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Der Russland-Ukraine-Konflikt dämpft die Konjunkturerwartungen

IHK-Präsident Thomas Meyer

Pressemitteilung der IHK

Das konjunkturelle Klima verdient zwar noch die Note befriedigend bis gut, ist aber merklich rauer geworden“, sagte IHK-Präsident Thomas Meyer heute auf der Konjunkturpressekonferenz der bergischen IHK in Wuppertal. „Eine abgeschwächte Nachfrage zur Jahresmitte sowie die politische Krise in Osteuropa haben die konjunkturelle Dynamik spürbar gebremst. Viele Unternehmen berichten, dass sie ihre künftige Entwicklung nicht mehr hinreichend genau vorausplanen können. Sie begründen dies auch mit der Sanktionsspirale, die wegen des Russland- Ukraine- Konflikts droht.“

Der Geschäftslageindex, das ist die Differenz der Antworten „gut“ und „schlecht“, ist im Jahresverlauf von 47 auf jetzt 19 Punkte abgestürzt. Er befindet sich damit auf dem niedrigsten Niveau seit vier Jahren. Trotz dieser schlechteren Entwicklung wird die Konjunktur – absolut betrachtet - überwiegend noch positiv bewertet. Gleiches gilt für die drei bergischen Großstädte. Diese Feststellungen ergeben sich aus der aktuellen IHK- Umfrage mit Antworten von 322 Unternehmen, die ca. 20.000 Mitarbeiter beschäftigen. Veränderungen gibt es im Städteranking: Derzeit liegt Wuppertal mit einem Indexwert von plus 28 deutlich vor Solingen (plus 14) und Remscheid (plus 7). Wie die drei Städte weisen auch die diversen Wirtschaftszweige eine durchaus noch komfortable Wirtschaftslage auf. Im Branchenvergleich sind jetzt die unternehmensnahen Dienstleister mit einem Indexwert von plus 25 vorn. Mit jeweils plus 17 folgen die Industrie und das Kreditgewerbe. Das Verkehrsgewerbe hat kräftig gegenüber den anderen Branchen aufgeholt (plus 13). Nur der Handel liegt mit einem Indexwert von minus eins unter der Nulllinie.

Die Umsätze der bergischen Unternehmen sind zumeist gestiegen, während die Erträge im Durchschnitt auf dem bisherigen Niveau gehalten werden konnten. Dies gilt allerdings nicht für alle drei Städte. So sind die Erträge in Solingen deutlich zurückgegangen. Die Betriebe schätzen ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung trotz einer gewissen Verunsicherung durch die weltweiten Krisenherde vorsichtig optimistisch ein. Wachstumspläne zielen in erster Linie auf die Umsätze und Investitionen. Positive Investitionsanreize liefern das niedrige Zinsniveau, die in den Unternehmen gebildeten Rücklagen sowie die seit Mitte des Jahres mögliche staatliche Zuschussförderung für bestimmte regionalwirtschaftliche Vorhaben. Folglich erscheint der Themenkomplex Investition und Finanzierung weniger problematisch. Mehr als zwei Drittel der investierenden Unternehmen planen Rationalisierungsmaßnahmen. Die Beschäftigung wird mit Ausnahme der Ausbildungsplätze tendenziell abnehmen. Die bergischen Unternehmen setzen jetzt die Arbeitskosten als größtes Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung auf Platz eins. Die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bleibt zwar für jedes zweite Unternehmen bedrohlich, hat aber gegenüber früheren Umfragen etwas an Bedeutung verloren. Insgesamt ist eine Rezession im IHK-Bezirk (noch) nicht in Sicht. Wenn die Geschäftslage, wie von der Regionalwirtschaft erwartet, tatsächlich in etwa gleichbleiben sollte, gibt es objektiv wenig Anlass zur Sorge.

