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Armut in Remscheid (10): Behindert schon in der Jugend, arm im Alter

Fast jeder achte Remscheider ist schwerbehindert. Am 31.3.2003 lebten in der Stadt insgesamt 14.602 schwerbehinderte Menschen (=12,1 Prozent der Gesamtbevölkerung). 51,8 Prozent der Schwerbehinderten sind Frauen, wobei ihr Anteil in der Gruppe der 65-Jährigen und Älteren besonders hoch ist. Im Gegensatz dazu ist der Anteil schwerbehinderter Ausländer/innen sehr gering (2,9 Prozent der 65-Jährigen und älteren). Insgesamt sind in Remscheid 7,6 Prozent aller Schwerbehinderten Ausländer/innen. Die Behinderungen im Alter beziehen sich zumeist auf Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen, Wirbelsäule und inneren Organen.

Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen ergibt sich folgendes Bild:

Alter                       Anzahl                   %-Anteil aller Schwerbehinderten

unter 4                        23                           0,16

4 – 5                           28                           0,19

6 – 14                       137                         0,94

15 – 17                      52                           0,36

18 – 24                    103                         0,70

25 – 34                    265                         1,81

35 – 44                    708                         4,85

45 – 54                 1.257                     8,61

55 – 59                 1.172                     8,03

60 – 61                    736                         5,04

62 – 64                 1.321                     9,04

65 u. älter                 8.800                     60,27

Von „Einkommensarmut“ kann im Allgemeinen bei Behinderten nicht gesprochen werden. Der „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid führt das darauf zurück, dass bei den meisten behinderten Menschen die Behinderung erst einsetzt, nachdem sie aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Ein hohes Armutsrisiko trügen dagegen Personen, die vor dem Eintritt in das Berufsleben behindert werden. Gerade für sie erweise sich die Einkommensabsicherung als reichend, da das System der sozialen Sicherung auf das Erwerbsarbeit ausgerichtet ist. Da Behinderungen vielfach mit finanziellen Aufwendungen verbunden seien, die im Regelfall von den betroffenen Haushalten getragen werden müssen, sei bei frühzeitig behinderten Menschen eine überdurchschnittliche Armutsbetroffenheit festzustellen (geringe Rentenansprüche).

Zitat aus dem „Armutsbericht“: „Jeder Mensch, der körperlich, geistig oder seelisch behindert ist oder dem eine solche Behinderung droht, hat unabhängig von der Ursache der Behinderung das "soziale Recht" auf Hilfe, die notwendig ist, um

- die Behinderung abzuwenden, zu beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern sowie

- ihm einen seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Platz in der Gemeinschaft, insbesondere im Arbeitsleben, zu sichern. (Rehabilitation)." Das geht aus Artikel 3, Abs. 3, Satz 2 des Grundgesetzes hervor, wonach niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Darauf baut das Behindertengleichstellungsgesetz auf. Dessen Ziel ist es, "die Benachteiligung von behinderten Menschen zu beseitigen und zu verhindern sowie die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen." Dieses Leitmotiv unterstreicht das am 1. Januar 2004 in Kraft getretene "Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen" (Behindertengleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen). Das BGG soll diskriminierendes Verhalten, behindertenfeindliche Bedingungen sowie bauliche und kommunikative Barrieren vermeiden bzw. abbauen. Menschen mit Behinderungen sollen gleichberechtigt am Leben der Gesellschaft teilhaben; ihnen soll buchstäblich "nichts im Wege stehen".

Seit dem 1. Juli 2001 sind besondere sozialrechtliche Regelungen zu Gunsten behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen im Neunten Buch des Sozialgesetzbuches ("Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen") beschrieben. Darin findet sich auch die Definition, dass Menschen dann "behindert (sind), wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist."

Behinderte haben Anspruch auf Hilfe unabhängig von ihrem Alter. Die  Frühförderung gilt kleinen Kinder hinsichtlich ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung. Auffälligkeiten oder Beeinträchtigungen sollen möglichst früh zu erkannt, Behinderungen verhütet, gemildert oder behoben werden. Dabei sind  pädagogischen, psychologischen, medizinischen und therapeutischen Hilfen gleichermaßen gefragt. Die Kosten dafür tragen je nach Leistungsbedarf Krankenkassen, Bundesagentur für Arbeit, Kommunen (als Träger der öffentlichen Jugendhilfe und der Sozialhilfe), Frühförder- und Beratungsstellen sowie Sozialpädiatrische Zentren. Der „Armutsbericht“ bedauert in diesem Zusammenhang,  dass die finanzielle und personelle Rahmenbedingungen oft dem zunehmenden Bedarf nicht gerecht würden. Die Folge für die Betroffenen seien längere Wartezeiten oder weitere Wege zu Behandlungsorten.

Im Rahmen der vorschulischen und schulischen Bildung und Erziehung behinderter junger Menschen betreut in Remscheid die Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Remscheid e.V. Kinder bis zum schulpflichtigen Alter. Daneben bestehen drei integrativen Kindertageseinrichtungen (KTE) mit insgesamt 55 Plätzen:

·         die städtische KTE Fürberg,

·         die KTE Hagedornweg des Lebenshilfe Remscheid e.V.,

·         die KTE Fuchsweg des Lebenshilfe Remscheid e.V.) Der Gesamtbedarf ist dadurch nicht gedeckt.

Vier Sonderschulen kümmern sich in Remscheid um  die spezielle Förderung von behinderten Kindern:

·         Hilda-Heinemann-Schule für Geistigbehinderte 108 Schüler/innen

·         Karl-Kind-Schule für Lernbehinderte 223 Schüler/innen

·         Pestalozzischule für Lernbehinderte 227 Schüler/innen

·         Heinrich-Neumann-Schule für Erziehungshilfe 114 Schüler/innen.

In drei Grundschulen (GGS Eisernstein, GGS Hackenberg, GGS Mannesmann) integrativen "Gemeinsamen Unterricht" an, werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet. Im Sekundarbereich I unterhält die GHS Hölterfeld derzeit zwei Fördergruppen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

318 Schwerbehinderte waren in Remscheid am 31.12.2003 arbeitslos gemeldet, davon waren 224 (70,5 %) älter als 45 Jahre. Die Lebenshilfe Remscheid e.V. bietet in ihren Werkstätten insgesamt 326 Arbeitsplätze für behinderte Menschen an.

Bei der Stadt Remscheid kümmern sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Jugend,Soziales und Wohnen um die Belange von Behinderten (Behindertenbeirat, Behindertenfahrdienst, Behindertentelefon, Blindenhilfe, Eingliederungshilfe, Erholungshilfe für Kriegsopfer, Kündigungsschutz für Schwerbehinderte, Rundfunkgebührenbefreiung, Schreibtelefon für Gehörlose, Ausgleichsabgabe Schwerbehinderte, Schwerbehinderte im Arbeitsleben, Schwerbehindertenausweise, Soziale Leistungen, Verlängerung von Schwerbehindertenausweisen).

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