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Bei Stefan Kruse gab es auch Zwischenrufe

Von Bettina Stamm, Bürgerinitiative Lennep e.V.

Die Bürgerversammlung am 26. Februar in der Klosterkirche nahmen viele Bürger der Stadt zum Anlass, um sich über die Planungen und Auswirkungen des DOC-Projektes zu informieren. Wenn auch das Thema der Veranstaltung „ Ja zur Region – Nein zum DOC in Lennep“ fanden sich neben zahlreichen Gegnern auch Befürworter in der Klosterkirche ein.

Viel Applaus und Zustimmung vom Publikum erhielt der erste Vortrag des Abends von Peter Lange von der Bürgerinitiative Lennep e.V. Nach Vorstellung des Projektes benannte er deutlich anhand von Fakten, Zahlen und Bildmaterial die für die Bürger entstehenden Folgen durch Feinstaub, Lärm, Verkehrsaufkommen, Parkhaus und Infrastrukturverlustes. Beim zweiten Redebeitrag durch den Architekten Walter Brune wurde deutlich, dass solche Projekte wie das DOC allein dem Profit der Investoren dienen. Die großen Verlierer sind die umliegenden Geschäfte. Brune begründete mit seinen persönlichen Erfahrungen (Bau des Rhein-Ruhr-Centers in Mühlheim mit dem sich anschließenden Untergang von Inhaber geführten Geschäften in der Umgebung des Centers) seine Wandlung vom Center-Bauer zum Verfechter der Stadtgalerie. Die Stadtgalerie werde wegen ihrer auf die Größe einer Einkaufszone abgestimmten kleineren Verkaufsfläche und der darin sich ansiedelnden Branchenmischung ein ergänzender und die Vielfalt bereichernder Teil einer Einkaufszone. Im Gegensatz dazu werde das DOC in Folge seiner für Remscheid und erst recht für Lennep viel zu großen Verkaufsfläche und der Geschäftspolitik des DOC-Betreibers in seinem großen Einzugsgebiet ohne Zweifel zerstörende Wirkung auf den bestehenden Einzelhandel haben. Wenn überhaupt sei eine Verkaufsfläche von maximal 5000 Quadratmeter vertretbar. Er gab zu bedenken, dass das geplante DOC vielfach nichts mehr mit der ursprünglichen DOC-Geschäftsidee zu tun habe, qualitativ hochwertige Ware aus Überschuss- oder Restbeständen mit Preisnachlass zu verkaufen. Die Wahrheit sei stattdessen, dass überwiegend in Billiglohnländern nur für den DOC-Verkauf georderte und qualitativ eher minderwertige Ware angeboten werde. Das ganz im Vordergrund stehende Ziel der DOC-Betreiber sei Steuervermeidung und Gewinnmaximierung. Oft werde dazu ursprünglich als Lagerraum deklarierte Fläche in Verkaufsfläche umgewandelt. Das Wohl der Stadt, in dem das Center betrieben werde, spiele keine Rolle. Wesentliche Steuermehreinnahmen seien nicht zu erwarten.

Stefan Kruse vom Raumplanungsbüro Kruse & Junker aus Dortmund ließ keinen Zweifel daran, dass es auch positive Aspekte eines DOC gebe, wie sich in anderen Städten gezeigt habe. Zur Vermeidung der DOC-Nachteile empfahl er, eindeutige und nachkontrollierbare Regelungen im sog. städtebaulichen Vertrag zu vereinbaren. Deren Einhaltung müsse durch die Androhung von Konventionalstrafen gesichert werden. Durch entsprechende Vereinbarungen sei dafür zu sorgen, dass die Warensortimente des DOC und des umliegenden Einzelhandels sich nicht überschneiden, wobei dem DOC die qualitativ hochwertigeren und damit teueren Waren vorbehalten sein sollten. Er berief sich dabei auf das FOC in Ochtrup, in dem das von ihm mit geleitete Institut bei der Überwachung mitwirke. Die Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel seien auch dadurch geringer, dass die eher aus weiteren Entfernungen anreisenden Kunden primär das DOC ansteuern und daher dem ortsansässigen Einzelhandel als Käufer nicht verloren gingen. Dass der Kaufkraftabfluss aber mindestens überregional dem Einzelhandel fehlt, wurde nicht thematisiert. Die Erwartung, dass DOC Kunden auch in größerer Zahl touristische Ziele an den DOC-Standorten besuchen, scheint wenn überhaupt nur für die aus größeren Entfernungen Anreisenden zuzutreffen. Auf die besondere Situation des DOC mit dafür unverhältnismäßig großer Verkaufsfläche in unmittelbarer Nähe der Innenstadt einer Kleinstadt wurde nicht eingegangen. Ebenso ließen sich Vergleiche mit dem von ihm angeführten DOW (Designer Outlet Wolfsburg) nicht anstellen. Obwohl Kruse gekommen war, um zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen, wurde sein Beitrag mit Zwischenrufen kommentiert. Einige Zuschauer verließen den Saal.

