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Die Stadt allein wird "Haus Cleff" nicht retten können

Ohne eine schlüssige Museumskonzeption wird das ehemalige Remscheider Heimatmuseum „Haus Cleff“, das bereits seit Herbst 2013 geschlossen ist, keine Zukunft haben. Dann heißt es, man müsse das Haus konservieren, bis vielleicht von irgendwoher ein reicher Sponsor kommt.  Drei Millionen wird die Sanierung des bergischen Patrizierhauses  aller Wahrscheinlichkeit nach kosten. Was sich in dem Haus auf drei Etagen mit insgesamt 750 Quadratmeter an Museumsgütern präsentieren lässt, kann erst entschieden werden, wenn die Statik geprüft ist. Der Dipl.-Restaurator Gereon Lindlar hat im Auftrag der Stadt festgestellt, dass sich der Fußboden in der ersten Etage im mittleren Raum zwischen den beiden Haushälften um 15 Zentimeter gesenkt hat. Ob auch heute noch das Wasser aus einer Quelle weiter oberhalb unter dem Fundament des Hauses wie früher durchgeleitet wird, weiß gegenwärtig niemand zu sagen. Nicht ausgeschlossen, dass die Rohrleitung undicht ist und das Wasser einen Teil des Bodens ausgewaschen hat, so dass sich der Mittelteil des Hauses absenkte. Die Ursache für einen anderen Schaden im Obergeschoss ist leichter erkennbar:  In einem Raum ist ein tragender Balken im Fußboden so schwach, dass der Gutachter davor warnt, eine ganze Schulklasse auf einmal dort durchzuführen. Oder im Erdgeschoss: Dort liegt es an fehlendem Holzständerwerk, dass sich im Erdgeschoss eine Zwischenmauer samt Türfüllung deutlich nach außen wölbt. Wie hoch der Schaden an dem Fachwerkhaus insgesamt ist, wird sich erst herausstellen, wenn die Außenverkleidung des Hauses entfernt und das Mobiliar komplett ausgelagert ist. Die Schäden im Fußboden des Erdgeschosses, den gefräßige Käfer angerichtet haben, liegen bei 800.000 Euro. Fest steht: Die geschätzten Gesamtkosten von drei Millionen Euro übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Remscheid bei weitem. Im Haushalt der Stadt Remscheid stehen für die Schadensbehebung über zwei Jahre lediglich 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die fehlende Summe muss über Förderanträge und/ oder Sponsoren hereinkommen. Beides ist mit vielen Fragezeichen verbunden.

Das sind die nächsten Schritte:

aus der Pressekonferenz

  • Ein neues Museumskonzept muss her, damit die Förderanträge an das Land und die Europäische Union, die auf diesem Konzept basieren, gestellt werden können.
  • Beginnen kann die Restaurierung aber erst, wenn die Zuschussanträge genehmigt sind.

Wie schlecht es um „Haus Cleff“ bestellt ist, erläuterten gestern auf einer Pressekonferenz im benachbarten Werkzeugmuseum Stadtdirektor Dr. Christian Henkelmann, Stadtkämmerer Sven Wiertz und Thomas Judt vom städtischen Gebäudemanagement. Als Sachverständige nahmen Gereon Lindlar und der Remscheider Architekt Christof Welke teil (siehe Video rechts auf YouTube). Nachfolgend die schriftliche Stellungnahme der Stadtverwaltung zur aktuellen Schadenskartierung des historischen Gebäudes „Haus Cleff“:

„Nachdem im Spätsommer 2013 an den mit Linoleum abgedeckten Böden im Erdgeschoß des Hauses Cleff Insekten-Ausfluglöcher entdeckt wurden, wurde eine Begutachtung dieser Schäden in Auftrag gegeben. Letztendlich endete diese in einer Kostenschätzung, die sich auf ca. 800.000 € beläuft. Diese ca. 800.000 € beinhalten jedoch lediglich die Reparatur der vorhanden Schäden im Erdgeschoß. Sowohl die Stadtspitze als auch die Politiker Remscheids haben sich in großer Zahl für den Erhalt des überregional bedeutsamen, unter Denkmalschutz stehenden Rokokogebäudes, ausgesprochen. Damit man sich durch die Reparatur, die massive Eingriffe in die Gebäudesubstanz notwendig macht, keine Chancen für eine zukünftig zu ändernde Nutzung verbaut, wurde ein Arbeitskreis aus Verwaltung und Politik gebildet, der eine zukunftsorientierte Neukonzeption erarbeiten soll. Diese Neukonzeption soll das gesamte Gebäude einschließen. Um für eventuelle Veränderungen der oberen Räumlichkeiten gewappnet zu sein wurde im Dezember 2014 vom Verwaltungsvorstand eine Schadenskartierung für das gesamte Objekt in Auftrag gegeben. Nach derzeitigem Stand sind folgenden Renovierungsphasen bekannt.

