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Armut in Remscheid (11): Sprachstörungen

Manchmal wissen Kinder nicht mehr, „wo ihnen der Kopf steht“: Eltern, die sich streiten (zum Beispiel wegen zuviel Alkohol, Arbeitslosigkeit, Armut); immer wieder neue Reize, die auf sie einfluten; der Leistungsdruck in der Schule, dem viele kaum noch standhalten etc. Auf all das reagieren Kinder nicht selten mit psychischen Störungen, mit „psychosozial bedingten Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten“, wie es im „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid heißt. Dabei ist klar: Geht es Kindern und Jugendlichen gut, sind sie gesund, fühlen sie sich in ihrer Umwelt wohl, dann kommt das der Gesellschaft in späteren Jahren zugute. Wenn nicht, sind die künftigen Probleme vielfältig.

Kennen Sie das aus ihre eigenen Familie oder aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: Ein kleines Mädchen, das stammelt, stottert oder lispelt; ein kleiner Junge, der in seinem sprachlichen Ausdrucksvermögen ein zwei Jahre zurück liegt? Zitat aus dem „Armutsbericht“: “Noch nie zuvor waren so viele Kinder in Deutschland so sprachlos wie jetzt – mit vielen nur schwer korrigierbaren, sehr teuren Langzeitfolgen: Denn Sprechen und Denken bedingen sich wechselseitig.“ Der Bericht über die Schuleingangsuntersuchungen für das Stadtgebiet Remscheid aus dem Jahr 2003 weist für das Stadtgebiet Remscheid nennt Fakten: Von 1.284 untersuchten Kindern zeigten 241 (= 18,8 Prozent) Sprachentwicklungsverzögerungen oder Sprachentwicklungsstörungen) auf (14,5 Prozent aller Mädchen und 23,2 Prozent aller Jungen bzw. 13 Prozent aller deutschen und elf Prozent aller ausländischen Kinder). Zum Zeitpunkt der Untersuchung befanden sich bereits 104 der 241 Kinder mit Sprachstörungen in Behandlung.

Für Sprachstörungen haben die Fachleute mehrere Ursachen parat, die sich auch gegenseitig bedingen können. Der „Armutsbericht“ der Stadt Remscheid benennt sie:

- organische Ursachen (z.B. Hörstörungen, Fehlbildungen im Nasenrachenraum),

- psychische Ursachen (z.B. Konflikte in der Familie, Überbehütung),

- erbliche Ursachen (z.B. sprachgestörte Eltern und/oder Familienmitglieder).

- zu wenig Anregung, kein Üben von Sprache und Grammatik im Elternhaus und Umfeld

- zweisprachige Erziehung (wenn beide Sprachen nicht richtig vermittelt werden).

Ist die verbale Kommunikationsfähigkeit eines Kindes gestört, schränkt das seine soziale Integration erheblich ein. Mit weit reichende Auswirkungen. Früherkennung und Behandlung sind deshalb besonders wichtig. Für Kinder mit einer Lese-/Rechtschreibschwäche zum Beispiel bleibt sonst die Schriftsprache ein Leben lang ein Buch mit sieben Siegeln.

Die Fachleute kennen neben Sprachstörungen aber auch Koordinationsstörungen (ein Fünfjähriger versucht, auf einem Bein zu hüpfen, schafft mit Mühe aber nur einen Hüpfer. Ein Mädchen kann weder auf einem Bein stehen noch rückwärts laufen, ein anderes kann keinen Ball fangen). Das sind Beeinträchtigungen der Grob- und Feinmotorik. Bei derartigen Störungen (in Düsseldorf wurden sie bei jedem fünften Kind festgestellt) vermuten die Experten meist mangelnde Bewegungsanreize in der Familie. „Der Junge ist ja vom Computer nicht wegzukriegen!“, beklagt eine Mutter; eine andere lobt ihre vierjähriger Tochter dafür, dass sie „ganz toll auf dem Gameboy spielen" könne. (Hallo, bitte noch einmal nachdenken!!)

Die Schuleingangsuntersuchung in Remscheid im Jahre 2003 ergab Koordinationsstörungen bei rund zwölf Prozent der untersuchten Kinder (6,5 Prozent grenzwertig und 5,5 Prozent auffällig). Von diesen Kindern mit Koordinationsstörungen befanden sich bereits mehr als ein Drittel in Behandlung. Gravierenden Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder zwischen deutschen und ausländischen Kindern wurden in Bezug auf Koordinationsstörungen nicht festgestellt. für 171 der untersuchten Kinder empfahlen die Ärzte als therapeutische Maßnahme Sport, um leichtere Koordinationsstörungen zu beheben. Allerdings wurde diese Empfehlung nur

ausgesprochen, wenn die betreffende Grundschule auch ein entsprechendes Angebot

vorhielt. Darum dürfte der Bedarf durchaus größer sein.

Das Untersuchungsergebnis von 2003 im Bereich der Visuomotorik von Kindern - Beispiel für Visuomotorik: Ein Kind kann nicht frei zeichnen, hat Probleme mit der Handschrift, kann schlecht Formen erkennen, kann keine Schablonen nachzeichnen – war weniger besorgniserregend: Bei 4,3 % der untersuchten Kinder zeigten sich auffällige und bei 3,9 Prozent grenzwertige Störungen;  91,8 Prozent blieben „unauffällig“.

Kinder nehmen mehr wahr, als Erwachsene gemeinhin annehmen: Belastungen oder Krisen der Familie, die Einstellungen, Wertevorstellungen und Verhaltensnormen der Eltern beeinflussen sowohl ihre geistige Entwicklung und ihre eigenen Verhaltensweisen. Kollidiert eine gesteigerte Erwartungshaltung des Umfeldes mit Versagens- und Frustrationserlebnisse, kann auch das zu Entwicklungsstörungen führen. Die betroffenen Jungen und Mädchen haben im Vergleich zu „normal“ entwickelten Gleichaltrigen  schlechtere Schulleistungen. Die spätere Folge ist eine dreimal so häufige fehlende Ausbildung, eine ebenso häufige längere Arbeitslosigkeit und eine viermal so häufig Straffälligkeit im Jugendalter. Auffällig sind später auch Störungen im Sozialverhaltens.

Um in der Schule nicht zurück zu bleiben, brauchen Kinder eine ausreichende motorische Koordination, eine ausreichende Wahrnehmungsfähigkeit und eine ausreichende Sprach- und Sprechfähigkeit. Hat ein Kind Probleme in der Schule (Schulunlust, Schulverweigerung, Schulangst/-phobie, auffälliges Verhalten im Unterricht, Probleme mit den Hausaufgaben, Lern- und Leistungsstörungen), bietet die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid Rat und Hilfe. Die eine große Verantwortung, die die Eltern tragen, kann die Beratungsstelle ihnen jedoch nicht abnehmen. Ob und wie sich die Eltern um die Entwicklung ihrer Kindern kümmern, entscheidet in erster Linie über deren Zukunft.

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