Der letzte Referent Haimo Bullmann (Vorsitzender des Vereins für Denkmalpflege) stellte nach einem kurzen Exkurs zur historischen Altstadt, die Prozesse dar, die bereits von den verschiedenen Verbänden und Vereinen unternommen wurden und die man zur Verhinderung des Projektes noch einschlagen müsse. Er betonte, dass die Bezirksregierung großen Wert auf Bürgerbeteiligung bei Projekten solchen Ausmaßes legt, und hier die Chancen der Bürger liegen, auch persönliche Bedenken der Bezirksregierung anzutragen. Des Weiteren verlöre die Altstadt mit einem solchen künstlichen Objekt in unmittelbarer Angrenzung seine wahre Identität.

Der Ruf nach einer Allianz der Andersdenkenden wurde auch im Rahmen der Diskussion und im Anschluss laut. Es ginge nicht nur um Blockade des DOC, sondern um Einbindung der Bürger in die Gestaltung des Stadtteiles Lennep. Ideen gibt es reichlich, ein Zusammensetzen mit der Politik zur Wiederbelebung des Hertie-Kaufhauses und Reaktivierung der bestehenden Infrastruktur um den Lenneper Bahnhof gehören genauso dazu, wie die aktive Gestaltung der Altstadt. Dazu kündigte Architekt Walter Brune seine volle Unterstützung an. Er sei bereit, mitzugestalten und gemeinsam mit der Stadt Remscheid seine Ideen umzusetzen. Aufgreifen konnten diese Ideen an diesem Abend lediglich die anwesenden Mitglieder der WIR, Die Linke und die Grünen.

Trackbacks

Waterbölles am : doc

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„Das ist keine Verkaufsveranstaltung für ein Designer Outlet Center“, eröffnete gestern Abend um 18 Uhr Stadtplanerin Sigrid Burkart im Forum Hackenberg vor rund 250 Interessierten Bürgerinnen und Bürgern (weniger, als erwartet worden ware

Kommentare

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Klaus Runge am :

Die drei bestimmenden Ratsfraktionen und die Stadtverwaltung zeigten durch ihre Abwesenheit, dass sie immer noch grundsätzliche Kritik an ihren DOC-Plänen für die Meinung einer vernachlässigenswerten Minderheit halten. Dahinter steckt möglicherweise die hoffentlich vergebliche Hoffnung, die Mehrheit der Remscheider sei nicht in der Lage, die unübersehbaren Unterschiede zwischen der DOC-Planung an der Blume und der in Lennep zu erkennen. Schon die Notwendigkeit einer „Verkehrssimulation“ über 5,2 km und zukünftig 15 Ampelanlagen sollte jede(n) Mitbürger(in) dazu bringen, wirklich wesentliche Unterschiede dieser beiden Planungen zu überdenken. Helfen kann dabei folgender Abschnitt aus dem Schlussbericht der Verkehrsuntersuchung zur DOC-Planung an der Blume vom Oktober 2011 auf S. 19: „Die Lage des für das Bauvorhaben vorgesehenen Grundstücks in unmittelbaren [!] Nähe der Anschlussstelle Remscheid Lennep zur BAB 1 kann als ausgesprochen günstig für die Art des Bauvorhabens eingestuft werden. Neben der sehr guten Erreichbarkeit des Grundstücks, die zu einer großen Attraktivität beitragen wird, sind nur kurze Strecken im vorhandenen städtischen Straßennetz zurückzulegen. Die durch das Vorhaben ausgelösten zusätzlichen Fahrleistungen im städtischen Straßennetz und die damit verbundenen Emissionen werden dadurch auf das geringst mögliche Maß begrenzt. Darüber hinaus ist die Anzahl der Anwohner, die durch das Verkehrsaufkommen des Bauvorhabens voraussichtlich tangiert werden, aufgrund der lückenhaften Bebauung entlang des kurzen Abschnitts der Lüttringhauser Straße gering.“ Schon allein das ist beim jetzt gewählten DOC-Standort völlig anders.