Das Konjunkturklima hat sich bei den Banken und Sparkassen im Bergischen Städtedreieck leicht abgekühlt. Zwar bezeichnet die weitaus überwiegende Mehrheit ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend, im Frühjahr berichtete aber noch mehr als die Hälfte von einer guten Lage. Die Kreditinstitute schätzen sowohl das Firmen- als auch das Privatkundengeschäft nicht mehr ganz so positiv ein wie bei der vorherigen Konjunkturumfrage. Das sehr niedrige Zinsniveau drückt auf die Margen und verringert die Nachfrage nach mittel- bis langfristigen Kapitalanlagen. Die Kreditvergabe an Firmenkunden ist in diesem Jahr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit tendenziell gestiegen. Dies gilt einerseits für die kurz- bis mittelfristigen Geschäftskredite, andererseits auch für die längerfristigen Darlehen zur Finanzierung von Investitionen. Die Banken stellen allerdings zunehmend fest, dass Unternehmen ihre Investitionen aus Eigenkapital finanzieren und nicht auf Darlehen angewiesen sind. Das niedrige Zinsniveau regt die Nachfrage nach Konsumentenkrediten an, aber auch Darlehen zur Baufinanzierung und zur energetischen Sanierung bleiben gefragt. Die Banken und Sparkassen erwarten für die kommenden 12 Monate nahezu einmütig eine unveränderte Geschäftslage. Kein Kreditinstitut, das sich an der Umfrage beteiligt hat, erwartet steigende Zinsen. Auch bei der Investitionsneigung der Banken und Sparkassen ist keine Veränderung festzustellen. Die Branche rechnet aber damit, dass vor allem die Kreditvergabe an Privatkunden zulegen wird. Im Kreditgewerbe wird sich der moderate Beschäftigungsabbau im kommenden Jahr fortsetzen. Dies wird jedoch erfreulicherweise nicht zu Lasten der Ausbildungsplätze gehen.

Der industrielle Lageindex ist seit dem Jahresbeginn von 50 auf derzeit 17 erheblich gesunken. Während die Wuppertaler und Solinger Industrie ihre Lage besser mit plus 31 und plus 20 bewerten, erreicht Remscheid nur einen Wert von plus drei. Gleichwohl geht es der regionalen Industrie insgesamt noch überwiegend gut. Nur jeder zehnte Betrieb ist mit seiner aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Die Ertragslage der regionalen Industrie ist insgesamt stabil. Sowohl die inländischen als auch die Auslandsumsätze konnten überwiegend noch gesteigert werden. Die offizielle Industriestatistik bestätigt diese Unternehmensangaben für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigte. Danach sind die Industrieumsätze in den ersten sieben Monaten des Jahres um fünf Prozent, die Exporte sogar um acht Prozent gestiegen. Im Land hingegen stagnieren die Umsätze. Besonders gut läuft es 2014 in Wuppertal mit zweistelligen Wachstumsraten für die Gesamt- und die Exportumsätze; Remscheid stagniert analog zur Landesentwicklung. Die Umsätze stiegen in Solingen um drei Prozent und damit stärker als in Remscheid, aber auch deutlich geringer als in Wuppertal. Erfreulich entwickelten sich die Chemieindustrie (plus 17 Prozent), der Maschinenbau (plus 12 Prozent) und die Kunststoffindustrie (plus zehn Prozent). Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer gleich3 bleibenden Geschäftslage, 27 Prozent mit einer Verbesserung und 20 Prozent mit einer Verschlechterung. Die Umsatz- und Ertragserwartungen bleiben überwiegend positiv. Die voraussichtlich weiter steigenden Investitionen, bei denen die Wuppertaler Unternehmen seit einem Jahr besonders aktiv sind, zielen primär auf Ersatzbedarf und Rationalisierung. Nur bei jedem vierten Betrieb geht es aktuell um Kapazitätserweiterung, nachdem im Frühjahr noch jedes zweite Unternehmen dies als Hauptmotiv für seine Investitionen angegeben hatte. Auch die Personalpläne sind weniger auf Expansion ausgerichtet. Viele Unternehmen befürchten, dass die Konflikte und Krisen in Osteuropa und im Nahen Osten das industrielle Geschäftsklima zunehmend negativ beeinflussen können. Es ist ihnen unklar, ob und wie sich die Sanktionsspirale weiterdrehen wird. Das erzeugt eine gewisse Unsicherheit und ein abwartendes Verhalten.

