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Für einige Gäste war das Kottenbutteressen eine Premiere


Silvester 1963, also vor jetzt 53 Jahren, begründete der damaligen Stadtdirektor und Sozialdezernenten Dr. Hans Potyka, ohne es zu ahnen, in der Gaststätte Kotthaus an der ev. Kirche in Lüttringhausen die Tradition des Kottenbutteressens. „Es muss zumindest in den Anfangsjahren eine mehr oder weniger verschwiegene Männerrunde gewesen sein“, vermutete Peter Maar, der Vorsitzende des Heimatbundes Lüttringhausen, als er am Samstag im Saal der ev. Gemeinde am Ludwig-Steil-Platz rund 100 Lüttringhauser Bürgerinnen und Bürger zum Kottenbutteressen 2015 begrüßte, in der überwiegenden Zahl Männer. In einem Bericht über eines der ersten Treffen hatte damals der Lüttringhauser Anzeiger den damaligen Bundestagsabgeordneten Kurt Wüster mit den Worten zitiert, Lüttringhausen könne es sich nicht leisten, „in einen Dornröschenschlaf zu verfallen – oder auch nur den Anschein zu erwecken, es befinde sich in einem solchen Schlaf“. Peter Maar dazu am Samstag: „Der Heimatbund Lüttringhausen kann für sich behaupten, dass diese Mahnung ernst genommen wurde und der Heimatbund dafür gesorgt hat, dass die Bürgerinnen und Bürger Lüttringhausens in all den Jahren hellwach geblieben sind. Wer könnte dies besser bestätigen, als die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung im Remscheider Rathaus!“ Ein Bürgerverein im Dornröschenschlaf, von vielen Dornen und Rosen umschlungen, sei für den einen oder anderen Politiker vielleicht schön anzuschauen. Doch da wolle der Heimatbund doch „lieber der furchtlose Königssohn sein, der für unser Lüttringhausen im Dornengestrüpp kommunalpolitischer Auseinandersetzungen möglichst viele Dornen bei Seite räumt, sich dabei auch schon mal einige Kratzer einfängt aber letztlich sein Ziel erreicht“.

„Rosen ohne Dornen sind nicht zu haben“, fuhr Maar und blieb weiter „blumig“: „Für das vor uns liegende Jahr haben wir uns deshalb vorgenommen, erneut einen bunten Rosenstrauß zu binden. Dabei kommen für unsere Aktivitäten, mit denen wir uns in diesem Jahr überwiegend beliebt machen wollen, im Wesentlichen zwei Rosensorten zum Einsatz, und zwar die Sorten „Blühwunder“ und „Heimatmelodie“. Denn wer will schon bestreiten, dass der Heimatbund in Lüttringhausen immer wieder etwas zum Blühen bringt, was manchmal dann sogar an ein Wunder grenzt. Ein Wunder deshalb, weil die Obergärtner im Remscheider Rathaus dank klammer Kassen kein Geld für Rosendünger haben, aber die Lütterkuser dann die Düngung durch ihre Spendenfreudigkeit möglich machen. Und über die Sorte „Heimatmelodie“ müssen wir nicht näher reden, denn wer will dem Heimatbund seine eigene Heimatmelodie und Heimatliebe schon abstreiten.“

Zum Rosengebinde „Blühwunder“ und zur „Heimatmelodie“ zählte der Vorsitzende des Heimatbundes „das großartige Engagement des Kulturkreises im Heimatbund“, das „Aufblühen“ der historischen Denkmalanlage an der ev. Kirche und auch das des Umfeldes des Lüttringhauser Rathauses, ferner die Installation des Lüttringhauser Sternendorfes und der Lüttringhauser Kirchen – „seit Jahren kein Blühwunder, aber ein Beleuchtungswunder, das jetzt sogar in einer benachbarten kleineren Großstadt nachgeahmt werden soll. Wir sind gespannt und hoffnungsfroh, ob in Remscheid dann auch die Sterne leuchten, denn Wunder gibt es immer wieder – sogar in Remscheid.“

Eine besonders schöne Rose sei in diesem Jahr – symbolisch das 90jährige Bestehen des Heimatbundes. Der Vorstand habe lange überlegt, ob das ein Grund zum Feiern sein könnte. „Die Entscheidung hat uns dann die Stadt Remscheid abgenommen, denn wenn das krumme Jubiläum „85 Jahre Großstadt Remscheid“ gefeiert werden konnte, können wir doch erst recht 90 Jahre Heimatbund Lüttringhausen feiern!“ Allerdings nicht, wie in Remscheid, „mit einer Raubtierparade gefeiert wurde, sondern wir werden die Mäuse tanzen lassen“: Zum Jubiläum am 19. September werden die Bonner „Springmäuse“ ein Gastspiel geben und, so Maar, „sicherlich auch die Lokalprominenz auf die Schippe nehmen“.