Eija Tirkkonen am :

Argumente sollten sowohl allgemeingültig sein als auch dem Gleichbehandlungsgrundsatz entsprechen. Gemäß Raumordnung sollen Vorhaben unzulässig sein, die unnötigen Verkehr verursachen, ohne der notwendigen Versorgung der Bevölkerung zu dienen. Diese Interpretation Herrn Bullmanns ist nur durch seine Scheuklappen Richtung Lennep zu verstehen. Sonst müssten ja Fußballstadien, Sportarenas und große Konzertsäle verboten werden. Ganz zu schweigen von Flügen in die Ferne, um einfach nur Urlaub zu machen. Genaugenommen würde das DOC den Konsumverkehr sogar mindern, da die Autokolonnen nicht mehr in das entfernte Roermond fahren müssten. Das Verwaltungsgericht hatte im Fall Ochtrup entschieden, dass die im damaligen Gesetz zum großflächigen Einzelhandel noch befindende Untergrenze für eine zulässige Stadtgröße nicht rechtens sei. Es widerspreche dem Gleichbehandlungsprinzip, wenn kleine Städte vom Einzelhandelswettbewerb ausgeschlossen würden. Erst durch diesen Grundsatzbeschluss bekam Ochtrup ihr FOC und das Gesetz musste neu gefasst werden. Diese zeitliche „Gesetzeslücke“, da kein Gesetz vorhanden, wollte Remscheid damals ausnutzen, um das DOC auf der Blume zu realisieren. Die Landesregierung von der SPD und den Grünen verfasste jedoch einen Eil-Teilbeschluss zur Regelung des großflächigen Einzelhandels , um das DOC auf der Blume zu verhindern. Ausdrücklich wurde ausgesagt, dass man nichts gegen die Ansiedlung des DOC hätte, wenn es an einem integrierten Standort realisiert würde. Das war dann der jetzige Standort in Lennep.

Eija Tirkkonen am :

Die unendliche Geschichte des Architekten und Investors Walter Brune und des innerstädtischen Centerplaners ECE: Walter Brune und ECE waren seit den 70er Jahren ein überaus erfolgreiches Team. Mittlerweile steht fast in jeder Stadt ein mehr oder weniger austauschbares Einkaufszentrum der ECE. Konzentriert stehen diese Zentren im Ruhrgebiet. Eines ist bekanntlich das Allee-Center in Remscheid. Im Jahr 2006 brach Walter Brune mit ECE, indem er das Buch „Angriff auf die City“ mit dem Stadtplaner Junker veröffentlichte. (Büro Junker & Kruse war übrigens das maßgebliche Beraterbüro der Landesregierung in Düsseldorf zum neuen Gesetz zur Regelung des großflächigen Einzelhandels, wodurch das DOC auf der Blume verhindert werden konnte). "Brune verkaufte gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Buches 2006 seinen eigenen Besitz an Einkaufszentren, darunter das Kö-Galerie in Düsseldorf und das größte Einkaufszentrum in Mülheim mit 100.000 qm Verkaufsfläche für 720 Mio. Euro an ECE und Merill Lynch" (gemäß Immobilien- Zeitung). „Es ging mir nicht ums Geld“, war die Aussage des Geschäftsmannes Brune. Warum hatte er dann nicht konsequenterweise diese Ungetüme einfach stillgelegt und Rückbau gefordert? Oder zumindest sich als Berater der Stadt Mülheim zur Verfügung gestellt? In seinem Buch verurteilte er unisono sowohl die Einkaufszentren als auch die Stadtgalerien als Raubbau an der Struktur gewachsener Innenstädte. Mittlerweile ist er nach eigener Aussage mit der ECE im Reinen und wird wieder zu allen Eröffnungen der ECE eingeladen. In der Lenneper Infoveranstaltung lobte er nun entgegen seiner bisherigen Überzeugung Stadtgalerien (war Allee-Center gemeint?), während Einkaufszentren, wozu er das DOC zählt, weiterhin scharf zu verurteilen seien. Er wolle nun unentgeltlich beraten, wie man Lennep ohne das DOC beleben könne. Das wäre das erste Mal. Ist es nicht naheliegender, dass der Erzkonkurrent der ECE, McArthurGlen, verhindert werden soll, erstmalig in NRW Fuß zu fassen?

