundstücksteile in der Abwicklung auf Grund der Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten sehr aufwendig und zudem mit Risiken bezüglich der Bonitätsprüfung interessierter Käufer verbunden sein würde.“

 Nach intensiven Verhandlungen kam nunmehr der Verkauf von  54030 Quadratmetern zustanden (woraus sich ein Quadratmeterpreis von 92,54 Euro ergibt). Käufer ist die GbR „Neukirchen-Vluyn“, deren  Gesellschafter die OPTIMA Immobilien GmbH (Leipzig), die Atol Beteiligungs-GmbH (Berlin) und die BAUCON Grundbesitz GmbH (Köln). Alle drei Gesellschaften seien mit dem An- und Verkauf von Immobilien, deren Vermietung und Verpachtung und deren Verwaltung beschäftigt und verfügen über eine gute Bonität, berichtet der Alexanderwerk-Vorstand. Die geschäftsführenden Gesellschafter der drei GmbH-Gesellschaften sind dem Vorstand persönlich bekannt. Nein, persönliche Verflechtungen zwischen Käufer und Aufsichtsrat bzw. Vorstand existierten nicht, hieß es auf der HV.

Auf dem veräußerten Grundbesitz lasteten Ende 2006 noch Grundschulden in Höhe von 3.272.946,21 Euro.  Es ist vorgesehen, mit dem Kaufpreis einen Teil der Kredite zu tilgen, so dass der Alexanderwerk-Vorstand aus den danach entfallenden Zinszahlungen etc.  bei Gegenrechnung der künftigen Mietzahlungen eine Ergebnisverbesserung von etwa 50.000 Euro pro Jahr errechnet hat. Zitat: „Der Vorstand beabsichtigt mit dieser Transaktion die Hebung stiller Reserven zu realisieren, um die Kreditverbindlichkeiten zurückzuführen und liquide Mittel für das operative Geschäft freizusetzen.“ Ohne diese Maßnahme wären allein die Zinsaufwendungen in diesem Jahr auf etwa 520.000 Euro angestiegen.

Was die neuen Grundstücksbesitzer mit dem Gelände vorhaben, sollte das Alexanderwerk in einigen Jahren an einer Anmietung kein Interesse mehr haben, bleibt abzuwarten. Spätestens dann dürften Gespräche mit der Stadt angesagt sein. Denn die erhofft sich eine Förderung der Stadtteils über das „Modellprojekt der nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung“, wie Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein fast auf den Tag genau vor einem Jahr ankündigte.

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