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Verschandeltes Mahnmal im Stadtpark zieht die Blicke auf sich

„Weiß überhaupt noch jemand etwas mit dem Begriff ‚Märzgefallene‘ anfangen? Bei allen aktuellen Kriegsschauplätzen scheint längst vergessen, dass auch in Remscheid einmal Menschen für Freiheit und Demokratie gekämpft haben und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten“, schreibt Ulla Wilberg. Die Remscheider, die gerne im Stadtpark spazieren geht, meint damit die steinerne Skulptur, die dort  "den Kämpfern für die Freiheit, den Verfechtern der Demokratie" gewidmet ist, Kämpfern in den jungen Jahren der Weimarer Republik. „Deren Andenken wird das Mahnmal aber längst nicht mehr gerecht“, ärgert sich Ulla Wilberg. „Der Zustand Denkmals ist beschämend. Es ist seit langem von Grünspan bedeckt und mit Farben beschmiert. Die Schrift ist kaum noch zu lesen!“ (Und ein unbekannter Graffiti-Sprayer hat den Stein durch rote "Rotzbremse" und Vampiraugen verschandelt, wie der Waterbölles schon vor einem Jahr monierte.)

Da in den letzten Jahren im Stadtpark viele Bäume gefällt wurden, ist das Denkmal nicht zu übersehen und zieht sofort die Blicke der Spaziergänger auf sich. „Keine gute Visitenkarte für die Stadt Remscheid!“, meint Ulla Wilberg und würde sich freuen, „wenn das Denkmal wieder in einen angemessenen Zustand gebracht würde. Zumindest sollten wir im März ein Paar Blumen dort niederlegen.“

Wie Jörg Schubert, Leiter des städtischen Fachdienstes Bauen, Vermessung, auf Anfrage mitteilte, handelt es sich bei dem „Märzgefallenen-Denkmal“ von 1950 um kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes NRW. Das ursprüngliche Denkmal sei im Jahre 1923 eigeweiht, dann aber von den Nationalsozialisten, der SA, im April 1933 zerstört worden.

Siehe auch die nachfolgenden Artikel im Waterbölles:

"Die Arbeiter waren selbstbewusst und kampfbereit!"

Beteiligt am demokratischen Wiederaufbau der Stadt

Erbitterte Kämpfe beim Kapp-Putsch vor 90 Jahren

Zum 120. Geburtstag des "Stadtarztes" Friedrich Wolf

Infos zu den Märzgefallenen: Am 13. März 1920 vertrieb der konterrevolutionäre Putsch unter der Leitung von Kapp und Lüttwitz, gestützt auf Freikorps und Teile der Reichswehr, die sozialdemokratische Regierung aus Berlin. Im Ruhrgebiet war die Erbitterung der Arbeiter gegenüber den Reichswehrtruppen besonders groß, seitdem diese auf Wunsch der Unternehmensleitungen seit Anfang 1919 in vielen Orten Standquartier bezogen und den radikalen Arbeitern in Streiks und Demonstrationen blutige Auseinandersetzungen geliefert hatten. Auch in Remscheid kam es im März 1920 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen bürgerlichen Freiwilligenverbänden, Freicorps, Reichswehrangehörigen und lokalen bewaffneten Arbeiterverbänden. Für die mehr als 50 Toten der bürgerlichen und für die mehr als 20 Toten der örtlichen kommunistischen Teilnehmer an diesen Kämpfen finden sich Mahnmale in Reinshagen und im Stadtpark. (nach Wikipedia)

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Die Farbschmierereien auf den Denkmälern im Stadtpark kritisierte gestern im Bauausschuss Fritz Beinersdorf von den Linken. An einigen Stellen sei auch Fugenmörtel herausgefallen und lasse nach den nächsten Frost größere Schäden befürchten. „Das kann man so nicht lassen, da muss sich die Verwaltung drum kümmern!“

Chronist am :

Im Bauausschuss beantwortete die Verwaltung heute eine Anfrage der CDU-Fraktion zum öffentlichen Denkmalschutz in Remscheid. Gedenksteinen, Plastiken oder Obelisken Vandalismus-Schäden, bspw. Schmierereien mit volksverhetzendem oder menschenverachtendem Inhalt, umgehend entfernt. Einige Denkmale seien jedoch durch ihre Baumaterialien und deren Oberflächen sehr schwierig zu reinigen bzw. zu unterhalten. „Hierfür ist derzeit kein Budget vorhanden. (...) In Ausnahmefällen, wie dem Denkmal an der Evangelischen Kirche in Lüttringhausen, kann ein Denkmal durch Spenden instandgesetzt und aufgefrischt werden“, heißt es in der Vorlage.

Chronist am :

Im Ausschuss für Stadtentwicklung regte Jens Peter Nettekoven (CDU) gestern an, im städtischen Etat mehr Geld für den Erhalt der örtlichen Denkmäler zur Verfügung zu stellen.

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