Marita Friedrich am :

Ich finde es doch schon fast peinlich, dass nur noch eine „Niedermache“ von Herrn Brune stattfindet. Sachlichkeit wäre da eher angebracht. Ebenso finde ich es äußerst unfair, über jemanden so negativ zu schreiben, wo man davon ausgehen kann, dass der Betroffene den Bericht nicht lesen wird. Und Stellung kann er auch nicht beziehen. Es wäre doch fairer, sich direkt mit Herrn Brune auseinanderzusetzten. Den Mut sollte man schon haben.

Klaus Runge am :

Sehr geehrte Frau Tirkkonen, sie verwechseln Verunglimpfung einer Person mit sachlichen Argumenten für oder gegen das DOC in Lennep. Dazu nur knapp: „Die Stadtgalerie, ein Beitrag zur Wiederbelebung der Innenstädte“ von Walter Brune erschien vor siebzehn Jahren. In dem von Brune mit herausgegebenen Buch „Angriff auf die City“, Droste Düsseldorf 2006) kann jeder an Sachargumenten interessierte Leser ab S. 55 lesen, was unter einer Stadtgalerie im Sinne von Herrn Brune zu verstehen ist. Sie wird mit guten Argumenten als stadtverträgliches Modell von Einkaufscentern vorgestellt. In dem Kapitel geht es um „Integriert oder nicht integriert? Ein bedeutsamer Unterschied“. Aus dem Kapitel als einfachster Sachverhalt nur das: „Bei Großstädten mit 500.000 - 1 Mio. Einwohnern sind 12.000- 20.000 qm Verkaufsfläche das Äußerste, womit Kannibalisierungseffekte“ [Schädigung = „Plattmachen“ des umliegenden Einzelhandels] „vermieden werden können. Städte mit ca. 100.000 Einwohnern können noch eine vernünftige Sortimentsbelebung“ [der umgebenden Einkaufszone, in die das Center integriert sein sollte] „mit 5.000 – 7.000 qm echter Verkaufsfläche erreichen.“ Noch viele weitere Kennzeichen einer Integration von Einkaufscentern in ihre Umgebung sind in dem Kapitel zu finden. Gegen jedes dieser Kriterien würde das DOC in Lennep („mindestens 20.000 qm“ Verkaufsfläche) in extremer Weise verstoßen. Es ist zu erwarten, dass Sie jetzt wie Herr Kruse darauf beharren, ein DOC sei wegen des andersartigen Warensortimentes von normalen Einkaufscentern zu unterscheiden. Dieses Argument trifft aber nicht den Kern des Problems: Der Kunde kann sein Geld nicht mehr außerhalb des DOC ausgeben, wenn er es schon dort gelassen hat. Auch eine Kreditkarte ist nicht unerschöpflich.

Brigitte Kieslich am :

Zu diesem Kommentar eine Anmerkung: ich habe Herrn Bullmann so verstanden, dass es gesetzliche Regelungen zur Raumordnung gibt, die von den Zielen der Raumordnung zu unterscheiden sind. Letztere sind zwar erwünscht, den gesetzlichen Regelungen aber untergeordnet. Daraus ergibt sich, dass das DOC, wenn es den gesetzlichen Regelungen entspricht, trotz der zu erwartenden Verkehrprobleme gebaut werden kann, da die Vermeidung unnötigen Verkehrs lediglich als Ziel formuliert, nicht aber gesetzlich geregelt ist. Es würde sich hierbei sozusagen um "Kollateralschäden" handeln, die zum Wohl des "größeren Ganzen" in Kauf genommen werden müssten. Ein "Scheuklappenverständnis" aus Lenneper Sicht kann ich hierin nicht erkennen.