  • nach 1883 (vermutlich um 1900): Einbau von Linoleum-Belägen im Erdgeschoß
  • Anfang des 20. Jahrhundert: Einbau Gas- und Wasserinstallation, Zentralheizung
  • nach 1927: (Umbau) Einrichtung des Heimatmuseums
  • vermutlich 1950er Jahre: Erneuerungen einiger Deckenuntersichten als Rabitzkonstruktion, vermutlich auch Erneuerung der Schieferdeckung der Fassade und des Daches
  • 1975: Einrichtung Hasenclever Ausstellung, in diesem Zuge statische Überprüfung der Deckentragfähigkeit, Verstärkung der Decken und Ausgleich unebener Dielenböden mit Spanplatten , Renovie­rung Innenräume, Erneuerung Tapeten, Erneuerung der Elektroinstallation, Fassadenanstrich Holz
  • 1980er Jahre: Neugestaltung der Außenanlagen um Haus Cleff, in diesem Zuge Kanalarbeiten vor dem Haus im Bereich der Treppenanlagen
  • Um 2005: Einrichtung der Ausstellung zum Werk des Graphikers Gerd Arntz (statische Prüfung und Verstärkung der Decken in diesem Bereich)
  • 2005: Aufnahme und Vermessung des Gebäudes durch FH Köln
  • •2010: Überarbeitung des Brandschutzkonzeptes
  • •2003 bis 2012: abschnittweise Restaurierung der Holzfassaden und Fenster
  • Außerdem gab es immer wieder Kleinreparaturen am Gebäude.

Aufgrund des vorliegenden alten Schadens im Erdgeschoß sowie weitergehender struktureller Verformungen des gesamten Gebäudes, für die es zurzeit noch keine Erklärung gibt, wurde das Büro für Restaurierungsberatung, Dipl. Rest. (FH) Gereon Lindlar, im Dezember 2014 mit der weitergehenden Untersuchung des Gebäudes beauftragt. Herr Lindlar hat die Untersuchung gemeinsam mit Dipl.-Ing. (FH) Architekt BDA Christoph Welke, der auch schon bei der Schadensermittlung 2013 involviert war, durchgeführt. Die Begutachtung erfolgte raumweise durch sorgfältige augenscheinliche Begutachtung. Wo es möglich war, wurden kleinere Öffnungen z.B. des Bodens erstellt. Die Schäden wurden raumweise kartiert. Die Kosten für die Gesamtinstandsetzung des Gebäudes wurden mit 2.950.000 € geschätzt. Derzeit stehen im Haushalt insgesamt 1.200.000 € über zwei Jahre zur Verfügung.

Um diese Kosten verifizieren zu können muss das Gebäude zeitnah ausgeräumt werden. Es müssen dann im großen Umfang Bauteile geöffnet werden um die statische Situation beurteilen zu können. Nach derzeiti­gem Kenntnisstand müssen alle Oberflächen und Bauteile im Rahmen der anstehenden Sanierung angefasst werden. Die Sanierung muss in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde durchgeführt werden. Die Kostenschätzung für das Instandsetzungskonzept enthält in hohem Maße zu erwartende Maßnahmen zur statischen Ertüchtigung (Balkenaustausch und Verstärkung). Als weitere Schritte sind parallel zur Räumung des Gebäudes, die Erstellung eines Nutzungskonzeptes für das Haus Cleff, die notwendigen statischen Untersuchungen und die Beschaffung der notwendigen Geldmittel, durch zu führen. Am vergangenen Samstag wurden Ratsvertreter vor Ort über die Ergebnisse der Schadenskartierung informiert.“

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Kommentare

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Wilhelm Wunderlich am :

Für mich ein weiteres trauriges Kapitel der über Jahre (Jahrzehnte?) vernachlässigten Pflege städtischer Gebäude (neben Haus Cleef gehören für mich dazu die Musik- und Kunstschule, die Stadtgalerie, Kindergärten und Schulen und ....). Wird man denn erst wach, wenn das Kind total in den Brunnen gefallen ist? Sitzt man nur am Schreibtisch und hat keinen vor Ort, der rechtzeitig den Zeigefinger hebt? Oder ignoriert man einfach den Zeigefinger und legt den Vorgang auf lange Frist? Sind da denn immer noch "'Schläfer" im personalreduzierten Rathaus zu finden?

Chronist am :

Bei "nur" 800.000 Euro Schaden durch Käferfraß führt die Überschrift "Käfer fressen Millionen Euro" der Bergischn Morgenpost in die falsche Richtung.

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