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Wenn Tapeten, Schulhefte und Möbel rosarot zu leuchten beginnen...

In den vergangenen Jahren dürfte Susanne Petri, die in der Lenneper Kammgarn im Haus Augustenstraße 26 wohnt, ihre rund 30 Nachbarn in den Häusern Nr. 30 bis 38 beneidet haben. Denn während sie auf der anderen Straßenseite auf die silberfarbene Fassade einer Halle der Steinhaus & Co. Konserven GmbH blickte, konnten die Nachbarn den Blick schweifen lassen über das Gelände, auf dem bis vor zehn Jahren die Kammgarnspinnerei Wülfing stand. Eine Brache, gewiss. Aber allemal besser – weil die Wohnungen nicht verdunkelnd – als die zweite Halle, die die Firma dort im August errichten ließ. Nicht in silbergrau ist das neue, 6.000 Quadratmeter große Zentrallager gestrichen worden, sondern in der „Firmenfarbe“ Rot. Seitdem dürfte Susanne Petri eher Mitleid haben mit der Familie Voß und ihren beiden elfjährigen Zwillingen Alessio und Marie, mit Ksenia Koziel, Roswitha und Bernd Stürznagel und den anderen Bewohnern der Mehrfamilienhäuser, die dem roten Kubus gegenüber stehen.

Denn wenn am Nachmittag die Sonne die rote Fassade des neuen Zentrallagers bescheint, verändern sich in den Wohnungen der Häuser Nr. 30 bis 38 Tapeten und Möbel wie von Geisterhand. Denn die Fassade reflektiert das Licht. „Wir sehen in unseren Wohnungen dann nur noch rosarot“, beklagen sich die Bewohner und fordern eine neutralere, nicht reflektierende Farbe, am liebsten das Silbergrau der älteren Halle daneben. Ob sich die Forderung notfalls einklagen lässt, ist zweifelhaft. Nach Auskunft der Stadtverwaltung war die Farbgestaltung der Fassade „kein Bestandteil der Baugenehmigung“.

Auf ihrer Internetseite geht die Firma Steinhaus auf die Kritik der Anwohner an der rote Fassade ihrer neuen Halle ein und signalisiert Gesprächsbereitschaft: „Wir möchten hiermit deutlich machen, dass uns sehr an einer Lösung zum Wohle aller Beteiligten gelegen ist.“  Sie ist zu Gesprächen mit dem/der Sprecher/-in der Interessensgemeinschaft „Augustenstraße“ bereit. Erst am 29. September habe sie der Haus- und Grundbesitzerverein schriftlich zu einer Stellungnahme auffordert. Bis dahin hätte das Unternehmen „keinerlei gewertete Resonanz aus unserer Nachbarschaft“ erhalten.

Zum Bau der Halle ist auf der Internetseite zu lesen: „Im Jahre 2002 hat unsere Firma das Areal der ehemaligen Kammgarnspinnerei erworben und in den Jahren 2002 bis 2004 den größten Teil der maroden Gebäudeteile abgerissen. Auf der neu entstandenen Gewerbefläche entstanden in den Jahren 2005 und 2008 die ersten Lager-Neubauten. Mitte 2012 begann für uns die Planung für die Bebauung der Restflächen an der Hildegardstraße 8, verbunden mit dem Umzug des Zentrallagers und der Verwaltung innerhalb des Gewerbegebietes Jägerwald in Remscheid-Lennep. (...) Nach der Festlegung der neuen Bebauungsfläche wurden uns vom beauftragten Architekten Vorschläge zur Gestaltung des Neubaus, insbesondere der Außenfassade, gemacht. Nach reiflichen Überlegungen und Ausmusterungen haben wir uns für die rote Fassadengestaltung entschieden. Von Seiten unseres Architekten gab es keinerlei Restriktionen was die optische Gestaltung der Fassade betraf. Somit waren wir frei in unserer Entscheidung. Seit der Gründung der Firma Steinhaus & Co. Konserven GmbH im Jahre 1928 prägt die Farbe Rot maßgeblich das Erscheinungsbild, was eine Gestaltung der Firmenzentrale in eben dieser Farbe naheliegend erscheinen lässt. Auf dieser Basis wurde auch der Bauantrag bei der Stadt Remscheid eingereicht und genehmigt. Der Neubau gliedert sich nun nahtlos in die bereits bestehenden Gebäude ein, so dass eine einheitliche moderne Gewerbeeinheit entstanden ist.“ (Ob das Alessio und Marie Voß beeindruckt, wenn sie nachmittags in ihrem rosarot erleuchteten Kinderzimmer über ihren Hausaufgaben sitzen? Eher nicht. Das Rot strahle auf ihre Hefte ab und lenke sie “total ab“, sagten sie dem RGA.)

Beschwerdeführer Bernd Stürznagel (64) wird das Gesprächsangebot der beiden Steinhaus-Geschäftsführer Friedhelm Steinhaus und Beate Zentgraf sicherlich nicht abschlagen. Aber zu was soll es führen? Ein anderer Farbanstrich scheint für die Firma aus Image- und Kostengründen nicht infrage zu kommen. Andererseits machen sich die Anwohner nicht nur Sorgen um ihr Wohlbefinden, sondern auch um den Wert ihrer Eigentumswohnungen. „Mit diesem rosaroten Klotz vor der Haustür“ sei der Wert der Wohnungen auf jeden Fall gesunken. Ist das die Ausgangsbasis von Verhandlungen über eine finanzielle Entschädigung?

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Kommentare

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Harald Fetsch am :

Bei der Angelegenheit geht es nicht um die Farbgestaltung einer Fassade. Es geht um (Farb-, Licht-)Emissionen, die in den Lebensbereich Anderer hereinstrahlt. In etlichen Bereichen wird aktiv die Wirkung von Farben etwa in der Raumgestaltung genutzt, um gewünschte Wirkungen zu erzielen. Das Argument, dass sind unsere Traditionsfarben, ertragen Sie das einfach, kann da nicht ziehen. Falls keine gütliche, einsichtige Lösung erfolgen kann, ist zu klären, ob Eigentümer angrenzender Grundstücke vermeidbare negative Einwirkungen und Immissionen hinnehmen müssen.

Chronist am :

Das neue Lager der Firma Steinhaus an der Augustenstraße strahlt nach wie vor in aufdringlichem Rosa bis in die Wohnungen, sehr zum Ärger der Anwohner. Die gehen von einem Wertverlust ihrer Eigentumswohnungen von 30 Prozent aus – und wollen das am 5. Dezember auch Firmenchef Friedhelm Steinhaus sagen. Mit diesem haben sie den Gesprächstermin vereinbart mit dem Ziel eines neuen, weniger auffälligen Anstrichs. Wer den bezahlen soll, ist aber noch völlig unklar. Die Anwohner lehnen jede Beteiligung an den Kosten ab; genau davon geht aber die Firma aus. Das lässt eine langwierige Auseinandersetzung vermuten.

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