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Sportbund und Sportverwaltung reden über "gemeinsames Dach"

Draußen vor der RTV-Gaststätte an der Theodor-Körner-Straße war es kalt und nebelig-trübe, drinnen herrschte davon umso mehr eitel Sonnenschein. Denn die gemeinsame Sportwelt von Sportverwaltung, Sportvereinen und Sportbund Remscheid ist in Ordnung. Der „Pakt für den Sport“, von den Sportfunktionären bei der Politik nicht ohne Mühen durchgesetzt, wurde erst kürzlich um sechs Jahre verlängert. Und die Planung der neuen Sportanlagen in Hackenberg befinden sich auf einem guten Weg – dank eines „sehr kompetenten und innovativen Planungsbüros“, wie Reinhard Ulbrich, der Vorsitzende des Sportbundes, bei dessen gestrigen Neujahrsempfang vor zahlreichen Vertretern der Remscheider Sportvereine betonte. Überhaupt: Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung sei hervorragend – und das klare Bekenntnis von Politik und Verwaltung zum Junktim der beiden Bebauungsplanverfahren DOC und Stadion beruhigend. Ulbrich: „Der Sport hat bei diesem Projekt seine Ziele durchgesetzt!“ Und dann mit leicht ironischem Unterton: Selbstverständlich begrüße man die Forderung der neuen Vorstandsspitze des FCR Remscheid (gemeint war der Vorsitzende und Unternehmer - „kukko“ -  Michael Kleinbongartz), die Planung zu erweitern. Voraussetzung sei allerdings, dass das weltweit tätige Unternehmen aus seinem millionenschweren Werbeetat die Kosten übernehme. Wie das gehe, könne es bei  mit Nixdorf in Paderborn (Stiftung / Ahornpark) und Buderus in Wetzlar erfahren.

„Sportpolitik macht in Remscheid wieder Spaß“, fuhr Ulbrich fort und meinte damit den neu gegründeten Sportausschuss (durch den sei die „Zwangsehe mit dem Schulbereich“ aufgehoben worden, bemerkte später der neue Sportausschussvorsitzende Markus Kötter). Dazu hätten, so Ulbrich, “harte, aber faire Verhandlungen mit den Fraktionsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Wolf und Nettekoven geführt. Nicht zuletzt  dank der Unterstützung von Markus Kötter (CDU), „einer allgemeinen Kompromissbereitschaft und des sonnigen Wetters auf der Terrasse des Landtages wurde ein für beide Seiten akzeptiertes hervorragendes Ergebnis für den Sport in unserer Stadt erzielt. Man muss lange suchen in NRW, um einen Sportausschuss zu finden, dem mehr als aktive Sportler oder Sportfunktionäre angehören und Politiker, die dem Sport sehr zugetan sind. Anderswo kämpft der Sport um einen Sachkundigen Bürger in einem Ausschuss!“

Froh und dankbar zeigte sich der Vorsitzende des Sportbundes Remscheid auch dafür, dass „die in der Vergangenheit häufig vorhandene Sprachlosigkeit zwischen Sport und Politik durch eine konstruktive Partnerschaft abgelöst worden ist. Das macht Mut für unsere neuen Vorhaben, von denen wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, sie 2015 umzusetzen!“ Und da konnte er prompt zwei Vorhaben nennen, die sich der Sportbund für dieses Jahr vorgenommen hat:

Mehr Einfluss bei der Gestaltung der Sportangebote im Offenen Ganztag. Dort gebe es inzwischen zwar nahezu flächendeckend Sportangebote. Aber die Zusammenarbeit des Sportbundes mit dem größten OGS-Träger in Remscheid beschränke sich „auf buchhalterische Arbeiten und das Abschließen von Verträgen, und das zum Nulltarif!“ Leider seien „mehrere Gespräche über eine Verbesserung des für uns ausgesprochen unbefriedigenden Zustandes erfolglos“ verlaufen. Ulbrichs Forderung: „Da es Aufgabe des Sportbundes Remscheid ist, seine fachliche Kompetenz einzubringen und für die sportfachliche Qualifikation (u.a. Vorgaben des Landes) bei den Angeboten zu sorgen, muss er auch die Organisationskompetenz für die sportlichen Angebote haben!“ Diesbezüglich sei übrigens die Zusammenarbeit mit den wenigen kleinen Trägern problemlos.

