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Magisterarbeit zur Teichsanierung fließt in Vorlage ein

„Das ist kein Gewässer mehr, das ist ein Bio-Reaktor!“, zitierte der Waterbölles am 10. September 2014 Michael Zirngiebl, den Chef der Technischen Betriebe Remscheid (TBR). Damit war der Stadtparkteich gemeint, seit Jahren mehr eine Kloake als ein Platz zur Naherholung. Weil dort seit der Anlage des Gewässers Anfang der vorigen Jahrhunderts Generationen von Remscheidern an Generationen von Enten „die Jahresproduktion von zwei Brotfabriken verfüttert haben“. So Zirngiebl, immer gut für einen markigen Spruch, in der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid. Und auch diesmal brachte er das Problem auf den Punkt. Denn ohne die falsche Tierliebe der Menschen wäre der Teich vielleicht heute noch ein echtes Biotop. So aber gediehen die Enten vom Brot prächtig und trugen mit ihren Ausscheidungen (Kohlenwasserstoffe) entscheidend zum Tod des Gewässers bei, die große Population von Schildkröten nicht zu vergessen (siehe auch „Trockenes Brot mögen nicht nur Enten, sondern auch Ratten“). In jedem Liter Wasser sind 2.500 Mikrogramm Phosphat enthalten. Zirngiebl: „Das ist eine hochgradige Überdüngung, das Fünffache dessen, was Biologen normalerweise als Spitzenwert bezeichnen!“

Inzwischen ist die Schadstoffbelastung im gerade mal 20 Zentimeter tiefen Wasser (früher 1,60 Zentimeter) und in der 60 Zentimeter dicken Schlammschicht darunter so hoch, dass darin keine Fische überleben könnten und die Entsorgung des Schlamms auf einer normalen Deponie nicht möglich wäre. Insgesamt liegen in dem nur noch 2.460 Quadratmeter großen Teich rund 880 Kubikmeter Nass-Schlamm.

Über den inzwischen instandgesetzten Grundablass könnte das Wasser ablaufen. Dann ließe sich der Schlamm im Laufe eines Jahres entwässern, bis er stichfest wäre. Die verbleibenden 715 Tonnen Schlamm könnten dann ausgehoben (neue Wassertiefe 1,15 Meter) und zu einer speziellen  Entsorgungsanlage nach Leverkusen transportiert werden. Die Entsorgungskosten dort: 50 Euro die Tonne. Macht zusammen 35.750 Euro. Viel Geld, aber nur elf Prozent des Geldes, das insgesamt für die Sanierung des Teiches aufgebracht werden müsste. Denn um den Teichdamm wieder dicht zu machen – der ist derzeit so löchrig wie ein Schweizer Käse und lässt täglich 30 Kubikmeter Wasser durch – müsste er ebenso wie der gesamte Teichboden mit Ton oder festem Lehm abgedeckt werden (Kosten: 160.263 €). Und um ein ständiges Auffüllen mit Trinkwasser zu vermeiden – jährliche Kosten 35.000 Euro – müsste das Regenwasser auf dem Dach des benachbarten Trinkwasserbehältern der Stadtwerke aufgefangen und in den Teich geleitet werden (Kosten für eine Leitung von 24 Metern Länge: ca. 4.800 €). Kurz: Die Gesamtkosten dieser Sanierung beliefen sich auf 320.533 Euro.

Diese Rechnung macht Susanne Gebauer, Studentin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, auf – in ihrer Masterarbeit „Die Sanierung eines Teiches in einem städtischen Gebiet“, für die sie von ihrem Professor kürzlich die Note 1,2 bekam. Und von Bezirksbürgermeister Otto Mähler gestern ein dickes Lob: „Sehr gute Arbeit!“ Persönlich anwesend war Susanne Gebauer nicht (in Urlaub in Südamerika), dafür aber gut vertreten durch Dr. Marlene Liebeskind vom Wupperverband, dessen Abwasserlabor in den vergangenen Monaten die Wasser-, Schlamm- und Bodenproben der Aachener Studentin ausgewertet hatte.

Woher die Teerrückstände im Teichwasser und insbesondere im Schlamm stammen, steht in der Magisterarbeit nicht. Hier konnte Michael Zirngiebl, der daraus gestern referierte, nur vermuten: „Die können aus der Dachpappe stammen, mit der früher die Stadtparkhalle neben dem Teich (Foto rechts) gedeckt war! Das Regenwasser wurde damals vom Dach der Halle in den Teich geleitet, ebenso wie aus der Drainage der Tennisplätze auf der anderen Teichseite!“ Nachdem die Halle abgerissen worden war  – dort befindet sich jetzt der Wasserbunker – musste regelmäßig Wasser aus der Trinkwasserleitung in den Teich gefüllt werden, damit er nicht austrocknete. Das stellte die Stadt vor 15 Jahren aus Kostengründen ein – und rief die Feuerwehr nur noch in Ausnahmefällen zu Hilfe.