Eija Tirkkonen am :

Ich kenne kein Bauvorhaben, das schon wegen seiner Nutzungsart mit erhöhtem Verkehrsaufkommen im ganzen Bundesland für nicht genehmigungsfähig erklärt worden wäre. Es gibt gesetzliche Obergrenzen für die Feinstaub- und Lärmbelastung. Wenn diese Obergrenzen durch den Verkehr überschritten werden, muss die Stadt Maßnahmen zur Verbesserung vornehmen. Das ist bekanntlich der Fall in der Freiheitstraße. Die Stadt sollte also ein Eigeninteresse daran haben, dass das Verkehrsgutachten realistisch ist.

Brigitte Kieslich am :

Sehr geehrte Frau Tirkkonen, wie in meinem oben stehenden Kommentar ersichtlich, gehe auch ich davon aus, dass erhöhte Verkehrsbelastung allein nur als "Kollateralschaden" betrachtet wird. Was nun die gesetzlichen Grenzen zur Feinstaubbelastung betrifft: Gesetzliche Grenzwerte gibt es bisher für die Feinstaubfraktionen PM 10 und PM 2,5 - Feinstaub ist jedoch auch weit unterhalb der in der Europäischen Union geltenden Grenzwerte gesundheitsschädlich. Im Dezember 2013 wurde dies in der angesehenen ärztlichen Fachzeitschrift "The Lancet" als alarmierendes Ergebnis einer Überblicksstudie veröffentlicht, in der Daten aus 22 Einzelstudien aus 13 europäischen Ländern zusammengefasst werden. Im Ärzteblatt vom 9.12.2013 wird ausgeführt: "Der Studie zufolge nahm die Sterbewahrscheinlichkeit bei einer Erhohung der Feinstaubbelastung um 5 Mikrogramm pro Kubikmeter um sieben Prozent zu. Zu den Gesundheitsgefahren, die durch Feinstaub mitverursacht sein können, zählen Krebs, Asthma, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Offensichtlich hat die Stadt Remscheid aus den Ergebnissen an der Freiheitstraße nichts gelernt. Oder soll die Zufahrt zum DOC demnächst durch eine Umweltzone mit auf Tempo 30 abgesenkter Geschwindigkeit an der Ringstraße erfolgen?

Marita Friedrich am :

Ich fand den Abend in der Klosterkirche sehr gelungen. Und dass Herr Brune so kritisiert wird im Nachhinein, kann ich nicht nachvollziehen. Der Mann hat bewiesen, dass man aus seinen begangenen Fehlern auch lernen kann. Er hat in meinen Augen Größe gezeigt. Es gibt nicht viele Menschen, die ihre Fehler zugeben, schon gar nicht, wenn sie in der Öffentlichkeit stehen. Herr Brune hat es getan. Waren einige so entsetzt über die Aussagen von Herrn Brune, weil sie einen Spiegel vorgehalten bekamen? Auch fand ich es gut, das Herr Kruse da war, der einem DOC (FOC) positiver gegenüber steht. Doch auch er musste zugeben, dass nur sehr wenige der DOC-Besucher die angrenzende Stadt besuchen. Sie kommen meist nur zum gezielten Kaufen angereist. So schmilzt auch die „Jahrhundertchance“ dahin wie Schnee an der Sonne. Ein DOC wird unsere kleine Altstadt wohl nicht „beleben“. Ebenso wurde klar, dass es nirgends in Deutschland ein DOC, FOC oder Ähnliches gibt, welches eine genauso große Grundfläche wie die daneben liegende Altstadt hat. Deshalb konnten auch keine Angaben über die Auswirkungen gemacht werden. Mich erschreckte, noch einmal zu hören, dass ein DOC nicht in erster Linie für die Bewohner der Stadt gebaut wird, sondern vielmehr um Kundenströme von auswärts anzuziehen. Welcher Umgang wird da mit den Einwohnern gepflegt? Gut fand ich die Aussage der Bürgerinitiative, dass in Lennep dringend etwas getan werden muss. Und sie will dabei mithelfen. Selbst Herr Brune hat sich angeboten, uns Lennepern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Bürgerinitiative ist nicht nur einfach gegen etwas, sie will mitgestalten. Es wäre wünschenswert, wenn sich viele Lenneper daran beteiligten, dass unsere Stadt wieder attraktiver wird und lebenswert bleibt. Gut ist wenn wir Bürger die Gestaltung unserer Stadt nicht länger nur denen überlassen, denen es in den letzten Jahren nicht am Herzen lag, etwas gegen Lenneps Niedergang zu tun. Schade fand ich auch, dass am Mittwochabend keines der Mitglieder der großen Ratsfraktionen in der Klosterkirche war und sich an der Diskussion beteiligt hat. Muss ich das als Desinteresse werten?