Projekt Nr. 2: Eine noch engere Verzahnung von Sportbund und Sportverwaltung unter dem Arbeitstitel „Sportservice Remscheid“.  In diesem Zusammenhang sprach Ulbrich von dem „klassischen Trias-Modell: Sportausschuss, Sportverwaltung, Sportbund. Das aber sei „nicht in Stein gemeißelt“, zumal der neue Sportausschuss aufgrund seiner Zusammensetzung ganz anders arbeiten könne. „Wo man miteinander diskutiert und gemeinsam Entscheidungen fällen kann, ist effizientes Arbeiten programmiert. Wie viele langwierige Prozesse könnten entfallen, wenn Sportverwaltung und Sportbund nicht nur in einem Boot sitzen, sondern auch gemeinsam rudern und gemeinsam steuern?! Konkret: Sportverwaltung und Sportbund arbeiten gemeinsam unter einem Dach, gehen ihren originären Aufgaben nach, aber unterstützen und helfen sich gegenseitig. Doppelungen, unnötige Arbeitsschritte (Anrufe, Terminabstimmungen eigene Konzeptarbeiten) etc. werden vermieden. Anfragen beim Sportamt und anschließenden Beschwerden beim Sportbund erübrigen sich, weil der ‚Sportservice‘ kompetent und sachgerecht aus einer Hand angeboten wird und der Verweis auf Zuständigkeit des anderen entfällt.“ Diesen Weg sei beispielsweise bereits die Stadt Witten gegangen, und auch in Gelsenkirchen habe sich die „Gelsensport“-GmbH bewährt. Thomas Neuhaus verriet dazu, dass er der GmbH in Gelsenkirchen gemeinsam mit Ulbrich einen Informationsbesuch abgestattet habe, für ihn als Dortmunder und BVB-Fan eine „verbotene Stadt“ (Schalke). Eine gemeinsame GmbH zwischen Stadt und Sportbund sieht Neuhaus in Remscheid zwar nicht, aber die laufenden Gespräche könnten sehr wohl zu einem Konstrukt führen, „dass den Sport in Remscheid über Projekte und zusätzliche Mittelakquise voranbringt – auch bezogen auf Inklusion, Integration und Flüchtlingshilfe. Gerne auch unter einem gemeinsamen Dach!“ Zuversichtlich äußerte sich dazu auch Reinhard Ulbrich: „Der OB, der Dezernent, Politik und Sportbund sind in sehr guten Gesprächen, um ein Kooperationsmodell zu entwickeln, das für die wachsende gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports ein notwendiges, weil sicheres Fundament sein kann!“

Für den sportlichen Rückblick war bei diesem Neujahrsempfang Daniela Hannemann zuständig, die Geschäftsführerin des Sportbundes Remscheid (sie verwies auf die tatkräftige ehrenamtliche Unterstützung der Sportjugend), für hintergründige Verse von Joachim Ringelnatz („Turngedichte“) der Kabarettist und Ex-Remscheider Joe Fass. Unter den Zuhörern Stadtkämmerer Sven Wiertz, der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf, EWR-Geschäftsführer Dr. Thomas Hoffmann, Bürgermeister David Schichel und Sportamtsleiter Bernd Fiedler. Er geht Ende Mai in den Ruhestand, was Reinhard Ulbrich und Thomas Neuhaus gleichermaßen bedauerten. „Ruhestand? Der ist doch noch topfit“, scherzte Burkhard Mast-Weisz.

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Chronist am :

Nun der zweite Auftritt von Joe Fass in seinem alten alten Wirkungskreis Remscheid: Aus Anlass seines 100. Todesjahr hat die Remscheider SPD den Tucholsky-Rezitator gewinnen können und lädt für Freitagabend, 19. Juni, um 19 Uhr zu einer Tucholsky-Lesung ins Café Grah in der Altstadt in Lennep, Wetterauer Straße 5 ein. Joe Faß war zwischen den 1970er und 1990er Jahren als Gewerkschafter und SPD-Lokalpolitiker in Remscheid tätig. Als Mitbegründer des örtlichen „VEB-Cabaret WC“ Anfang der 1980er Jahre lernte er damals Kurt Tucholsky und sein Werk kennen, das ihn bis heute fasziniert.

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