Hans Gerd Göbert (Seniorenbeirat) erinnerte gestern an den Vorschlag der W.i.R., den Teich verlanden zu lassen, „weil alles andere zu teuer wäre“. Man könnte Stege durch das entstehende Moor führen, um den Spaziergängern die wachsende Artenvielfalt besser zeigen zu können. Doch die Mitglieder der Bezirksvertretung tendierten doch einer zu dem Versuch, sich um eine Sanierung des Teiches in der von Susanne Gebauer vorgeschlagenen Art zu bemühen. Michael Zirngiebl hat da schon eine Idee: Er denkt im Rahmen der regionalen Strukturförderung der EU („Grün in die Stadt“) an einen Förderantrag. Würde dem stattgegeben, hätte die Stadt Remscheid „nur“ einen Eigenanteil von 20 Prozent zu tragen. Dieser Antrag, so Zirngiebl, würde nicht nur den Teich, sondern den gesamten Stadtpark neben Eingangsbereich (Foto links / früher die alleeartige Verlängerung von Allee- und Martin-Luther-Straße) betreffen sowie die alte Stadtgärtnerei und die alte Rollschuhbahn. Das Problem dabei: Ob die Fördergelder fließen, könnte sich unter Umständen erst in fünf Jahren herausstellen. Beatrice Schlieper: „Dann ist der Teich doch längst verlandet!“ Nach den bislang ungenannten Folgekosten der Teichsanierung fragte Gabriele Lipka, die Vorsitzende des Remscheider Landschaftsbeirates. Antwort von Michael Zirngiebl mit einem Augenzwinkern: „Die Lösung mancher Probleme muss man auch künftigen Generationen überlassen.“

Einstimmig beschlossen wurde schließlich, die Verwaltung zu einer Vorlage aufzufordern, in der die Sanierung des Stadtparkteiches in zeitlichen Einzelschritten unter Angabe der jeweiligen Kosten beschrieben werde. Vor der Sitzung hatte die CDU darauf aufmerksam gemacht, dass der Stadtpark eine Schenkung an die Bürger dieser Stadt gewesen sei; folglich stehe die Stadt in der Pflicht, den dazugehörigen Teich zu pflegen und zu erhalten. Doch dem hatte Michael Zirngiebl widersprochen: Zum Zeitpunkt der Schenkung hat es den Teich noch gar nicht gegeben (siehe Planskizze rechts). Der sei erst – zusammen mit der Stadtparkhalle – Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, „kann also nicht Bestandteil des Schenkungsvertrages gewesen sein!“

Übrigens: Eine Bedingung für die langfristige Sanierung des Teiches laut Masterarbeit von Susanne Gebauer war den Mitgliedern der Bezirksvertretung gestern keine Erwähnung wert: Ein „konsequent überwachtes Fütterungsverbot!“ Als wäre das das Einfachste von der Welt.

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Edda und Hans Gerd Göbert am :

Als ehemalige Mitglieder des RTV-Tennisclubs am Stadtpark bedarf es an dieser Stelle doch ein paar Klarstellungen: Die Entwässerung der Tennisplätze führte nicht in den Teich, sondern über einen Abwasseranschluss der Tennisanlage. Die Plätze 1 und 2 lagen ca. 1,50 tiefer unter dem Rundweg um den Teich und mussten von dort über eine kleine Treppe erreicht werden. Der etwas höher gelegene Platz 3 entwässerte in 1 und 2 und von dort in den Abfluss des Tennisheimes. Dieser wiederum in den Kanal an der Parkstraße. Was uns einerseits wundert, andererseits aber sehr beruhigt, ist die Tatsache, dass nicht unzählige Nukleide (atomare Rückstände) gefunden wurden, die nach zahlreichen Mutmaßungen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz in der Stockder Straße immer im Stadtpark vermutet wurden. Es ist ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Masterarbeit, dass so etwas nun endlich an dieser Stelle ausgeschlossen werden kann. Der Vorschlag der W.i.R. beinhaltete den Anschluss der Dachentwässerung, jedoch nicht die kontrollierte Verlandung mit Offenhaltung einer kleinen fjordartigen Freifläche, die den Stinthengst beherbergen und über einen kleinen Steg auch Besuchern wie Schulklassen Einblick in die entstehende Artenvielfalt gewähren könnte. Das war eine gemeinsame Idee von Herrn Zirngiebl und den Verfassern. Er wird uns da bestimmt nicht widersprechen wollen. Was auf lange Sicht zwangsläufig geschehen wird: Der Teich wird langsam wieder verlanden, die Randvegetation wird wieder zunehmen, Enten und Schildkröten kehren zurück und vielleicht sogar die Ratten. Wer soll denn wohl Tag und Nacht dort den Park- und Teichwächter spielen, um das generelle Fütterungsverbot zu überwachen? Also werden die Remscheider wieder ihre Enten füttern wie die Tauben auf der Allee ,und so setzt sich dann der Prozess im Laufe von Jahrzehnten immer wieder fort. In der Vegetation einer Verlandung finden die Enten zunächst reichlich Futter. Sie würden aber später auf der kleiner werdenden Wasserfläche keinen Raum mehr für wachsende Entenfamilien finden und abwandern. Dass die Remscheider Bürger dann nicht mehr ihre ehemals geliebte Eislauf-fläche vorfinden, die alleine der Klimawandel unmöglich erscheinen lässt, wäre sicher hinnehmbar.

Chronist am :

Von Beschwerden über Verunreinigungen und Überreste (Glas) von nächtlichen Feiern im Umfeld des Stadtparkteichs berichtete heute in der Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Remscheid Bezirksbürgermeister Otto Mähler.

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