Die Geschäftslage hat sich im Einzelhandel stark verschlechtert. Schätzten im Frühjahr 2014 nur sehr wenige ihre Geschäftslage als schlecht ein, sind es jetzt mehr als die Hälfte. Auffallend ist, dass dies nur für Wuppertal und Solingen gilt, nicht jedoch für Remscheid. In Remscheid hat der Index lediglich leicht nachgegeben. Entsprechend pessimistisch sind die Händler im Hinblick auf die kommenden sechs Monate, mit Ausnahme der Remscheider Einzelhändler. Im Großhandel hat der Geschäftsklimaindex nach dem starken Anstieg im Frühjahr etwas nachgegeben. Gut drei Viertel der Großhändler, die geantwortet haben, beurteilen jetzt ihre Lage als befriedigend. Der Blick auf die weiteren Aussichten ist allerdings eingetrübt: rund ein Drittel erwartet schlechtere Geschäfte und Umsätze. Die Reisebüros, das Gastgewerbe und die unternehmensnahen Dienstleister beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt deutlich zurückhaltender im Vergleich zu den sehr positiven Einschätzungen im Frühjahr. Ein Absacken des Indexwertes bedeutet dies jedoch keineswegs. Er liegt immer noch deutlich im positiven Bereich. Während die Umsätze dieses Wirtschaftszweigs 2014 gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind, geraten die Gewinne unter Druck. Zahlreiche Unternehmen benennen die steigenden Arbeitskosten als einen Risikofaktor für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Offensichtlich kehren bei einigen die optimistischen Erwartungen zurück. Jeder Sechste erwartet einen besseren Geschäftsverlauf. Die Unternehmen rechnen zwar tendenziell mit steigenden Umsätzen, gehen aber mehrheitlich davon aus, dass ihre Erträge stagnieren werden. Die Dienstleister möchten in den kommenden Monaten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Allerdings hat jeder dritte unternehmensnahe Dienstleister Probleme, offene Stellen zu besetzen. Insbesondere hochqualifizierte Mitarbeiter werden vergeblich gesucht. Die betroffenen Unternehmen wollen dem Fachkräftemangel mit Weiterbildungsmaßnahmen, aber auch mit besseren Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie begegnen.

Die allgemeine Geschäftslage im bergischen Verkehrsgewerbe hat sich im Vergleich zum Frühjahr verbessert. So bezeichnet ein Drittel der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. 47 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als befriedigend. Ein Fünftel der Befragten spricht von einer schlechten wirtschaftlichen Lage ihres Unternehmens. Die Umsatz- und Ertragsentwicklung zeigt eine Zweiteilung der wirtschaftlichen Situation im Verkehrsgewerbe auf. 40 Prozent der Verkehrsunternehmen - insbesondere Speditionen und Busunternehmen - berichten von gestiegenen Umsätzen und Erträgen. Allerdings verzeichnen auch knapp 40 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge, und 36 Prozent der Unternehmen mussten Ertragseinbußen hinnehmen. Vor allem die reinen Gütertransportunternehmen waren davon betroffen. Die gesamte Branche steht nach wie vor unter hohem Kostendruck. Das deutsche Gütertransportgewerbe verliert zunehmend Marktanteile an ausländische Konkurrenten. Der Druck durch osteuropäische Flotten auf das heimische Gewerbe ist immens. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Nachfragemarkt für Gütertransportleistungen zwar wächst, aber das deutsche Gewerbe schrumpft. Letztlich bleibt nur der Ausweg in das anspruchsvolle Nischengeschäft. Auch die heimischen Unternehmen im Personenbeförderungsverkehr können nur über Qualität und Service punkten, um wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wie die bevorstehende Einführung des Mindestlohnes zu kompensieren. Das Verkehrsgewerbe blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Ein Fünftel der Verkehrsunternehmen erwartet eine bessere Geschäftslage. Das ist ein leicht verbesserter Wert im Vergleich zur letzten Konjunkturumfrage. Fast ein Drittel der Befragten prognostiziert steigende Umsätze. Bei den zu erwartenden Erträgen gehen die Betriebe zu etwa gleichen Anteilen von steigenden, gleichbleibenden oder sinkenden Werten aus. Bei der längerfristigen Besetzung offener Stellen sehen 62 Prozent der Verkehrsunternehmen keine Probleme auf sich zukommen. Auf einen möglichen Fachkräftemangel wollen 64 Prozent der Unternehmen in der Verkehrsbranche mit der Bereitstellung von zusätzlichen Ausbildungsstellen reagieren.

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