Eija Tirkkonen am :

Polemik führt immer zu emotionalen Reaktionen und ist deshalb gerade bei diesem Projekt nicht förderlich. Genauso wenig wie Negieren von allgemeingültigen Planungsgrundlagen wie Gesetzen. Wenn man den Weg des Abwägens verlässt und pauschal alle Gutachten für nichtig erklärt, befindet man sich auf dem Holzweg. Auf welcher Grundlage soll man dann je ein Bauvorhaben beurteilen können? Jedes Bauvorhaben, das der Stadt Gewerbesteuer und Arbeitsplätze schert, bringt auch Lärm, Feinstaub und mehr Verkehr mit sich. Die absolute Schwarzmalerei der Bürgerinitiative ist zwar verständlich, weil ihr klares Ziel die Blockade ist, aber für den überwiegenden Teil der Bevölkerung, die für das DOC gestimmt hatten, ist sie im Sinne der Zukunftsfähigkeit der Stadt nicht glaubwürdig.

Brigitte Kieslich am :

Richtig: Polemik ist nicht förderlich; Starrsinn und Beharren, aber eingefahrene Positionen wider besseres Wissen auch nicht. Bei der Ratssitzung am 12.12. hatten verschiedene Politiker erklärt, dass das DOC-Projekt gestorben sei, wenn an den wichtigen Knotenpunkten nicht wenigstens ein "befriedigend" erreicht werden könne. Und jetzt? Was stört mich mein Geschwätz von gestern???! Wenn die Bürgerinitiative die Gutachten kritisch hinterfragt, ist das ihr gutes Recht - zudem ist das eine Aufgabe, die eigentlich unsere gewählten Volksverteter ernsthaft angehen sollten. Einige Zahlen im Gutachten können duchaus den Verdacht erwecken, dass hier ein Gutachten "schöngerechnet" wird - insbesondere wenn man nachrechnet, dass bei der kleinsten Änderung der zugrundegelegten Voraussetzungen in den Kreuzungsbereichen das "ausreichend" wackeln und eher zum "mangelhaft" neigen würde. Zudem hat auch nicht der überwiegende Teil der Bevölkerung allgemein für ein DOC gestimmt, sondern eindeutig für ein DOC am Standort Blume. Aus dieser Abstimmung eine Zustimmung zu einem DOC an einem beliebigen Standort in Remscheid abzuleiten, ist meines Erachtens eine klare Missachtung des Bürgerwillens.

Heike Koch-Eschweiler am :

Frau Tirkkonen, Sie verwechseln "absolute Schwarzmalerei" mit kritischem Hinterfragen, was wiederum für die "Zukunftsfähigkeit" unserer Stadt eine Grundvoraussetzung ist. Die Bürgerinitiative erklärt nicht "pauschal alle Gutachten für nichtig", sondern zeigt explizit Schwachstellen im Verkehrsgutachten auf. Und wo sehen Sie für die Stadt die Gewerbesteuereinnahmen? Diese gehen -laut unserer Stadtführung - überwiegend an die Standorte der Herstellerfirmen! Das Thema ist doch längst als Rechtfertigung für die Ansiedlung vom Tisch! Ähnlich mau sieht es bei den hochgelobten DOC-Arbeitsplätzen aus: niedrigqualifizierte Stellen im unteren Lohnniveau, die wahrscheinlich an anderer Stelle wegfallen werden. In der Summe wird auch nicht mehr konsumiert, denn jeder Euro kann bekanntlich nur einmal ausgegeben werden. Das Geld, das im DOC verkonsumiert wird, fällt an anderer Stelle weg, sowohl in unserer Stadt als auch in anderen Städten. Dafür werden dann aber völlig unnötigerweise (!) in Zeiten massiven Klimawandels treibhausschädigende und für alle hier lebenden Menschen gesundheitsschädigende Feinstäube in die Luft geblasen.

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