Eine Premiere war das Kottenbutteressen für Thomas Neuhaus, den neuen Beigeordneten der Stadt Remscheid für Jugend, Soziales, Gesundheit, Sport und Bildung (rechts im Bild stehend). Auf der Fahrt nach Lüttringhausen habe seine Lebensgefährtin Ilka Brehmer (mit dabei auch Söhnchen Oskar, oben links im Bild) verraten, dass ihr Lüttringhausen „besser gefalle als Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“. Und das bezog Peter Maar natürlich sofort auf „die kleine Großstadt in der Nachbarschaft“ und bot Neuhaus an, bei der Wohnungssuche in Lüttringhausen (!!) behilflich zu sein (Gelächter im Saal), und überreichte ihm „für den Dienstgebrauch“ den neuen Bildband „Die schönsten Seiten von Lüttringhausen“, von dem der Heimatbund seit Erscheinen in der Vorweihnachtszeit schon rund 400 Exemplare hat verkauft  können. 

Geschickt nutzte Neuhaus die Gelegenheit, um den interessierten Bürgerinnen und Bürger sein komplexes Arbeitsfeld vorzustellen. Dazu gehören so kostspielige und schwierige Brocken wie die Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften und die Flüchtlingsbetreuung, aber auch der Remscheider Sport. Beruflich habe er mit Sport bisher noch nie etwas zu tun gehabt, räume Neuhaus ein. Aber von Amtsleiter Bernd Fiedler könne er zu dessen Pensionierung gewiss noch manches lernen. Und dann verriet der neue Sozialdezernent noch einen seiner Vorsätze für das neue Jahr und darüber hinaus: Dazu beizutragen, dass der eine oder andere Remscheider seinen auffälligen Pessimismus durch Optimismus ersetzt.

Erstmals als Stadtkämmerer nahm Sven Wiertz am Kottenbutteressen teil. Nur ein kurzes Raunen ging durch den Saal, als er die aktuelle Verschuldung der Stadt nannte: 623 Millionen Euro. Allein mit 108 Millionen Euro habe sich Remscheid an der deutschen Einheit beteiligen müssen ("Aufbau Ost"), finanziert ebenfalls durch Kredite. Für Otto Normalverbraucher sind Schulden im neunstelligen Bereich eher eine abstrakte Größe, für einen Kämmerer aber stets mit dem Damoklesschwert steigender Kreditzinsen verbunden. Und käme es dazu, so Wiertz, könne sich das für die Stadt katastrophal auswirken. Schon jetzt gehöre Remscheid zu den höchstverschuldeten Kommunen in ganz Deutschland. Da sei es sehr wichtig, in Berlin Lobbyarbeit zu leisten mit dem Ziel, die Finanzlage der Kommunen zu verbessern und die gesellschaftlichen Lasten besser zu verteilen. Sven Wiertz: „Die Städte brauchen wieder mehr Handlungsspielraum!“ Als konkretes Beispiel in Lüttringhausen nannte er den notwendigen Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses.

Die Entwicklung des ehemaligen Schulgeländes Eisernstein hatte zuvor bereits Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz als wichtige Aufgabe für 2015 genannt. Für ihn war das jüngste Kottenbutteressen das erste im neuen Amt als Stadtoberhaupt (in der Vergangenheit hatte er dort schon einige Male Beate Wilding vertreten). Sein Dank galt den vielen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern, speziell in der Flüchtlingshilfe.

Eingeladen hatte der Heimatbund auch Barbara Reul-Nocke, die neue Dezernentin für Ordnung, Sicherheit und Recht. Doch ihr kam eine private Verpflichtung dazwischen. Als „Bürgermeister einer benachbarten Kleinstadt“ begrüßte Peter Maar Markus Kötter, den Bezirksbürgermeister von Lennep. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass auch der Lüttringhauser Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller am Kottenbutteressen teilnahm; wie hätte „em Dorp“ es auch anders sein können. 

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